Altbatterien

Altbatterien können giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium und Blei sowie stark brennbare Inhaltsstoffe enthalten. Um Mensch und Umwelt zu schützen und Wertstoffe in hohem Maße wiederzugewinnen, müssen sie getrennt vom unsortierten Siedlungsabfall gesammelt und recycelt werden. Im Jahr 2022 stieg die Sammelmenge an Gerätebatterien um 2.795 Tonnen bzw. 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr an.

Inhaltsverzeichnis

 

Im Jahr 2022 hat Deutschland alle von der EU geforderten Mindestziele erreicht

Von 212.735 Tonnen (t) Altbatterien, die den speziellen Recyclingverfahren für Altbatterien zugeführt wurden, konnten 168.708 t Sekundärrohstoffe wiedergewonnen werden.

In den einzelnen Verfahren waren das unter anderem Blei, Schwefelsäure, Eisen/Stahl, Ferromangan, Nickel, Zink, Kobalt, Kupfer, Aluminium, Cadmium sowie Quecksilber. Diese Rohstoffe können im Rahmen einer Kreislaufführung erneut zur Batterie- und Akkuherstellung eingesetzt werden.

Dies zeigt, dass Deutschland auch im Berichtsjahr 2022 alle von der EU festgelegten Mindestziele für das Sammeln und Recyceln von Altbatterien erreichte.

Die Masse der Altbatterien, die den Recyclingverfahren zur stofflichen Verwertung zugeführt wurde, sank im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent (%). Die Unterteilung der Gesamtmasse von 212.735 t in die chemischen Systeme

  • Blei-Säure-Altbatterien (177.812 t),
  • Nickel-Cadmium-Altbatterien (1.329 t) und
  • sonstige Altbatterien (33.594 t)

zeigt den hohen Anteil der Blei-Säure-Altbatterien am Gesamtmarkt der Altbatterien. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich die Masse der Blei-Säure-Altbatterien jedoch um 23.707 t. Als Grund für den Rückgang könnte hier die hohe Menge an Blei-Säure-Altbatterien (2022: 62.194 t) beigetragen haben, die zur umweltgerechten Verwertung ins Ausland exportiert wurde.

Unter die „sonstigen Altbatterien“ fallen insbesondere Lithium (Li)- und Lithium-Ionen (Li-Ion), Alkali-Mangan (AlMn)- und Zink-Kohle (ZnC)-Altbatterien. Die Masse „sonstiger Altbatterien“ sank im Jahr 2022 um 9,5 %: Nach 29.620 t im Jahr 2020 und 37.100 t im Jahr 2021 waren es 2022 33.594 t sonstige Altbatterien, die einem Recyclingverfahren zugeführt wurden.

Für das Jahr 2022 wurden – entsprechend der Methodik der Recyclingeffizienzverordnung (EU) 493/2012 – folgende durchschnittliche Recyclingeffizienzen erzielt:

    • Verfahren der Recyclingbetriebe von Blei-Säure-Batterien: 79,4 %,
    • Verfahren von Nickel-Cadmium-Batterien: 80,1 % und
    • Verfahren von sonstigen Batterien: 79,1 %.

    Die Recyclingbetriebe von Blei-Säure-Batterien erreichten mit knapp 80 % eine deutlich höhere Effizienz als die geforderte Mindestrecyclingeffizienz in Höhe von 65 %. Bei den Recyclingbetrieben von sonstigen Batterien war im Vergleich zu den Vorjahren ein Zuwachs der Effizienz auf über 78% zu verzeichnen.

    Die Recyclingeffizienz eines Recyclingverfahrens erhält man, indem die Masse der zurückgewonnenen Sekundärrohstoffe (Outputfraktionen) zur Masse der Altbatterien, die dem Verfahren zugeführt wurde (Inputfraktionen), ins Verhältnis gesetzt wird.

