Altfahrzeugverwertung und Fahrzeugverbleib

Rund 50 Millionen Autos rollen über deutsche Straßen. Während im Jahr 2019 rund 2,5 Millionen Fahrzeuge als Gebrauchtwagen exportiert wurden, fielen rund 460.000 als Altfahrzeuge an. Die Altfahrzeuge werden demontiert und anschließend geschreddert. Im Jahr 2019 wurden 93,6 % der Altfahrzeugmasse verwertet, davon 86,9 % stofflich.

Inhaltsverzeichnis

 

2019: Knapp eine halbe Million Altfahrzeuge

Zu den Altfahrzeugen laut Altfahrzeugverordnung zählen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (Fahrzeuge der Klassen M1 und N1). Im Jahr 2019 fielen 464.657 Altfahrzeuge zur Verwertung in Deutschland an, von denen 461.266 Stück (501.658 Tonnen) aus Deutschland stammten. Damit verzeichnete die Anzahl der Altfahrzeuge einen starken Rückgang um rund 100.000 (18 %) im Vergleich zum Jahr 2018 (560.455 im Inland angefallene Altfahrzeuge) und erreichte einen ähnlichen Wert wie 2015. Der starke Anstieg der beiden Vorjahre konnte somit nicht fortgesetzt werden. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Gebrauchtfahrzeugexporte aus Deutschland leicht an. Dass zumindest in den ersten Monaten des Jahres 2019 verschiedene Fahrzeughersteller Umtauschprämien für ältere Dieselfahrzeuge zahlten, spiegelt sich in der Anzahl der Altfahrzeuge nicht wider (siehe Abb. „Anzahl der Altfahrzeuge zur Verwertung in Deutschland“). Datenbasis sind die Abfallstatistiken aller rund 1.100 Altfahrzeugverwerter, die über die statistischen Landesämter und das Statistische Bundesamt erfasst werden.

Nach Angaben der GESA, der Gemeinsamen Stelle Altfahrzeuge, gab es Mitte 2017 1.219 Altfahrzeug-Demontagebetriebe, 44 Schredderanlagen und 24 sonstige Anlagen zur weiteren Behandlung mit einer Anerkennung nach der Altfahrzeugverordnung. Von allen anerkannten Betrieben nahmen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2019 1.101 Demontagebetriebe Altfahrzeuge sowie 45 Schredder- und sonstige Anlagen Restkarossen zur Behandlung an (siehe Abb. „Anzahl der anerkannten Altfahrzeugverwertungsbetriebe 2006 bis 2019“).

Nur ein Teil der jährlich rund 3 Mio. endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) fällt als Altfahrzeuge an. Rund 2,5 Mio. Fahrzeuge wurden 2019 als Gebrauchtfahrzeuge exportiert, siehe Abschnitt „Verbleib von endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeugen“. Das durchschnittliche Gewicht der 461.266 Altfahrzeuge betrug 2019 1.088 kg. Die anfallenden Altfahrzeuge werden in Demontagebetrieben und Schredderanlagen verwertet. Dabei wurden in Deutschland die EU-weit vorgegebene Verwertungsquote von 95 Prozent im Jahr 2019 erstmals leicht verfehlt (93,6 %); siehe Abschnitt „Altfahrzeugverwertungsquoten“ und die ausführlichen Altfahrzeug-Jahresberichte auf der Seite des BMU.

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Verbleib von endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeugen

Endgültige Außerbetriebsetzungen

Nach Zählungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) betrug der Bestand der Kraftfahrzeuge (Kfz) mit amtlichen Kennzeichen am 1. Januar 2021 in Deutschland 59,0 Mio., davon 48,2 Mio. Personenkraftwagen (Pkw). Jährlich werden rund 9 bis 10 Mio. Kfz vorübergehend oder endgültig außer Betrieb gesetzt, im Jahr 2019 waren es 10,1 Mio. Kfz (2020: 9,3 Mio. Kfz), davon 8,9 Mio. Pkw (2020: 8,1 Mio. Pkw) (KBA 2020) und 0,4 Mio. leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen (KBA 2020).

