Einleitung
Ökosysteme setzen sich aus unbelebten und belebten Komponenten zusammen, die in vielfältigen Wechselwirkungen miteinander stehen und somit eine „funktionale Einheit“ bilden.
Durch dieses komplexe Zusammenspiel sind Ökosysteme in der Lage, für ihre eigene Regeneration und Entwicklung zu sorgen (zum Beispiel durch Kreislaufführung pflanzenverfügbarer Nährstoffe und Energie sowie Weitergabe genetischer Informationen) und Leistungen für den Naturhaushalt und den Menschen zu erbringen (zum Beispiel die Produktion von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, Filterung von Schadstoffen, Regulierung des Wasserhaushalts). Wirken intensive Bewirtschaftung, ein verändertes Klima oder stoffliche Belastungen auf Ökosysteme ein, verändern sie ihre Eigenschaften und somit auch ihre Funktionen und Leistungen. Die sogenannten „Gratisdienstleistungen“ der Natur sind unverzichtbar für den Menschen. Über den Arten- oder Biotopschutz hinaus gilt es, diese Funktionen und Leistungen der Ökosysteme zu schützen.
Gesunde, sehr gut funktionierende Ökosysteme zeichnen sich durch weitgehend ungestörte Abläufe der natürlichen Prozesse aus. Sie sind anpassungsfähig an wechselnde Umweltbedingungen und widerstandsfähig gegen Stress, zum Beispiel Trockenheit. Die Bodeneigenschaften sowie die Zusammensetzung der Pflanzen- und Tierwelt entsprechen dem natürlichen Standortpotenzial. Diese Ökosysteme können sich selbst organisieren und regenerieren, ohne Eingriffe durch den Menschen. Diese Fähigkeit wird als Ökosystemintegrität bezeichnet, siehe Definition unten.
Als Ergebnis zweier Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes mit Fokus auf Waldökosysteme liegen praxisreife Methoden vor, mit denen Anwender bewerten können, ob die Integrität von Waldökosystemen hinsichtlich ihrer Stoff- und Wasserhaushalte, ihrer biologischen Vielfalt und Anpassungsfähigkeit (Resilienz) gefährdet ist. Der Fokus liegt insbesondere auf den langfristigen Wirkungen von Stickstoffeinträgen aus der Atmosphäre und Klimaänderungen auf die Ökosystemintegrität. Die Bewertung dient dazu, wissenschaftlich begründete, tragfähige Maßnahmen für die Erhaltung oder Verbesserung des Zustands von Ökosystemen ableiten zu können, darunter Maßnahmen der Luftreinhaltung, der Bewirtschaftung und Klimaanpassung.