Politische und gesellschaftliche Stellungnahmen

Die ökonomischen Potentiale des Tiefseebergbaus und der notwendige Schutz der Meere beschäftigen politische Gremien und weitere Akteure.

Im September 2015 hat sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen (⁠VN⁠) zur „Globalen Nachhaltigkeitsagenda 2030“ verpflichtet. Von den 17 „sustainable development goals, SDG“ ist für den Tiefseebergbau insbesondere SDG 14 zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Meere relevant. SDG 14 wird durch die Targets 14.1 bis 14.7 konkretisiert.

Die Bundesregierung äußerte bereits im Koalitionsvertrag von 2013, dass „klare Regeln für den Tiefseebergbau“ gelten sollen. Diese Forderung wiederholt der Koalitionsvertrag des Jahres 2018: „Für einen umweltverträglichen Tiefseebergbau sollen internationale Regeln entwickelt werden.“ Gleichzeitig sollen laut dem Koalitionsvertrag aufgrund des wachsenden Bedarfs von Hochtechnologie-Rohstoffen Projekte im Tiefseebergbau vorangetrieben und unterstützt werden.

Die EU hat Ende 2020 ihre Haltung zum Tiefseebergbau bestimmt. In dem Beschluss des EU Rates vom 16. Oktober 2020 zur Biodiversitätsstrategie, vorgelegt durch die Kommission, findet sich folgende Ausführung:

„AFFIRMS that marine minerals in the Area as defined by Article 1 of the United Nations Convention on the Law of the Sea cannot be exploited before the effects of deep-sea mining on the marine environment, biodiversity and human activities have been sufficiently researched, the risks are understood and technologies and operational practices are able to demonstrate that the environment is not seriously harmed, in line with the precautionary principle; and REQUESTS that EU and its Member States endorse this position in relevant fora;”

Der Beschluss ist für alle Mitgliedstaaten der EU politisch bindend.

Am 09. Juni 2021 hat sich das Europäische Parlament in einer Resolution für ein Moratorium im Tiefseebergbau ausgesprochen:

"184. Highlights that the deep sea is believed to have the highest biodiversity on Earth and provides critical environmental services, including long-term carbon sequestration; points out that deep-seabed mining is highly likely to cause inevitable and permanent biodiversity loss; stresses that the precautionary principle must apply to the emerging deep seabed mining sector; recalls its resolution of 16 January 2018 on international ocean governance and calls on the Commission and the Member States to promote a moratorium, including at the International Seabed Authority, on deep-seabed mining until such time as the effects of deep-sea mining on the marine environment, biodiversity and human activities at sea have been studied and researched sufficiently and deep seabed mining can be managed to ensure no marine biodiversity loss nor degradation of marine ecosystems; emphasises the need for the Commission to cease funding for the development of seabed mining technology in line with a circular economy based on minimising, reusing and recycling minerals and metals."

Im Frühjahr 2021 haben vier weltweit agierende Unternehmen – BMW, Google, Samsung und Volvo – einen Aufruf – auch an andere Unternehmen - veröffentlicht, der sich für ein Moratorium insbesondere bei Abbauvorhaben ausspricht. Die Unternehmen verpflichten sich, keine mineralischen Ressourcen vom Tiefseeboden zu verwenden und keine bergbaulichen Aktivitäten am Tiefseeboden zu finanzieren.

Im Juni 2021 haben zudem mehr als 420 Wissenschaftler:innen den internationalen Aufruf „Marine Expert Statement Calling for a Pause to Deep-Sea Mining“ veröffentlicht. Sie empfehlen nachdrücklich, Abbauvorhaben auszusetzen, bis hinreichend Wissen über die Meeresumwelt verfügbar ist, damit verantwortliche Entscheidungen getroffen werden können.