Die Anzahl der endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge ist relevant für die Bestimmung des Umfangs der statistischen Lücke des unbekannten Fahrzeugverbleibs. Statistische Angaben zur Anzahl der endgültigen Außerbetriebsetzungen existieren nicht. Daher bestimmte das KBA im Jahr 2018 den Anteil der endgültigen Stilllegungen an allen Außerbetriebsetzungen durch eine umfassende statistische Auswertung. Danach machten die mehrfach innerhalb eines Jahres außer Betrieb gesetzten Kraftfahrzeuge rund 4 % (M1-Kfz) bzw. rund 3,5 % (N1-Kfz) der Anzahl aller Außerbetriebsetzungen der Jahre 2013 bzw. 2017 aus. Rechnet man diese heraus und multipliziert die Anzahl der in einem Jahr außer Betrieb gesetzten Kraftfahrzeuge mit den Stilllegungsquoten von 34,1 % (M1-Kfz) bzw. 40,2 % (N1-Kfz) (bestimmt auf Basis der Außerbetriebsetzungen des Jahres 2013), ergeben sich für das Jahr 2019 rund 3,08 Mio. endgültig stillgelegte Pkw (M1-Kfz) und leichte Nutzfahrzeuge (N1-Kfz). Ergänzend ist davon auszugehen, dass es aufgrund der Diesel-Umtauschprämien in den Jahren 2017 und 2018 und etwas vermindert 2019 zu Sondereffekten gekommen ist, die aller Wahrscheinlichkeit nach einen im Vergleich zu 2013 erhöhten Anteil an endgültigen Außerbetriebsetzungen bewirkt haben: Für 2018 schätzungsweise rund 130.000 zusätzliche Pkw und für 2019 von rund 40.000 zusätzliche Pkw. Entsprechend ergeben sich für beide Jahre angepasste Gesamtwerte von je etwa 3,12 Mio. endgültig stillgelegter Kraftfahrzeuge.

Fahrzeugverbleib

Aus den Statistiken des Statistischen Bundesamtes und des Kraftfahrt-Bundesamtes lässt sich der Verbleib der endgültig stillgelegten Kraftfahrzeuge zum großen Teil verfolgen (siehe Abb. „Verbleib der endgültig stillgelegten Fahrzeuge in Deutschland 2019“ und Abb. „Verbleib der endgültig stillgelegten Fahrzeuge in Deutschland 2018 (aktualisiert)“).

Der weitaus größte Teil der in Deutschland endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge wurde 2018 und 2019 als Gebrauchtfahrzeuge exportiert. Der Großteil davon wurde in anderen EU-Staaten wieder in Betrieb gesetzt. Nach den Bewirtschaftungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes sowie einigen ergänzenden Daten der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2018 1,95 Mio. und 2019 1,94 Mio. Fahrzeuge in anderen EU-Staaten wieder zugelassen. Da die vorliegenden statistischen Daten als nicht vollständig zur Abbildung der tatsächlichen Gebrauchtfahrzeugexporte eingeschätzt werden, wurden qualifizierte Zuschätzungen von weiteren 210.000 (2018) bzw. 220.000 (2019) Gebrauchtfahrzeugen vorgenommen. Rund 260.000 bzw. 340.000 Fahrzeuge, also lediglich rund 9 bis 11 % der endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge, wurden als Gebrauchtfahrzeuge ins Nicht-EU-Ausland exportiert (Außenhandelsstatistik plus Zuschätzung, vergleiche die deutschen Altfahrzeug-Jahresberichte für 2018, Abbildung 3, und 2019, Abbildung 2). Nach Westafrika wurden 2019 gemäß Außenhandelsstatistik rund 71.000 Gebrauchtfahrzeuge exportiert.

