Die UBA Datenbank– „Arzneimittel in der Umwelt“

World map of pills
© djahan / Fotolia.com

Rückstände von Arzneimitteln treten weltweit in der Umwelt auf. Die zeigt die aktualisierte Datenbank des Umweltbundesamtes „Arzneimittel in der Umwelt“. Die Rückstände wurden in 75 Ländern aller UN-Regionen gemessen. Für Deutschland wurden 269 Wirkstoffe oder deren Transformationsprodukte mit Umweltfunden gezählt, 589 für die Länder der Europäischen Union und 771 weltweit.

Durchsuchen Sie die 178.078 Einträge aus 1.519 Publikationen in der frei verfügbaren Datenbank hier.

Hintergrund
Seit langem ist bekannt, dass Arzneimittelrückstände häufig in der aquatischen Umwelt industrialisierter Länder auftreten. Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es in den letzten Jahren mehr Informationen über das Vorkommen pharmazeutischer Rückstände in der Umwelt. Eine präzise und umfassende Übersicht über die relevanten Wirkstoffe, deren Konzentrationen in der Umwelt und über deren möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Ökosystem steht immer noch aus. Die weltweite Exposition durch Arzneimittelwirsktoffen verursacht große Mengen an Informationen. Diese will das Umweltbundesamt durch eine öffentlich verfügbare Datenbank organisieren. Im Forschungsprojekt "Pharmaceuticals in the environment - occurrence, effects and options for action" wurden 2014 weltweite Umweltkonzentrationen (MEC - Measured Environmental Concentrations) von Human- und Tierarzneimittelrückständen in einer Datenbank gesammelt. Der Fokus der bestehenden Datenbank lag auf Entwicklungs- und Schwellenländern. Die jetzt zur Verfügung stehende Aktualisierung legt den Fokus auf alle bis 2016 weltweit veröffentlichten Umweltkonzentrationen.

Ergebnisübersicht
Die Datenbank ist jetzt auf 178.078 Einträge angewachsen. In der Umwelt von 75 Ländern aller UN-Regionen wurden Wirkstoffe oder deren Transformationsprodukte gemessen (siehe auch Grafik 1 und 2). Insgesamt wurden weltweit 771 unterschiedliche pharmazeutische Substanzen oberhalb deren Nachweisgrenzen der jeweils angewendeten analytischen Methode gemessen. Alleine in Deutschland wurden 269 Wirkstoffe oberhalb ihrer Nachweisgrenze gemessen, sowie 596 Wirkstoffe in den Ländern der europäischen Union (siehe Tabelle 1). Die meisten Substanzen wurden im Ablauf von Kläranlagen (flüssig Emission - weltweit: 613, EU: 474, BRD: 216) nachgewiesen. In Oberflächenwasser, Grund- und Trinkwasser wurden weltweit 528 und in Deutschland 159 Wirkstoffe oberhalb der nachweisgrenzen gemessen. 19 Arzneimittelwirkstoffe wurden in der aquatischen Umwelt in allen 5 UN-Regionen nachgewiesen (siehe Tabelle 2).
Im Abschlussbericht zur aktualisierten Datenbank gibt es weitere beispielhafte Auswertungen zu den Arzneimittelwirkstoffen der EU Beobachtungsliste sowie zu den wichtigsten Antibiotikagruppen.

Die Datenbank
Für die Datenbank wurden 1.519 Publikationen und 240 Übersichtsartikel ausführlich begutachtet und analysiert. Für 53 Matrizes konnten Umweltkonzentrationen von Wirkstoffen von Human- und Tierarzneimitteln zusammengetragen werden. Die meisten Rückstände wurden in den Matrizes Oberflächenwasser, Grundwasser, Leitungs-/Trinkwasser sowie Boden und Sediment gefunden.
Die Daten aus den Publikationen, Berichten oder anderen Quellen wurden in eine Datenbank („MEC-Datenbank“) überführt. Diese kann als Microsoft Excel© oder als Microsoft Access©- Datei heruntergeladen werden. Jeder Datenbankeintrag umfasst 33 Felder, die u.a. den Substanznamen mit Gruppe, die CAS-Nummer, die Umweltmatrize der Messung mit Ort, den Probenzeitraum und Anzahl der Messungen, die gemessene Umweltkonzentration in Original und standardisierten Einheiten, Angaben zur Nachweisgrenze, Verschmutzungsquelle sowie Angaben zur Referenz (Sprache, Typ und Datenqualität) enthalten.
Alle verwendeten Referenzen wurden in einer Endnote©Literaturdatenbank gesammelt. Zur Nachvollziehbarkeit und zur bessern Arbeit mit der MEC-Datenbank kann die Referenzenliste als Travelling Library und in anderen Formaten in einer zip-Datei hier heruntergeladen werden.

Matrizes
Die 771 pharmazeutischen Substanzen wurden in 54 Matrizes insgesamt nachgewiesen. Die Matrizes mit den meisten Umweltkonzentrationen sind Oberflächenwasser, Grundwasser, Uferfiltrat, Brunnenwasser, Leitungs-/Trinkwasser, Abwasser, Klärschlamm und Kläranlagenabläufe, Gülle, Boden, Sediment und Schwebstoffe. Weitere Matrizes wurden unterschieden. Zwischen Leitungs- und Trinkwasser wurde nicht unterschieden, da eine Abgrenzung zur Nutzung von Leitungs- und Trinkwasser in den unterschiedlichen Ländern aus den Publikationen nicht immer klar ersichtlich war.

Regionale Aggregierung
Die geografische Lage der Probenahmeorte wurde entsprechend der regionalen UN-Gruppen kategorisiert (Africa Group; Asia-Pacific group; Eastern Europe group (EEG); group of Latin American and Caribbean States (GRULAC); Western Europe and Others Group (WEOG), including North America, Australia, and New Zealand).

Datenaggregierung
In vielen Publikationen liegen mehrere Umweltkonzentrationen eher in ausgewerteter Form vor (zum Beispiel Mittelwert, Median, 90. Perzentil, Minimum oder Maximum einer Messkampagne) und weniger als Einzelbeobachtungen. Diese aggregierten Daten sind zusätzlich in einem Datenbankeintrag mit den Informationen statistische Berechnungsart und Anzahl der Messungen abgelegt.

Qualitätsbewertung
Eine Angabe zur Datenqualität jedes Datenbankeintrags bezieht sich auf die Zuverlässigkeit, Plausibilität und die angewendeten Analytikstandards jeder Publikation. Aber da die Qualität einer Publikation schwer zu bewerten ist und auch subjektiv sein kann, sind die Angaben zur Qualität eines Eintrages nur als Indikator zu verstehen. Im Allgemeinen sind fachlich geprüfte Publikationen („peer reviewed“) als hoch qualitative Referenzen eingestuft worden. Die Qualität anderer Quellen wie Berichte oder Doktorarbeiten sind schwieriger zu bewerten. Nichtsdestotrotz, obwohl einige Methoden und Ergebnisse aus nicht fachlich geprüften Publikationen schwieriger zu verifizieren waren, ist die Mehrheit der Publikation von guter Qualität.