Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

Die Herausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes sind für die Menschen in Deutschland bedeutsamer geworden. Insbesondere in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Städtebau und Verkehr sollte Umwelt- und Klimaschutz eine größere Rolle spielen. Der Zustand der Umwelt in Deutschland wird schlechter bewertet als in den Vorjahren, das Engagement relevanter Akteure ebenso.

Inhaltsverzeichnis

 

Das Umweltbewusstsein in Deutschland

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt lassen seit 1996 alle zwei Jahre Bürgerinnen und Bürger in einer repräsentativen Umfrage nach ihren Einschätzungen zum Zustand der Umwelt, ihrem eigenen umweltrelevanten Verhalten sowie zu aktuellen Themen der Umweltpolitik befragen. Die neueste Studie zum „Umweltbewusstsein in Deutschland“ zeigt: Das Problembewusstsein für Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes hat weiter zugenommen.

 

Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes

Welchen Stellenwert hat Umwelt- und Klimaschutz für die Menschen in Deutschland angesichts anderer aktueller Probleme? Die Teilnehmenden der Umweltbewusstseinsstudie waren aufgefordert zu bewerten, wie wichtig sie zehn verschiedene gesellschaftliche Herausforderungen finden, die ihnen in einer Liste vorgegeben waren. Umwelt- und Klimaschutz stufen 64 % als sehr wichtige Herausforderung ein und geben ihm eine ähnlich hohe Bedeutung wie den beiden Top-Themen Bildung (69 %) und soziale Gerechtigkeit (65 %). All diese Anliegen haben im Vergleich zu der vorherigen Befragung im Jahr 2016 an Bedeutung zugewonnen. Umwelt- und Klimaschutz liegt um elf Prozentpunkte höher (siehe Abb. „Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes“).

Themen, die die Befragten 2016 zuerst nannten – Kriege/Terrorismus, Zuwanderung/Migration sowie Kriminalität/ öffentliche Sicherheit – haben teilweise deutlich an Aufmerksamkeit verloren, sind aber noch immer für viele sehr wichtig.

Die Bedeutung, die Umwelt- und Klimaschutz beigemessen wird, um andere politische Aufgaben zu bewältigen, bleibt auf hohem Niveau. Die Mehrheit der Befragten sieht Umwelt- und Klimaschutz als nötig an, um Zukunftsaufgaben zu meistern (67 %), Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (57 und 51 %) und 46 %, um Arbeitsplätze zu schaffen. Im Vergleich zu 2016 sind diese Werte recht stabil (siehe Abb. „Zeitvergleich: Umwelt- und Klimaschutz als Grundlage für politische Aufgaben“).

Die Arbeit relevanter Akteure für den Umwelt- und Klimaschutz wird 2018 deutlich schlechter eingeschätzt als in den Vorjahren. Mit Ausnahme der Umweltverbände hat sich für alle anderen Akteure die Zustimmung, dass diese genug zum Schutz von Umwelt und Klima tun, in etwa halbiert.

Der Anteil von Menschen, die meinen, die Bundesregierung tut genug oder eher genug, ist gegenüber 2016 um 20 Prozentpunkte auf 14 % zurückgegangen. Die Einschätzung, dass die Industrie genug tut, ist von 15 auf 8 % gesunken; bei Städten und Gemeinden von 49 auf 24 %. Auch die Einschätzung, dass die Bürgerinnen und Bürger genug tun, hat sich von 36 % in 2016 auf 19 % in 2018 beinahe halbiert (siehe Abb. „Beurteilung des Einsatzes verschiedener Akteure für Umwelt- und Klimaschutz im Zeitvergleich“).

<>
 

Bewertung der Umweltqualität

Der Zustand der Umwelt wird in der Umweltbewusstseinsstudie 2018 schlechter bewertet als in früheren Jahren. 60 % der Befragten bewerten die Umweltqualität in Deutschland als sehr gut oder recht gut, bei der Befragung 2016 waren es 75 %. Die Umweltqualität in der eigenen Stadt oder Gemeinde bewerten 77 % als gut. Dies stellt einen Rückgang um 8 Prozentpunkte gegenüber 2016 dar. Die globale Umweltqualität schätzen die Befragten weiterhin deutlich pessimistischer ein als die Umweltqualität in Deutschland. Mit 8 % der Befragten, die den Zustand der Umwelt weltweit als gut beurteilen, ist dieser Wert gegenüber der Befragung in 2016 stabil geblieben (siehe Abb. „Einschätzung der Umweltqualität in Deutschland, vor Ort und global im Zeitvergleich“).

Diagramm: Der Zustand der Umwelt in Deutschland wird 2018 von 60 % der Befragten als gut bewertet, in 2016 waren es 75 %. Die Umweltqualität in der eigenen Gemeinde wird von 77 % als gut eingeschätzt, die globale Umweltqualität nur von 8 %.
Einschätzung der Umweltqualität in Deutschland, vor Ort und global im Zeitvergleich
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Belästigung durch Lärm

Eine der Umweltbelastungen, von denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland am meisten betroffen fühlen, ist Lärm. Dabei steht der Straßenverkehr als Hauptlärmquelle weiterhin mit Abstand an erster Stelle. Insgesamt fühlten sich 75 % der Befragten 2018 durch Straßenverkehrslärm „zumindest etwas belästigt“ (siehe Abb. „Belästigung durch einzelne Lärmquellen 2018“). Die Summe setzt sich wie folgt zusammen: 21 % der Befragten fühlten sich durch Straßenverkehrslärm „äußerst gestört oder belästigt“ und „stark gestört oder belästigt“ sowie 54 % „mittelmäßig gestört oder belästigt“ und „etwas gestört oder belästigt“.