0,56 Mio. (2018) bzw. 0,46 Mio. (2019) oder rund 18 % bzw. 15 % der endgültig außer Betrieb gesetzten Kraftfahrzeuge wurden als Altfahrzeuge verwertet; siehe Abschnitt „2019: Knapp eine halbe Million Altfahrzeuge“. Ein Export von Altfahrzeugen, die der Altfahrzeugverordnung unterfallen, fand entsprechend der Abfallexportstatistik im Jahr 2019 nicht statt. Bei den exportierten „Altfahrzeugen“ (Abfallschlüssel 160104*) handelte es sich nicht um Straßenfahrzeuge.

Ausgehend von schätzungsweise jeweils 3,12 Mio. endgültig außer Betrieb gesetzten Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (inkl. Zuschätzung aufgrund der Umstiegsprämien für Dieselfahrzeuge, siehe Abschnitt „Endgültige Außerbetriebsetzungen“) blieb der Verbleib von rund 160.000 Fahrzeugen im Jahr 2019 und von rund 130.000 Fahrzeugen im Jahr 2018 statistisch nicht erklärbar.

Da die Berechnung des unbekannten Fahrzeugverbleibs teilweise auf Zuschätzungen beruhte, wurde der unbekannte Verbleib als Plausibilitätsprüfung vereinfacht nochmals anhand einer anderen Rechnung bestimmt. Dazu wurde versucht, den Bestandszuwachs der Fahrzeuge im Laufe der Jahre 2018 und 2019 zu erklären durch die neu in den Bestand hinzukommenden Fahrzeuge (Neuzulassungen + Gebrauchtfahrzeugimporte) abzüglich der aus dem Bestand endgültig ausscheidenden Fahrzeuge (Gebrauchtfahrzeugexporte + Altfahrzeuge), (siehe Abb. „Bilanzierung des Verbleibs über die Bestandsänderung von M1- und N1-Kfz in den Jahren 2018 und 2019“). Diese Bilanzierung ging nicht vollständig auf, sondern es blieb eine nicht erklärte Lücke von rechnerisch rund 250.000 Fahrzeugen für 2018 sowie 460.000 Fahrzeugen für 2019. Dies würde bedeuten, dass der unbekannte Verbleib 2019 die gleiche Größenordnung annimmt wie die Anzahl der anerkannt demontierten Altfahrzeuge. Dass der unbekannte Verbleib für 2019 um rund 200.000 Kfz höher als 2018 ausfällt, ist hauptsächlich in den fast 200.000 höheren Neuzulassungen im Jahr 2019 begründet.

Beim Vergleich beider dargestellten Verbleibsbetrachtungen zeigen sich große Abweichungen. Eine Aussage, welche der beiden Betrachtungen näher an der Realität ist, ist nicht möglich.

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Altfahrzeug-Verwertungsquoten

Die ausführlichen deutschen Jahresberichte über die Altfahrzeug-Verwertungsquoten seit 2008, die das Umweltbundesamt jährlich auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes und eigener Berechnungen ermittelt, sind auf der Altfahrzeug-Seite des BMU auf Deutsch und (bis 2017) Englisch veröffentlicht.

Bis zum Jahr 2018 wurden die gesetzlich von der EU geforderten Verwertungsziele für Altfahrzeuge in Deutschland seit 2006 durchgängig übertroffen. Seit 2010 wurden bereits die höheren Verwertungsziele erreicht, die seit 2015 gelten. Die geforderte Recyclingquote (inklusive Wiederverwendung von Ersatzteilen) von 85 % wurde mit 86,9 % auch im Jahr 2019 eingehalten, während die Altfahrzeug-Verwertungsquote von 93,6 Gewichtsprozent (Gew.-%) erstmals das Ziel von 95 % leicht verfehlte. Dies ist begründet im sehr geringen Restkarossen-Eingang der Schredderanlagen im Vergleich zu den angefallenen Altfahrzeugen und infolge entsprechend geringeren Mengen an verwerteten nichtmetallischen Schredderrückständen.

