Reduktion des Keimdrucks

Das Bild zeigt einen weiß gekachelten Raum, in dem von einer Person in Arbeitskleidung mit Schürze und Gummistiefeln, die trächtigen Sauen abgeduscht werden.zum Vergrößern anklicken
Sauendusche vor dem Abferkelbereich

Stallhygiene ist ein wesentlicher Faktor für die Tiergesundheit. Durch die gründliche Reinigung der Sauen kann z. B. der Eintrag von Krankheitserregern in den sensiblen Abferkelbereich vermindert werden

Quelle: Foto: top agrar

Inhaltsverzeichnis

 

Interne Biosicherheit durch gute Stallhygiene

In der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung besteht z. B. ein starker Zusammenhang zwischen hygienischen Bedingungen und dem Auftreten von Magen-Darm-Erkrankungen. Krankheiten, wie Eutererkrankungen oder Lahmheit bei Rindern und Milchkühen sowie Atemwegs- und Harnwegserkrankungen bei Schweinen, können durch einen guten Hygienezustand vermieden werden. Reinigung und Desinfektion als prophylaktische Maßnahmen reduzieren den Infektionsdruck. Dies wiederum verringert den Einsatz von Tierarzneimitteln. Auch die Verschleppungen resistenter Mikroorganismen wird vermieden. Verschiedene Maßnahmen sind geeignet, die Verschleppung und Verbreitung von Krankheitserregern innerhalb eines Betriebes zu verringern.

Reinigung des Stalls für gesunde Tiere

Saubere, trockene Stallungen sind eine Grundvoraussetzung für gesunde Tiere. Der regelmäßigen Reinigung und strikten Einhaltung der Reinigungsprotokolle kommt eine besondere Bedeutung zu. So sollten Tierkontaktoberflächen und Gerätschaften regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden, um die Zahl der Mikroorganismen und die Übertragung von krankmachenden Erregern zu reduzieren.

Die bauliche Gestaltung ist wichtig, damit Exkremente optimal abgeleitet werden. Glatte Oberflächen tragen maßgeblich zum Reinigungserfolg bei. So ist Kunststoff besser geeignet als Holz (siehe: Krankheitsvermeidende Haltungsbedingungen für Nutztiere). Zudem muss speziell im Liegebereich die Einstreu regelmäßig nachgestreut und ausgetauscht werden, damit sie Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die Fütterungshygiene, bei Futterlagerung, Trögen oder Tränkeinrichtungen, muss ebenso eingehalten werden (siehe: Tränkwasserversorgung im Stall und Optimale Fütterung).

Desinfektion bei hohen Temperaturen und mit langen Einwirkzeiten kann dazu beitragen, mit weniger Desinfektionsmittel eine ähnliche Wirkung zu erzielen, wie mit größeren Mengen Desinfektionsmittel. Entscheidend für den Erfolg der Desinfektion ist allerdings, die Einhaltung der produktbezogenen Gebrauchsanleitung des verwendeten Desinfektionsmittels sowie die Einhaltung der empfohlenen Trocknungszeiten. Bei der Reinigung und Desinfektion von Buchten oder Ställen empfiehlt es sich von oben nach unten, also von den Wänden zum Boden, vorzugehen. Trog und Tränke sollten mit einem geeigneten Ablauf ausgestattet sein, damit nach der Reinigung keine Rückstände von Desinfektions- oder Reinigungswasser verbleiben.