    Das Ziel der Recyclingeffizienzverordnung (EU) 493/2012, die im Jahr 2012 in Kraft trat, ist die Vergleichbarkeit der Recyclingeffizienzen der EU-Mitgliedstaaten durch eine einheitliche Berechnungsgrundlage. Die Begriffe Output- und Inputfraktion sind im Artikel 2 Abs. 1 Nr. 4 und Nr. 5 in Verbindung mit Anhang I dieser Verordnung definiert.

    Zur Veranschaulichung der EU-Mindestrecyclingziele dient eine Abbildung, in der die ermittelten durchschnittlichen Recyclingeffizienzen den Mindestzielen gegenübergestellt werden (siehe Abb. „Effizienzen der Recyclingverfahren für Altbatterien 2021 und 2022“).

    Bei der Darstellung von durchschnittlichen Recyclingeffizienzen, die der Prüfung der EU-Mindestziele dienen, kann es vorkommen, dass einzelne ineffiziente Recyclingverfahren die Zielanforderungen nicht erreichen und aufgrund der Systematik unerkannt bleiben. Unsere Einzelfallbetrachtung zeigt, dass alle Recyclingverfahren die Mindestziele erfüllen oder sogar weit übertreffen. Einzig die Recyclingverfahren für Nickel-Cadmium-Batterien liefern ein differenziertes Bild: So zählen die Verfahren mit 80,1 % zwar zu den effizientesten Recyclingverfahren – im Vergleich zu den gesetzlichen Vorgaben in Höhe von 75 % wurden die Mindestziele jedoch nur knapp übertroffen.

    Ferner haben die Rücknahmesysteme für Geräte-Altbatterien ausführliche Daten zu den Verwertungsergebnissen der Geräte-Altbatterien im Rahmen des jährlichen Erfolgskontrollberichts an das ⁠UBA⁠ übermittelt  – eine aktuelle Liste der genehmigten Rücknahmesysteme für Gerät-Altbatterien stellt die stiftung elektro-altgeräte (stiftung ear) zur Verfügung.

    Mit Inkrafttreten der neuen EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 werden Batterien nunmehr in fünf verschiedene Batteriekategorien (ehemals drei Kategorien) untergliedert: Gerätebatterien (mit zusätzlicher Unterteilung in Allzweck-Gerätebatterien), Starterbatterien, Batterien für leichte Verkehrsmittel („LV-Batterien“), Elektrofahrzeugbatterien und Industriebatterien.

    Die Masse der Geräte-Altbatterien, die einem Recyclingverfahren zur stofflichen Verwertung zugeführt wurde, betrug im Jahr 2022 35.123 t (2021: 28.652 t). Die Verwertungsquote für Geräte-Altbatterien, die ausdrückt, wieviel von den gesammelten Altbatterien tatsächlich einer stofflichen Verwertung zugeführt wurden, ist von 98,1 % im Jahr 2021 auf nun 108,4 % gestiegen. Dies bedeutet, dass im Jahr 2022 mehr Batterien einer stofflichen Verwertung zugeführt (35.123 t) als gesammelt (32.411 t) wurden. Im Jahr 2022 wurden keine Altbatterien einer Deponierung oder Verbrennung zugeführt.

    Wie erklärt sich eine Verwertungsquote von unter oder über 100 %? Da sich die Verwertungsquote auf die Sammlung und die Verwertung von Altbatterien eines Kalenderjahres bezieht, resultieren Verwertungsquoten unter oder über 100 % größtenteils aus dem Auf- oder Abbau von Lagerbeständen der Rücknahmesysteme oder der Sortierer.

    Im Ergebnis belegen die aktuellen Daten, dass der Großteil der Geräte-Altbatterien sowohl den Recyclingbetrieben zugeführt als auch hochwertig stofflich verwertet werden.