Diagramm: Von Straßenverkehrslärm fühlen sich 75 % zumindest etwas belästigt, durch Lärm von Nachbarn 60 %, von Industrie- und Gewerbelärm 42 %, von Flugverkehrslärm 42 % und von Schienenverkehrslärm 35 %.
Belästigung durch einzelne Lärmquellen 2018
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Klimabewusster Konsum

Die hohe Bedeutung des Klimaschutzes spiegelt sich auch im Konsumverhalten der Befragten wider. Dazu drei Beispiele:

  • Im Jahr 2018 gaben 38 % der Befragten an, derzeit Ökostrom zu beziehen. In 2016 und 2014 waren es 39 %, die angaben, schon einmal Ökostrom bezogen zu haben. In den Befragungen von 2012 und 2008 waren es noch deutlich weniger Befragte, die angaben, Ökostrom zu beziehen.
  • Im Jahr 2018 gaben 51 % der Befragten an, beim Kauf von Haushaltsgeräten immer besonders energieeffiziente Geräte gewählt zu haben. Hinzu kommen weitere 31 %, die häufig zur energieeffizientesten Alternative griffen. Im Jahr 2016 waren es 44 %, die sich immer, sowie 27 %, die sich häufig beim Kauf von Haushaltsgeräten für energieeffiziente Geräte entschieden. In den Jahren 2014 und 2012 lagen die Werte darunter.
  • Von denjenigen Befragten, die in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Flugreise unternommen haben, gaben 13 % an, schon einmal oder mehrmals Kompensationszahlungen geleistet zu haben, um ihre Kohlendioxid-Emissionen auszugleichen. 65 % derjenigen, die im letzten Jahr geflogen sind, konnten dazu allerdings keine Aussage machen (siehe Abb. „Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich“).
Diagramm: 38 % der Befragten geben 2018 an, Ökostrom zu beziehen. 82 % wählen bei Haushaltsgeräten immer oder häufig besonders effiziente Modelle. 13 % derjenigen, die im letzten Jahr geflogen sind, haben bereits Kompensationszahlungen geleistet.
Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Umwelt- und Klimaschutz werden von der Bevölkerung in vielen Bereichen als Erfolgsbedingung für die Bewältigung anderer gesellschaftlicher Herausforderungen gesehen. In Bezug auf soziale Ziele allerdings ist das Meinungsbild auch in 2018 weiterhin gemischt: 39 % der Befragten sahen Umwelt- und Klimaschutz als eine grundlegende Bedingung für mehr soziale Gerechtigkeit an. Dies stellt gegenüber 2016 einen leichten Zuwachs um zwei Prozentpunkte dar. Andererseits bedeutet dies auch, dass eine Mehrheit beides weiterhin eher unvereinbar findet. 20 % der Befragten meinen, dass es zunächst Fortschritte bei der sozialen Gerechtigkeit geben muss, bevor Umwelt- und Klimaschutz zum Zuge kommen kann – und 27 % halten zumindest Kompromisse zwischen sozialer Gerechtigkeit und Umwelt- und Klimaschutz für erforderlich (siehe Abb. „Zeitvergleich: Umwelt- und Klimaschutz als Grundlage für politische Aufgaben“).

Ein Bereich, in dem Umweltschutz und die Verbesserung der Umweltqualität zu sozialer Gerechtigkeit beitragen können, betrifft sie soziale Verteilung gesundheitlich relevanter Umweltbedingungen. So beurteilten Befragte, die in Haushalten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro leben, die Umweltqualität vor Ort besonders schlecht. Weitere relevante Daten an der thematischen Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit und soziale Lage finden Sie hier.

Diagramm: Die Mehrheit der Befragten sieht einen hinreichenden Umwelt- und Klimaschutz als nötig an, um Zukunftsaufgaben wie die Globalisierung zu meistern (67 % Zustimmung) oder Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (57 % und 51 %).
Zeitvergleich: Umwelt- und Klimaschutz als Grundlage für politische Aufgaben
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Umweltbewusstsein Jugendlicher

Dass das Problembewusstsein für Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes zugenommen hat, lässt sich insbesondere mit Blick auf die Jugend feststellen. 78 % der 14- bis 19-Jährigen finden Umwelt- und Klimaschutz sehr wichtig, während es in der Gesamtstichprobe 64 % sind. Für die Jugendlichen ist Umwelt- und Klimaschutz sogar das Thema, dem sie die höchste Wichtigkeit beimessen (siehe Abb. Abb. „Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes, Angaben der 14- bis 19-Jährigen im Vergleich zur Gesamtstichprobe“).

Dies zeigt sich auch bei den Prioritäten, die bei der Energiewende gesehen werden. Für 77 % der 14- bis 19-Jährigen steht die schnelle Reduktion von Treibhausgasen auf Platz 1, in der Gesamtstichprobe hat dies für 50 % höchste Priorität (siehe Abb. „Prioritäten bei der Energiewende, Angaben der 14- bis 19-Jährigen im Vergleich zur Gesamtstichprobe“).

<>
 

Infografiken mit weiteren Umfrage-Ergebnissen

<>