Schaltanlagen

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Illustration einer beispielhaften gasisolierten Schaltanlage
Quelle: Ecofys

Schwefelhexafluorid (SF6) mit seinem sehr hohen Treibhauspotenzial wird in Schaltanlagen zur Isolation und Löschung eingesetzt. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung konnten die Emissionen des stärksten bekannten Treibhausgases deutlich gesenkt werden. Alternative Produkte für die Substitution von SF6 wurden und werden für verschiedene Anwendungsfelder entwickelt.

Aktuelles

EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase

In elektrischen Betriebsmitteln der Energieübertragung und -verteilung im Mittelspannungs- und Hochspannungsbereich wird seit vielen Jahren SF6 verwendet. Aufgrund seines hohen Treibhauspotenzials von 24.300 (⁠IPCC⁠ 6.Assessment Report) bzw. 22.800 (Verordnung (EU) 517/2014) und der langen atmosphärischen Verweildauer  reichert sich dieser ⁠Stoff⁠ in der ⁠Atmosphäre⁠ an.

Elektrische Schaltanlagen unterliegen den Regelungen der Verordnung (EU) 517/2014. In Abhängigkeit von der Füllmenge und Konstruktion bestehen Anforderungen zur Dichtheitskontrolle, Führung von Aufzeichnungen und Zertifizierung des Personals. Letzteres wird durch die Durchführungsverordnung (EU) 2015/2066 konkretisiert.

Im Artikel 21 der Verordnung (EU) 517/2014 ist eine Bewertung von Alternativen für sekundäre Mittelspannungsschaltanlagen bis 01.07.2020 vorgesehen, mit dem Ziel, gegebenenfalls dem Europäischen Parlament und dem Rat einen Gesetzgebungsvorschlag zur Änderung der Liste des Anhangs III zu unterbreiten.

Das Umweltbundesamt ist der Auffassung, dass es ausreichend Alternativen für SF6 in neuen Mittel- und Hochspannungsschaltanlagen gibt oder in naher Zukunft geben wird. Es setzt sich daher, im Rahmen der Überprüfung des Anhangs III der Verordnung (EU) 517/2014, für ein Verbot von SF6 in neuen Schaltanlagen für alle Spannungsebenen mit einer angemessenen Übergangszeit ein.

Projekt zu elektrischen Betriebsmitteln

Von 2016 bis 2018 wurde die Studie „Konzept zur SF6-freien Übertragung und Verteilung elektrischer Energie“,  im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit (⁠BMU⁠) durchgeführt. Der Schwerpunkt der Studie lag  auf der detaillierten Erstellung eines Überblicks über Anlagen mit und ohne SF6-Nutzung. Weiterhin wurde untersucht, welche politischen, gesetzlichen, regulativen und wirtschaftlichen Maßnahmenpakete geeignet sind, eine wirksame Reduktion des SF6-Einsatzes in Neuanlagen zu erzielen. Da eine Substitution der SF6-Technik durch alternative Isoliermedien und Techniken nur im Rahmen der Produktion neuer Anlagen erfolgen kann, konzentrierte sich die Studie ausschließlich auf neue Anlagen. Der intensive Dialog mit Herstellern und Anwendern von Schaltanlagen während der gesamten Laufzeit war dabei von großer Bedeutung.

Das Projekt wurde von der Ecofys Germany GmbH, Teil der Navigant-Gruppe in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, High Voltage Laboratory durchgeführt, vom Umweltbundesamt fachlich betreut und nach einem intensiven Dialog mit Herstellern und Anwendern in Form von Interviews und mehreren Fachgesprächen mit der Veröffentlichung des Abschlussberichts sowie eine Kurzzusammenfassung Ende Februar 2018 abgeschlossen.

Deutsche Selbstverpflichtung

Am 9. November 2000 wurde zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Wirtschaft eine Vereinbarung zur Klimavorsorge getroffen. In diesem Rahmen haben im Jahr 2005 die SF6-Produzenten sowie die Hersteller und Betreiber von elektrischen Betriebsmitteln > 1kV eine freiwillige Selbstverpflichtung abgeschlossen, deren Ziel es war und ist, die Emissionen von SF6 zu minimieren.

Im Verlauf dieser Selbstverpflichtung sind die Emissionen an SF6 bei Produktion und Verwendung in Deutschland deutlich zurückgegangen.

Das Kurvendiagramm zeigt, dass die Emissionen elektrischer Betriebsmittel in Deutschland ab dem Jahr 1998 stark zurückgegangen sind.
Emissionen elektrischer Betriebsmittel in Deutschland
Quelle: Umweltbundesamt
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Schlagworte:
 Schwefelhexafluorid  Schaltanlagen  Freiwillige Selbstverpflichtung