Mobilität privater Haushalte

Mobilität und Verkehr gehören zur modernen Gesellschaft. Die Kehrseiten der Mobilität – besonders mit Auto und Flugzeug – sind ein hoher Energieverbrauch und damit hohe verkehrsbedingte Emissionen wie Kohlendioxid und Stickoxide, die den Klimawandel antreiben und die Gesundheit schädigen. Alternativen gibt es: Öffentlicher Personenverkehr, Carsharing, das (Elektro-)Fahrrad und die eigenen Füße.

Inhaltsverzeichnis

 

Verkehrsleistung im Personentransport

Im Jahr 2019 betrug die gesamte ⁠Verkehrsleistung⁠ im Personentransport rund 1.170 Milliarden ⁠Personenkilometer⁠ (Mrd. Pkm). Den größten Anteil hatte daran der motorisierte Individualverkehr (Pkw und motorisierte Zweiräder) mit 78,4 %. Pandemiebedingt fiel im Jahr 2020 die gesamte ⁠Personenverkehrsleistung⁠ um 19,4 % auf 942,8 Mrd. Pkm. Die größte Abnahme hatte mit 74 % der Luftverkehr zu verzeichnen. Der Eisenbahnverkehr verringerte sich um 43,6 % und der motorisierte Individualverkehr um 10,3 % (siehe Tab. „Verkehrsleistung im Personentransport“).

Tabelle zur Verkehrsleistung: Veränderung 2020 zu 2019 in Prozent: Eisenbahn minus 43,6; Luftverkehr minus 74; Motorisierter Straßenverkehr: minus 13; Verkehr insgesamt minus 19,4 Prozent.
Tab: Verkehrsleistung im Personentransport
Quelle: Bundesministerium für Digitales und Verkehr Tabelle als PDF zur vergrößerten Darstellung
 

Hoher Motorisierungsgrad

Der Motorisierungsgrad in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Waren es im Jahr 2000 noch 532 Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ist diese Zahl mittlerweile auf 580 im Jahr 2020 (Kfz-Bestand zum Stichtag 1.1.2021, Bevölkerungsstand vom 30.09.2020) angestiegen (siehe Tab. „Entwicklung des Motorisierungsgrades“). Hier gab es jedoch eine Umstellung der Statistik: So wurden bis 2007 vorübergehend abgemeldete Fahrzeuge dem Bestand zugerechnet. Das geschieht seit 2008 nicht mehr. Die Werte sind daher seit dem Jahr 2008 nicht mehr vollständig mit denen früherer Jahre vergleichbar. Ohne diese Änderung in der Statistik würde der gegenwärtige Motorisierungsgrad und somit auch der Anstieg im Vergleich zu 2000 noch höher ausfallen: Er läge heute bei über 600.

Mehr Haushalte mit Krafträdern und E-Bikes

In Deutschland verfügten Anfang 2021 77 % der privaten Haushalte über mindestens einen Pkw (siehe Tab. „Ausstattung privater Haushalte mit Fahrzeugen“). In jedem vierten Haushalt sind zwei oder mehr Autos vorhanden. Fahrräder gibt es in 79 % der Haushalte. Eine deutliche Zunahme konnte in den letzten zwei Jahren bei den Krafträdern und E-Bikes verzeichnet werden. So verfügten im Jahr 2019 10,6 % der Haushalte über ein Kraftrad und 9 % über ein E-Bike. Im Jahr 2021 lag der Anteil bei Krafträdern bei 12,5 % und bei E-Bikes sogar bei 13,3 %.

