Gesellschaftliche Kosten von Umweltbelastungen

Umweltbelastungen verursachen hohe Kosten für die Gesellschaft, etwa durch umweltbedingte Gesundheits- und Materialschäden, Ernteausfälle oder die Kosten des Klimawandels. So hat im Jahr 2014 die Nutzung der fossilen Energieträger bei der Stromerzeugung Umweltkosten von etwa 47 Milliarden Euro verursacht. Eine ambitionierte Umweltpolitik senkt diese Kosten.

Inhaltsverzeichnis

 

Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Umweltkosten

Umweltkosten sind ökonomisch höchst relevant. Das zeigt etwa der Ökonom Nicholas Stern in seinem Review on the Economics of Climate Change im Jahr 2006. Er bezifferte in dem so genannten „Stern Report“ die allein durch den Klimawandel entstehenden Kosten auf jährlich bis zu 20 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts. Auch auf Deutschland bezogene Schätzungen zeigen die ökonomische Bedeutung der Umweltkosten. So hat im Jahr 2014 die Nutzung der fossilen Energieträger bei der Stromerzeugung Umweltkosten von etwa 47 Milliarden Euro verursacht (siehe Abb. „Umweltkosten durch Treibhausgase und Luftschadstoffe für Strom- und Wärmeerzeugung sowie Straßenverkehr“).

Ein Diagramm zeigt die Entwicklung der Umweltkosten durch Energieerzeugung und Verkehr von 2008 bis 2014. 2008 waren es 138,3 Milliarden Euro, 2014 betrugen die Kosten 130,1 Milliarden Euro.
Umweltkosten durch Treibhausgase und Luftschadstoffe für Strom- und Wärmeerzeugung ...
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Entwicklung der Umweltkosten

Die Umweltkosten der Strom- und Wärmeerzeugung sowie des Straßenverkehrs insgesamt sanken von 138,3 Milliarden (Mrd.) Euro im Jahr 2008 auf 130,1 Mrd. Euro in 2014. Das entspricht einem geringen Rückgang von 6 Prozent (%). Die Umweltkosten des Verkehrs sind in diesem Zeitraum jedoch angestiegen (+6 %). Daran konnte auch die Entwicklung effizienterer Antriebe nichts ändern. Die Zunahme des Straßenverkehrs und der Trend zu PS-stärkeren Kraftfahrzeugen sind verantwortlich für diese Entwicklung.

Bei Wärme und Strom sanken dagegen die Umweltkosten um 12 bzw. 13 %. Hier macht sich der vermehrte Einsatz erneuerbarer Energien bemerkbar. Deren Nutzung verursacht deutlich weniger Umweltschäden durch Luftschadstoffe und Treibhausgase als die Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas.

 

Internalisierung von Umweltkosten

Umweltkosten sollten grundsätzlich internalisiert – also den Verursachern angelastet – werden. Da dies bisher nur unzureichend geschieht, gibt es keine hinreichenden wirtschaftlichen Anreize, die Umweltbelastung zu senken. Preise ohne vollständige Internalisierung der Umweltkosten sagen nicht die ökologische Wahrheit. Dies verzerrt den Wettbewerb und hemmt die Entwicklung und Marktdiffusion umweltfreundlicher Techniken und Produkte. Die Umweltkosten müssen vor allem in sehr umweltintensiven Bereichen wie dem Energie- und Verkehrssektor stärker als bisher in Rechnung gestellt werden. Dies würde den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern, die Energieeffizienz erhöhen und wesentlich zu einer nachhaltigen Mobilität beitragen.

 

Wozu dienen Umweltkostenschätzungen?

Schätzungen von Umweltkosten sind vielseitig nutzbar. Sie zeigen, wie kostspielig unterlassener Umweltschutz ist und untermauern die ökonomische Notwendigkeit anspruchsvoller Umweltziele. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch die Kosten und Nutzen von umwelt- und klimapolitischen Maßnahmen besser bewerten. Zwei Beispiele: Bei der Bewertung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes sind neben den Zusatzkosten durch den Ausbau der erneuerbaren Energien auch die dadurch vermiedenen Umweltkosten zu berücksichtigen. Dies gilt auch für Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz, denn deren Nutzen liegt nicht nur in den eingesparten Energiekosten, sondern auch in vermiedenen Umwelt- und Gesundheitsschäden.

Die Schätzung von Umweltkosten ist auch bei Entscheidungen über den Ausbau der Infrastruktur wichtig, etwa bei der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans, wo Umweltkostenschätzungen bereits einfließen. Ohne Berücksichtigung der Umweltkosten würden Investitionen in umweltfreundliche Verkehrssysteme systematisch benachteiligt und das Verkehrsnetz stärker ausgebaut, als dies gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Darüber hinaus können Umweltkostenschätzungen auch im Rahmen der Gesetzesfolgenabschätzung wertvolle Informationen geben.

 

Methodenkonvention 2.0 des Umweltbundesamtes (UBA)

Es gibt eine Fülle von Studien auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, die Umweltkosten schätzen. Die Streubreite der Schätzungen ist jedoch teilweise sehr hoch – zum Teil auch wegen stark differierender methodischer Herangehensweisen.

Eine seriöse Schätzung der Umweltkosten erfordert, wissenschaftlich anerkannte Bewertungsverfahren zu nutzen. Die Bewertungsmaßstäbe sollten begründet und möglichst für alle Anwendungsfelder identisch sein. Annahmen und Rahmenbedingungen müssen transparent sein. Dadurch lassen sich auch die Bandbreiten der Schätzungen in vielen Fällen erheblich eingrenzen.

Das UBA hat daher mit Fachleuten mehrerer Institute die Methodenkonvention 2.0 zur Schätzung von Umweltkosten erarbeitet. Sie berücksichtigt den aktuellen Stand der Forschung und hilft, die Kosten für die Nutzung der Umwelt nach einheitlichen und transparenten Kriterien zu ermitteln. Anhang A der Konvention zeigt, welche Methoden zur Schätzung von Umweltkosten in Abhängigkeit von der Art des Umweltschadens am besten geeignet sind. Anhang B enthält unter anderem Best-Practice-Kostensätze für Umweltkosten durch Treibhausgas-Emissionen, Luftschadstoffe und Lärm. Auf Grundlage der Kostensätze lassen sich die Umweltkosten schätzen, die bei der Strom- und Wärmeerzeugung sowie im Verkehrsbereich entstehen.

 

Klimakosten von Treibhausgas-Emissionen

Emissionen von Kohlendioxid (CO2) sind der Hauptverursacher des Klimawandels. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, 80 Euro2010 pro Tonne Kohlendioxid (t CO2) als zentralen Kostensatz für die Klimakosten von Treibhausgas-Emissionen zu verwenden (wobei Euro2010 die Kaufkraft des Euro im Jahr 2010 bezeichnet). Die Auswirkungen anderer Treibhausgas-Emissionen können mit Hilfe des Treibhausgaspotenzials analog umgerechnet werden: Für Lachgas (N2O) gilt also der 298fache Satz der CO2-Kosten und für Methan (CH4) der 25fache Satz. Die Höhe der Kostensätze bezieht sich auf heute freigesetzte Emissionen. Da sich jedoch sowohl die Schäden, die durch die Emissionen entstehen, als auch die Kosten der Maßnahmen, um verursachte Schäden zu verringern, im Zeitablauf steigen werden, ist es empfehlenswert, bei den Kostensätzen zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Sätzen zu unterscheiden: Die Klimakosten einer Tonne CO2 Emissionen werden in 2050 inflationsbereinigt etwa 3,2 mal so hoch sein wie im Jahr 2010 (siehe Tab. „UBA-Empfehlung zu den Klimakosten“).

Die Umweltkosten für die Emissionen einer Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid steigen nach Berechnungen des Umweltbundesamtes. Im Jahr 2010 betrugen sie rund 40 Euro, im Jahr 2030 145 Euro und im Jahr 2050 bereits 260 Euro.
Tab: UBA-Empfehlung zu den Klimakosten
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Umweltkosten der Strom- und Wärmeerzeugung

Bei der Strom- und Wärmerzeugung entstehen vor allem durch die Emission von Luftschadstoffen und Treibhausgasen hohe Umweltkosten. Sie unterscheiden sich in Abhängigkeit von dem eingesetzten Energieträger deutlich. Stromerzeugung mit Braunkohle verursachen mit 10,75 Eurocent2010 pro erzeugter Kilowattstunde elektrischen Stroms (kWhel) die höchsten Umweltkosten, gefolgt von den fossilen Energieträgern Steinkohle und Öl. Bereits deutlich niedriger liegen die Umweltkosten der Stromerzeugung aus Erdgas. Am umweltfreundlichsten ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Gewichtet man die erneuerbaren Energien nach ihren Anteilen an der Stromerzeugung so lagen die Umweltkosten der erneuerbaren Energien im Jahr 2010 - gemessen an ihrem Anteil an der Stromerzeugung im Jahr 2010 - im Durchschnitt bei etwa 1,8 Eurocent pro kWhel. Die Umweltkosten der fossilen Energieträger lagen dagegen um 7 bis 9 Eurocent pro kWhel darüber (siehe Tab. „Umweltkosten der Stromerzeugung“).

Auch bei der Wärmeerzeugung ist der eingesetzte Energieträger ein maßgeblicher Faktor für die Höhe der entstehenden Umweltkosten (siehe Tab. „Umweltkosten der Wärmeerzeugung der privaten Haushalte“). Heizen mit Kohle und Strom verursacht mit Abstand die höchsten Umweltkosten. Schon mit deutlichem Abstand folgen die Fernwärmeversorgung und das Heizen mit Erdgas und Heizöl. Die Umweltkosten der erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung liegen noch deutlich darunter. Dies zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien auf dem Wärmemarkt die entstehenden Umweltkosten deutlich verringert.

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Umweltkosten des Verkehrs

Verkehr verursacht neben Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen auch Lärmbelastung und negative Effekte auf Natur und Landschaft beispielsweise durch die Zerschneidung der Landschaft. Um die Kostensätze für den Straßenverkehr in Deutschland zu bestimmen, werden zunächst die Emissionen aus dem Betrieb der verschiedenen Fahrzeugtypen ermittelt. Sie entstehen bei der Verbrennung der Kraftstoffe sowie durch Reifenabrieb und Staubaufwirbelungen. Im Anschluss daran werden die Emissionen aus den anderen Phasen des Lebenszyklus geschätzt (zum Beispiel Bau, Wartung, Entsorgung sowie die Bereitstellung der Kraftstoffe). Die Unterschiede zwischen den ermittelten Umweltkosten der einzelnen Verkehrsträger sind beträchtlich (siehe Tab. „Umweltkosten für verschiedene Fahrzeugtypen“).

Emissionsbedingte Umwelt- und Gesundheitsschäden sind in Städten höher als in ländlichen Gebieten. Das zeigt der Vergleich der verkehrsbezogenen Kostensätze in Stadt und Land. Um diese Kostensätze – also die Kosten pro Personen- oder pro Tonnenkilometer – zu bestimmen, müssen die jeweiligen Emissionen pro Fahrzeugtyp und die Anteile von Fahrleistungen in städtischen und ländlichen Gebieten bekannt sein. Die Unterschiede zwischen den Fahrzeugtypen sind zum Teil beträchtlich: So sind zum Beispiel Linienbusse zu rund 72 Prozent (%) in der Stadt unterwegs, Züge hingegen nur zu 20 %.

Die Kostenschätzungen zeigen, dass eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße wesentlich dazu beitragen kann, Umweltkosten zu vermeiden: Während ein schwerer LKW im Schnitt Umweltkosten von ca. 2,4 Eurocent pro Tonnenkilometer (tkm) erzeugt, sind es bei einem elektrisch betriebenen Güterzug nur 0,3 Eurocent pro tkm. Die Kostenschätzungen verdeutlichen auch die Vorteile eines Ausbaus des öffentlichen Personennahverkehrs: PKW mit einem Benzin-Motor verursachen Umweltkosten von 3,1 Eurocent pro Personenkilometer (Pkm), Busse nur 2,2 Eurocent pro Pkm und elektrisch betriebene Züge nur 0,8 Eurocent pro Pkm.

Die Umweltkosten pro Personen- oder Tonnenkilometer unterscheiden sich nach Fahrzeugtyp. So verursacht ein Diesel-LKW Umweltkosten von fast 15 Eurocent pro Tonnenkilometer, ein elektrisch betriebener Güterzug jedoch nur 0,3 Eurocent pro Tonnenkilometer.
Tab: Umweltkosten für verschiedene Fahrzeugtypen
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF