Bioabfälle

Die Menge an getrennt gesammelten biologisch abbaubaren Abfällen stieg 2017 weiter an. Etwa 15,6 Mio. t wurden in Kompostierungs- und Vergärungsanlagen behandelt. Aus diesen Abfällen wurden 4,4 Mio. t Kompost und fast 3,6 Mio. t Gärreste produziert, die als Bestandteil von Blumenerde oder als Dünger in der Landwirtschaft genutzt werden. In den Vergärungsanlagen wurden 626 Mio. m³ Biogas erzeugt.

Inhaltsverzeichnis

 

Bioabfälle: Gute Qualität ist Voraussetzung für eine hochwertige Verwertung

Die getrennte Erfassung von Bioabfällen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederverwertung von organischen Substanzen und Nährstoffen. Nur aus sauber getrennten und fremdstoffarmen Bioabfällen lassen sich hochwertige Komposte und Gärreste herstellen, die für eine landwirtschaftliche oder gärtnerische Nutzung geeignet sind. Zu diesen Abfällen zählen Bioabfälle aus Haushalten und Gewerbe, Garten- und Parkabfälle sowie Speiseabfälle, Abfälle aus der Lebensmittelverarbeitung und Abfälle aus der Landwirtschaft (siehe Abb. „Zusammensetzung der an Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferten Bioabfälle“). Zu beachten ist, dass ein Großteil der landwirtschaftlichen Rückstände wie etwa Gülle und Mist nicht hierzu zählen, da sie nicht als Abfall entsorgt werden.

2016 fielen 15,6 Mio. t Bioabfälle an. Davon waren 4,8 Mio. t Garten- und Parkabfälle, 4,4 Mio. t Biotonnenabfälle, 611.000 t gewerbliche Speiseabfälle, 2,7 Mio. t Abfälle und Schlämme aus Landwirtschaft und Nahrungsmittelherstellung, 1,0 Mio. t kommunaler Klärschlamm.
Zusammensetzung der an Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferten Bioabfälle
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Sammlung von Bioabfall

In Deutschland begann im Jahr 1985 die getrennte Sammlung biogener Abfälle. Die gesammelten Abfälle werden zu speziellen Bioabfallbehandlungsanlagen transportiert, wo sie kompostiert (mit Sauerstoff = aerob) oder vergoren (ohne Sauerstoff = anaerob) werden.

Von 1985 bis 2002 ist die Menge der behandelten Bioabfälle nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stark angestiegen (siehe Abb. „An Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferte biologisch abbaubare Abfälle“). Danach wuchs die gesammelte Menge nur noch langsam weiter an. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland etwa 15,6 Millionen Tonnen (Mio. t) biogene Abfälle biologisch behandelt.

Aus diesen biogenen Abfällen wurden rund

  • 1,6 Mio. t Bioabfallkompost
  • 2,0 Mio. t Grünabfallkompost
  • 4,1 Mio. t Gärreste und kompostierte Gärreste sowie
  • 0,3 Mio. t Klärschlammkomposte

erzeugt und an Nutzer abgegeben (Statistisches Bundesamt 2018).

2016 wurden gut 15,6 Mio. t biogene Abfälle biologisch behandelt. Im Jahr 2002 waren es 12,2, im Jahr 1990 noch 742.000 t.
An Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferte biologisch abbaubare Abfälle
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Verwertungswege biogener Abfälle

Wie Bioabfall am sinnvollsten zu verwerten ist, hängt von dessen Zusammensetzung ab. Bei der Verwertung biogener Abfällen lässt sich unterscheiden:

  • Nasse Bio- und Speiseabfälle sind für eine Vergärung mit Biogasnutzung und anschließender stofflicher Verwertung der Gärreste geeignet.
  • Holzhaltige Bestandteile des Grünabfalls lassen sich am besten energetisch nutzen und können etwa als Brennstoff in Biomasseheizkraftwerken eingesetzt werden.
  • Für lignin- und zellulosereiches Pflanzenmaterial sind die Kompostierung und die Herstellung von Qualitätskompost die beste Verwendung (siehe Schaubild „Verwertungswege des Bioabfalls“).

Im Jahr 2016 fielen etwa 10,1 Mio. t biogene Siedlungsabfälle an. Dazu zählen hauptsächlich Bio- und Grünabfälle aus Haushalten, der kommunalen Grünpflege und aus dem Gewerbe sowie Speiseabfälle. Etwa 1.000 Kompostierungs- und 100 reine Bioabfallvergärungsanlagen haben diese Abfälle verwertet (UBA 2012; UBA 2010). Ein Großteil der Bioabfälle wurde also kompostiert, wobei die enthaltene Energie nicht genutzt werden kann. Ziel ist es daher, den Anteil der Vergärung mit Biogasgewinnung bei den geeigneten Bioabfällen in Zukunft zu erhöhen.