Optimierte Arbeitsabläufe reduzieren Keimübertragungen

Optimierte innerbetriebliche Arbeitsprozesse vermindern die Verschleppung von Krankheitserregern. Da Jungtiere häufig weniger Kontakt mit Krankheitserregern haben als Alttiere, vermindert die Arbeitsrichtung von jung zu alt die Übertragung. Eine Hygieneschleuse zwischen den Stallbereichen verhindert die betriebsinterne Weitergabe von Krankheitserregern. Eine Arbeitsrichtung von jung zu alt, also zum Beispiel von den Sauen im Abferkelstall, über die Ferkelzucht zur Mast und zum Schluss zum Krankenstall, bietet sich an. Die strikte Anwendung des Rein-Raus-Verfahrens verhindert Keimverschleppungen zwischen schlachtreifen Tieren und neu hinzukommenden Jungtieren. Besonders sensibel ist z.B. der Abferkelbereich. Die gründliche Reinigung der Sauen in den sogenannten Sauenduschen vor der Umstallung in den Abferkelbereich kann helfen, den Keimeintrag zu reduzieren. Nach einem Zukauf von Jungsauen können diese zusätzlich durch Quarantäne an den Stand gewöhnt und der Keimeintrag reduziert werden. (siehe: Umweltaspekte bei Verabreichung von Tierarzneimitteln, Abschnitt: Verschleppung von Tierarzneimitteln vermeiden)

Zur Vermeidung von Mastitis und Förderung der Eutergesundheit tragen alle Hygienemaßnahmen bei, die der Vermeidung von Keimübertragungen von Kuh zu Kuh dienen. Dazu zählt die sorgfältige Reinigung und Desinfektion des Melkzeuges und die Bereitstellung sauberer und trockener Liegeflächen. Durch sorgfältige Tierbeobachtung und aufmerksames Vormelken kann zusätzlich die Früherkennungsrate verbessert werden. Tiere mit einer subklinischen Mastitis können so frühzeitig separiert und zuletzt gemolken werden. Dies verringert den Keimdruck für die gesunden Kühe. Auch bei der Geburtshilfe müssen einwandfreie hygienische Bedingungen sichergestellt werden.

Sauberkeit von Tieren und Personal verringert den Keimdruck effektiv

Tier- und Personalhygienemaßnahmen verbessern den Gesundheitszustand besonders effektiv (siehe auch: Dohmen, W., Neijenhuis, F., Hogeveen, H. (2010). Relationship between udder health and hygiene on farms with an automatic milking system. Journal of Dairy Science, 93, 4019-4033). Durch Hygieneberatungen und Schulungen von Tierhaltern/ -halterinnen, Beratern/ -innen und Bestandstierärztinnen/-ärzten kann die Tiergesundheit und dadurch die Leistungen der Tiere verbessert werden (siehe auch:  Boelhauve, M. (2015). RE: Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Tierhygiene und zur Prävention von Tierseuchen in schweinehaltenden Betrieben in NRW.). Um Hygienemaßnahmen wirksam zu gestalten, sollten Landwirtinnen/-wirte und Tierärztinnen/-ärzte zusammen einzelbetriebliche Hygienemaßnahmenpläne erstellen und diese in das Gesundheitsmonitoring integrieren (siehe: Erweitertes Gesundheitsmonitoring in der Tierproduktion).

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Erhöhung der externen Biosicherheit

Auch wenn der Hygienestatus eines Betriebs bereits optimiert ist, können Krankheitserreger von außen durch Menschen oder Tiere eingebracht werden.

Menschen als Krankheitsüberträger

Schleusen und Umkleideräume mit Waschmöglichkeiten für Arbeitskräfte sind wichtig. Erfolgt in den Hygieneschleusen der Wechsel in die betriebseigene Schutzkleidung, wird der Eintrag von Erregern aus anderen Ställen oder der Umwelt vermieden. Da Personen z.B. aus den Bereichen Tiermedizin, Milchkontrolle oder Futtermittelhandel, viele Ställe nacheinander besuchen, sind sie häufig Überträger von Krankheitserregern. Dies gilt insbesondere, wenn sie zuvor Risikobereiche oder andere Betriebe besucht haben. Einduschen oder Regelungen zu tierkontaktfreien Zeiten helfen, das Risiko der Krankheitsübertragung zu verringern. Betriebsfremde Personen sollten nur in Ausnahmefällen den Stall betreten und beim Besuch des Stalles Einwegschutzkleidung tragen. Zusätzlich können zwischen verschiedenen Gebäudeeinheiten Fußmatten zur Stiefeldesinfektion genutzt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Fußmatten nicht eintrocknen oder umgangen werden.

