Altfahrzeugverwertung und Fahrzeugverbleib

Über 46 Millionen Autos rollen über deutsche Straßen. Während jährlich rund 2 Millionen Fahrzeuge als Gebrauchtwagen exportiert werden, fallen über 400.000 als Altfahrzeuge an. Die Altfahrzeuge werden demontiert und anschließend geschreddert. Im Jahr 2016 wurden 98,0 % der Altfahrzeugmasse verwertet, davon 89,3 % stofflich.

Inhaltsverzeichnis

 

Rund eine halbe Million Altfahrzeuge jährlich

Zu den Altfahrzeugen laut Altfahrzeugverordnung zählen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (Fahrzeuge der Klassen M1 und N1). Im Jahr 2016 fielen 417.129 Altfahrzeuge zur Verwertung in Deutschland an, von denen 412.801 aus Deutschland stammen. Die Anzahl der in Deutschland angefallenen Altfahrzeuge schwankt seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2004 rund um die Halbmillionen-Marke, mit dem Ausnahmejahr 2009 der Umweltprämie, umgangssprachlich auch Abwrackprämie genannt, als 1,78 Millionen (Mio.) Altfahrzeuge anfielen (siehe Abb. „Anzahl der Altfahrzeuge zur Verwertung in Deutschland“). Datenbasis sind die Abfallstatistiken aller rund 1.300 Altfahrzeugverwerter (Mitte 2017: 1.219 Altfahrzeug-Demontagebetriebe, 44 Schredderanlagen und 24 sonstige Anlagen), die über die statistischen Landesämter und das Statistische Bundesamt erfassen werden.

Nur ein Teil der jährlich fast 3 Mio. endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge fällt als Altfahrzeug an. Rund 2 Mio. Fahrzeuge werden als Gebrauchtfahrzeuge exportiert, siehe Abschnitt „Verbleib von endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeugen“. Das durchschnittliche Gewicht der Altfahrzeuge betrug 2016 1,0 t. Die anfallenden Altfahrzeuge werden in Demontagebetrieben und Schredderanlagen verwertet. Dabei werden in Deutschland die EU-weit vorgegebenen Recycling- und Verwertungsquoten stets eingehalten, siehe Abschnitt „Steigende Altfahrzeug-Verwertungsquoten“ und die ausführlichen Berichte auf der Altfahrzeug-Seite des BMU.

Im Jahr 2016 betrug das Aufkommen an Altfahrzeugen in Deutschland 413.000. Zwischen 2004 und 2016 fielen jeweils etwa 500.000 Altfahrzeuge an. Im Ausnahmejahr 2009 der Abwrackprämie waren es knapp 1,8 Millionen.
Anzahl der Altfahrzeuge zur Verwertung in Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Verbleib von endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeugen

Endgültige Außerbetriebsetzungen

Nach Zählungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) betrug der Bestand der Kraftfahrzeuge (Kfz) mit amtlichen Kennzeichen am 1. Januar 2018 in Deutschland 56,6 Mio., davon 46,5 Mio. Personenkraftwagen (Pkw). Jährlich werden knapp 10 Mio. Kfz vorübergehend oder endgültig außer Betrieb gesetzt, in den Jahren 2016 bzw. 2017 waren es 9,7 Mio. bzw. 9,8 Mio. Kfz (davon 8,5 bzw. 8,6 Mio. Pkw und 389 Tausend leichte Nutzfahrzeuge).

Das KBA bestimmte im Jahr 2016 den Anteil der endgültigen Stilllegungen an allen Außerbetriebsetzungen 2013 durch eine umfassende statistische Auswertung (siehe UBA-Texte 50/2017, Kap. 5.1.2). Demnach entfallen rund 4 % der Außerbetriebsetzungen auf Mehrfachaußerbetriebsetzungen in einem Jahr. Vom Rest wurden 33,3 % der außer Betrieb gesetzten Pkw und 41,4 % der leichten Nutzfahrzeuge endgültig außer Betrieb gesetzt. In den Jahren 2015 und 2016 wurden somit jeweils rund 2,8 Mio. Fahrzeuge der Klassen M1 und N1 endgültig stillgelegt.

