Einträge von Nähr- und Schadstoffen in die Oberflächengewässer

Stoffeinträge, die auf die Ableitung von Abwässern zurückzuführen sind, konnten zum Beispiel durch Verbesserungen der Reinigungsleistung der Kläranlagen deutlich reduziert werden. Einträge aus anderen Quellen, etwa aus Versickerungen, Abschwemmungen, Erosion oder Niederschlag bleiben problematisch.

Inhaltsverzeichnis

 

Nährstofffrachten sinken

Wie viele Nährstoffe in die deutschen Oberflächengewässer eingetragen werden, lässt sich mit dem Bilanzierungsmodell MoRE/MONERIS abschätzen. Bei Auswertung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass sowohl für den Zeitraum 2006 bis 2011 als auch für den Zeitraum 2012 bis 2014 geringfügige Veränderungen des Bilanzmodells und der verwendeten Eingangsdaten erfolgt sind. Das kann teilweise zu veränderten Ergebnissen führen.

  • In den Jahren 2012 bis 2014 wurden in Deutschland im Mittel rund 490 Kilotonnen Stickstoff pro Jahr (kt N/a) in die Oberflächengewässer eingetragen. Das sind knapp über 50 Prozent (%) weniger als im Mittel der Jahre 1983 bis 1987 (siehe Abb. „Stickstoff- und Phosphoreinträge aus Punktquellen und diffusen Quellen in die Oberflächengewässer in Deutschland“).
  • In den Jahren 2012 bis 2014 wurden im Mittel rund 23 kt Phosphor pro Jahr in die Oberflächengewässer eingetragen. Gegenüber den Vergleichsjahren 1983 bis 1987 sanken die Phosphoreinträge im Schnitt um etwa 70 % (siehe Abb. „Stickstoff- und Phosphoreinträge aus Punktquellen und diffusen Quellen in die Oberflächengewässer in Deutschland“).

Deutschland kann nach aktuellen Informationen die Vorgabe der Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) beziehungsweise der Ostsee (HELCOM), die Stickstoff- und die Phosphoreinträge bis 2020 zu halbieren (im Vergleich zum Referenzjahr 1985), knapp erfüllen.

Der Rückgang der Phosphor- und Stickstoffeinträge in die Gewässer im Zeitraum von 1985 bis 2014 lag vor allem an stark gesunken Einleitungen aus kommunalen und industriellen Kläranlagen (knapp 80 % Stickstoff und über 85 % Phosphor). Die Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft sanken in der gleichen Zeitspanne deutlich geringer um etwa 35 %, die Phosphoreinträge um gut 15 %. Landwirte düngen heute zwar sparsamer mit Stickstoff, was sich aber noch nicht in einer verbesserten Qualität der Fließgewässer widerspiegelt. Ein Grund dafür ist die hohe Aufenthaltszeit des Stickstoffs in Grundwasserleitern. Diese beträgt in der Donau zum Beispiel 5 bis 15 Jahre, in denen des Rheins 10 bis 20 Jahre und in denen der Elbe sogar 30 Jahre.

Die jährlichen Einträge an Stickstoff und Phosphat sanken deutlich: die an Stickstoff im Zeitraum von 1983-1987 zum Zeitraum 2012-2014 um ca. 50 Prozent, die von Phosphor zwischen den gleichen Zeiträumen um ca. 70 Prozent.
Stickstoff- und Phosphoreinträge aus Punktquellen und diffusen Quellen in die Oberflächengewässer...
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Weniger Schwermetalleinträge

Trotz abnehmender Einträge sind die Fließgewässer in Deutschland noch immer mit Schwermetallen belastet. Detaillierte Informationen zur Belastung von Fließgewässern mit Schwermetallen finden Sie auf unserer Internetseite „Chemischer Zustand der Fließgewässer“.

