Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

Die Herausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes sind für die Menschen in Deutschland bedeutsamer geworden. Insbesondere in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Städtebau und Verkehr sollte Umwelt- und Klimaschutz eine größere Rolle spielen. Der Zustand der Umwelt in Deutschland wird schlechter bewertet als in den Vorjahren, das Engagement relevanter Akteure ebenso.

Inhaltsverzeichnis

 

Das Umweltbewusstsein in Deutschland

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt lassen seit 1996 alle zwei Jahre Bürgerinnen und Bürger in einer repräsentativen Umfrage nach ihren Einschätzungen zum Zustand der Umwelt, ihrem eigenen umweltrelevanten Verhalten sowie zu aktuellen Themen der Umweltpolitik befragen. Eine Zwischenerhebung für das Jahr 2019 zeigt: Das Problembewusstsein für Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes hat weiter zugenommen.

 

Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes

Welchen Stellenwert hat Umwelt- und Klimaschutz für die Menschen in Deutschland angesichts anderer aktueller Probleme? Die Teilnehmenden der Umweltbewusstseinsstudie sind aufgefordert zu bewerten, wie wichtig sie zehn verschiedene gesellschaftliche Herausforderungen finden, die ihnen in einer Liste vorgegeben waren. Im Jahr 2019 stufen 68 % Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige Herausforderung ein und geben ihm eine ähnlich hohe Bedeutung wie den beiden anderen Top-Themen Bildung (65 %) und soziale Gerechtigkeit (63 %). Gegenüber der Befragung im Jahr 2018 hat Umwelt- und Klimaschutz weiter an Bedeutung zugewonnen (siehe Abb. „Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes“).

Die Bedeutung, die Umwelt- und Klimaschutz beigemessen wird, um andere politische Aufgaben zu bewältigen, ist weiter gewachsen. Die Mehrheit der Befragten sieht Umwelt- und Klimaschutz als nötig an, um Zukunftsaufgaben zu meistern (69 %), Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (62 und 55 %) und 55 %, um Arbeitsplätze zu schaffen. Im Vergleich zu 2018 sind diese gestiegen (siehe Abb. „Zeitvergleich: Umwelt- und Klimaschutz als Grundlage für politische Aufgaben“).

Die Arbeit relevanter Akteure für den Umwelt- und Klimaschutz wird 2019 – trotz leichter Verbesserung gegenüber 2018 – deutlich schlechter eingeschätzt als in den früheren Studien. Mit Ausnahme der Umweltverbände hat sich für alle anderen Akteure die Zustimmung, dass diese genug zum Schutz von Umwelt und Klima tun, deutlich reduziert.

Der Anteil von Menschen, die meinen, die Bundesregierung tut genug oder eher genug, ist zwischen 2016 und 2018 um 20 Prozentpunkte auf 14 % zurückgegangen. Seitdem gab es einen Anstieg um vier Prozentpunkte auf 18 % in 2019. Die Einschätzung, dass die Industrie genug tut, ist zwischen 2016 und 2018 von 15 auf 8 % gesunken und hat in 2019 einen Wert von 11 % erreicht. Bei Städten und Gemeinden liegt der Wert für 2019 – nach einem Rückgang von 49 % in 2016 auf 24 % in 2018 – bei 36 %. Die Einschätzung, dass die Bürgerinnen und Bürger genug tun, ist von 19 % in 2018 auf 27 % angestiegen, nachdem der dieser Wert 2016 bei 36 % lag (siehe Abb. „Beurteilung des Einsatzes verschiedener Akteure für Umwelt- und Klimaschutz im Zeitvergleich“).

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Bewertung der Umweltqualität

Der Zustand der Umwelt wird in der Umweltbewusstseinsstudie 2018 und 2019 schlechter bewertet als in früheren Jahren. 60 % der Befragten bewerten die Umweltqualität in Deutschland als sehr gut oder recht gut, bei der Befragung 2016 waren es 75 %. Die Umweltqualität in der eigenen Stadt oder Gemeinde bewerten in 2019 76 % der Befragten als gut. Dies stellt einen Rückgang um 9 Prozentpunkte gegenüber 2016 dar. Die globale Umweltqualität schätzen die Befragten weiterhin deutlich pessimistischer ein als die Umweltqualität in Deutschland. Mit 7 % der Befragten, die den Zustand der Umwelt weltweit als gut beurteilen, ist dieser Wert gegenüber der Befragung in 2016 (8 %) und 2018 (8 %) relativ stabil geblieben (siehe Abb. „Einschätzung der Umweltqualität in Deutschland, vor Ort und global im Zeitvergleich“).

Diagramm: Der Zustand der Umwelt in Deutschland wird 2019 von 60 % der Befragten als gut bewertet, in 2016 waren es 75 %. Die Umweltqualität in der eigenen Gemeinde wird von 76 % als gut eingeschätzt, die globale Umweltqualität nur von 7 %.
Einschätzung der Umweltqualität in Deutschland, vor Ort und global im Zeitvergleich
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Belästigung durch Lärm

Eine der Umweltbelastungen, von denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland am meisten betroffen fühlen, ist Lärm. Dabei steht der Straßenverkehr als Hauptlärmquelle weiterhin mit Abstand an erster Stelle. Insgesamt fühlten sich 75 % der Befragten 2018 durch Straßenverkehrslärm „zumindest etwas belästigt“ (siehe Abb. „Belästigung durch einzelne Lärmquellen 2018“). Die Summe setzt sich wie folgt zusammen: 21 % der Befragten fühlten sich durch Straßenverkehrslärm „äußerst gestört oder belästigt“ und „stark gestört oder belästigt“ sowie 54 % „mittelmäßig gestört oder belästigt“ und „etwas gestört oder belästigt“.