Die Verwertungsquote beinhaltet neben der stofflichen Verwertung der Materialien der Altfahrzeuge auch die energetische Verwertung, zum Beispiel die Abfallverbrennung zur Energieerzeugung. Durch den „Aufstau“ von Altfahrzeugen im Jahr der Abwrackprämie 2009 gaben die Quoten in diesem Jahr etwas nach und stiegen 2010 durch die zusätzliche zeitversetzte Verwertung im Zuge des Lagerabbaus stark an. Dadurch ergeben sich von 2010 bis 2014 rechnerische Verwertungsquoten von über 100 % (siehe Abb. „Altfahrzeug-Verwertungsquoten Deutschland 2010 bis 2019“). Rechnet man die Nachwirkungen der Abwrackprämie heraus, liegen die Altfahrzeugverwertungsquoten seit 2010 zwischen 94 % und knapp 100 % und die Altfahrzeugrecyclingquoten zwischen 87 % und 89 % (siehe Abb. „Altfahrzeug-Verwertungsquoten Deutschland 2010 bis 2019, für 2010 bis 2014 bereinigt um die Effekte der Abwrackprämie von 2009“).

Rechtliche Quotenvorgaben

Die EG-Altfahrzeug-Richtlinie und die deutsche Altfahrzeug-Verordnung fordern seit 2015, dass mindestens 95 Gewichtsprozent (Gew.-%), bezogen auf das Leergewicht aller Altfahrzeuge, wieder verwendet oder verwertet werden. Davon sind mindestens 85 Gew.-% wieder zu verwenden oder stofflich zu verwerten, also zu recyceln. In den Jahren 2006 bis 2014 lagen die geforderten Quoten bei 85 Gew.-%für Wiederverwendung und Verwertung und bei 80 Gew.-% für die Wiederverwendung und stoffliche Verwertung.

Altfahrzeugverwertung in der EU

Auf der Seite von Eurostat veröffentlicht die EU-Kommission die Altfahrzeugmengen und -verwertungsquoten aller EU-Staaten. Im Jahr 2018 fielen insgesamt rund 6,7 Millionen Altfahrzeuge in der EU (inkl. Großbritannien) an, die meisten davon in Frankreich (1,6 Mio.), gefolgt von Großbritannien (1,4 Mio.), Italien (1,0 Mio.) und Spanien (750.000). Deutschland lag auf Platz 5 mit rund 560.000 Altfahrzeugen (2019: rund 460.000), dicht gefolgt von Polen mit rund 510.000 Altfahrzeugen. Während die EU-Mitgliedstaaten mit wenigen Ausnahmen im Jahr 2018 die Mindest-Recyclingquote von 85 % erreichten, wurde die Mindest-Verwertungsquote von 95 % nur in 19 der zu diesem Zeitpunkt 28 EU-Mitgliedstaaten erreicht (keine Angabe für 3 Mitgliedstaaten).

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Beitrag der Demontagebetriebe für Altfahrzeuge zu den Verwertungsquoten

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nahmen im Jahr 2019 1.101 Altfahrzeug-Demontagebetriebe Altfahrzeuge an. Diese demontierten 2019 gemäß der Abfallstatistik des Statistischen Bundesamtes 18,0 % des Leergewichts der behandelten Altfahrzeuge zur Gewinnung von Ersatzteilen oder verwertbaren Materialien. 12,6 % Prozentpunkte waren metallische Komponenten wie Katalysatoren, Motoren, Getriebe, 5,4 Prozentpunkte nichtmetallische Bauteile und Werkstoffe wie Reifen, Ersatzteile und Betriebsflüssigkeiten. Diese Teile wurden erneut verwendet oder verwertet, meist stofflich. Bezogen auf die angefallenen 461.266 Altfahrzeuge trugen die demontierten nichtmetallischen Bauteile im Jahr 2019 lediglich 5,4 % zur Verwertungs- und 4,1 % zur Recyclingquote bei.

