Gesellschaftliche Kosten von Umweltbelastungen

Umweltbelastungen verursachen hohe Kosten für die Gesellschaft, etwa durch umweltbedingte Gesundheits- und Materialschäden, Ernteausfälle oder Schäden an Ökosystemen. So haben allein die deutschen Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2016 Umweltkosten in Höhe von 164 Milliarden Euro verursacht. Eine ambitionierte Umweltpolitik senkt diese Kosten.

Inhaltsverzeichnis

 

Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Umweltkosten

Umweltkosten sind ökonomisch höchst relevant. Das zeigte bereits der sogenannte „Stern Report“ im Jahr 2006, der die allein durch den Klimawandel entstehenden Kosten auf jährlich bis zu 20 % des globalen Bruttoinlandprodukts bezifferte. Auch auf Deutschland bezogene Schätzungen zeigen die ökonomische Bedeutung der Umweltkosten. So haben allein die deutschen Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2016 Umweltkosten in Höhe von 164 Milliarden Euro verursacht.

 

Internalisierung von Umweltkosten

Umweltkosten sollten grundsätzlich internalisiert – also den Verursachern angelastet – werden. Da dies bisher nur unzureichend geschieht, gibt es keine hinreichenden wirtschaftlichen Anreize, die Umweltbelastung zu senken. Preise ohne vollständige Internalisierung der Umweltkosten sagen nicht die ökologische Wahrheit. Dies verzerrt den Wettbewerb und hemmt die Entwicklung und Marktdiffusion umweltfreundlicher Techniken und Produkte. Die Umweltkosten müssen vor allem in Bereichen wie dem Energie- und Verkehrssektor, die besonders hohe Umweltschäden verursachen, stärker als bisher in Rechnung gestellt werden. Dies würde den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern, die Energieeffizienz erhöhen und wesentlich zu einer nachhaltigen Mobilität beitragen. Aber auch in anderen Bereichen wie beispielsweise der Landwirtschaft würde die Berücksichtigung der Umweltkosten zu nachhaltigeren Produktions- und Konsummustern führen.

 

Wozu dienen Umweltkostenschätzungen?

Schätzungen von Umweltkosten sind vielseitig nutzbar. Sie zeigen, wie teuer unterlassener Umweltschutz ist und untermauern die ökonomische Notwendigkeit anspruchsvoller Umweltziele. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch die Kosten und Nutzen von umwelt- und klimapolitischen Maßnahmen besser bewerten. Zwei Beispiele: Bei der Bewertung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes sind neben den Zusatzkosten durch den Ausbau der erneuerbaren Energien auch die dadurch vermiedenen Umweltkosten zu berücksichtigen. Dies gilt auch für die Bewertung von Maßnahmen zum Schutz von Ökosystemen, die einen beträchtlichen Nutzen in Form von vermiedenen Umwelt- und Gesundheitsschäden haben.

Die Schätzung von Umweltkosten ist auch bei Entscheidungen über den Ausbau der Infrastruktur wichtig, etwa bei der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans, wo Umweltkostenschätzungen bereits einfließen. Ohne Berücksichtigung der Umweltkosten würden Investitionen in umweltfreundliche Verkehrssysteme systematisch benachteiligt und das Verkehrsnetz stärker ausgebaut, als dies gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Darüber hinaus können Umweltkostenschätzungen auch im Rahmen der Gesetzesfolgenabschätzung wertvolle Informationen geben.

 

Methodenkonvention 3.0 des Umweltbundesamtes

Es gibt eine Fülle von Studien auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, die Umweltkosten schätzen. Die Schätzungen unterscheiden sich dabei je nach nationalen Gegebenheiten und methodischer Herangehensweise.

Eine seriöse Schätzung der Umweltkosten erfordert, wissenschaftlich anerkannte Bewertungsverfahren zu nutzen. Die Bewertungsmaßstäbe sollten begründet und möglichst für alle Anwendungsfelder identisch sein. Annahmen und Rahmenbedingungen müssen transparent sein. Dadurch lassen sich auch die Bandbreiten der Schätzungen in vielen Fällen erheblich eingrenzen.

