Im Jahr 2025 wurde das Forschungsvorhaben mit dem Titel „Geruchs- und emissionsarme Produkte für eine gesunde Innenraumluft – Entwicklung von Anforderungen für den Blauen Engel bei innenraumrelevanten, großflächigen Produkten“ abgeschlossen. Wir stellen hier die wichtigsten Forschungsfragen und Ergebnisse vor. Einen Link zum Abschlussbericht finden Sie hier.
Gerüche in Innenräumen können wie schon erwähnt belästigend wirken und das Wohlbefinden sowie die Gesundheit beeinflussen. Ein Hauptziel der Untersuchungen war es zu prüfen, ob die Vergabekriterien des Blauen Engels für die Produktgruppen „Elastische Bodenbeläge“ (DE-UZ 120) und „Emissionsarme Bodenbeläge, Paneele und Türen aus Holz und Holzwerkstoffen für Innenräume“ (DE-UZ 176) um geruchsrelevante Aspekte ergänzt werden können. Dies ist erstrebenswert, da Untersuchungen in Vorgängerprojekten gezeigt haben, dass die gemessenen Emissionen untersuchter Produkte zwar abnehmen, die Geruchsbelastung jedoch in etwa gleichgeblieben ist. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass es möglich ist, Anforderungen an den Geruch der Produkte zu stellen.
Ferner wurde untersucht und gezeigt, dass die bislang vorläufig festgelegte Schwelle einer empfundenen Intensität von 7 pi für die Zulassung von Bauprodukten gemäß Schema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) und Blauer Engel als Beurteilungsmaßstab geeignet ist. Der im AgBB-Schema zugrunde gelegte Zusammenhang zwischen der geruchlichen Zumutbarkeit und der empfundenen Intensität kann mit den durchgeführten Messungen untermauert werden. Es kann gezeigt werden, dass bei Tests mit großen, ungeschulten Personengruppen etwa 70% der Probandinnen und Probanden Produkte mit einer empfundenen Intensität von bis zu 7 pi geruchlich als zumutbar empfinden.
Das jetzt abgeschlossene Vorhaben baut auf den Ergebnissen der Vorhaben UBA Texte 35/2011 „Sensorische Bewertung der Emissionen aus Bauprodukten – Integration in die Vergabegrundlagen für den Blauen Engel und das Bewertungsschema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten“ (Müller, 2011) und UBA Texte 92/2019 „Emissions- und geruchsarme Bauprodukte für energieeffiziente Gebäude – Entwicklung von Anforderungen und Konzepten für den Blauen Engel aus Klimaschutzsicht“ (Müller, 2019) auf. Auch diese Abschlussberichte haben wir auf dieser Seite verlinkt. Sie zeigen im Zusammenspiel mit dem aktuellen Abschlussbericht und dem neu gestarteten Forschungsvorhaben sehr schön die Kontinuität und auch die signifikanten Fortschritte bei dieser komplexen Forschung.
Am 24. Januar 2025 fand in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin zum Abschluss des Forschungsvorhabens eine Veranstaltung für ein Fachpublikum aus Forschung, Wirtschaft und Behörden statt. Dort gab es über das konkrete Vorhaben hinaus mehrere interessante Vorträge zum Themenkomplex Gerüche in Innenräumen. Eine Zusammenstellung der Vortragsfolien kann beim Umweltbundesamt (Frank.Brozowski@uba.de) angefordert werden.
Aktuell laufende Forschung
Im Frühjahr 2025 ist ein weiteres durch BAM und HTW Berlin bearbeitetes Forschungsvorhaben gestartet, welches aufbauend auf den vorigen Vorhaben zusätzliche Erkenntnisse bringen soll.
- Viele Fußbodenbeläge auf Basis von Linoleum und Kautschuk, die im 'Vorgängerprojekt' gemäß DIN ISO 16000-28 untersucht wurden, weisen hohe Geruchswerte in Bezug auf die empfundene Intensität auf. Da es nicht Ziel des Blauen Engels ist, Produkte auf Basis natürlicher Rohstoffe auszuschließen, sollen diese Produkte weiter untersucht werden. Aktuell können diese Produkte den Blauen Engel erhalten, jedoch ohne die Auszeichnung 'geruchsarm'. Ziel des neuen Projektes ist es, einen Vorschlag zur geruchlichen Bewertung dieser Produkte zu erarbeiten.
- Üblicherweise werden Bauprodukte mit einer negativen Hedonik (ca. -0,5 ... -2,0) bewertet. Hingegen weisen holzbasierte Fußbodenbeläge (DE-UZ 176), wie auch andere Holzprodukte, häufig eine neutrale oder sogar positive Hedonik auf (ca. 0 ... 1). Frühere Untersuchungen zeigten, dass sich die eher positiv empfundene Hedonik auf die Bewertung der empfundenen Intensität auswirkt. Dieses Phänomen soll näher untersucht werden, um eine Bewertung holzbasierter Produkte zukünftig besser zu gewährleisten. Bei den bisherigen Untersuchungen wurde die Zumutbarkeitsschwelle als Kriterium eher vernachlässigt. Im aktuell laufenden Projekt soll auch diese näher betrachtet werden. Zusätzlich soll im Projekt auch untersucht werden, welchen Einfluss die Auswahl der Probanden auf die Geruchsbewertung hat.
Das aktuelle Vorhaben hat eine Laufzeit von drei Jahren. In diesem Zeitraum ist mit Zwischenergebnissen zu rechnen, die dann zeitnah zumindest in Fachkreisen kommuniziert werden.