AskREACH

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Quelle: EU Life

Das Projekt AskREACH sensibilisiert europaweit Bevölkerung, Handel und Industrie für sogenannte „besonders besorgniserregende Stoffe“ in Erzeugnissen. Im Projekt wird eine Smartphone-App entwickelt, mit der sich Verbraucher über solche Stoffe informieren oder Lieferanten dazu anfragen können. Die europäische Chemikalienverordnung REACH bildet hierfür den gesetzlichen Rahmen.

„Besonders besorgniserregende Stoffe“ – oder Substances of Very High Concern, SVHC – sind beispielsweise krebserregend, hormonell wirksam oder solche, die als besonders kritisch für die Umwelt angesehen werden. Die europäische Chemikalienverordnung REACH legt Informationspflichten für SVHC fest (Art. 33). Ist ein SVHC in einem Erzeugnis in einer Konzentration über 0,1 % enthalten, muss diese Information von jedem Lieferanten an jeden kommerziellen Kunden in der Lieferkette weitergegeben werden. Der Begriff “Erzeugnis” bezeichnet dabei i.d.R. Gegenstände, z.B. Haushaltsgeräte, Textilien, Schuhe, Sportkleidung, Möbel, Heimwerkerprodukte, Elektronik & elektronisches Zubehör, Spielzeug, Fahrzeuge, Verpackungen etc. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen auf Anfrage ebenfalls informiert werden und sind damit in der Lage, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.

Um das REACH-Verbraucherrecht in der europäischen Bevölkerung bekannter zu machen, startete das Umweltbundesamt (UBA) zusammen mit 19 Projektpartnern aus 13 EU-Mitgliedstaaten das EU LIFE Projekt AskREACH. Folgende Projektziele sollen erreicht werden:

  • Sensibilisierung der Bevölkerung zu SVHC in Erzeugnissen, damit bewusste Kaufentscheidungen getroffen werden können.
  • Sensibilisierung von Erzeugnis-Lieferanten, damit sie ihre REACH Informationspflichten angemessen erfüllen.
  • Verbesserung des Informationsflusses zu besonders besorgniserregenden Stoffen zwischen Verbrauchern und Lieferanten.
  • Verbesserung der Kommunikationsprozesse in der Lieferkette mit dem Ziel, SVHC in Erzeugnissen zu ersetzen.

Ein wichtiges Instrument zum Erreichen der gesteckten Ziele ist die Entwicklung einer europäischen Datenbank, die von den Erzeugnis-Lieferanten fortlaufend mit Informationen über besonders besorgniserregende Stoffe in ihren Erzeugnissen gefüllt werden kann. Einige große Unternehmen haben bereits ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt und werden die Vorreiter sein, die zuerst ihre Daten eingeben. Teilnehmende Unternehmen erhalten zusätzlich Unterstützung durch den Zugang zu einem weiteren in Entwicklung befindlichen IT-Tool. Dieses Tool erleichtert die Kommunikation innerhalb der Lieferkette und wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 verfügbar sein.

Eine Smartphone-App, welche mit der Datenbank gekoppelt wird, befindet sich ebenfalls in der Entwicklung. Damit alle Bürgerinnen und Bürger die App kostenlos herunterladen und verwenden können, um Informationen über SVHC in Erzeugnissen zu erhalten, wird die App an alle EU-Sprachen adaptiert werden. Sollten die gewünschten Informationen in der Datenbank noch nicht vorhanden sein, wird automatisch eine Anfrage generiert und kann vom App-Nutzer an den Erzeugnis-Lieferanten gesendet werden.

Der ursprünglich für das Frühjahr 2019 vorgesehene App-Launch wurde auf Oktober 2019 verschoben. Wir hoffen dadurch in AskREACH die Entwicklungen in Bezug auf die SVHC-Datenbank berücksichtigen zu können, die gemäß Art. 9 der überarbeiteten Abfallrahmenrichtlinie (2018/851/EU) von der Europäischen Umweltagentur erstellt werden soll.

Ein vorläufiger "Soft-Launch" der AskREACH-App startet im Juni 2019. Ziel des Soft Launch ist es, die App von einem ausgewählten Personenkreis testen zu lassen, die Erzeugnis-Lieferanten auf die steigende Zahl von Verbraucheranfragen vorzubereiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre SVHC-Informationen in die Datenbank hochzuladen, bevor die AskREACH-App offiziell in den dreizehn teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten und weiteren Ländern an den Start geht.

