Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen

Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).

Inhaltsverzeichnis

 

Emissionen aus der Landwirtschaft im Jahr 2017

Rund 60 % der gesamten Methan (CH4)-Emissionen und 80 % der Lachgas (N2O)-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft. Im Jahr 2017 war die deutsche Landwirtschaft somit insgesamt für 66,3 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid (CO2)-Äquivalente verantwortlich (siehe Abb. „Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft nach Kategorien“). Das sind 7,3 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen des Jahres. Die Emissionen aus der Landwirtschaft tragen somit nach den energiebedingten Emissionen aus der stationären und mobilen Verbrennung (84,5 %) und vor den prozessbedingten Emissionen der Industrie (7,1 %) einen höheren Anteil an Treibhausgasen in Deutschland bei.

Das Umweltbundesamt legt inzwischen auch eine Nahzeitprognose für das Jahr 2018 vor. Diese schätzt die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft für das Jahr 2018 auf 63,6 Mio. t CO2-Äquivalente.

Die Abbildung zeigt die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft von 1990 bis 2017. Im Jahr 2017 lagen die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft bei 66,3 Mio. Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten. Seit 1990 sind die Emissionen um 16 % gesunken.
Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft nach Kategorien
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Klimagase aus der Viehhaltung

Das klimawirksame Spurengas Methan entsteht während des Verdauungsvorgangs (Fermentation) von Wiederkäuern (Rinder und Schafe) sowie bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern (Festmist, Gülle) und wird spätestens bei deren Ausbringung freigesetzt. Die Methan-Emissionen aus der Fermentation sind nahezu vollständig auf die Rinderhaltung zurückzuführen; darunter sind Milchkühe die bedeutendsten Emittenten. Insgesamt sind die Methan-Emissionen in dem Bereich zwischen 1990 (1,41 Mio. t CH4) und 2017 (1,02 Mio. t CH4) um 27,8 % zurückgegangen.

2017 machte das Wirtschaftsdüngermanagement (Lagern und Ausbringen von Gülle und Festmist) 19 % der gesamten Methan-Emissionen aus der deutschen Landwirtschaft aus. Der größte Anteil des Methans aus Wirtschaftsdünger geht auf die Exkremente von Rindern – und in geringerem Maße von Schweinen – zurück. Die anderen Tiergruppen (zum Beispiel Geflügel, Esel, Pferde) sind dagegen vernachlässigbar.

Zusätzlich entstehen bei der Lagerung und Ausbringung von Gärresten aus Nachwachsenden Rohstoffen (sog. NaWaRo) für die Biogasproduktion Methan-Emissionen und machen aktuell 4,1 % der gesamten Methan-Emissionen aus (54,3 Kilotonnen (kt) von insgesamt 1.327,4 kt). Durch eine flächendeckende Zunahme der Anlagen seit 1994 haben die Emissionen aus diesem Bereich stetig zugenommen.

Deutliche Emissionsrückgänge zwischen 1990 und 2017 sind im Wesentlichen auf die Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung beschränkt und gehen auf die Verringerung der Tierbestände zurück. In den letzten 14 Jahren verläuft der Trend fluktuierend. Das heißt seit 2003 gibt es Schwankungen in der Emissionshöhe, die sich um 1.329 kt Methan hält (Mittelwert).

Wirtschaftsdünger aus der Einstreuhaltung (Festmist) ist gleichzeitig auch Quelle des klimawirksamen Lachgases (Distickstoffoxid, N2O) und seiner Vorläufersubstanzen (Stickoxide, NOx und Stickstoff, N2). Die gesamten Lachgas-Emissionen aus dem Bereich Wirtschaftsdünger (incl. Wirtschaftsdünger-Gärreste) nahmen zwischen 1990 und 2017 um 17 % ab. Der Trendverlauf ähnelt dem der Methan-Emissionen (siehe Tab. „Emissionen von Treibhausgasen aus der Tierhaltung“).

