Waldbrände

Eine Fläche von 2.711 Hektar war 2019 von Waldbränden betroffen. Das ist die größte Fläche seit 27 Jahren. Die lange Trockenheit der Sommermonate und Fahrlässigkeit sind die Hauptursachen für das außergewöhnliche Waldbrandjahr. Neben finanziellen Schäden sind mit den Waldbränden auch ökologische Auswirkungen wie die Freisetzung von Treibhausgasen und Schadstoffen sowie Nährstoffverluste verbunden.

Inhaltsverzeichnis

 

Waldbrände in Deutschland

Mit deutschlandweit 1.523 Waldbränden ist 2019 wie bereits 2018 ein deutlich überdurchschnittliches Waldbrandjahr im Vergleich zum mehrjährigen Mittel der Jahre 1993 bis 2018 (in diesem Zeitraum lag der jährliche Mittelwert bei durchschnittlich 1.016 Waldbränden). Mit rund 2.711 Hektar ist zudem 2019 die zweitgrößte betroffene Waldfläche seit Beginn der Waldbrandstatistik im Jahr 1977 zu verzeichnen. Das langjährige Mittel der Jahre 1993 bis 2018 liegt bei rund 577 Hektar betroffener Waldfläche. Insgesamt führten die Waldbrände 2019 zu einem geschätzten Schaden von rund 2,22 Millionen Euro (Mio. Euro). Dies entspricht fast dem Doppelten des langjährigen Mittelwerts von 1,35 Mio. Euro pro Jahr (1993 bis 2018). Der finanzielle Schaden je ha Waldbrandfläche hingegen ist 2019 gegenüber 2018 um rund 28 % gesunken und liegt aber mit 819 Euro pro Hektar (Euro/ha) deutlich unter dem langjährigen Mittel von 2.504 Euro/ha im Zeitraum 1993 bis 2018 (siehe Abb. „Anzahl Waldbrände und Schadensfläche“ und Abb. „Durchschnittliche Schadensfläche und Schadenssumme“).

Das Auftreten von Waldbränden ist in Deutschland aufgrund der klimatischen und hydrologischen Gegebenheiten und der vorherrschenden Waldbestockung regional unterschiedlich. Im Ergebnis sind weite Teile Nordostdeutschlands, das östliche Nordwestdeutschland und das Oberrheinische Tiefland häufiger von Waldbränden betroffen als andere Regionen Deutschlands. Im Jahr 2019 gab es die meisten Waldbrände in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Bayern. Dabei wurden, wie bereits in den Vorjahren, in Brandenburg vor allem aufgrund der sandigen Böden und den vorherrschenden Kiefernwäldern erneut die meisten Brände und die größte Brandfläche registriert. Dabei kann über die Hälfte der Schadensfläche auf einen Waldbrand in Jüterbog (Brandenburg, rund 744 Hektar Waldbrandfläche) zurückgeführt werden. Zusammen mit einem Waldbrand in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern, Schadfläche rund 945 Hektar) lassen sich rund 62 % der Gesamtschadensfläche 2019 auf zwei große Waldbrandereignisse zurückführen (siehe Abb. „Anzahl Waldbrände nach Ländern“ und Abb. „Waldbrandfläche nach Ländern“).

Risikountersuchungen sagen für die kommenden Jahrzehnte ein steigendes Waldbrandrisiko für Deutschland voraus. Dies liegt im Wesentlichen an erhöhten Temperaturen und rückläufigen Niederschlägen in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten.

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Waldbrände und ihre Auswirkungen

Waldbrände beeinflussen, wie diverse andere Faktoren auch, die Stabilität und die Vitalität der Waldökosysteme. Das Ausmaß der Beeinflussung hängt unter anderem von der Dauer, der Intensität, dem Umfang und der Art des Waldbrands ab.

Sogenannte Erdfeuer oder Schwelbrände im Boden sind aufgrund der häufigen Zerstörung oder Beeinträchtigung von Wurzeln und Samen von hoher Bedeutung für die Vitalität der Waldbestände.

Boden- oder Lauffeuer führen häufig zur Verbrennung der bodennahen Vegetation und der Streuauflage. Bäume werden dabei abhängig von der Baumart (Rindenstärke) geschädigt oder verbrennen. Durch diese Feuer wird außerdem der Mineralisierungsprozess der Streuauflage beschleunigt, wodurch es verstärkt zur Auswaschung von Nährstoffen kommt. Die Nährstoffaufnahme ist durch die Reduzierung der Vegetation sowie durch die Zerstörung von Pflanzenwurzeln und nährstoffbindenden Ton-Humus-Komplexen ebenfalls stark beeinträchtigt. Kurz- bis mittelfristig kann hierdurch die Vitalität und die Stabilität der Waldbestände aufgrund von Nährstoffmangel weiter herabgesetzt werden.

