Urbaner Umweltschutz für eine umweltorientierte Stadtentwicklung

Dächer in einer Stadt.zum Vergrößern anklicken
Auf der Konferenz werden Fragen zum Thema umweltfreundliche Stadtentwicklung diskutiert.
Quelle: Juergen Fälchle / Fotolia

Urbane Räume sind Zentren menschlichen Energie- und Ressourcenverbrauchs und Entstehungsort hoher Umweltbelastungen. Zugleich bieten sie durch Dichte und kurze Wege große Chancen, natürliche Ressourcen einzusparen und die Umwelt zu schonen. Das UBA nimmt mit dem Schwerpunkt „Urbaner Umweltschutz“ daher die Schnittstelle zwischen Stadtentwicklung und Umweltschutz in den Blick.

Inhaltsverzeichnis

 

Die UBA Forschungsagenda „Urbaner Umweltschutz“

Der urbane Umweltschutz ist eine Querschnittsaufgabe im Umweltbundesamt (UBA). Mit der entsprechenden strategischen Forschungsagenda identifiziert das UBA daher zukünftige Forschungsschwerpunkte für eine an Umweltqualitätszielen ausgerichtete Entwicklung von Siedlungsräumen – und zwar explizit an den Schnittstellen zwischen Stadtentwicklung und Umweltschutz. Bestehende Wissenslücken einer umweltorientierten, sozialverträglichen, gesundheitsfördernden, ressourcenschonenden und integrierten urbanen Entwicklung sollen beforscht und durch eine fachübergreifende Betrachtung neue Wirkungszusammenhänge identifiziert und zielgerichtet adressiert werden. Urbaner Umweltschutz beinhaltet vor allem auch eine Auseinandersetzung mit dem Wechselspiel von ökologischen, sozialen und ökonomischen Bezügen. So sollen Klimaschutz und -anpassung, Luftreinhaltung, Lärmminderung, Ressourcenschutz, Reduzierung des Flächenverbrauchs und weitere Themen zusammengeführt und damit Stadtentwicklung und Umweltschutz noch stärker als bisher vernetzt werden. Immer noch stehen beide Bereiche in Politik, Verwaltung und Forschung oft nur nebeneinander und schöpfen die möglichen Synergien nicht aus.

Die UBA Forschungsagenda stellt daher Themen in den Fokus, die aufgrund aktueller Rahmenbedingungen, Trends und Problemlagen in der Entwicklung urbaner Räume aus Umweltperspektive eine hohe Relevanz besitzen, dennoch aber auch die weiteren Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung im Fokus haben. Zum Beispiel werden Zielkonflikte von Nutzungsansprüchen ökologischer sowie sozialer und ökonomischer Belange an den urbanen Raum identifiziert und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Viele der Lösungsansätze und Forschungsergebnisse können nur in Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteuren und Fachdisziplinen umgesetzt werden. Eine enge Kooperation mit Forschungseinrichtungen, Behörden, kommunalen Akteurinnen und Akteuren, Verbänden und Netzwerken, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie weiteren Multiplikatoren ist daher wesentlich.

 

Erste Schritte in die Umsetzung

Die Forschungsagenda legt für alle Themenschwerpunkte einen Fokus auf die Umsetzung. Diese gelingt nur, wenn bestehendes Wissen und neue Erkenntnisse miteinander verknüpft und Forschungsergebnisse ziel- und adressatengerichtet kommuniziert werden. Im Jahr 2017 hat das UBA bereits eine konkrete Vision für die „Stadt für Morgen“ veröffentlicht. Es wird aufgezeigt, dass Synergien zwischen verschiedenen Umweltbelangen (Fläche, Luft und Lärm) und der Stadtentwicklung bei einem Motorisierungsgrad von unter 150 Pkw pro 1.000 Einwohner voll zum Tragen kommen. Mit einer durchschnittlichen Motorisierung von derzeit rund 450 Pkw pro 1.000 Einwohner in Großstädten liegen wir heute noch weit davon entfernt [Stand: 01.01.2017; zum Vergleich Berlin: 334 Pkw/1.000 Einwohner]. Hier gäbe es also noch viel zu tun – mögliche Wege sollen mit der Forschungsagenda Urbaner Umweltschutz ausgelotet und die Vision für die „Stadt für Morgen“ soll Schritt für Schritt um die Themenfelder der UBA Forschungsagenda erweitert werden. 