Tabellarische Zusammenstellung wichtiger Treibhausgase aus der Tierhaltung (CH4, N2O, NO und NO2) in Jahresschritten von 1990 bis 2017.
Tab: Emissionen von Treibhausgasen aus der Tierhaltung
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF zur vergrößerten Darstellung
 

Klimagase aus landwirtschaftlich genutzten Böden

Auch Böden sind Emissionsquellen von klimarelevanten Gasen. Neben der erhöhten Kohlendioxid (CO2)-Freisetzung infolge von Landnutzungsänderungen (Umbruch von Grünland- und Niedermoorstandorten) sowie der CO2-Freisetzung durch die Anwendung von Harnstoffdünger und der Kalkung von Böden handelt es sich hauptsächlich um Lachgas-Emissionen. Dabei werden direkte und indirekte Emissionen unterschieden: Die direkten Emissionen stickstoffhaltiger klimarelevanter Gase (Lachgas und Stickoxide) stammen überwiegend aus der Düngung mit mineralischen Stickstoffdüngern und Wirtschaftsdüngern, der Bewirtschaftung organischer Böden sowie von Ernterückständen im Boden. Des Weiteren fallen Emissionen zunehmend aus der Ausbringung und Lagerung von Gärresten aus NaWaRo, die für die Biogasproduktion eingesetzt werden, an.

Quellen für indirekte Lachgas-Emissionen sind die atmosphärische Deposition von reaktiven Stickstoffverbindungen aus landwirtschaftlichen Quellen sowie die Lachgas-Emissionen aus Oberflächenabfluss und Auswaschung von gedüngten Flächen (siehe Tab. „Emissionen stickstoffhaltiger Treibhausgase und Ammoniak aus landwirtschaftlich genutzten Böden“). Indirekte Lachgas-Emissionen belasten vor allem natürliche oder naturnahe Ökosysteme, die nicht unter landwirtschaftlicher Nutzung stehen.

Tabellarische Zusammenstellung wichtiger Treibhausgase aus landwirtschaftlich genutzten Böden (N2O, NO, NO2 und NH3) in Jahresschritten von 1990 bis 2017.
Tab: Emissionen stickstoffhaltiger Treibhausgase und Ammoniak aus landwirtschaftlich genutzten Böden
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF zur vergrößerten Darstellung
 

Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen

Die Bundesregierung hat 2016 den Klimaschutzplan 2050 verabschiedet. Dieser enthält für die Landwirtschaft (inkl. der Emissionen aus der mobilen und stationären Verbrennung landwirtschaftlicher Fahrzeuge und Gebäude) das Ziel, die THG-Emissionen bis 2030 um 31 bis 34 % gegenüber 1990 zu reduzieren. Gegenüber 2017 müssten die Emissionen dann bis 2030 um 16 bis 21 %, bzw. um 12,1 bis 15,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (Mio. t CO2-Äq) reduziert werden, um den Zielkorridor von 58 bis 61 Mio. t CO2-Äq zu erreichen. Derzeit wird von der Bundesregierung ein Maßnahmenprogramm 2030 zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 erarbeitet.

Neben Maßnahmen zur Erhöhung der Stickstoffeffizienz (gleicher Ertrag mit weniger Einsatz) bieten sich Möglichkeiten im Düngemanagement und in der Pflanzen- und Tierproduktion. Es zeichnet sich allerdings bereits jetzt ab, dass allein mit technischen Maßnahmen das Ziel nicht erreichbar sein wird. Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. So können beispielsweise die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und die Reduktion des Konsums tierischer Produkte einen positiven Einfluss auf das Sektorziel haben, wenn die verringerte Nachfrage gleichzeitig mit einer verminderten Produktion einhergeht.

Weiterführende Informationen zum Thema Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen finden Sie auf den Themenseiten „Ammoniak, Geruch und Staub“, „Lachgas und Methan“ und „Stickstoff“.