Mischbestände fördern die Waldfunktionen und streuen das Risiko
Auch in unseren Wirtschaftswäldern sind die Produktions- und Planungszeiträume der Waldbewirtschaftung sehr lang verglichen mit agrarischen Nutzungsformen. Dies bedingt auch, dass Waldbewirtschafter mit entsprechenden Waldbaustrategien auf potentielle Unwägbarkeiten reagieren müssen. Eine grundlegende Entscheidung mit Folgen für die Waldentwicklung und die damit verbundenen Ökosystemleistungen trifft der Waldbesitzer bzw. Waldbewirtschafter mit der Auswahl der Wirtschaftsbaumarten. Diese haben sowohl unterschiedliche Ansprüche an den Standort als auch Rückwirkungen auf ihn und die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten.
Dabei hat sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt gezeigt, dass nicht naturnahe Monokulturen und einschichtige Waldbestände vor allem hinsichtlich der sich ändernden Standortbedingungen und in Zeiten des Klimawandels besonders störanfällig sind. Dadurch besteht für diese Wälder eine erhöhte Gefahr, ihre Schutz- und Ausgleichsfunktion zu verlieren (wie zum Beispiel Reinhaltung von Luft, Wasser und Boden oder Regulierung des Wasserhaushalts). Mit der gezielten Förderung von Mischbeständen bzw. dem aktiven Umbau von Nadelbaumreinbeständen zu Mischbeständen versucht die Forstwirtschaft diesen Gefahren und den damit verbundenen ökonomischen Risiken zu begegnen. Denn Waldbestände mit einer größeren Anzahl von Baumarten mit unterschiedlichen Eigenschaften und Ansprüchen erhöhen die strukturelle und genetische Vielfalt und steigern die natürliche Anpassungskapazität. Außerdem bieten Mischbestände in der Regel einer größeren Anzahl von Arten geeignete Lebensräume. Damit verbessern sich die Umweltbedingungen potentieller Gegenspieler von Schaderregern der Forstwirtschaft. Aus wirtschaftlicher Sicht bietet die Diversifizierung der Baumarten in einem Bestand mehr Flexibilität in Hinblick auf schwankende Preise der unterschiedlichen Holzarten. Daher ist der Waldumbau von Nadelbaumreinbeständen auch erklärtes Ziel der Forstpolitik in Deutschland. Sowohl der Bund als auch die Bundesländer haben bereits hohe Investitionen in diverse Förderprogramme und Maßnahmen getätigt.
Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur zeigen, dass sich die Fläche der Mischbestände von knapp 54,9 Prozent (%) im Jahr 2002 auf 57,8 % in 2012 erhöht hat. Die Fläche der naturnahen Reinbestände ist mit rund 11 % stabil geblieben (siehe Abb. „Flächenanteil der Mischungsformen an der Gesamtwaldfläche“).