Im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Urbaner Umweltschutz“ wurden daher bereits verschiedene Vorhaben und Aktivitäten gestartet. Unter anderem beschäftigen sich Vorhaben mit der effizienten und nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen in urbanen Räumen. Dies wird aus Sicht des UBA in der Stadtentwicklung zu wenig beachtet. Dennoch verursacht gerade der Baubereich riesige Materialströme, die wiederrum die natürlichen Ressourcen und die Umwelt beanspruchen. Der Ressourcenverbrauch der Städte ist auch global von großer Bedeutung. So hat allein China von 2008 bis 2010 mehr Zement verbaut wurde als die USA im gesamten 20. Jahrhundert. Die immense Rohstoffnachfrage in urbanen Räumen stellt ein ganz zentrales globales Umweltproblem dar. Ein Problem, das noch nicht ansatzweise bewältigt ist. 

Mit anderen Vorhaben soll auch das Konzept der „Kompakten Stadt“ kritisch hinterfragt werden. Trägt dieser Ansatz aus Umweltschutzsicht für bereits stark verdichtete Regionen wie München, Leipzig oder Hamburg? Können unsere Trinkwasser- und Abwasser-, Verkehrs- und Energieversorgungsinfrastrukturen eine weitere Verdichtung überhaupt noch verkraften? Oder müssen wir aufgrund von Engpässen bei Infrastrukturen andere Wege gehen? 

Weitere Aktivitäten widmen sich auch der Klimaanpassung in urbanen Räumen. Infrastrukturen und Gebäude müssen an die sich verändernden Umweltbedingungen angepasst werden. Deutsche Städte mit ihren Gebäuden und Infrastrukturen sind zu 95 Prozent baulich vorhanden. Gestaltungsspielräume eröffnen sich deshalb meist nur dann, wenn Sanierungen anstehen. Wenn saniert wird, sollte allerdings nicht nur die Anpassung an den Klimawandel in den Blick genommen werden – also beispielsweise Dachbegrünungen – sondern auch die Frage, was für den Klimaschutz und die Ressourceneffizienz mittels Gebäuden in Gänze erreicht werden kann. 

Daneben gibt es noch vielzählige weitere Vorhaben, die sich unter anderem auch mit Umwelteffekten von Smart Cities, Schnittstellen zwischen Infrastruktur- und Stadtplanung, den Umwelteffekten des demografischen Wandels in Stadt und Land oder mit den Umweltwirkungen des zunehmenden Städtetourismus beschäftigen.

Die Agenda wird im Abstand von fünf bis zehn Jahren überarbeitet, aktualisiert und weiterentwickelt, um auf die Veränderungen in den urbanen Siedlungsräumen und neu entstehende Fragestellungen reagieren zu können.

 

Konferenz im April 2018 vernetzt Akteurinnen und Akteure

Am 12. April 2018 richteten das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) eine gemeinsame Konferenz unter dem Titel „Urbaner Umweltschutz – Weichenstellung für eine umweltorientierte Stadtentwicklung“ in Berlin aus. Über 250 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten zentrale Fragestellungen der UBA Forschungsagenda. Im Folgenden finden Sie die Konferenz Dokumentationen und die Präsentationen. 

Konferenzdokumentation

Download PDF

 

Nachfolgend finden Sie Präsentationen von einzelnen Referentinnen und Referenten sowie inhaltliche Zusammenfassungen der Themenforen. Das Programm der Konferenz finden Sie hier.