Verbleib der endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge

Aus den Statistiken des Statistischen Bundesamtes und des KBA lässt sich der Verbleib der endgültig stillgelegten Kraftfahrzeuge zum großen Teil verfolgen (siehe Abb. „Verbleib der endgültig stillgelegten Fahrzeuge in Deutschland 2016“).

Der weitaus größte Teil der in Deutschland außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge wurde als Gebrauchtfahrzeuge exportiert. Mehr als die Hälfte der endgültig stillgelegten Fahrzeuge wurde in anderen EU-Staaten wieder in Betrieb genommen. Nach Daten des KBA wurden im Jahr 2015 1,4 Mio. Fahrzeuge in den anderen EU-Staaten wieder angemeldet. Da die vorliegenden Daten als nicht vollständig eingeschätzt werden, wurde eine qualifizierte Zuschätzung von weiteren 240.000 Gebrauchtfahrzeugen vorgenommen. Rund 260.000 Fahrzeuge, also ein Elftel der endgültig außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge, wurden als Gebrauchtfahrzeuge ins Nicht-EU-Ausland exportiert (Außenhandelsstatistik plus Zuschätzung, vergleiche den deutschen Jahresbericht 2016, Abbildung 3). 412.801 oder 14 % der endgültig außer Betrieb gesetzten Kraftfahrzeuge wurden als Altfahrzeuge verwertet, siehe Abschnitt „Rund eine halbe Million Altfahrzeuge jährlich“. Für weitere 560.000 Fahrzeuge ist der Verbleib im Jahr 2016 statistisch nicht belegt.

In früheren Jahren hatte die „statistische Lücke“ beim Fahrzeugverbleib jeweils über 1 Million Fahrzeuge betragen. Daher initiierten das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt im Jahr 2014 eine Studie zur Aufklärung des Verbleibs der Fahrzeuge. Durch die darin erfolgten statistischen Neubewertungen zu Außerbetriebsetzungen und Gebrauchtfahrzeugexporten konnte die Lücke auf die genannten 560.000 Fahrzeuge im Jahr 2016 halbiert werden.

In Deutschland wurden 2016 rund 2,9 Millionen Kfz endgültig stillgelegt. Rund 2 Millionen davon wurden als Gebrauchtfahrzeuge exportiert, 410.000 als Altfahrzeuge verwertet. Für 560.000 ist der Verbleib statistisch nicht belegt.
Verbleib der endgültig stillgelegten Fahrzeuge in Deutschland 2016
Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt Diagramm als PDF
 

Steigende Altfahrzeug-Verwertungsquoten

Die ausführlichen Berichte über die Altfahrzeug-Verwertungsquoten seit 2008, die das Umweltbundesamt jährlich auf Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes und eigener Berechnungen ermittelt, sind auf der Altfahrzeug-Seite des BMU auf Deutsch und englisch veröffentlicht.

Bislang übertraf Deutschland die gesetzlich von der EU geforderten Verwertungsziele seit 2006 kontinuierlich. Seit 2010 werden bereits die höheren Verwertungsziele, siehe unten, erreicht, die seit 2015 gelten. Für das Jahr 2016 liegt die Altfahrzeug-Verwertungsquote bei 98,0 Gewichtsprozent (Gew.-%), die Recyclingquote (inklusive Wiederverwendung von Ersatzteilen) bei 89,3 Gew.-%.