Kronenfeuer und Vollfeuer entstehen, wenn die Bodenfeuer auf den Kronenbereich überschlagen. Diese haben häufig den Verlust des gesamten Bestandes zur Folge, da hierbei sowohl die Assimilationsorgane (Blätter und Nadeln) wie auch die Knospen der Bäume verbrennen, wodurch eine Regeneration deutlich erschwert ist.

Unmittelbar während des Waldbrands kommt es wie bei jedem Verbrennungsprozess zu Emissionen, die auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können. Hierbei werden vor allem Feinstaub, aber teilweise auch Dioxine und andere Schadstoffe freigesetzt. Daneben werden auch Treibhausgase emittiert. Zusätzlich wird die Senkenfunktion der Waldbestände für Kohlenstoff beeinträchtigt.

Auf die Biodiversität können Waldbrände hingegen positiven Einfluss haben, da hierdurch ökologische Nischen entstehen, die von besonders angepassten Arten genutzt werden.

 

Ursachen für Waldbrände

Bei der Mehrzahl der Waldbrände, rund 44 %, konnte 2019 keine Ursache ermittelt werden. In Fällen, in denen eine Ursache bestimmt werden kann, sind im Wesentlichen zwei Faktorenkomplexe von besonderer Bedeutung für das Waldbrandgeschehen: Zum einen das menschliche Handeln (Brandstiftung und Fahrlässigkeit) und zum anderen das Klima- bzw. Witterungsgeschehen. Als Hauptursache für das Waldbrandgeschehen kann gemäß den Daten der Waldbrandstatistik menschliches Handeln identifiziert werden (sofern eine Ursache ermittelbar ist). Klima und Witterung hingegen beeinflussen zusammen mit den lokalen Gegebenheiten (wie dem Vorhandensein von brennbarem Material) die Disposition einer Waldfläche für die Entzündung und in Folge das weitere Brandgeschehen (Feuerausbreitung). Fahrlässigkeit und Vorsatz (das heißt Brandstiftung) waren im Jahr 2019 für rund 39 % der Waldbrände ursächlich. Bei den 355 im Jahr 2019 durch Fahrlässigkeit verursachten Bränden waren zu rund 52 % das unvorsichtige Verhalten von Waldbesuchern, Campern oder Kindern die Auslöser. In 37 % der Fälle von Fahrlässigkeit sind wirtschaftliche Aktivitäten (Landwirtschaft, Holzernte etc.) ursächlich. Natürliche Ursachen, wie zum Beispiel Blitzschlag, waren hingegen nur für rund 6 % der Waldbrände der Auslöser (siehe Abb. „Waldbrandursachen 2019“).

Das Auftreten und die Ausbreitung von Waldbränden sind maßgeblich von der Witterung abhängig. Selbst im Winter kann es bei fehlender Schneedecke zu Waldbränden kommen. Ein jahreszeitlicher Schwerpunkt der Waldbrandgefährdung lag bisher zumeist im Spätfrühjahr und im Frühsommer. Das Jahr 2019 zeigte jedoch eine hohe Waldbrandgefahr über den gesamten Sommer bis in den Herbst hinein, wobei sich ein deutlicher Schwerpunkt im Juni und Juli abzeichnete. In diesen beiden Monaten wurden rund 48 % der Waldbrände und circa 90 % der Waldbrandfläche verzeichnet. Auch hier waren die beiden Großbrände in Jüterbog und Lübtheen, die beide im Juni begannen, die entscheidenden Ereignisse (siehe Abb. „Waldbrände in einzelnen Monaten“).

Neben der Witterung ist auch der Waldbestand von Bedeutung. Besonders jüngere und lichte Nadelwälder mit dichtem Unterwuchs und üppiger Bodenvegetation sind stark waldbrandgefährdet. Zudem spielen die Holzeigenschaften, wie beispielsweise das Vorhandensein von Harzen oder ätherischen Ölen, eine gewisse Rolle bei der Gefährdung. Dies zeigt sich auch in der Betrachtung der Waldbrände der Jahre 2011 bis 2018. Hier waren Nadelholzbestände (rechnerisch rund 54 % der Waldfläche), mit Ausnahme des Jahres 2017, deutlich häufiger und überproportional zum Anteil an der Waldfläche von Waldbränden betroffen als von Laubholzarten dominierte Waldbestände (siehe Abb. „Waldbrandfläche nach Bestandsart“). Der Umbau von Nadelbaummonokulturen in mehrschichtige Mischwälder mit hohem Laubholzanteil ist somit weiterhin auch ein wesentlicher Ansatz zum vorbeugenden Schutz vor Waldbränden.

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