In dem Projekt sind zwei Kampagnen vorgesehen, die zur  Sensibilisierung von Verbrauchern und Erzeugnis-Lieferanten in allen teilnehmenden EU-Staaten dienen. Die Kampagnen werden 2019 in den 13 Projekt-Staaten starten und später in mindestens 5 weiteren EU Mitgliedstaaten, u.a. in Serbien, repliziert. Die Firmen-Kampagnen laufen bereits, die Verbraucher-Kampagnen werden derzeit vorbereitet und starten mit dem App-Launch im Oktober.

Unternehmen werden auf mehreren Ebenen von dem Projekt profitieren:

  • Ein Antwortformular für die Beantwortung von Verbraucheranfragen erleichtert es Unternehmen, ihre REACH Auskunftspflicht schnell und effizient zu erfüllen.
  • SVHC-Informationen können aber auch per bulk upload in einem Schritt in die Datenbank hochgeladen werden. Bei Bedarf können die Daten leicht aktualisiert werden.
  • Sobald die REACH Kandidatenliste um neue Stoffe erweitert wird, erhalten Unternehmen eine Erinnerung zur Aktualisierung Ihrer Daten.
  • Verbraucher werden direkten Zugang zu Produktinformationen haben, d.h. der Kundenservice muss sich nicht um jede Verbraucheranfrage einzeln kümmern. Das spart Zeit und Aufwand auf beiden Seiten.
  • Unternehmen haben Zugang zu (anonymen) Statistiken bezüglich der Datenbank-Abfragen und Verbraucheranfragen zu ihren Erzeugnissen.
  • Das geplante IT-Tool zur Kommunikation innerhalb der Lieferkette erleichtert es Unternehmen, von Ihren Zulieferern selbst SVHC-Informationen für Ihre Erzeugnisse zu erhalten.

Unternehmen, die daran interessiert sind Daten zu SVHC in Ihren Erzeugnissen in die AskREACH Datenbank einzustellen oder das Lieferketten-Tool zu nutzen, werden gebeten sich über AskREACH [at] uba [dot] de mit dem Projektmanagement in Verbindung zu setzen.
Die Projektergebnisse werden allen EU-Mitgliedstaaten, EFTA-Staaten und EU-Kandidatenländern zur Verfügung gestellt.

Die Projektergebnisse werden allen EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt.

Projektpartner sind Behörden, wissenschaftliche Einrichtungen und Nichtregierungs-Organisationen aus dem Bereich Umwelt und Verbraucher:

  • Österreich: Verein für Konsumenteninformation (VKI), GLOBAL 2000 Umweltschutzorganisation
  • Kroatien: Friends of the Earth Croatia (ZelHR)
  • Tschechien: Arnika – Toxics and Waste Programme
  • Dänemark: Danish Environmental Protection Agency (DKEPA), Danish Consumer Council (DCC)
  • Frankreich: Institut National de l’Environnement Industriel et des Risques (INERIS)
  • Deutschland: Umweltbundesamt (UBA), Baltic Environmental Forum Germany (BEF DE), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hochschule Darmstadt Sonderforschungsgruppe Institutionenanalyse (sofia)
  • Griechenland: National Observatory of Athens (NOA)
  • Lettland: Baltic Environmental Forum Latvia (BEF LV)
  • Luxemburg: Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)
  • Polen: Buy Responsibility Foundation (FKO)
  • Portugal: Association for the Sustainability of the Earth System (ZERO)
  • Spanien: Ecologístas En Acción (EEA)
  • Schweden: Swedish Chemicals Agency (KEMI), Swedish Consumers Association (SCA)
  • Europa: European Environmental Bureau (EEB)

Das Projekt startete am 1. September 2017, wird im Rahmen des EU LIFE Programms gefördert (Projektnummer LIFE16 GIE/DE/000738) und läuft bis zum 30. August 2022. Eine Webseite (nur auf Englisch) mit detaillierten Informationen zum Projekt, dem Projektfortschritt, Ergebnissen und Kontaktdaten ist verfügbar unter www.askreach.eu