Glas und Kunststoff: Pro Altfahrzeug wurden gemäß Abfallstatistik lediglich 2,5 kg Glas und 3,2 kg Kunststoffteile (ohne Batteriegehäuse) demontiert und einer Verwertung zugeführt (siehe Abb. „Verwertung demontierter Werkstoffe aus Altfahrzeugen in Deutschland 2019“). Dies entspricht nur einem Bruchteil des pro Altfahrzeug enthaltenen Glases von rund 30 kg sowie des vom Umweltbundesamt formulierten Ziels für die werkstoffliche Verwertung und Kunststoffteilen von 20 kg pro Altfahrzeug.
Fahrzeugelektronik: Von Interesse ist auch der Fortschritt in Richtung des im Jahr 2016 formulierten ProgRess II-Ziels der Bundesregierung einer „möglichst weitgehenden Demontage der Fahrzeugelektronik pro Altfahrzeug bis 2020“. Während in der Abfallstatistik des Jahres 2017 eine Demontage von durchschnittlich 0,5 kg Fahrzeugelektronik pro Altfahrzeug erfasst wurde, konnte bis zum Jahr 2019 eine Vervierfachung auf 2,1 kg pro Altfahrzeug beobachtet werden. Bis zur UBA-Empfehlung von 15 kg ist die Demontage von Fahrzeugelektronik jedoch noch erheblich zu steigern.

Diagramm: 2019 wurden pro Altfahrzeug im Durchschnitt 196 kg Werkstoffe demontiert, davon gut zwei Drittel metallische und knapp ein Drittel nichtmetallische Fraktionen. Es wurden 33 kg Reifen und 7 kg Betriebsflüssigkeiten, aber nur 3 kg Kunststoff und 2,5 kg Glas entnommen.
Verwertung demontierter Werkstoffe aus Altfahrzeugen in Deutschland 2019
Quelle: Statistisches Bundesamt / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Beitrag der Schredderanlagen und Postschreddertechniken

Nach der Demontage werden die entfrachteten Restkarossen in anerkannten Schredderanlagen und sonstigen Anlagen zur weiteren Behandlung behandelt. Im Jahr 2019 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 45 Anlagen 385.300 Restkarossen (331.262 Tonnen) (davon 375.928 Stück aus dem Inland) mit einem Durchschnittsgewicht von 860 kg zur Behandlung angenommen. Die Restkarossen machten lediglich rund 10,5 % des Metallschrottinputs der 45 Anlagen aus (siehe Abb. „Input in Schredderanlagen in Deutschland 2019“).

Beim Zerkleinern der Restkarossen und weiterer Schrotte entstehen drei Fraktionen:

  • Der Schredderschrott, die größte Fraktion, besteht aus Eisen und Stahl.
  • Der buntmetallhaltige Schredderschrott (Schredderschwerfraktion) enthält unter anderem Aluminium, Kupfer und Edelstahl.
  • Die Schredderleichtfraktion ist ein teilweise schadstoffhaltiges Gemisch aus Kunststoffen, Gummi, Glas, Restmetallen und weiteren Materialien.
Diagramm: Im Jahr 2019 behandelten die 45 Schredderanlagen mit Restkarossen im Input insgesamt rund 3,2 Millionen Tonnen Metallschrotte. 76 Prozent entfiel auf Eisen- und Stahlschrott, nur 10,5 Prozent auf Restkarossen und 6 Prozent auf Elektroaltgeräte.
Input in Schredderanlagen in Deutschland 2019
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Metallverwertung

Die Metallfraktionen aus der Demontage und dem Zerkleinern im Schredder trugen mit 74,7 % den größten Anteil zu den Recycling- und Verwertungsquoten bei. Der verwertete Metallgehalt wird ermittelt auf Grundlage von Informationen der Fahrzeughersteller und eines Schredderversuchs:

  • Nach Angaben der deutschen und internationalen Fahrzeughersteller betrug der Metallgehalt der Pkw-Neuzulassungen des Jahres 2000 im Mittel 75,5 %. Bei einem durchschnittlichen Altfahrzeugalter von etwa 17 bis 18 Jahren fallen diese Fahrzeuge durchschnittlich in den Jahren 2017/2018 als Altfahrzeuge zur Verwertung an. Aufgrund der langsamen Änderung der Fahrzeugzusammensetzung lässt sich dieser Wert auch auf 2019 anwenden.
  • In einem 2016 im Auftrag des Umweltbundesamts durchgeführten Restkarossen-Schredderversuch wurde gezeigt, dass mindestens 99 % dieses Metallanteils verwertet werden.

