Das Antarktisvertragssystem

Gelegentlich stößt man auf die Frage, wem eigentlich die Antarktis gehört. Die Antwort darauf ist ganz einfach: Da es in der Antarktis keine indigene Bevölkerung gibt, gehört die Antarktis allen Menschen als Erbe der Welt und doch niemandem speziell! Beide Aspekte sind im Antarktisvertragssystem geregelt.

Das Antarktis-Vertragssystem ist eines der erfolgreichsten internationalen Abkommen und besteht aus dem Antarktis-Vertrag und darauf aufbauenden internationalen Übereinkommen. Es hat in einer Weltregion – deren Landfläche fast anderthalb mal so groß ist wie Europa bis zum Ural – trotz eines noch nicht geklärten und deshalb „eingefrorenen″ Territorialkonflikts seit 50 Jahren den Frieden gesichert und eine enge Zusammenarbeit von Staaten mit sehr unterschiedlichen Interessen in den Bereichen Forschung und Umweltschutz ermöglicht.

Der Antarktis-Vertrag wurde am 1. Dezember 1959 in Washington D.C. unterzeichnet und trat am 23. Juni 1961 in Kraft. Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer entsprechenden Seite zum Antarktis-Vertrag.

In den folgenden Jahren kamen folgende weitere Abkommen hinzu, über die Sie sich ausführlicher auf den folgenden Seiten informieren können:

  • 1964: Vereinbarte Maßnahmen zur Erhaltung der Antarktischen Fauna und Flora (Agreed Measures for the Conservation of the Antarctic Flora and Fauna)
  • 1972: CCAS – Übereinkommen zur Erhaltung der Antarktischen Robben (Convention on the Conservation of Antarctic Seals)
  • 1980: CCAMLR – Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (Convention on the Conservation of Antarctic Marine Living Resources)
  • 1988: CRAMRA – Übereinkommen zur Regelung der Tätigkeiten im Zusammenhang mit mineralischen Ressourcen der Antarktis (Convention on the Regulation of Antarctic Mineral Resource Activities) – Dieses Übereinkommen wurde von einem Großteil der damaligen  Parteien unterzeichnet jedoch von einigen Staaten abgelehnt und in Folge dessen von keinem Staat ratifiziert, deshalb ist es niemals in Kraft getreten. Es wurde drei Jahre später durch das folgende Abkommen ersetzt:
  • 1991 Umweltschutzprotokoll zum Antarktis-Vertrag (Protocol on Environmental Protection to the Antarctic Treaty) – Das USP trat 1998 in Kraft.

Ein internationales Sekretariat für das Vertragssystem

2004 wurde das Sekretariat des Antarktis-Vertrages (Antarctic Treaty Secretariat, ATS) eingerichtet. Es hat seinen Sitz in Buenos Aires, Exekutivsekretär ist seit 2009 der Deutsche Manfred Reinke. Das ATS unterstützt die jährlichen Treffen der Konsultativstaaten (ATCM) – unter anderem durch die Sammlung, Speicherung und Veröffentlichung der ATCM-Dokumente – sowie die Treffen des Umweltschutzkomitees (CEP), erleichtert den Informationsaustausch zwischen den Vertragsstaaten und versorgt die Öffentlichkeit als zentraler Ansprechpartner mit Informationen über das Antarktis-Vertragssystem und Aktivitäten in der Antarktis.

Staaten, die sich dem Antarktis-Vertragssystem anschließen, implementieren die Abkommen durch eine eigene nationale Gesetzgebung. Die jeweiligen nationalen Regelungen gelten nur für die Bürger des betreffenden Staates. Dadurch haben manche Vertragsparteien schärfere Regelungen als andere, was Aktivitäten in der Antarktis betrifft.

Wie die Umsetzung neuer Erkenntnisse, Vorstellungen oder Maßnahmen von der nationalen Ebene in die internationale antarktische Umweltschutzpolitik funktioniert, zeigt das folgende Schema am Beispiel Deutschlands.

Schematische Darstellung, welche Instanzen neue Erkenntnisse, Vorstellungen oder Maßnahmen auf dem Weg von der nationalen Ebene in die allgemeine antarktische Umweltschutzpolitik nehmen müssen.
Der Weg von der nationalen Ebene bis zur allgemeinen antarktische Umweltschutzpolitik
Quelle: Umweltbundesamt