Die Verwertungsquote beinhaltet neben dem stofflichen Recycling der Materialien der Altfahrzeuge auch die energetische Verwertung, zum Beispiel die Abfallverbrennung zur Energieerzeugung. Durch den „Aufstau“ von Altfahrzeugen im Jahr der Abwrackprämie 2009 gaben die Quoten in diesem Jahr etwas nach und stiegen 2010 durch die zusätzliche zeitversetzte Verwertung im Zuge des Lagerabbaus stark an. Dadurch ergeben sich rechnerisch Verwertungsquoten von über 100 %. Die Nachwirkungen der Abwrackprämie schwächten sich von Jahr zu Jahr ab. Seit dem Jahr 2015 waren die Lagerbestände von 2009 weitgehend abgebaut und die Auswirkung der Abwrackprämie auf die berechneten Quoten nicht mehr nachzuvollziehen (siehe Abb. „Altfahrzeug-Verwertungsquoten Deutschland 2004 bis 2016“ und „Altfahrzeug-Verwertungsquoten Deutschland 2004 bis 2016, für 2009 bis 2014 bereinigt um die Effekte der Abwrackprämie von 2009“).

Rechtliche Quotenvorgaben

Die EG-Altfahrzeug-Richtlinie und die deutsche Altfahrzeug-Verordnung fordern seit 2015, dass mindestens 95 Gewichtsprozent (Gew.-%), bezogen auf das Leergewicht aller Altfahrzeuge, wieder verwendet oder verwertet werden. Davon sind mindestens 85 Gew.-% wieder zu verwenden oder stofflich zu verwerten, also zu recyceln. In den Jahren 2006 bis 2014 lagen die geforderten Quoten bei 85 Gew.-%für Wiederverwendung und Verwertung und bei 80 Gew.-% für die Wiederverwendung und stoffliche Verwertung.

Altfahrzeugverwertungsquoten in der EU

Auf der Seite von Eurostat veröffentlicht die EU-Kommission die Altfahrzeugmengen und -verwertungsquoten aller EU-Staaten. Im Jahr 2016 fielen die meisten Altfahrzeuge in der EU in Großbritannien (1,1 Mio.) an, gefolgt von Frankreich (1,0 Mio.), Italien (980.000) und Spanien (610.000) an. Danach folgt Deutschland mit 410.000 Altfahrzeugen auf Platz fünf. Der Altfahrzeuganfall in Polen hat sich seit 2006 nahezu vervierfacht, sodass in Polen im Jahr 2015 mit 480.000 Altfahrzeugen erstmals mehr Altfahrzeuge anfielen als in Deutschland. Zahlen aus Polen für das Jahr 2016 liegen noch nicht vor.

Beitrag der Demontagebetriebe für Altfahrzeuge

Von den 1.243 im Jahr 2016 anerkannten Demontagebetrieben nahmen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2016 1.153 Betriebe Altfahrzeuge an. Diese demontierten 2016 15,6 % des Leergewichts der behandelten Altfahrzeuge zur Gewinnung von Ersatzteilen oder verwertbaren Materialien. 10,2 %-Punkte waren metallische Komponenten wie Katalysatoren, Motoren, Getriebe, 5,4 %-Punkte nichtmetallische Bauteile und Werkstoffe wie Reifen, Ersatzteile und Betriebsflüssigkeiten. Diese Teile wurden erneut verwendet oder verwertet, teilweise stofflich. Pro Altfahrzeug wurden lediglich 2,3 kg Glas und 2,4 kg Kunststoffteile demontiert (siehe Abb. „Verwertung demontierter Werkstoffe aus Altfahrzeugen in Deutschland 2016“). Bezogen auf die angefallenen 412.801 Altfahrzeuge trugen die demontierten nichtmetallischen Bauteile im Jahr 2016 5,3 % zur Verwertungs- und 4,0 % zur Recyclingquote bei.

Beitrag der Schredderanlagen und Postschreddertechniken

Nach der Demontage werden die entfrachteten Restkarossen in anerkannten Schredderanlagen behandelt. Im Jahr 2016 gab es nach Angaben der Gemeinsamen Stelle Altfahrzeuge der Länder (GESA) 47 anerkannte Schredderanlagen und 26 anerkannte sonstige Anlagen, von denen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 51 Anlagen 508.141 Restkarossen (davon 488.490 aus dem Inland) zur Behandlung annahmen. Die Restkarossen machten rund 11 % des Metallschrottinputs der 51 Anlagen aus (siehe Abb. „Input in Schredderanlagen in Deutschland 2016“).

