Ökologischer Landbau

Die Zahl der Ökolandbaubetriebe und ihre bewirtschaftete Fläche nimmt seit Mitte der 1990er Jahre langsam und stetig zu. 2019 betrug der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche 7,8 % und ist noch weit entfernt vom 20 %-Ziel der Bundesregierung.

Inhaltsverzeichnis

 

Ökolandbau in Deutschland

Der ökologische Landbau ist eine umwelt- und tiergerechte sowie ressourcenschonende Art der Landwirtschaft. Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie fordert für das Jahr 2030 einen Anteil landwirtschaftlicher Flächen unter ökologischer Bewirtschaftung von mindestens 20 %. Die Daten zum ökologischen Landbau werden sowohl vom Statistischen Bundesamt als auch vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (⁠BMEL⁠) veröffentlicht. Zur Anwendung kommen zwei unterschiedliche Methoden. Für die Berichterstattung und Trendbewertung zur Nachhaltigkeitsstrategie werden die Daten des Statistischen Bundesamtes verwendet.

Das Statistische Bundesamt ermittelt die ökologisch bewirtschaftete Fläche von Agrarbetrieben, die größer als 5 Hektar (ha) sind und dem Kontrollverfahren der EU-Rechtsvorschriften unterliegen. Als Bezugsgröße dient die landwirtschaftlich genutzte Fläche, die jährlich in der Bodennutzungshaupterhebung erfasst wird (ebenfalls ab 5 ha Mindestflächengröße). Diese Zahlen geben keine Auskunft über die Entwicklung der Flächenanteile des ökologischen Landbaus im Segment der Betriebe mit Flächengrößen unter 5 ha. Für 2019 sind das rund 1,29 Mio. ha oder 7,8 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (siehe Abb. „Anteil des Ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche“).

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verwendet als ⁠Indikator⁠ Flächen, die gemäß der europäischen Öko-Basis-Verordnung bewirtschaftet und den Kontrollstellen der Länder zum 31.12. eines Jahres gemeldet werden. Danach bewirtschafteten 2019 in Deutschland 34.110 Betriebe (12,9 % aller Agrarbetriebe) eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 1,61 Mio. ha oder einen Flächenanteil von 9,7 % nach den Regeln des ökologischen Landbaus (BMEL 2020). Erfasst werden nach dieser Methode auch Betriebe mit weniger als 5 ha bewirtschafteter Fläche. Allerdings wird bei der Berechnung des Flächenanteils im Zähler die gesamte Ökolandbaufläche auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche gemäß Bodennutzungshaupterhebung im Nenner (LF, ab 5 Hektar) bezogen. In die Berechnung des Anteils gehen im Zähler also auch sehr kleine Flächen ein, während im Nenner nur Flächen ab einer bestimmten Mindestgröße Berücksichtigung finden. Die Daten des BMEL weisen somit einen höheren Anteil von Ökolandbaufläche an der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus.

Ein Diagramm zeigt den Anstieg des prozentualen Anteils der Ökolandbauflächen an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche, basierend auf Daten des Statistischen Bundesamtes und des BMEL. Es zeigt außerdem das 20 Prozent-Ziel der Bundesregierung.
Anteil des ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche
Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Unterschiedliche Bedeutung des ökologischen Landbaus in den Bundesländern

Der ökologische Landbau hat in den Bundesländern eine unterschiedliche Bedeutung. Bei der Agrarstrukturerhebung 2016 hat das Statistische Bundesamt hohe Flächenanteile für den Ökolandbau im Saarland (14,9 %), in Hessen (11,6 %), in Brandenburg (10,4 %) und in Baden-Württemberg (9,3 %) ermittelt. In Niedersachsen (3,2 %), Nordrhein-Westfalen (4,2 %) und Thüringen (4,3 %) wurden deutlich weniger Flächen ökologisch bewirtschaftet. Die nächste Agrarstrukturerhebung wird 2021 veröffentlicht.

Die ⁠BMEL⁠-Methode weist in 2019 für das Saarland (18,1 %), Hessen (15,5 %), Baden-Württemberg und Brandenburg (jeweils 13,2 %) hohe Anteile ökologisch bewirtschafteter Flächen aus, während der Anteil in Niedersachsen (4,7 %), Nordrhein-Westfalen (6,0 %) und Thüringen (6,4 %) unter dem Bundesdurchschnitt liegt (BMEL 2020).

 

Entwicklung des ökologischen Landbaus

Die ökologisch bewirtschafteten Flächen haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Zwischenzeitlich stagnierte der Anstieg beim Flächenanteil. Auch der Zuwachs an Betrieben war zwischen 2011 und 2015 gering, obwohl die Einkommensperspektive der Ökobetriebe aufgrund der hohen Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln zunahm. Die Ökolandwirtschaft ist häufig nicht ausreichend konkurrenzfähig, denn der Verkauf der Biolebensmittel kann die zusätzlichen Kosten des Ökolandbaus allein nicht decken. Auch reichen die Erlöse häufig nicht aus, um mit günstiger Importware zu konkurrieren oder hohe Pachtpreise zu zahlen. Die bestehende staatliche Förderung unterstützt die Landwirte und Landwirtinnen daher bei einem dauerhaften Umstieg auf die ökologische Wirtschaftsweise und gibt ihnen Planungssicherheit.

Die positive Bio-Entwicklung der vergangenen fünf Jahre zeigt, dass aufgrund der gestiegenen Nachfrage und des politischen Rückhalts in vielen Bundesländern mehr Bäuerinnen und Bauern umstellten und die ökologisch bewirtschaftete Fläche aktuell wächst.

Die „Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL)“ des BMEL aus 2017 soll dazu beitragen, das 20 %-Ziel der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie bis 2030 zu erreichen und würde bei konsequenter Umsetzung, ausreichend finanzieller Unterstützung und langfristiger Planungssicherheit wichtige Impulse setzen, dieses Ziel zu erreichen. Allerdings würden auch dann 80 % der Landwirtschaft konventionell wirtschaften. Um die nationalen Umweltziele zu erreichen, muss auch die konventionelle Landwirtschaft umweltverträglicher werden.

 

Verbände des Ökolandbaus

Die meisten ökologischen Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland sind in Verbänden organisiert. Die meisten Anbauverbände gehören dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) an. Die Richtlinien der deutschen Anbauverbände des ökologischen Landbaus erfüllen die Kriterien der EG-Öko-Verordnung und sind in einigen Punkten strenger. Die Broschüre “Branchenreport 2020“ enthält eine Übersicht der Verbände und weitere Informationen zum Thema Ökolandbau.

 

Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten

Der Umsatz ökologisch erzeugter Lebensmittel in Deutschland erhöhte sich von 1997 bis 2019 von 1,5 Milliarden Euro (Mrd. Euro) auf fast 2 Mrd. Euro (BÖLW 2020) und bestätigt die steigende Nachfrage nach Bioprodukten. Weil die hohe Nachfrage die einheimische Produktion übersteigt, importiert der Handel Ökoprodukte. Würde dieser Bedarf im eigenen Land produziert, könnten die negativen Umweltwirkungen des Transports vermieden und der Nachfrage nach regionaler Erzeugung entsprochen werden - mit positiven Wirkungen auf Natur und Umwelt.

Weitere Informationen zum ökologischen Landbau finden Sie hier.