Das Schaubild zeigt die möglichen Verwertungswege für Bioabfälle. Bei der Verbrennung kann Strom und Wärme gewonnen werden, bei der Vergärung wird Biogas erzeugt. Kompostierung und Vergärung erzeugen außerdem Komposte und Gärreste zur stofflichen Verwertung.
Schaubild: Verwertungswege des Bioabfalls
Quelle: Umweltbundesamt Schaubild als PDF
 

Nutzung der Gärreste und des Komposts

Die Landwirtschaft profitiert von der Verwertung biogener Abfälle. Nach Aussage der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) werden fast alle Gärreste als Dünger genutzt. Landwirtschaftliche Betriebe verwendeten im Jahr 2017 zudem 58 % allen Komposts. Durch den Einsatz von Gärresten und Kompost wird in der Landwirtschaft vor allem Kunstdünger ersetzt. Eine ausführliche Beschreibung der Eigenschaften von Komposten und Gärresten sowie der Vorteile und Schwierigkeiten bei deren Anwendung in der Landwirtschaft findet sich in dem Positionspapier „Bioabfallkomposte und -gärreste in der Landwirtschaft“. Durch den Einsatz von Kompost im Gartenbau und in Privatgärten wird dort weniger Torf benötigt (siehe Abb. „Absatzbereiche für Komposte 2017“).

2017 wurden etwa 3,5 Mio. t Kompost erzeugt. Davon wurden 57,5 % in der Landwirtschaft eingesetzt, 19,4 % wurden Blumenerde oder Pflanzsubstraten zugemischt, 8,3 % gingen in Landschaftsbau und Rekultivierung und 7,4 % wurden im Hobbygartenbau verwendet.
Absatzbereiche für Komposte 2017
Quelle: Daten für RAL-gütegesicherte Komposte der Bundesgütegemeinschaft Kompost Diagramm als PDF
 

Schadstoffobergrenzen für Kompost und Gärreste

Der Gesetzgeber regelt seit 1998 in der Bioabfallverordnung (BioAbfV), unter welchen Bedingungen Kompost und Gärreste in der Land- und Forstwirtschaft sowie auf gartenbaulich genutzten Böden genutzt werden dürfen. Daneben gelten für die Verwertung von Kompost und Gärresten die Anforderungen der Düngemittelverordnung. Beide Verordnungen enthalten Grenzwerte für die höchstens zulässigen Schwermetallgehalte bei der Verwertung von Bioabfällen: In der Bioabfallverordnung gibt es zwei Kategorien von Grenzwerten (siehe Tab. „Grenzwerte für Schwermetalle in Bioabfällen“):

  • Von Kompost, der die Grenzwerte in der Spalte A der Verordnung einhält, dürfen innerhalb von drei Jahren bis zu 20 t Trockenmasse auf einen Hektar ausgebracht werden. Diese Grenzwerte entsprechen den Richtwerten des RAL-Gütezeichens Kompost (RAL-GZ 251) und im Wesentlichen den Anforderungen der Düngemittelverordnung. Diese enthält zusätzlich einen Grenzwert für Arsen in Höhe von 40 mg/kg.
  • Von Kompost, der die strengeren Grenzwerte der Spalte B einhält, dürfen innerhalb von drei Jahren bis zu 30 t Trockenmasse je Hektar aufgebracht werden.

Neben den Schwermetallgrenzwerten werden in der Bioabfallverordnung auch Anforderungen an die Hygiene der erzeugten Komposte und Gärreste gestellt. Der Anteil an Fremdstoffen in Komposten und Gärresten wird in der Düngemittelverordnung begrenzt. Dabei wird seit 2017 unterschieden in verformbare Kunststoffe (Folienbestandteile), die auf 0,1 Massenprozent in der Trockensubstanz begrenzt sind und alle anderen Fremdstoffe (Hartkunststoff, Glas, Metall etc.) für die ein Grenzwert von 0,4 Massenprozent in der Trockensubstanz gilt.

Die Bioabfallverordnung hat offensichtlich einen positiven Einfluss auf die Qualität der erzeugten Produkte. Gärreste und Kompost wiesen in den Jahren 1999 bis 2002 höhere durchschnittliche Nährstoffgehalte auf sowie weniger Blei, Quecksilber und Cadmium als noch Anfang der 90er Jahre (siehe Tab. „Entwicklung der Kompostqualität“). Das zeigt eine vom Umweltbundesamt initiierte Untersuchung bei den in der BGK zusammengeschlossenen Anlagen (Reinhold 2004). Bis heute sind sowohl Schadstoff- als Fremdstoffgehalte weiter zurückgegangen.

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Bioabfall und Klimaschutz

Eine hochwertige Bioabfallbehandlung kann zum Klimaschutz beitragen. Entscheidend ist, wie emissionsarm der Betrieb der Behandlungsanlagen ist und wie effizient der Energieinhalt der Biomasse genutzt wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre zeigten, dass weniger von der technischen Ausstattung als von der Art und Weise, wie Anlagen betrieben werden, abhängt, wie viel der Klimagase Methan, Lachgas und Ammoniak frei werden (UBA 2015). Bei manchen Betreibern von Bioabfallbehandlungsanlagen muss das Bewusstsein für klimarelevante Emissionen aus ihren Anlagen noch geweckt werden. Methanhaltiges Biogas kann als erneuerbarer Energieträger zwar einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gelangt dieses Methan jedoch unverbrannt in die Atmosphäre, wirkt es als Treibhausgas 25mal stärker als Kohlendioxid. Methan kann unter ungünstigen Bedingungen sowohl bei der Kompostierung entstehen als auch aus Vergärungsanlagen entweichen.