Kunststoffabfälle

Die Abfallwirtschaft verwertet die gesammelten Kunststoffabfälle nahezu vollständig. Im Jahr 2017 hat sie 46 Prozent aller gesammelten Kunststoffabfälle werkstofflich und knapp 1 Prozent rohstofflich verwertet. 53 Prozent der Abfälle wurden energetisch verwertet. Aus Klima- und Umweltschutzsicht ist es wichtig, mehr Kunststoffabfälle werkstofflich zu verwerten.

Inhaltsverzeichnis

 

Kunststoffe – Produktion, Verwendung und Verwertung

Die Produktionsmengen der deutschen Kunststoffindustrie sowie die verarbeiteten Mengen lagen 2017 über denen im Jahr 2015. Laut der Studie "Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2017" (pdf), die alle zwei Jahre industrieseitig durchgeführt wird, verarbeitete die Kunststoffindustrie im Jahr 2017 rund 12,6 Millionen Tonnen (Mio. t) Kunststoffe aus Primärrohstoffen zu werkstofflichen Anwendungen, wie zum Beispiel Verpackungen. Dies entspricht einem Anstieg von 5,5 % gegenüber 2015. Zusätzlich wurden etwa 1,8 Mio. t Rezyklate verarbeitet. Der Kunststoffverbrauch in Deutschland lag nach Bereinigung um Im- und Exporte bei 11,8 Mio. t. Im gleichen Zeitraum nahm die Menge der Kunststoffabfälle um 3,9 % auf 6,15 Mio. t zu. Von dieser Menge wurden 99,4 % stofflich oder energetisch verwertet (siehe Abb. „Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle“).

Neben der Produktion von Kunststoffen zur Herstellung von Kunststoffwerkstoffen wurden auch rund 8,9 Mio. t Polymere für Klebstoffe, Lacke, Harze und Fasern erzeugt. Diese werden im Folgenden jedoch nicht mit betrachtet.

2017 wurden insgesamt 6,11 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle verwertet. 1994 waren es erst 1,40 Millionen Tonnen.
Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle
Quelle: Umweltbundesamt / CONVERSIO Market & Strategy GmbH Diagramm als PDF
 

Kunststoffvielfalt

69,1 % der verarbeiteten Kunststoffe entfielen auf folgende fünf Thermoplaste (inklusive Rezyklate):

  • Polyethylen (PE) mit 3,97 Millionen Tonnen (Mio. t),
  • Polypropylen (PP) mit 2,45 Mio. t,
  • Polyvinylchlorid (PVC) mit 1,84 Mio. t,
  • Polyethylenterephthalat (PET) mit 916.000 t sowie
  • Polystyrol und expandiertes Polystyrol (PS/PS-E) mit 760.000 t.

Etwa 14 % der produzierten Gesamtmenge waren andere Thermoplaste wie Polykarbonat (PC), Polyamid (PA) oder Styrol-Copolymere wie Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Styrol-Acrylnitril (SAN). Die restlichen 16,8 % waren sonstige Kunststoffe, u.a. Duroplaste wie Polyurethane, Polyester oder Formaldehydharze sowie Mischkunststoff-Rezyklate (siehe Abb. „Anteil der Kunststoffsorten an der Verarbeitungsmenge Kunststoffe 2017“).

Größter Einsatzbereich für Kunststoffe bleiben die Verpackungen. 30,5 % der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe wurden 2017 hier eingesetzt. Der Bausektor belegte mit 24,5 % den zweiten Rang. Dahinter folgen die Segmente Fahrzeugindustrie mit 11,2 % sowie Elektro- und Elektronikgeräte mit 6,3 % (siehe Abb. „Anteil relevanter Branchen an der Verarbeitungsmenge Kunststoffe 2017“).

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Aufkommen an Kunststoffabfällen

Im Jahr 2017 fielen in Deutschland knapp 6,15 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Etwa 84,5 % dieser Abfälle entstanden nach dem Gebrauch der Kunststoffe. Die restlichen 15,5 % fielen bei der Herstellung und vor allem bei der Verarbeitung von Kunststoffen an.

 

Hohe Verwertungsquoten

Im Jahr 2017 wurden 99,4 % aller gesammelten Kunststoffabfälle verwertet:

  • Von den 6,15 Millionen Tonnen (Mio. t) Gesamt-Kunststoffabfällen wurden 2,87 Mio. t, oder 46,7 % werk- und rohstofflich genutzt.
  • 3,24 Mio. t oder 52,7 % wurden energetisch verwertet – 2,14 Mio. t davon in Müllverbrennungsanlagen, 1,1 Mio. t ersetzten als Ersatzbrennstoff fossile Brennstoffe etwa in Zementwerken oder Kraftwerken.
  • 40.000 t, etwa 0,6 %, wurden beseitigt. Dies sind insbesondere Kunststoffe, die noch zu geringfügigen Anteilen in deponierten Bauabfällen oder Aufbereitungsabfällen aus mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) enthalten waren.

(siehe Tab. „Aufkommen und Verbleib von Kunststoffabfällen in Deutschland 2017 “ und Abb. „Entwicklung der Verwertung der Kunststoffabfälle“).

Bei der Verbrennung von Abfällen wird in energetische Verwertung oder thermische Beseitigung unterschieden. Dies erfolgt anhand der Energieeffizienz der Abfallverbrennungsanlagen auf Grundlage bestimmter Kriterien, die in der EU-Abfallrahmenrichtlinie festgelegt und mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz in nationales Recht umgesetzt worden sind. Werden die Kunststoffabfälle in energieeffizienten Müllverbrennungsanlagen mit Energieauskopplung verbrannt, wird dies generell als energetische Verwertung eingestuft.

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Unterschiede bei der stofflichen Verwertung

Die Höhe der Recyclingquote lag bei Abfällen aus der Kunststofferzeugung und Kunststoffverarbeitung im Jahr 2017 bei 67,6 % beziehungsweise bei 90,7 %. Von Kunststoffabfällen aus privaten Haushalten wurden 42,2 % stofflich verwertet, von den Kunststoffabfällen aus dem gewerblichen Endverbrauch nur 34,3 %. Der Grund für diese unterschiedlichen Quoten ist, dass Kunststoffe in der Industrie meist sehr sauber und sortenrein anfallen, in Haushalten und bei vielen Gewerbebetrieben jedoch verschmutzt und vermischt. Aus Umweltschutzsicht ist es sinnvoll, vermehrt Altkunststoffe aus dem Restmüll „abzuschöpfen“ und einer möglichst hochwertigen werkstofflichen Verwertung zuzuführen. Denn diese Verwertung ist, wie viele Ökobilanzen zeigen, vorwiegend die umweltgünstigste Entsorgungsvariante.

Haupteinsatzgebiete von Kunststoffrezyklaten in Neuprodukten sind Bauprodukte und Verpackungen. Im Jahr 2017 wurden 65,5 % der in Deutschland eingesetzten Rezyklate in diesen beiden Anwendungsbereichen verwendet (siehe Abb. „Einsatz von Kunststoffrezyklaten in Deutschland 2017“).

Im Jahr 2017 wurden 65,5 Prozent der in Deutschland eingesetzten Kunststoffrezyklate in Bauprodukten und Verpackungen verwendet. In Produkten für die Landwirtschaft werden 11,2 Prozent, in Fahrzeugen 4,4 Prozent eingesetzt.
Einsatz von Kunststoffrezyklaten in Deutschland 2017
Quelle: Umweltbundesamt / CONVERSIO Market & Strategy GmbH Diagramm als PDF