    Diagramm: Die Recyclingverfahren von Blei-Säure-Altbatterien erreichten 2022 eine durchschnittliche Effizienz von 79,5 %, von Nickel-Cadmium-Altbatterien 80,1 % und von den sonstigen Batterien durchschnittlich 79,1%.
    Effizienzen der Recyclingverfahren für Altbatterien 2021 und 2022
    Quelle: Recyclingbetriebe von Altbatterien entsprechend den Vorgaben der EU-Verordnung zur Berechnung der Recyclingeffizienzen für Altbatterien (493/2012) Diagramm als PDF
     

    Die Sammelquote für Gerätebatterien stieg im Jahr 2022 auf 50,7 Prozent

    Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 63.133 t Gerätebatterien in Verkehr gebracht. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Rückgang um 77 t. Die Masse der zurückgenommenen Geräte-Altbatterien erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 2.795 t auf 32.411 t. Dies entspricht einer beachtlichen Steigerung von 9,5 %. Im Ergebnis betrug die Sammelquote 50,7 % (2021: 48,2 %). Der leichte Rückgang der in Verkehr gebrachten Masse und gleichzeitige Anstieg der Sammelmenge führten im Berichtsjahr 2022 zur erfreulichen Steigerung der Sammelquote. Das Mindestsammelziel gemäß der derzeit noch gültigen EU-Batterie-Richtlinie in Höhe von 45  % (2006/66/EG) wurde damit deutlich erfüllt  (siehe Abb. „Gerätebatterien: Sammelquote stieg im Berichtsjahr 2022“).

    Die von den Rücknahmesystemen für Geräte-Altbatterien veröffentlichten Berichte und ermittelten individuellen Sammelquoten des Berichtsjahres 2022 sind unter folgenden Links im Internet abrufbar:

    Die Rücknahmesysteme müssen jeweils im eigenen System jährlich das gesetzlich vorgegebene Mindestsammelziel erreichen und dauerhaft sicherstellen. Da nicht alle Rücknahmesysteme ihre Sammelquoten im Einklang mit den vom Umweltbundesamt, zur einheitlichen Berechnung der Sammelquoten und Überprüfung der Mindestsammelziele, bekanntgegebenen Hinweisen für Rücknahmesysteme von Geräte-Altbatterien ermittelt haben, ist eine unmittelbare Vergleichbarkeit der jeweils veröffentlichten Sammelergebnisse nicht gegeben. Rücknahmesysteme, die bei der Ermittlung der Sammelquote nicht den ⁠UBA⁠-Hinweisen gefolgt sind, weisen dies in ihren Berichten aus.

    Hintergrund: Für eine dauerhafte Sicherstellung der Sammelquote ist unter Umständen ein rechnerischer Faktor (sogenannter dS-Faktor) bei der Ermittlung der Sammelquote zu berücksichtigen. Ohne Anwendung eines mathematischen Ausgleichsfaktors kann durch eine unterjährige Wechselkonstellation die Situation entstehen, dass Hersteller beim Wechsel in ein neues Rücknahmesystem bei mehrjähriger Betrachtung eine geringere Masse Geräte-Altbatterien zur Erreichung des Sammelziels zurücknehmen müssten als Hersteller, die im alten Rücknahmesystem verblieben sind und die gleiche Masse an Batterien im gleichen Zeitraum in Verkehr gebracht haben.

    Das Diagramm bildet die Entwicklung der Sammelquote von 2013 bis 2022 ab. In 2022 stieg die Sammelquote auf 50,7 %.
    Gerätebatterien: Sammelquote stieg im Berichtsjahr 2022
    Quelle: Erfolgskontrollberichte der Rücknahmesysteme für Geräte-Altbatterien Diagramm als PDF
     

    Gerätebatteriemarkt: Masse der Lithium-Sekundärbatterien stieg wie im Jahr zuvor stärker als jedes andere Batteriesystem an

    Die Gerätebatterien unterteilen sich in die Primär- und die Sekundärbatterien. Als Primärbatterien (nicht wiederaufladbar) bezeichnet man die herkömmlichen Einwegbatterien. Sekundärbatterien (wiederaufladbar) werden in der Regel Akkus genannt und können nach Gebrauch mit einem Ladegerät mit neuer Energie versorgt werden.