Beim Zerkleinern der Restkarossen und weiterer Schrotte entstehen drei Fraktionen: Der Schredderschrott, die größte Fraktion, besteht aus Eisen und Stahl. Der buntmetallhaltige Schredderschrott (Schredderschwerfraktion) enthält unter anderem Aluminium, Kupfer und Edelstahl. Die Schredderleichtfraktion ist ein teilweise schadstoffhaltiges Gemisch aus Kunststoffen, Gummi, Glas, Restmetallen und weiteren Materialien.

Metallverwertung

Die Metallfraktionen aus der Demontage und dem Zerkleinern im Schredder trugen mit 74,0% den größten Anteil zu den Recycling- und Verwertungsquoten bei. Der verwertete Metallgehalt wird ermittelt auf Grundlage von Informationen der Fahrzeughersteller und eines Schredderversuchs:

  • Nach Angaben der deutschen und internationalen Fahrzeughersteller betrug der Metallgehalt der Pkw-Neuzulassungen des Jahres 2000 im Mittel 75,5 %. Bei einem durchschnittlichen Altfahrzeugalter von etwa 15 Jahren fallen diese Fahrzeuge durchschnittlich im Jahr 2015 als Altfahrzeuge zur Verwertung an.
  • In einem 2016 durchgeführten Schredderversuch wurde gezeigt, dass über 98 % dieses Metallanteils verwertet werden. Dieser Wert wird daher für die Berechnung der Metallverwertungsquote benutzt und ersetzt die zuvor benutzte Annahme von 97 % Metallverwertung (siehe Abb. „Altfahrzeugverteilung nach Herstellern im Schredderversuch 2016“).

Die Altfahrzeugverteilung nach Hersteller im Schredderversuch von 2016 zeigt, dass insbesondere Altfahrzeuge der Marken Audi, BMW und Mercedes im Verhältnis zu den Zulassungszahlen vor 15 Jahren selten zur Verwertung anfallen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein Großteil der hochwertigen Fahrzeuge als Gebrauchtwagen exportiert und nicht in Deutschland zur Verwertung anfällt.

Verwertung der Schredderleichtfraktion

Im Jahr 2016 fielen in den 51 Schredder- und sonstigen Anlagen rund 313.000 Tonnen (t) Schredderleichtfraktion an, 73.000 t davon aus der Altfahrzeugverwertung. Der o.g. Schredderversuch ergab u.a., dass durch Weiterentwicklung von Post-Schredder-Technologien neben den Abfallschlüsseln der Schredderleichtfraktion (19 10 03 und 19 10 04) auch weitere Abfallschlüssel für die Schredderrückstände aus Altfahrzeugen verwendet werden. In die Berechnung der Verwertungsquoten werden daher auch die Mineralische Fraktion (Abfallschlüssel 19 12 90 00) und brennbare Abfälle (Abfallschlüssel 19 12 10) miteinbezogen.

Während in Deutschland im Jahr 2004 noch 90 % der Schredderleichtfraktion beseitigt wurden, stieg der verwertete Anteil von Jahr zu Jahr kontinuierlich, sodass im Jahr 2013 lediglich noch 4 % beseitigt wurde. Dieser Rückgang ist unter anderem begründet im Deponieverbot für unvorbehandelte heizwertreiche Abfälle 2005 und 2009. Im Jahr 2016 wurden 7 % der Schredderleichtfraktion beseitigt. Aktuell werden 55 % der Schredderleichtfraktion recycelt und meist als mineralreiche Fraktion im Bergversatz und Deponiebau verwertet. 38 % wurden 2016 energetisch in Müllverbrennungsanlagen oder als Ersatzbrennstoff verwertet (siehe Abb. „Entsorgung der Schredderleichtfraktion aus den Schredderanlagen mit Restkarosserieverwertung“). Die Verwertung der Schredderleichtfraktion trug im Jahr 2016 16 % zur Verwertungsquote bei.

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