Biolebensmittel

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Wer Bio sucht, wird auch im Supermarkt fündig.
Quelle: Mikel Wohlschlegel / Fotolia

Inhaltsverzeichnis

 

Unsere Tipps

  • Kaufen Sie Lebensmittel aus ökologischer Produktion (Bio-Siegel).
  • Achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde und pflanzenbasierte Ernährung.
  • Achten Sie auf regionale und saisonale Herkunft.
 

Gewusst wie

Biolebensmittel dienen dem Umwelt- und Tierschutz. Sie helfen, die mit der konventionellen Landwirtschaft verknüpften Umweltbelastungen zu reduzieren. Anbau und Herstellung von Biolebensmitteln sind in der EG-Öko-Basisverordnung geregelt. Wichtigste Merkmale sind der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und auf leicht lösliche mineralische Düngemittel sowie eine möglichst artgerechte Tierhaltung.

Kauf von Biolebensmitteln: Biolebensmittel erhält man in (fast) jedem Lebensmittelgeschäft. Während Naturkostläden, Biosupermärkte und Lieferdienste Vollsortimente haben, findet man auch in konventionellen Supermärkten, Drogerien und Reformhäusern eine immer größere Auswahl an Produkten in Bio-Qualität. Alle Biolebensmittel, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau hergestellt wurden, sind an dem gesetzlich vorgeschriebenen EU-Bio-Logo erkennbar. Das sechseckige deutsche Bio-Siegel kann zusätzlich und freiwillig auf der Verpackung angebracht sein. Es ist bezüglich der Anforderungen mit dem EU-Bio-Logo identisch.

Orientierung im Label-Dschungel: Grundsätzlich gilt: Bioprodukte erkennt man am EU-Bio-Logo. Hat ein Produkt kein EU-Bio-Logo, ist es auch kein Bioprodukt. Daneben gibt es noch viele weitere Bio-Kennzeichnungen auf Lebensmitteln:

  • Label ökologischer Anbauverbände: Die meisten Verbände wie z.B. Bioland, Naturland oder Demeter existierten in Deutschland schon vor der Einführung der EG-Öko-Verordnung im Jahr 1993. Die Verbandsrichtlinien sind in einigen Punkten strenger als der EU-Bio-Standard.
  • Handelsmarken: Viele große Handelsketten haben eigene Bio-Marken gegründet, um Bioprodukte besser vermarkten zu können. Die Umweltanforderungen entsprechen dabei dem EU-Bio-Logo.

In den Informationsportalen www.siegelklarheit.de oder label-online.de finden Sie unter der Kategorie "Ernährung" alle Siegel der Anbauverbände und der Bio-Handelsmarken.

Geschützte Begriffe: Die Bezeichnungen „Bio“ und „Öko“ sind gesetzlich geschützte Begriffe. Erzeugung und Verarbeitung so gekennzeichneter Lebensmittel sind nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erfolgt. Auch folgende Begriffe auf Lebensmitteln dürfen nur für Bioprodukte verwendet werden:

  • biologisch oder ökologisch
  • kontrolliert biologisch bzw. kontrolliert ökologisch
  • biologischer bzw. ökologischer Landbau.

Andere Begriffe hingegen wie z.B. „integrierter Landbau“, „natürlich" oder „kontrolliert“ stehen nicht für Bioprodukte. 

Auf ausgewogene Ernährung achten: Längst gibt es alle Lebens- und Genussmittel auch in Bio-Qualität: Von der Tiefkühlpizza über Süßigkeiten bis hin zu Hochprozentigem. Das ist gut für die Umwelt, aber nicht automatisch auch gut für die Gesundheit. Die allgemeinen Ernährungsregeln haben deshalb auch für Biolebensmittel ihre Gültigkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat zum Beispiel auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zehn Regeln formuliert, die Ihnen helfen, genussvoll und gesund erhaltend zu essen.

