Bauabfälle

Der Bausektor gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren. Er setzte 2013 laut Statistischem Bundesamt 534 Millionen Tonnen an mineralischen Baurohstoffen ein. Der Bestand an Gebäuden und Infrastrukturen ist mit rund 28 Milliarden Tonnen (Stand 2010, UBA) inzwischen ein bedeutendes, menschengemachtes Rohstofflager, das nach Nutzungsende wieder dem Recycling zugeführt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

 

Verwertung von Bau- und Abbruchabfällen

Deutschland befindet sich in einer notwendigen Transformation zu einer ressourcenschonenden und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Kreislaufwirtschaft. Für den Umgang mit Abfällen, die beim Bau und beim Abbruch von Gebäuden anfallen, aber auch etwa bei Bau und Sanierung von Straßen, Gleisen oder Tunneln, bedeutet dies dreierlei:

  • Die Entstehung solcher Abfälle sollte möglichst vermieden werden, etwa durch die Erhaltung bestehender Bausubstanz und auf lange Nutzungsdauer ausgelegte Konstruktionen.
  • Nicht vermeidbare Abfälle sollten etwa durch recyclinggerechtes Konstruieren der Bauten, einen recyclinggerechten Baustellenbetrieb und einen recyclinggerechten Abbruch im Wirtschaftskreislauf gehalten werden.
  • Die Beseitigung von Bau- und Abbruchabfällen sollte auf das unumgänglich notwendige Maß beschränkt bleiben und umweltgerecht erfolgen.

Nur so können natürliche Rohstoffe und Deponieraum eingespart und die Ziele des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, der europäischen Abfallrahmenrichtlinie oder des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms (ProgRess II) erreicht werden.

Die Daten aus den folgenden Darstellungen stammen aus dem im Jahr 2019 erschienenen Bericht zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabfälle im Jahr 2016 (11. Monitoring-Bericht der Bauwirtschaft) sowie aus der Umweltstatistik des Statistischen Bundesamtes für den Bereich der mineralischen Bauabfälle.

ein Plattenbau wird abgerissen
Wo es keine stationären Recycling-Anlagen gibt, könnte Bauschutt bald mobil wiederverwertet werden.
Quelle: Henry Czauderna / Fotolia.com
 

Mineralische Bauabfälle

Bauabfälle fallen als Bauschutt, Straßenaufbruch, Boden und Steine sowie als Baustellenabfälle an. Bauabfälle auf Gipsbasis werden separat erfasst. Im Jahr 2016 waren die mineralischen Bauabfälle einschließlich des Bodenaushubs – das sind Böden und Steine – mit 214,6 Millionen Tonnen (Mio. t) die mengenmäßig wichtigste Abfallgruppe in Deutschland (siehe Abb. „Statistisch erfasste Mengen mineralischer Bauabfälle 2016“).

  • 125,2 Mio. t entfielen davon auf die Fraktion Boden und Steine, die sich aus Bodenaushub, Baggergut und Gleisschotter zusammensetzt, und die zu insgesamt 86,1 % verwertet wurde - meist unmittelbar für die Verfüllung übertägiger Abgrabungen oder im Deponiebau.
  • Die restlichen 89,4 Mio. t an Bauabfällen setzten sich aus Bauschutt, Straßenaufbruch, Baustellenabfällen sowie Bauabfällen auf Gipsbasis zusammen. Diese Bauabfälle weisen überwiegend hohe Verwertungsquoten von über 90 % auf. Dazu zählen jedoch auch niederwertige Verwertungsmaßnahmen wie der Deponiebau oder die Verfüllung von Abgrabungen. Lediglich bei den Bauabfällen auf Gipsbasis wird mit über 55 % der Großteil auf Deponien entsorgt. Gegenüber dem 11. Monitoring-Bericht „Mineralische Bauabfälle 2016“ hat die Gesamtmenge an Bauabfällen um ca. 12 Mio. t zugenommen. Die Verwertungsraten haben sich hingegen nur geringfügig geändert.
Diagramm: 2016 waren mineralische Bauabfälle mit 214,6 Mio. t die mengenmäßig wichtigste Abfallgruppe. 58,3 % davon waren Boden und Steine, 41,7 % Bauschutt und andere Bauabfälle.
Statistisch erfasste Mengen mineralischer Bauabfälle 2016
Quelle: 11. Monitoring-Bericht Kreislaufwirtschaft Bau Diagramm als PDF
 

Boden und Steine, Bauschutt und Straßenaufbruch

Im Jahr 2016 fielen 199,7 Mio. t an Bodenaushub, Baggergut, Gleisschotter, Bauschutt und Straßenaufbruch an.