Diagramm: Von Straßenverkehrslärm fühlen sich 75 % zumindest etwas belästigt, durch Lärm von Nachbarn 60 %, von Industrie- und Gewerbelärm 42 %, von Flugverkehrslärm 42 % und von Schienenverkehrslärm 35 %.
Belästigung durch einzelne Lärmquellen 2018
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Klimabewusster Konsum

Die hohe Bedeutung des Klimaschutzes spiegelt sich auch im Konsumverhalten der Befragten wider. Dazu drei Beispiele:

  • Im Jahr 2018 gaben 38 % der Befragten an, derzeit Ökostrom zu beziehen. In 2016 und 2014 waren es 39 %, die angaben, schon einmal Ökostrom bezogen zu haben. In den Befragungen von 2012 und 2008 waren es noch deutlich weniger Befragte, die angaben, Ökostrom zu beziehen.
  • Im Jahr 2018 gaben 51 % der Befragten an, beim Kauf von Haushaltsgeräten immer besonders energieeffiziente Geräte gewählt zu haben. Hinzu kommen weitere 31 %, die häufig zur energieeffizientesten Alternative griffen. Im Jahr 2016 waren es 44 %, die sich immer, sowie 27 %, die sich häufig beim Kauf von Haushaltsgeräten für energieeffiziente Geräte entschieden. In den Jahren 2014 und 2012 lagen die Werte darunter.
  • Von denjenigen Befragten, die in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Flugreise unternommen haben, gaben 13 % an, schon einmal oder mehrmals Kompensationszahlungen geleistet zu haben, um ihre Kohlendioxid-Emissionen auszugleichen. 65 % derjenigen, die im letzten Jahr geflogen sind, konnten dazu allerdings keine Aussage machen (siehe Abb. „Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich“).
Diagramm: 38 % der Befragten geben 2018 an, Ökostrom zu beziehen. 82 % wählen bei Haushaltsgeräten immer oder häufig besonders effiziente Modelle. 13 % derjenigen, die im letzten Jahr geflogen sind, haben bereits Kompensationszahlungen geleistet.
Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Umwelt- und Klimaschutz werden von der Bevölkerung in vielen Bereichen als Erfolgsbedingung für die Bewältigung anderer gesellschaftlicher Herausforderungen gesehen. In Bezug auf soziale Ziele allerdings ist das Meinungsbild auch in 2019 weiterhin gemischt: 43 % der Befragten sahen Umwelt- und Klimaschutz als eine grundlegende Bedingung für mehr soziale Gerechtigkeit an. Dies stellt gegenüber 2018 einen leichten Zuwachs um vier Prozentpunkte dar. Andererseits meinen 16 % der Befragten, dass es zunächst Fortschritte bei der sozialen Gerechtigkeit geben muss, bevor Umwelt- und Klimaschutz zum Zuge kommen kann – und 32 % halten zumindest Kompromisse zwischen sozialer Gerechtigkeit und Umwelt- und Klimaschutz für erforderlich (siehe Abb. „Zeitvergleich: Umwelt- und Klimaschutz als Grundlage für politische Aufgaben“).

Ein Bereich, in dem Umweltschutz und die Verbesserung der Umweltqualität zu sozialer Gerechtigkeit beitragen können, betrifft sie soziale Verteilung gesundheitlich relevanter Umweltbedingungen. So beurteilten Befragte, die in Haushalten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro leben, die Umweltqualität vor Ort besonders schlecht. Weitere relevante Daten an der thematischen Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit und soziale Lage finden Sie hier.

Diagramm: Die Mehrheit der Befragten sieht einen hinreichenden Umwelt- und Klimaschutz als nötig an, um Zukunftsaufgaben wie die Globalisierung zu meistern (69 % Zustimmung) oder Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (62 % und 55 %).
Zeitvergleich: Umwelt- und Klimaschutz als Grundlage für politische Aufgaben
Quelle: BMU / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Umweltbewusstsein Jugendlicher

Dass das Problembewusstsein für Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes zugenommen hat, lässt sich insbesondere mit Blick auf die Jugend feststellen. 2019 finden 81 % der 14- bis 22-Jährigen Umwelt- und Klimaschutz sehr wichtig, während es in der Stichprobe ab 23 Jahren 67 % sind. Für die Jugendlichen ist Umwelt- und Klimaschutz sogar das Thema, dem sie die höchste Wichtigkeit beimessen (siehe Abb. Abb. „Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes, Angaben der 14- bis 22-Jährigen im Vergleich zur Gesamtstichprobe“).

Auf ähnliche Weise zeigt sich dies auch bei den Prioritäten, die bei der Energiewende gesehen werden. Für 77 % der 14- bis 19-Jährigen steht 2018 die schnelle Reduktion von Treibhausgasen auf Platz 1, in der Gesamtstichprobe hat dies für 50 % höchste Priorität (siehe Abb. „Prioritäten bei der Energiewende, Angaben der 14- bis 19-Jährigen im Vergleich zur Gesamtstichprobe“).

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Infografiken mit weiteren Umfrage-Ergebnissen

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