Die Altfahrzeugverteilung nach Herstellern im Schredderversuch von 2016 zeigt, dass insbesondere Altfahrzeuge der Marken Audi, BMW und Mercedes im Verhältnis zu den Zulassungszahlen 15 Jahre zuvor selten zur Verwertung anfallen (siehe Abb. „Altfahrzeugverteilung nach Herstellern im Schredderversuch 2016“). Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein Großteil der hochwertigen Fahrzeuge als Gebrauchtwagen exportiert wird und nicht in Deutschland zur Verwertung anfällt.

Diagramm: Im UBA-Schredderversuch aus dem Jahr 2016 stammten 58 Prozent der 425 Altfahrzeuge von Ford, Opel, Renault und Volkswagen. Altfahrzeuge von Daimler, Audi, BMW und VW fanden sich im Schredderversuch viel seltener als in den Neuzulassungen von vor 15 Jahren.
Altfahrzeugverteilung nach Herstellern im Schredderversuch 2016
Quelle: Sander et al. / Kraftfahrt-Bundesamt Diagramm als PDF
 

Verwertung der Schredderleichtfraktion

Im Jahr 2019 fielen in den 45 Schredder- und sonstigen Anlagen rund 345.000 t Schredderleichtfraktion an, ca. 67.700 t davon (20 %) aus der Altfahrzeugverwertung. Unter diesem Begriff zusammengefasst wurden hierfür neben den Abfallschlüsseln der Schredderleichtfraktion (19 10 03* und 19 10 04) auch weitere Abfallschlüssel, die für Schredderrückstände aus Altfahrzeugen verwendet werden: Mineralien (Abfallschlüssel 19 12 09) und brennbare Abfälle (Abfallschlüssel 19 12 10). Zu den rund 67.950 t nichtmetallischen Schredderrückständen, die 2019 aus Restkarossen stammten, gehören außerdem rechnerisch ca. 250 t im Schredder gewonnene Kunststofffraktionen aus Restkarossen (Abfallschlüssel 19 12 04) und somit weniger als 2017 (1.900 t) und 2018 (500 t).

Im Jahr 2019 wurden von der Schredderleichtfraktion (19 10 03*, 19 10 04, 19 12 09, 19 12 10) der 45 Schredder- und sonstigen Anlagen zur Restkarossenbehandlung 10 % beseitigt, 54 % stofflich verwertet, meist als mineralreiche Fraktion im Bergversatz und Deponiebau. 36 % wurden 2019 energetisch in Müllverbrennungsanlagen oder als Ersatzbrennstoff verwertet (siehe Abb. „Entsorgung der Schredderleichtfraktion aus den Schredderanlagen mit Restkarosserieverwertung“). Die Verwertung der nichtmetallischen Schredderrückstände (Schredderleichtfraktion und separierte Kunststofffraktionen) trug im Jahr 2019 nur 11,0 % zur Verwertungsquote bzw. 6,6 % zur Recyclingquote bei. Diese relativ geringen Anteile sind überwiegend begründet im vergleichsweise geringen Restkarossen-Eingang der Schredderanlagen im Vergleich zu den angefallenen Altfahrzeugen. Der geringe Beitrag der Schredderrückstände zur Verwertungsquote begründen damit letztlich, warum die Verwertungsquote für Altfahrzeuge von 95 % 2019 nicht eingehalten werden konnte.

Diagramm: In den Schredderanlagen fallen jährlich rund 350.000 bis 450.000 Tonnen Schredderleichtfraktion an. Es werden etwa 10 Prozent beseitigt, etwa 40 Prozent energetisch verwertet und etwa 50 Prozent stofflich verwertet.
Entsorgung der Schredderleichtfraktion aus den Schredderanlagen mit Restkarosserieverwertung
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF