Umweltwirtschaft und grüne Zukunftsmärkte

Umweltschutz ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Deutschland. Deutsche Umweltschutzgüter sind in allen Weltregionen und über alle Umweltschutzbereiche hinweg gefragt. Die Weltmärkte für Umwelt- und Effizienztechnologien weisen ein sehr hohes Wachstum auf und für die Unternehmen werden Energie-, Rohstoff- und Materialeffizienz zu einem immer wichtiger werdenden Wettbewerbsfaktor.

Inhaltsverzeichnis

 

Umweltwirtschaft in Deutschland

Die Umweltwirtschaft ist eine Querschnittsbranche, die alle Unternehmen erfasst, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen anbieten. Deutsche Unternehmen produzierten im Jahr 2015 Güter im Wert von über 83 Milliarden Euro, die für Umweltschutzzwecke eingesetzt werden können. Das entspricht 6 % der gesamten Industrieproduktion(siehe Tab. „Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern in Deutschland nach Umweltbereichen“).

Güter, die dem Klimaschutz dienen können, stellen mit 40 % des Produktionsvolumens erneut den mit Abstand größten Umweltbereich. Hierzu gehören beispielsweise Windenergie- und Solaranlagen.

Potenzielle Umweltschutzgüter können Umweltschutzzwecken dienen, aber auch andere Funktionen erfüllen. Dazu gehören Güter wie Luft- oder Abwasserfilter oder Rotorblätter für Windkraftanlagen, die ausschließlich für Umweltschutzzwecke eingesetzt werden. Es werden auch Güter einbezogen, die sowohl im Umweltschutz, aber auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden können, wie beispielsweise Pumpen, Leitungen oder Mess-, Steuer- und Regelgeräte. Das Konzept der potenziellen Umwelt- und Klimaschutzgüter haben Wirtschaftsforschungsinstitute in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt entwickelt.

Zwischen 2011 und 2013 ging die Produktion von potentiellen Umwelt- und Klimaschutzgütern leicht zurück: von 85 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 82 Mrd. Euro in 2013. Dies ist vor allem auf den massiven Einbruch in der Solarindustrie zurückzuführen. Seit 2013 ist wieder ein Anstieg der Umweltschutzgüterproduktion zu verzeichnen. Es kam zu einer leichten Erholung im Solarbereich und einer Steigerung der Produktion bei der Windkraft. Wachstum verzeichneten darüber hinaus die Bereiche Luftreinhaltung sowie Mess-, Steuer-und Regelungstechnik (MSR-Technik). Dadurch kam es insgesamt in zwei Jahren in Folge zu einem Wachstum der Produktion von potentiellen Umwelt¬schutzgütern von jeweils 1,1 %. In den traditionellen Bereichen Abfall, Abwasser und Lärm stagnierte hingegen die Herstellung von 2013 bis 2015.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland potenzielle Umweltschutzgüter im Wert von 83,4 Milliarden Euro produziert. Dies sind 1,1 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2014.
Tab: Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern in Deutschland nach Umweltbereichen
Quelle: Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF
 

Produktion potenzieller Umweltschutzgüter nach Wirtschaftszweigen

Ein Blick auf die sektorale Aufteilung zeigt, dass die Hälfte aller Umweltschutzgüter in nur zwei Wirtschaftszweigen produziert wurde: dem Maschinenbau und dem Sektor Gummi- und Kunststoffwaren (siehe Abb. „Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern nach Wirtschaftszweigen, 2015“). Beide Wirtschaftszweige sind für mehrere Umweltbereiche von Bedeutung. So machen Maschinenbauerzeugnisse fast 90 % der Produktion von Gütern zur rationellen Energieumwandlung aus, aber auch mehr als 40 % der Produktion von Gütern zur Luftreinhaltung und fast 30 % der Produktion sowohl von Gütern zur Abwasserbehandlung als auch aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Gummi-und Kunststoffwaren sind besonders im Abfallbereich (Behältnisse, Rohre und andere Bauteile) und bei der Lärmminderung (Schalldämmung) im Einsatz. Daneben werden sie gebraucht, um Energie zu sparen (rationelle Energieverwendung).

Die Abbildung zeigt in welchen Wirtschaftszweigen Umweltschutzgüter produziert werden. Den größten Anteil hat der Maschinenbau mit 27,7 % gefolgt von Gummi- und Kunststoffwaren mit 22,5 %.
Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern nach Wirtschaftszweigen, 2015
Quelle: eigene Darstellung/Gehrke/Schasse Diagramm als PDF
 

Umweltwirtschaft im internationalen Wettbewerb

Weltweit stiegen die Exporte potenzieller Umweltschutzgüter von 2002 bis 2015 um durchschnittlich 8,4 % pro Jahr, und damit deutlich stärker als das Welthandelsvolumen der Industriewaren insgesamt (6,9 %). Diese starke Dynamik ist vor allem der Entwicklung in den Jahren 2002 bis 2008 zu verdanken. In diesem Zeitraum erreichte das Exportwachstum im Bereich der Umweltschutzgüter 18 % pro Jahr.

Im Jahr 2015 hat die deutsche Wirtschaft Umweltschutzgüter im Wert von 53,6 Mrd. Euro exportiert. Das entspricht einem Welthandelsanteil von 13,5 %. Nachdem es lange größter Exporteur von Umweltschutzgütern war, liegt Deutschland damit nun an zweiter Position hinter China (siehe Abb. „Welthandelsanteile der größten Anbieter von potenziellen Umweltschutzgütern“).

Chinas Anteil am internationalen Handel mit potenziellen Umweltschutzgütern hat sich seit 2002 mehr als verdreifacht. Auch andere aufholende Volkswirtschaften gewinnen als Anbieter an Bedeutung.

Deutschland ist auf dem Weltmarkt für Umweltschutzgüter sehr gut positioniert und liegt hinter China an zweiter Position. Der Welthandelsanteil von Deutschland lag im Jahr 2015 bei 13,5 Prozent.
Welthandelsanteile der größten Anbieter von potenziellen Umweltschutzgütern
Quelle: eigene Darstellung/Gehrke/Schasse Diagramm als PDF
 

„Grüne Zukunftsmärkte“ als Wirtschaftsfaktor

Umweltschutz hat nicht nur durch die Produktion von Umweltschutzgütern Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Er entwickelt sich zunehmend auch zu einem Kernthema in den „klassischen“ Wirtschaftszweigen wie beispielsweise dem Automobil- oder Maschinenbau. Der Einsatz von Umwelt- und Effizienztechnologien gewinnt an Bedeutung und entscheidet wesentlich über die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Für diese „grünen Zukunftsmärkte“ wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum des globalen Marktvolumens bis 2025 von 6,9 % vorausgesagt (GreenTech-Atlas).

Grüne Zukunftsmärkte haben eine Schlüsselrolle für die Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit und die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse. Zudem sind sie wirtschaftlich besonders bedeutsam. Sechs grüne Zukunftsmärkte sind:

  • Umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie
  • Energieeffizienz
  • Rohstoff- und Materialeffizienz
  • Nachhaltige Mobilität
  • Nachhaltige Wasserwirtschaft
  • Abfall- und Kreislaufwirtschaft

Diese grünen Zukunftsmärkte sind weit über den Nischenstatus hinaus gewachsen. Sowohl in Deutschland als auch weltweit hat das Marktvolumen der grünen Zukunftsmärkte zugenommen. Im Jahr 2016 betrug das globale Marktvolumen nach Schätzungen von Roland Berger Consulting 3,2 Billionen Euro, 2013 waren es noch 2,5 Billionen Euro. Die vorliegenden Prognosen des Umwelttechnologie-Atlas „GreenTech-Atlas” gehen von einem weiteren Anstieg des Marktvolumens aus. Die Methodik zur Prognose der Marktvolumen ist im „GreenTech-Atlas” auf S. 47 beschrieben.

 

Umweltpolitik muss weiterhin Innovationsanreize setzen

Der Konkurrenzdruck auf den grünen Zukunftsmärkten steigt. Neben den etablierten Wettbewerbern wie den USA und Japan drängen auch Schwellenländer wie China auf die grünen Zukunftsmärkte, denn sie haben ebenfalls die wirtschaftlichen Chancen erkannt, die auf diesen Märkten bestehen. Weitere Anstrengungen im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie der Förderung der Marktdiffusion innovativer Umwelt- und Klimaschutztechniken sind daher dringend erforderlich, um die starke Wettbewerbsposition Deutschlands auf den grünen Zukunftsmärkten zu sichern. Wichtig ist es, Rahmenbedingungen in allen relevanten Politikbereichen zu schaffen, die systematisch Innovationsanreize setzen und so helfen, die gute Wettbewerbsposition Deutschlands langfristig zu sichern und auszubauen. Eine fortschrittliche Umweltpolitik ist dafür eine zentrale Voraussetzung.

Weitere Informationen und Daten zur Entwicklung der grünen Zukunftsmärkte findet man hier.