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Hoher Anteil von Urlaubs- und Freizeitverkehr

Der arbeitsbezogene Verkehr, das heißt der Berufs- und Ausbildungs- sowie der Geschäftsverkehr hatte 2019 mit 38,6 % den größten Anteil an der ⁠Verkehrsleistung⁠ im motorisierten Individualverkehr (Pkw und motorisierte Zweiräder). Etwa 48 % der arbeitsbezogenen ⁠Personenkilometer⁠ sind geschäftlich veranlasste Fahrten, die daher nicht den privaten Haushalten zuzurechnen sind (siehe Abb. „Motorisierter Individualverkehr 2019“). Der Urlaubs- und Freizeitverkehr hat mit 38,3 % ebenfalls einen großen Anteil an der Verkehrsleistung im MIV.

Pkw und Motorrad waren im Jahr 2019 die beliebtesten Fortbewegungsmittel für Urlaub und Freizeit. Dann folgen der Luftverkehr und der Eisenbahnverkehr. Pkw und Flugzeug haben demnach einen hohen Stellenwert im Urlaubs- und Freizeitverkehr – sie sind aber auch die Verkehrsmittel mit den höchsten ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen pro Personenkilometer (siehe „Emissionsdaten“).

Bei Reisen hat neben dem Verkehrsmittel auch die gewählte Distanz zum Reiseziel einen Einfluss auf die entstehenden Emissionen. Die Abb. „Treibhausgas-Emissionen pro Person und Reise“ zeigt einen Vergleich mobilitätsbedingter Treibhausgas-Emissionen pro Person für verschiedene Reiseziele. Tipps für einen nachhaltigen Tourismus finden Sie unter „Urlaubsreisen“ und „Nachhaltiger Tourismus“.

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Fahrleistungen der privaten Haushalte

Die ⁠Fahrleistungen⁠ der privaten Haushalte mit Pkw sind von 2008 bis 2018 kontinuierlich angestiegen. Dabei haben sich die Fahrleistungen bei Benzin-Pkw und Dieselfahrzeugen gegenläufig entwickelt (siehe Abb. „Fahrleistungen der privaten Haushalte mit Personenkraftwagen“). Vermutlich stiegen gerade die „Vielfahrenden“ aus Kostengründen auf Diesel-Pkw um. Der gesamte Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte blieb zwischen 2008 und 2018 in etwa gleich (siehe Abb. „Kraftstoffverbrauch der privat genutzten Pkw in Privathaushalten“). Ausschlaggebend sind dabei der Rückgang des Durchschnittsverbrauchs je Kilometer und die Verschiebung des Pkw-Bestandes hin zu verbrauchsgünstigeren Dieselfahrzeugen (siehe Tab. „Spezifischer Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte mit Personenwagen“).

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Kohlendioxid-Emissionen privater Haushalte im Straßenverkehr

Die direkten Kohlendioxid-Emissionen der privaten Haushalte im motorisierten Individualverkehr sind im Zeitraum von 2005 bis 2018 um 8,1 % gestiegen. Sie lagen im Jahr 2008 mit 97,5 Millionen Tonnen am niedrigsten, danach nahmen sie wieder zu (siehe Abb. „Kohlendioxid-Emissionen der privaten Haushalte durch Kraftstoffe im Straßenverkehr“). Die unterschiedliche Entwicklung hing auch mit der steigenden Nachfrage nach Dieselkraftstoffen gegenüber Benzinkraftstoffen zusammen. So wurden 2018 in privaten Haushalten 7 Milliarden Liter mehr Diesel verbraucht als noch 2008. Der Verbrauch an Benzinkraftstoffen nahm im gleichen Zeitraum dagegen um fast 10 % ab. Neben den unterschiedlichen Verbrauchsmengen bei Kraftstoffen wirken sich auch Kraftstoffeigenschaften und technische Entwicklungen auf die Höhe der Kohlendioxid–Emissionen aus. Dieselfahrzeuge emittieren pro 100 Fahrzeugkilometer – trotz eines höheren Gewichts – um rund fünf Prozent weniger Kohlendioxid als Benziner. Einsparungen durch den technischen Fortschritt beim Fahrzeug- und Motorenbau wurden durch gegenläufige Faktoren, wie den ⁠Trend⁠ zu höher motorisierten und schwereren Fahrzeugen mit verbesserten Ausstattungsmerkmalen, teilweise kompensiert.

Das Diagramm zeigt, dass die Kohlendioxid-Emissionen der privaten Haushalte durch Kraftstoffverbräuche zwischen 2005 und 2018 etwas angestiegen sind. Der Benzin-Anteil nahm dabei ab, der Anteil von Diesel stieg an.
Kohlendioxid-Emissionen der privaten Haushalte durch Kraftfahrstoffe im Straßenverkehr
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Pandemiebedingt weniger Fahrgäste bei den „Öffentlichen“

Die Anzahl der Fahrgäste im öffentlichen Personenverkehr hat bis 2019 jedes Jahr leicht zugenommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen im Jahr 2019 um 0,4 % gegenüber 2018 gestiegen. Der Rückgang der Fahrgastzahlen infolge der Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat sich 2021 fortgesetzt. Die Zahl der Fahrgäste im gesamten Linienverkehr war um 32 % niedriger als 2019. Im Fernverkehr verringerte sich die Zahl der Fahrgäste fast um die Hälfte. Der Linienverkehr mit Omnibussen verlor dabei mit 87 % die meisten Fahrgäste (siehe Tab. „Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Personenverkehr 2021“).

Tabelle: Im Jahr 2021 nutzten die Menschen den öffentlichen Personenverkehr aufgrund der Corona-Pandemie deutlich weniger als im Jahr zuvor. Die Fahrgastzahlen bei Bussen und Bahnen sanken um 32 Prozent gegenüber 2019.
Tab: Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Personenverkehr 2021
Quelle: Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF zur vergrößerten Darstellung
 

Mobilität – Carsharing

Der hohe Motorisierungsgrad zeigt, dass die Bedeutung privater Kraftfahrzeuge für die Mobilität nach wie vor sehr hoch ist. Die Attraktivität umweltfreundlicherer Mobilität lässt sich jedoch steigern. Dazu gehört neben dem öffentlichen Nahverkehr, dem klassischen Fahrrad, dem E-Bike und dem Fußverkehr auch das Carsharing.  Zum Jahresbeginn 2022 zählte der Bundesverband Carsharing e.V. (bcs) in Deutschland insgesamt 3.393.000 Teilnehmende. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung um 18 % (siehe Abb. „Carsharing – Entwicklung bis 2021“). In Deutschland gibt es 243 Carsharing-Anbieter. Diese teilen sich in 239 stationsbasierte und vier ⁠„free floating“⁠-Angebote mit frei im Straßenraum verfügbaren Fahrzeugen. Die Zahl der Städte und Gemeinden mit einem stationsbasierten Carsharing-Angebot erhöhte sich zwischen 2019 und 2021 von 840 auf 911. Stationsunabhängige Angebote sind in 34 Städten verfügbar.

Die Umwelteffekte stationsgebundener Carsharing-Angebote sind bereits näher untersucht worden. Die in den Carsharing-Flotten eingesetzten Fahrzeuge werden in der Regel nach drei bis vier Jahren ersetzt. Carsharing-Fahrzeuge emittieren pro gefahrenen Kilometer 16 % weniger klimaschädliches Kohlendioxid als durchschnittliche private Neufahrzeuge in Deutschland, da sich in den Flotten überwiegend kleine und mittlere Fahrzeuge befinden. Stationsgebundenes Carsharing bewirkt eine Verminderung der Zahl der notwendigen privaten Fahrzeuge und führt zu einer für die Städte besonders wichtigen Entlastung des öffentlichen Verkehrsraumes. Jedes Carsharing-Fahrzeug ersetzt je nach örtlichen Verhältnissen zwischen drei und zehn Fahrzeugen. In dichtbesiedelten Innenstadtgebieten von Großstädten, kann bei stationsbasierten Angeboten die Ersatzquote auch bei deutlich über 10 Fahrzeugen liegen.

Bei stationsunabhängigem Carsharing sieht es anders aus: In einer Studie des Öko-Institutes zeigte sich am Beispiel eines Anbieters, dass sich in einigen Städten unter derzeitigen Rahmenbedingungen kurzfristig nicht automatisch ein Umweltvorteil einstellt. Um einen Wandel im Mobilitätsverhalten zu fördern sind weitere begleitende Maßnahmen und verknüpfte Mobilitätsangebote erforderlich, um die private Nutzung des Pkw und deren Besitz zu reduzieren. Nur wenn Carsharing als Mobilitätsbaustein sinnvoll mit dem ÖPNV und anderen Mobilitätsbausteinen wie bspw. Bikesharing verknüpft ist, können nennenswerte Umweltentlastungen erzielt werden (siehe „Bike- und Carsharing intelligent mit ÖPNV verknüpfen“).

Mittlerweile gibt es in knapp 23 Städten kombinierte Carsharing-Systeme, die ⁠stationsbasiertes Carsharing⁠ und free-floating Carsharing aus einer Hand anbieten. Kombinierte Carsharing-Systeme haben nach ersten Untersuchungen eine vergleichbare verkehrsentlastende Wirkung wie stationsbasierte Angebote.

Diagramm: Zum 01.01.2022 betrug die Zahl der Fahrberechtigten insgesamt 3.393.000 und die Zahl der Fahrzeuge insgesamt 30.200.
Carsharing – Entwicklung bis 2021
Quelle: Bundesverband CarSharing Diagramm als PDF
 

E-Bikes – eine Alternative zum Auto?

2021 wurden 4,7 Millionen (Mio.) Fahrräder und Elektro-Fahrräder in Deutschland verkauft. Wie schon in den vorherigen Jahren nahm dabei der Absatz von Fahrrädern mit einem Elektro-Motor weiter zu. 2021 waren es 2 Mio. verkaufte Einheiten und damit fast 30 % mehr als 2019 (siehe Abb. „Zahl jährlich verkaufter E-Bikes“). Die Gründe für die Zunahme der E-Bikes sind vielfältig: zum einen gibt es eine breite Palette an Designmodellen, zum anderen verbesserte sich durch Weiterentwicklung die Antriebs- und Batterietechnik. Nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbandes umfasst der Fahrradbestand in Deutschland insgesamt ca. 81 Mio. Fahrräder und E-Bikes. Letztere hatten daran einen Anteil von geschätzt 8,5 Mio. Einheiten.

E-Bikes ergänzen die Einsatzbereiche herkömmlicher Fahrräder mit Hilfe des Motors, ohne für die Umwelt größere Probleme zu verursachen. Mit ihnen können längere Strecken, Höhenunterschiede und Gegenwind besser bewältigt sowie Lasten und Kinder leichter transportiert werden. Während Pedelecs den Radfahrenden nur dann Unterstützung durch einen Elektromotor bieten, wenn sie in die Pedale treten, so können die eigentlichen E-Bikes auf Knopfdruck ohne Pedalunterstützung fahren. Im Alltagsgebrauch hat sich die Bezeichnung E-Bikes für sämtliche Elektro-Fahrräder durchgesetzt.

Der Wegevergleich zeigt, dass E-Bikes im Stadtverkehr bis zu einer Entfernung von etwa 7,5 Kilometern das schnellste Verkehrsmittel sind. Die Hälfte aller Autofahrten ist jedoch sogar kürzer als fünf Kilometer. Hieraus ergibt sich ein enormes Verlagerungspotenzial von Pkw-Fahrten auf das Fahrrad oder das E-Bike (siehe Abb. „Wegevergleich: von Tür zu Tür im Stadtverkehr“).

Weitere Informationen in der Broschüre „E-Rad macht mobil".

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