  • 125,2 Mio. t waren Bodenaushub einschließlich Baggergut und Gleisschotter. Davon wurden 77,0 % oder 96,4 Mio. t verwertet. Sie wurden etwa in übertägigen Steinbrüchen und Abgrabungen verfüllt oderanders verwertet. Darüber hinaus wurden aus der Fraktion 11,3 Mio. t (9,1 %) Recycling-Baustoffe hergestellt. 17,5 Mio. t (13,9 %) wurden auf Deponien beseitigt (siehe Abb. „Verbleib Boden und Steine 2016“).
  • 58,5 Mio. t waren Bauschutt. Davon konnten 45,5 Mio. t (77,7 %) recycelt werden, weitere 9,4 Mio. t (16,1 %) wurden etwa in Deponien verbaut oder verfüllt. Die restlichen 3,6 Mio. t (6,2 %) wurden auf Deponien beseitigt (siehe Abb. „Verbleib von Bauschutt 2016“).
  • 16,0 Mio. t waren Straßenaufbruch. 15,2 Mio. t (95,4 %) wurden direkt recycelt, 0,4 Mio. t (2,5 %) im Deponiebau oder im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen verwertet. 0,4 Mio. t (2,1 %) wurden auf Deponien beseitigt (siehe Abb. „Verbleib von Straßenaufbruch 2016“).
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Bauabfälle auf Gipsbasis und Baustellenabfälle

Im Jahr 2016 fielen etwa 0,641 Mio. t Bauabfälle auf Gipsbasis an. Mit 0,257 Mio. t wurden (40,1 %) im übertägigen Bergbau und im Deponiebau verwertet werden. Hinzu kamen 0,029 Mio. t (4,5 %), die recycelt wurden. 0,386 Mio. t (55,4 %) wurden auf Deponien beseitigt (siehe Abb. „Verbleib von Bauabfällen auf Gipsbasis 2016“). Wegen der hohen Nachfrage durch die – aus ökologischer Sicht umstrittene – sonstige Verwertung im Bergbau ist das hochwertige Recycling von Bauabfällen auf Gipsbasis in den letzten Jahren nicht im erwünschten Maße in Gang gekommen.

Bei den Baustellenabfällen haben sich im Vergleich zum vorigen Berichtsjahr 2014 der Anfall und die Verwertungsrate nur geringfügig geändert. Von den insgesamt 14,3 Mio. t wurden 0,2 Mio. t (1,4 %) deponiert, 0,2 Mio. t (1,6 %) recycelt und 13,9 Mio. t (97,0 %) sonstig verwertet, d.h. thermisch verwertet, also für Energie- und Wärmeerzeugung verbrannt, oder verfüllt (siehe Abb. „Verbleib der Baustellenabfälle 2016“).

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Recycling Baustoffe

Recycling-Baustoffe werden überwiegend als Gesteinskörnungen im Straßen-, Erd- und Deponiebau eingesetzt.

  • Im Jahr 2016 betrug der Anfall mineralischer Abfälle aus den Fraktionen Bauschutt und Straßenaufbruch 74,5 Mio. Tonnen. Daraus wurden 60,7 Mio. t an Recycling-Baustoffen hergestellt.
  • Mit den Recycling-Gesteinskörnungen aus den Fraktionen Boden und Steine (11,3 Mio. t) sowie Baustellenabfälle (0,2 Mio. t) ergab sich eine bereitgestellte Menge von 72,2 Mio. t an Recycling-Baustoffen.

Von den recycelten Baustoffen wurden lediglich 15,2 Mio. t als Gesteinskörnung hochwertig in der Asphalt- und Betonherstellung eingesetzt. Weitere 38,1 Mio. t wurden im Straßenbau genutzt, 15,9 Mio. t im Erdbau und 3,0 Mio. t in sonstigen Anwendungen wie dem Bau von Deponien (siehe Abb. „Verbleib der Recycling-Baustoffe 2016“). Diese recycelten Baustoffe deckten einen Anteil von 12,7 % des Gesamtbedarfs an Gesteinskörnungen: Im Hoch- und Tiefbau sowie dem Straßenbau wurden im Jahr 2016 insgesamt 566,5 Mio. t an Gesteinskörnungen verwendet. Technisch ließen sich bereits heute noch mehr Recycling-Gesteinskörnungen aus dem Hochbau wieder im Hochbau einsetzen, wie das Umweltbundesamt im Jahr 2010 am Beispiel des Betonbruchs zeigte. Mittelfristig ist es wichtig, die große Abhängigkeit vom Straßen(neu)bau bei der Entsorgung von Abbruchabfällen zu reduzieren, denn der materialintensive Neubau von Straßen wird, vor allem in strukturell benachteiligten Regionen, abnehmen. In Regionen mit eher geringem Neubau von Straßen liegen die ökologischen Vorteile, Gesteinskörnungen im Hochbau zu verwerten, auf der Hand.

Diagramm: 2016 wurden 21,0 % der hergestellten 72,2 Mio. t Recycling-Gesteinskörnungen in der Asphalt- und Betonherstellung eingesetzt.
Verbleib der Recycling-Baustoffe 2016
Quelle: 11. Monitoring-Bericht Kreislaufwirtschaft Bau Diagramm als PDF
 

Baustoffrecycling wird gefördert

Einige Bundesländer wollen den Einsatz gütegesicherter Recyclingbaustoffe und damit die Kreislaufwirtschaft am Bau fördern. Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz ging voran. Sie gründete ein Bündnis für eine diskriminierungsfreie Ausschreibung von gütegesicherten Recycling-Baustoffen. Dieses Bündnis Kreislaufwirtschaft auf dem Bau wirbt für Ressourcenschonung und Wiederverwertung im Baubereich. An der Initiative beteiligen sich auch die Landesverbände der kommunalen Spitzenverbände, die Architektenkammer, die Ingenieurkammer, der Landesverband Bauindustrie, der Baugewerbeverband, der Industrieverband Steine und Erden und der Baustoffüberwachungsverein. Die Vereinbarung für die umfassende Wiederverwertung von Bauabfällen auf dem Bau finden Sie hier.