Die Forschungsagenda „Urbaner Umweltschutz“ des Umweltbundesamtes als Baustein der Ressortforschung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Rolf Bräuer (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)
Martin Schmied (Umweltbundesamt)

Keynote: Mit sauberer Mobilität zu neuer Lebensqualität – Verkehrswende als Impuls für eine umweltorientierte Stadtentwicklung

Winfried Hermann MdL (Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg)

Dokumentationen der sechs parallelen Themenforen:

1. Stadt und Infrastruktur ressourcenschonend, umweltverträglich und intelligent vernetzt entwickeln

Download Zusammenfassung (PDF)

Moderation: Matthias Koller (Umweltbundesamt)

Kurzvorträge: 

Petra Mahrenholz (Umweltbundesamt)

Gunnar Braun (Verband kommunaler Unternehmen e.V.)

Impulse: Dr.-Ing. Jürgen Neumüller (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit), Jan Hendrik Trapp (Deutsches Institut für Urbanistik), Dr.-Ing. Pascale Rouault (Kompetenzzentrum Wasser Berlin), Jens Ante (Wuppertaler Stadtwerke, Energie & Wasser AG)

2. Mehr Platz für die umweltverträgliche Stadtentwicklung – Stadtraum gewinnen durch nachhaltige Mobilität

Download Zusammenfassung (PDF)

Moderation: Dr. Katrin Dziekan (Umweltbundesamt)

Kurzvorträge: 

Tim Schubert (Umweltbundesamt)

Stefanie Kirchbach (Stadt Aachen)

Impulse: Melanie Schade (Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung), Dr.-Ing. Jeanette Klemmer (Institut für Mobilität und Verkehrssysteme der Hochschule Bochum)

3. Umweltgerechtigkeit: umweltfreundliche, sozial gerechte, gesunde und grüne Stadt

Download Zusammenfassung (PDF)

Moderation: Thomas Preuß (Deutsches Institut für Urbanistik)

Kurzvortrag: Christiane Bunge (Umweltbundesamt)

Impulse: Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule für Gesundheit, Bochum), Dr. Anja Starick (Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel), Jörn Luft (Montag Stiftung Urbane Räume, Bonn)

4. Städte in der nachhaltigen Transformation: zukunftsfähige Governance und Finanzierung

Download Zusammenfassung (PDF)

Moderation: Lars Holstenkamp (Leuphana Universität Lüneburg, Institut für Finanz- und Rechnungswesen)

Kurzvorträge: 

Dr. Nadja Salzborn (Umweltbundesamt)

Dr. Marion Klemme (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung)

Impulse: Henning Schwarting (Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Florian Mayer (Bundesamt für Naturschutz)

5. Stadt und Umland: Verflechtungen und Kreisläufe nachhaltig ausgestalten

Download Zusammenfassung (PDF)

Moderation: Dr. Stephan Bartke (Umweltbundesamt)

Kurzvorträge: 

Almut Jering (Umweltbundesamt)

Stephanie Wunder (Ecologic Institute)

Dr. Wilfried Bommert (World Food Institute e.V.)

Impulse: Malte Möck (Technische Universität Braunschweig), Dr.-Ing. Uwe Ferber (StadtLand UG)

6. Urbaner Umweltschutz in europäischer und internationaler Perspektive

Download Zusammenfassung (PDF)

Moderation: Dr.-Ing. Frederic Rudolph (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie)

Kurzvorträge:

Ulrike v. Schlippenbach und Daniel Reißmann (Umweltbundesamt)

Carl Philipp Schuck (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH)

Andreas Littkopf (Umweltbundesamt Österreich, Wien)

Impulse: Angelina Davydova (Russisch-Deutsches Büro für Umweltinformation (RNEI), St. Petersburg), Malte Lellmann (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)