Regional und saisonal einkaufen: Lange Transportwege haben je nach Transportmittel eine hohe Energiebilanz. Besonders umweltbelastend sind Transporte mit dem Flugzeug, mit bis zu 170-mal höheren Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Lebensmittel als bei einem Transport mit Seeschiffen. Ein Anbau im Gewächshaus oder lange Lagerungen treiben den CO2-Ausstoß zusätzlich in die Höhe. Kaufen Sie ökologische Produkte daher wenn möglich regional und saisonal.

Was Sie noch tun können:

  • Reduzieren Sie den Konsum von Fleisch- und anderen tierischen Produkten (z.B. Margarine statt Butter).
  • Beachten Sie unsere Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen.
  • Fairen Handel unterstützen.
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Hintergrund

Umweltsituation: Etwa die Hälfte der Fläche der Bundesrepublik unterliegt einer landwirtschaftlichen Nutzung. Entsprechend groß und vielseitig sind die Auswirkungen auf die Umwelt. Insbesondere die intensive Landwirtschaft ist verantwortlich für hohe Nährstoffeinträge in Flüsse, Seen und Grundwasser, für ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie für Bodenerosion und -verdichtung. Rund drei Viertel der Stickstoffeinträge und die Hälfte der Phosphoreinträge in Oberflächengewässer erfolgen aus der Landwirtschaft.  Aufgrund hoher Nitratbelastungen sind derzeit etwa ein Viertel der Grundwasserkörper in Deutschland in einem schlechten chemischen Zustand, das heißt, die Nitratkonzentrationen liegen in diesen Grundwasserkörpern über 50 Milligramm pro Liter. In Oberflächengewässern liegen die Nitratbelastungen auch noch viel zu hoch, sind aber wesentlich geringer als im Grundwasser. Aufgrund der zu hohen Nitratbelastung sind unsere Küstengewässer eutrophiert und in einem schlechtem ökologischen Zustand.

Im Jahr 2018 war die deutsche Landwirtschaft für die ⁠Emission⁠ von rund 64 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalenten verantwortlich. Das sind 7,4 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen dieses Jahres. Vor allem Methanemissionen (CH4) aus der Tierhaltung und dem Wirtschaftsdüngermanagement sowie Lachgasemissionen (N2O) aus landwirtschaftlich genutzten Böden, als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch), sind dafür verantwortlich. So stammten 62 Prozent der CH4-Emissionen und 79 Prozent der N2O-Emissionen aus der Landwirtschaft.

Eine ökologische Landwirtschaft entlastet Gewässer und Böden.
Der ökologische Landbau hat in Deutschland heute einen Anteil an der Agrarfläche von 10 Prozent (2019), 1996 waren es nur 2,1 Prozent. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil des ökologischen Landbaus an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche bis 2030 auf 20 Prozent zu steigern.

Wesentliche Merkmale  des ökologischen Landbaus sind:

  • Fruchtfolgen: Wechselnder Anbau verschiedener Kulturen, die sich gegenseitig ergänzen. Mit dieser Methode wird die Bodenfruchtbarkeit verbessert. Außerdem haben Krankheiten und Schädlinge dadurch weniger Chancen, sich zu verbreiten.
  • Humuswirtschaft: Dazu gehören Bodenlockerung und Gründüngung. Ansonsten bildet das aus dem eigenen Betrieb stammende organische Material (Mist und Kompost) die Grundlage für die weitere Anreicherung mit Humus.
  • Stärkung der pflanzeneigenen Abwehrkräfte: Grundprinzip ist die Vorbeugung gegen Krankheiten. Dabei hilft das Wissen über günstige Pflanzen-Nachbarschaften, richtige Saatzeitpunkte, Standort- und Sortenwahl etc.
  • Unkrautregulierung ohne Chemie: Gelingt durch Fruchtfolge und Bodenbedeckung (z.B. mit Stroh) oder auch durch mechanische Bearbeitung.