Tiere als Krankheitsüberträger

Produktionsfremde Tiere sollten vom Nutztierbestand ferngehalten werden. Dazu gehört, Haustieren keinen Zutritt zum Stall zu gewähren, und den Zugang für produktionsfremde Tiere durch Zäune, Windschutznetze oder Tore zu erschweren. Da Fliegen oder Schadnager Überträger von Infektionskrankheiten sind, müssen sie im Stall konsequent bekämpft werden.

Damit der Bestand nur „bekannten“ Krankheitserregern ausgesetzt wird und weniger Belastung erfährt, sollten die Jungtiere bevorzugt im eigenen Betrieb erzeugt werden. Ist dies nicht möglich, sollten Jungtiere nur von wenigen Lieferbetrieben mit bekanntem Gesundheitsstatus bezogen werden. Bei Lieferengpässen kann es vorteilhaft sein, mit dem Bezug von Jungtieren zu warten, bis die Lieferung von einem oder wenigen Zuchtbetrieben erfolgen kann. Studien in der Schweineproduktion ergaben, dass sich die tägliche Gewichtszunahme und die Futterverwertung von Masttieren erhöht, wenn die Mäster/-innen geschult waren, geeignete Ferkellieferanten mit geprüftem Gesundheitsstatus auszuwählen.

Infektionsgefahr beim Tiertransport

Der Transport stellt ein weiteres Infektionsrisiko dar. Jungtiere und schlachtreife Tiere dürfen nicht gleichzeitig transportiert werden. Nach jedem Tiertransport muss eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Transporter stattfinden. Bei gemischt genutzten Transportern ist es ratsam im Wochenablauf zunächst Jungtiere zu transportieren und die schlachtreifen Tiere erst am Ende der Woche.

Das Foto zeigt einen gefliesten Umkleideraum mit Kleiderspinden. und Desinfektionsvorrichtungen.
Hygieneschleuse vor einem Stall
Quelle: Ramona Klee/ Sächsisches Landesamt für Umwelt
 

Personalschulungen zu Reinigung und Desinfektion

Desinfektion ist unerlässlich, um krankmachende Erreger zu reduzieren und dadurch den Einsatz von Tierarzneimitteln zu verringern. Allerdings werden durch die Verwendung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln diese auch in die Umwelt eingetragen und können durch Rückstände auf Tränken, Trögen, Gattern oder Böden von den Tieren aufgenommen werden. Um den übermäßigen Kontakt der Tiere mit schädigenden Reinigungs- und Desinfektionsmitteln zu vermeiden, sind Kenntnisse zu ihren Wirkungen notwendig. Detaillierte Auskunft darüber gibt z. B. die Listen der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) und der DLG über geprüfte Desinfektionsmittel für den Einsatz in der Tierhaltung (http://www.desinfektion-dvg.de/index.php?id=1800).

Nicht jedes Desinfektionsmittel wirkt gegen jeden Krankheitserreger. Deswegen ist es wichtig genau zu prüfen, ob das ausgewählte Mittel für den beabsichtigten Zweck geeignet ist. Personalschulungen zum fachkundigen Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln können bei der Wahl des passenden Mittels helfen (siehe: Erweitertes Gesundheitsmonitoring in der Tierproduktion). Verordnungen wie die Schweinehaltungshygieneverordnung enthalten Informationen zu baulichen Voraussetzungen von Ställen sowie zur Reinigung und Desinfektion, die die Umsetzung eines erfolgreichen Hygienemanagements unterstützen (siehe: Krankheitsvermeidende Haltungsbedingungen für Nutztiere).

Das Foto zeigt einen leeren, mit Desinfektionsmittel behandelten, noch nassen Schweinestall.
Mit Desinfektionsmittel behandelter Schweinestall
Quelle: Ludger Bütfering / Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
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