    Primärbatterien:

    • Der Anteil der im Berichtsjahr 2022 in Verkehr gebrachten Primärbatterien am Gesamtvolumen der Gerätebatterien betrug 66,2 % (siehe Abb. „Gerätebatterien: Anteil der in Verkehr gebrachten Akkus betrug im Jahr 2022 fast 34 Prozent“). Im Vergleich zu den vorangegangenen Berichtsjahren (2014 bis 2020) ist deren Anteil, wie auch im Berichtsjahr 2021, erneut leicht gesunken. Das entspricht dem aktuellen ⁠Trend⁠ der letzten Jahre, bei dem zu beobachten ist, dass der Anteil der Primärbatterien zugunsten der Akkus weiterhin schrumpft: Im Jahr 2010 waren noch 76 %, im Jahr 2009 sogar noch 81 % aller Gerätebatterien Primärbatterien (siehe Abb. „Gerätebatterien: Entwicklung der in Verkehr gebrachten Primär- und Sekundärbatterien und der größten Batteriesysteme).
    • Im Jahr 2022 wurden 35.744 t Alkali-Mangan (AlMn)-Batterien in Verkehr gebracht. Gegenüber 2021 ist das ein Rückgang um 1.190 t. Der Anteil am Gesamtmarkt der Gerätebatterien beträgt 56,7 %. Im Jahr 2009 betrug er noch 71 %, seit 2012 ist der Wert fast unverändert.
    • Zink-Kohle (ZnC)-Batterien wurden im Jahr 2022 rund 4.000 t in Verkehr gebracht. Das entsprach in etwa 6,3 % aller Gerätebatterien.
    • Die Masse der in Verkehr gebrachten Lithium-Primärbatterien (Li) stieg 2022 gegenüber dem Vorjahr gering an. Im Jahr 2022 sind es 1.757 t, im Jahr zuvor waren es noch 1.565 t.

    Sekundärbatterien:

    Im Jahr 2022 wurden 33,8 % der Gerätebatterien als Akkus in Verkehr gebracht. Im Jahr 2022 betrug die Masse der Akkus 21.340 t. Somit stieg die Masse der Sekundärbatterien erneut um 584 t.

    Bei einer Betrachtung über einen längeren Zeitraum von 2010-2022 zeigt sich: Die Masse der Akkus erhöhte sich bis heute um über 70 %. (siehe Abb. „Gerätebatterien: Entwicklung der in Verkehr gebrachten Primär- und Sekundärbatterien und der größten Batteriesysteme"). Unter ökologischen Aspekten ist eine weitere Steigerung des Akku-Anteils wünschenswert. Akkus können mehrfach wiederaufgeladen werden und verbessern so ihre Umwelt- und Energiebilanz. Ersetzt man beispielsweise Primärbatterien der Baugröße AA durch Akkus gleicher Baugröße, lässt sich etwa ein halbes Kilogramm klimarelevantes Kohlendioxid pro Servicestunde der Batterie sparen (climatop 2009). Die Klimabelastung pro Servicestunde lässt sich weiter senken, wenn der Akku jeweils langsam aufgeladen und das Ladegerät nach Gebrauch vom Stromnetz getrennt wird.

    • Die Masse der in Verkehr gebrachten Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) stieg auch 2022 – nach kontinuierlichen Zuwächsen seit 2010 – um rund 4,1 % an. Im Jahr 2022 waren es 16.763 t, die in Verkehr gebracht wurden, gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung um 660 t. Im Vergleich der Batteriesysteme können Li-Ion-Akkus die höchsten jährlichen Zuwachsraten vorweisen.
    • Im Jahr 2022 wurden 1.927 t Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) in Verkehr gebracht. Die Masse ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken.
    • Die in Verkehr gebrachte Masse der Nickel-Cadmium-Akkus (NiCd) betrug im Jahr 2022 136 t. Gegenüber dem Jahr 2021 ist das ein Rückgang um ca. 0,7 % bzw. 1 t. Generell ist über den Zeitraum 2010 -2022 ein Rückgang der NiCd-Akkus zu betrachten. Die überwiegenden Gründe für diese erfreuliche Entwicklung sind die im Batteriegesetz seit 2009 verankerten Grenzwerte für gesundheitsgefährdende Schwermetalle (Cadmiumverbot) sowie ein verändertes Verbraucherverhalten.
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