Gesetzeslage: Nur Produkte, die nach den Regeln der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert werden, tragen das „Bio“-Siegel:

  • Lebensmittel, die aus mehreren Zutaten bestehen, müssen zu mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau kommen. Die übrigen 5 Prozent dürfen nur dann aus der konventionellen Landwirtschaft stammen, wenn sie in ökologischer Qualität am Markt nicht verfügbar sind.
  • Nur Erzeuger sowie Verarbeitungs- und Importunternehmen, die den Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gerecht werden und sich den vorgeschriebenen Kontrollen unterziehen, sind berechtigt, ihre Produkte unter der Bezeichnung „Bio“ oder „Öko“ zu vertreiben.
  • Zur Kennzeichnung der Produkte muss die Codenummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle angegeben werden.

Marktbeobachtung: Im Jahr 2019 wurde mit Biolebensmitteln ein Umsatz von 11,97 Mrd. EUR erzielt, damit ein Umsatzwachstum von 39 Prozent gegenüber 2015. Trotzdem liegt der Marktanteil von Biolebensmitteln am gesamten Lebensmittelmarkt lediglich bei 5,3 Prozent und macht sowohl Handlungsbedarf als auch Potenzial für ein stärkeres Marktwachstum deutlich:

  • In der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist als Ziel formuliert, dass 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Jahr 2030 vom Ökolandbau belegt werden soll. Überträgt man dies auf die Nachfrage nach Biolebensmittel, muss sich der heutige Marktanteil vervierfachen.
  • Die Bundesregierung hat sich in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zudem zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 mindestens 34 Prozent der Produkte mit staatlichem Umweltlabel besonders umweltfreundlich sein sollen. Übertragen auf den Biomarkt würde dies mehr als eine Versechsfachung des Marktanteils von Bioprodukten in 10 Jahren beinhalten.
  • Andere grüne Märkte wie zum Beispiel der Bereich „Weiße Ware“ haben es geschafft, in weniger als 10 Jahren die umweltfreundlichste Variante aus der Nische mit unter 10 Prozent Marktanteil zum „Marktführer“ mit 50 Prozent und mehr Marktanteil zu machen.
  • •Nicht zuletzt liegen andere Länder bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Bioprodukte deutlich vor Deutschland mit 122 Euro pro Person und Jahr: 289 Euro sind es in der Schweiz, 278 Euro in Dänemark und 237 Euro in Schweden. Auch beim Marktanteil wird Deutschland unter anderem von Dänemark mit 13,3 Prozent, von Schweden mit 9,1 Prozent und der Schweiz mit 9,0 Prozent deutlich geschlagen und belegt den 6. Platz.

Das Marktwachstum korrespondiert mit einer höheren Kaufbereitschaft für Bioprodukte. Während 2014 nur 20 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten angaben, immer oder häufig Bioprodukte zu kaufen, waren es 2019 rund 49 Prozent der Befragten. Insgesamt gaben 9 von 10 Befragten an, zumindest gelegentlich Bio-Lebensmittel zu kaufen. 6 Prozent der Befragten gaben an, dies „ausschließlich", 43 Prozent „häufig" und weitere 41 Prozent „gelegentlich“ zu tun (⁠BMEL⁠ 2020). Als die wichtigsten Gründe für den Kauf von Biolebensmitteln wurden artgerechte Tierhaltung und die Regionalität sowie Sozialstandards bzw. faires Erzeugereinkommen genannt.


Das deutsche Bio-Siegel, das für Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft steht, kennen 95 Prozent der deutschen Konsumenten. Es ist deutlich bekannter als sein europäisches Pendant, das nur gut einem Viertel der Bevölkerung ein Begriff ist.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Themenseiten:

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Quellen

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (⁠BMEL⁠): Ökobarometer 2019 – Umfrage zum Konsum von Biolebensmitteln
  • Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (2019): Zahlen, Daten, Fakten: Die Bio-Branche 2019
  • Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (2020): Branchen Report 2020 - Ökologische Lebensmittelwirtschaft
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