Das UBA hat daher auf Grundlage der Arbeiten von Fachleuten mehrerer Forschungsinstitute (INFRAS, Fraunhofer ISI, KIT, UFZ und CE Delft) die Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten erarbeitet. Sie berücksichtigt den aktuellen Stand der Forschung und hilft, die Kosten, die durch Umweltbelastungen entstehen, nach einheitlichen und transparenten Kriterien zu ermitteln. Der Teil Methodische Grundlagen (pdf) zeigt in Abhängigkeit von der Art des Umweltschadens, welche Methoden zur Schätzung von Umweltkosten am besten geeignet sind. Der Teil Kostensätze (pdf) enthält unter anderem Best-Practice-Kostensätze für Umweltkosten durch Treibhausgas-Emissionen, Luftschadstoffe und Lärm.

Die Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten wird derzeit erweitert. Eine Veröffentlichung der neuen Inhalte ist für 2019 angestrebt.

 

Klimakosten von Treibhausgas-Emissionen

Emissionen von Kohlendioxid (CO2) sind der Hauptverursacher des Klimawandels. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt für im Jahr 2016 emittierte Treibhausgase, 180 Euro2016 pro Tonne Kohlendioxid (t CO2) als zentralen Kostensatz für die Klimakosten  zu verwenden (wobei Euro2016 die Kaufkraft des Euro im Jahr 2016 bezeichnet). Die Kosten infolge der Emission anderer Treibhausgase können mit Hilfe des Treibhausgaspotenzials (Global Warming Potential) analog ermittelt werden: Für Lachgas (N2O) gilt also der 298fache Satz der CO2-Kosten und für Methan (CH4) der 25fache Satz.

Die Schäden, die durch Treibhausgas-Emissionen entstehen, steigen im Zeitablauf. Für Emissionen in der Zukunft gelten daher höhere Kostensätze (siehe Tab. „UBA-Empfehlung zu den Klimakosten“).

Die Umweltkosten für die Emissionen einer Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid steigen nach Berechnungen des Umweltbundesamtes. Im Jahr 2016 betrugen sie rund 180 Euro, im Jahr 2030 205 Euro und im Jahr 2050 bereits 240 Euro.
Tab: UBA-Empfehlung zu den Klimakosten
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Umweltkosten der Strom- und Wärmeerzeugung

Bei der Strom- und Wärmeerzeugung entstehen hohe Umweltkosten. Sie unterscheiden sich in Abhängigkeit von dem eingesetzten Energieträger deutlich. Stromerzeugung mit Braunkohle verursacht mit 20,81 Eurocent2016 pro erzeugter Kilowattstunde elektrischen Stroms (kWhel) die höchsten Umweltkosten, gefolgt von den fossilen Energieträgern Öl und Steinkohle. Bereits deutlich niedriger liegen die Umweltkosten der Stromerzeugung aus Erdgas. Am umweltfreundlichsten ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Gewichtet man die erneuerbaren Energien nach ihren Anteilen an der Stromerzeugung so lagen die Umweltkosten der erneuerbaren Energien im Jahr 2016 - gemessen an ihrem Anteil an der Stromerzeugung im Jahr 2016 - im Durchschnitt bei etwa 2,6 Eurocent pro kWhel und damit deutlich niedriger als die Umweltkosten der fossilen Energieträger (siehe Tab. „Umweltkosten der Stromerzeugung“).

Auch bei der Wärmeerzeugung ist der eingesetzte Energieträger ein maßgeblicher Faktor für die Höhe der entstehenden Umweltkosten (siehe Tab. „Umweltkosten der Wärmeerzeugung der privaten Haushalte“). Heizen mit Kohle und Strom verursacht mit Abstand die höchsten Umweltkosten. Schon mit deutlichem Abstand folgen die Fernwärmeversorgung und das Heizen mit Erdgas und Heizöl. Die Umweltkosten der Fernwärmeversorgung differieren dabei regional stark, je nachdem, ob die Wärmeerzeugung hauptsächlich auf Braunkohle oder Erdgas basiert. Die Umweltkosten der erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung erzeugen die geringsten Umweltkosten. Dies zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien auf dem Wärmemarkt die entstehenden Umweltkosten deutlich verringert.

Die Kostensätze der Strom- und Wärmeerzeugung berücksichtigen dabei lediglich die Emission von Luftschadstoffen und Treibhausgasen, die Kosten infolge der Emission toxischer Stoffe (Quecksilber etc.) oder der Zerstörung von Ökosystemen infolge von Landnutzungsänderungen sind auf Grund fehlender Datenverfügbarkeit nicht eingeschlossen.

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