Die Schwermetalleinträge in Oberflächengewässer verringerten sich seit Mitte der 1980er Jahre deutlich (siehe Abb. „Schwermetalleinträge (Quecksilber, Nickel, Cadmium und Blei) aus Punktquellen und diffusen Quellen in die Oberflächengewässer in Deutschland“ und Abb. „Schwermetalleinträge (Zink, Kupfer und Chrom) aus Punktquellen und diffusen Quellen in die Oberflächengewässer in Deutschland“). Das wurde vor allem über geringere Direkteinträge aus kommunalen Kläranlagen und der Industrie erreicht. Der Anteil der diffusen Einträge gewann daher stetig an Bedeutung. Allerdings ist bei den Schwermetallen darauf hinzuweisen, dass aufgrund neuer Erkenntnisse und aktualisierter Eingangsdaten für einige Eintragspfade die Stoffeinträge in der Vergangenheit zu hoch ausgewiesen wurden. So wurden beispielsweise die Quecksilbereinträge für Deutschland aus kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen bislang um den Faktor 100 überschätzt. Ebenfalls ist bei Auswertung der Ergebnisse zu berücksichtigen, dass sowohl für den Zeitraum 2006 bis 2011 als auch für den Zeitraum 2012 bis 2014 geringfügige Veränderungen des Bilanzmodells und der verwendeten Eingangsdaten erfolgt sind. Aus diesem Grund sind die dargestellten Berechnungszeiträume nur bedingt miteinander vergleichbar. Allerdings hat Deutschland die Vorgaben der Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt der Nordsee (OSPAR) beziehungsweise der Ostsee (HELCOM) erreicht:

  • Die Einträge von Blei, Cadmium und Quecksilber sanken im Zeitraum von 1983 bis 2014, wie in beiden Übereinkommen vereinbart, um mehr als 70 Prozent (%).
  • Die Einträge von Chrom, Kupfer, Nickel und Zink sanken im Zeitraum von 1983 bis 2014, wie in beiden Übereinkommen vereinbart, um mehr als 50 %.
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Einträge von Nähr- und Schadstoffen

Stoffeinträge in Oberflächengewässer wie Flüsse und Seen sind relevant für deren Zustand, für den Zielvorgaben existieren. Die Einträge stammen aus Quellen wie Siedlungen, Landwirtschaft, der Atmosphäre und Industrie und gelangen besonders aus der Landwirtschaft auf folgenden Wegen ins Gewässer:

  • wenn Landwirte Geräte, mit denen sie Dünger, Gülle oder Jauche ausbringen, auf Hofflächen waschen,
  • wenn tierpathogene Krankheitserreger und Tierarzneimittel von mit Gülle und Jauche gedüngten Flächen abgeschwemmt werden sowie
  • wenn Ammoniakgase aus der Viehhaltung und der Gülleausbringung mit dem Regen auf die Böden niederschlagen.

Die Zielvorgaben der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) werden nicht eingehalten, nähere Informationen dazu siehe „Ökologischer Zustand der Fließgewässer“.

 

Rechtliche Vorgaben

Die Europäische Union (EU) hat sich mit der Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) aus dem Jahr 2000 das Ziel gesetzt, alle Gewässer bis 2015 in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu überführen. Hierzu müssen die Einträge von Nähr- und Schadstoffen zum Teil deutlich gesenkt werden. Für einige Nähr- und Schadstoffe gibt es zudem Vorgaben der internationalen Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) und zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee (HELCOM). Das Ziel für 2015 wurde in Deutschland für die meisten Flüsse deutlich verfehlt.  Es gilt nun die beiden gemäß WRRL noch folgenden Bewirtschaftungszyklen zu nutzen, um bis spätestens 2027 die anspruchsvollen Ziele zu erreichen.

 

Weniger diffuse Emissionen – ein Blick nach vorne

Um diffuse Nährstoff- und Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft zu senken, müssen Landwirte die Grundsätze der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft und im Bodenschutz einhalten, wie auch die Vorschriften der Düngeverordnung. Generell helfen Maßnahmen gegen Erosion, um diffuse Nähr- und Schadstoffeinträge zu reduzieren. Drainageabflüsse sind ein spezielles Problem: Über diese Abflüsse gelangt beispielsweise das Schwermetall Cadmium, das sich mit Phosphatdüngern auf vielen Flächen anreichert, in die Gewässer. Abhilfe können cadmiumarme Dünger schaffen.

Um weitere Schwermetalleinträge aus diffusen Quellen zu senken, müssen städtische Regenabwässer besser gereinigt werden. Ein Großteil dieser Abwässer gelangt über Regenwasserkanäle oder -überläufe (zur Entlastung von Kläranlagen bei der Mischkanalisation) schlecht bis gar nicht gereinigt in Oberflächengewässer.