Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

Umwelt- und Klimaschutz gehören aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger nach wie vor zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Auch in Krisenzeiten bleibt das Umweltbewusstsein stabil im Mittelfeld der Problemwahrnehmung. Die ökologische Frage ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und ein wesentlicher Bestandteil eines guten Lebens.

Inhaltsverzeichnis

 

Das Umweltbewusstsein in Deutschland

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt lassen seit 1996 alle zwei Jahre Bürgerinnen und Bürger in einer repräsentativen Umfrage nach ihren Einschätzungen zum Zustand der Umwelt, ihrem eigenen umweltrelevanten Verhalten sowie zu aktuellen Themen der Umweltpolitik befragen. Diese Studien zum „Umweltbewusstsein in Deutschland“ zeigen: Das Problembewusstsein für Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes bleibt trotz anderer Krisen hoch.

 

Politischer Stellenwert des Umwelt- und Klimaschutzes

Für jede und jeden Fünften in Deutschland zählen Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten Herausforderungen, denen sich unser Land aktuell gegenübersieht. Nach den zwei drängendsten Problemen gefragt, nannten dies 2016 in der Umweltbewusstseinsstudie 21 Prozent (%) - zwei Prozentpunkte mehr als in der Studie des Jahres 2014 (siehe Abb. „Umweltschutz als wichtiges Problem“).

Im gleichen Zeitraum haben andere Probleme deutlich an Brisanz gewonnen: Für jeweils rund die Hälfte der Befragten stehen die Themen „Zuwanderung, Migration“ (55 %) und „Kriminalität, Frieden, Sicherheit“ (47 %) ganz vorne, 2014 nannten dies nur 18 % beziehungsweise 20 %. Trotz dieser massiven Änderung in der Wahrnehmung der aktuellen Problemlagen bleibt das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz bei den Bürgerinnen und Bürgern stabil.

Die wahrgenommene Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz für die Bewältigung anderer politischer Aufgaben ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Mehrheit der in 2016 Befragten sah einen hinreichenden Umwelt- und Klimaschutz als grundlegende Bedingung dafür, dass andere Zukunftsaufgaben wie die Globalisierung (67 % Zustimmung) bewältigt sowie Wohlstand (58 %) und Wettbewerbsfähigkeit (51 %) gesichert werden können. Im Vergleich zu 2014 haben diese Werte weiter zugenommen (siehe Abb. „Umwelt- und Klimaschutz als Priorität für politische Aufgaben im Zeitvergleich“).

Dem höheren Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz steht eine weiterhin kritische Einschätzung der Arbeit der Bundesregierung gegenüber. Der Anteil von Menschen, die meinen, die Bundesregierung tue genug oder eher genug für dieses Ziel, lag 2016 bei 34 %. Im Vergleich zu 2014 ist dieser Wert unverändert.

Aber auch von sich selbst und ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern erwarten die Deutschen mehr Engagement für die Umwelt. Nur 36 % waren 2016 der Meinung, die Bevölkerung täte genug für Umwelt- und Klimaschutz. Im Zeitvergleich stellt dies gegenüber 2014 einen geringfügigen Rückgang um einen Prozentpunkt dar (siehe Abb. „Beurteilung des Umweltengagements verschiedener Akteure im Zeitvergleich“).

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Bewertung der Umweltqualität

Die meisten Bürgerinnen und Bürger bewerten die Qualität ihrer lokalen Umwelt positiv. Mit Blick auf die globalen Verhältnisse sind sie dagegen skeptisch.

85 Prozent (%) der Befragten waren in 2016 mit der Umweltqualität in der eigenen Gemeinde zufrieden. Die hohe Zufriedenheit mit dem Zustand der Umwelt am eigenen Wohnort bewegt sich seit 2004 auf stabilem Niveau.

Die Einschätzung der Umweltqualität in Deutschland insgesamt fiel zwischen 2004 und 2006 deutlich, danach stieg sie aber wieder kontinuierlich an. In 2016 waren 75 % mit der Umweltqualität in Deutschland zufrieden.

Dagegen schätzten die Befragten die globale Umweltqualität deutlich pessimistischer ein. Im Jahr 2014 gaben nur sieben Prozent der Befragten an, die weltweite Umweltqualität sei „recht gut“ oder „sehr gut“. In 2016 lag dieser Wert mit acht Prozent minimal darüber (siehe Tab. „Trends in der Beurteilung von Umweltqualität“).

Im Jahr 2016 beurteilten 85 Prozent der Befragten die Umweltqualität in der eigenen Gemeinde als gut. 75 Prozent hielten die Umweltqualität in Deutschland für gut und 8 Prozent die in der Welt.
Tab: Trends in der Beurteilung von Umweltqualität
Quelle: BMUB / Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Belastung durch Lärm und Luftschadstoffe

Eine der Umweltbelastungen, von denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland am meisten betroffen fühlen, ist Lärm. Nur jede und jeder Fünfte fühlt sich von Lärm überhaupt nicht gestört oder belästigt. Zwei Drittel meinen, dass Lärm sie mittelmäßig oder etwas belästigt. 15 Prozent (%) sehen sich von Lärm sogar stark oder äußerst stark gestört.

Dabei steht der Straßenverkehr als Hauptlärmquelle weiterhin mit Abstand an erster Stelle. Insgesamt fühlten sich 76 % der Befragten 2016 durch Straßenverkehrslärm „zumindest etwas belästigt“ (siehe Abb. „Belästigung durch einzelne Lärmquellen 2016“). Die Summe setzt sich wie folgt zusammen: 23 % der Befragten fühlten sich durch Straßenverkehrslärm „äußerst gestört oder belästigt“ und „stark gestört oder belästigt“ sowie 53 % „mittelmäßig gestört oder belästigt“ und „etwas gestört oder belästigt“.

Auch durch die verkehrsbedingten Luftschadstoffe fühlt sich die Mehrheit der Deutschen belastet. 2016 sagten insgesamt 73 % der Befragten, sich durch Autoabgase zumindest etwas gestört oder belästigt zu fühlen: 17 % gaben an, durch Autoabgase stark oder äußerst stark gestört oder belästigt zu sein. 56 % betrachteten sich als mittelmäßig oder etwas belastet (siehe Abb. „Belästigung durch einzelne Luftverschmutzungen 2016“).

Eine nachhaltigere Entwicklung der Städte und Gemeinden findet auch entsprechend viel Zustimmung in der Bevölkerung: Eine deutliche Mehrheit (91 %) ging in 2016 davon aus, dass eine gezielte Umgestaltung von Städten und Gemeinden, so dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist, sehr viel oder etwas zum guten Leben beitragen kann. In 2014 sagten dies – in einem etwas anderen Befragungskontext – 82 %.

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Mehr klimabewusster Konsum

Die gestiegene Bedeutung des Klimaschutzes spiegelt sich auch im Konsumverhalten der Befragten wider. Dazu drei Beispiele:

  • Im Jahr 2016 gaben 39 Prozent (%) der Befragten an schon einmal Ökostrom bezogen zu haben. In 2014 waren es bei gleicher Frageformulierung ebenfalls 39 %. 2012 behaupteten 20 % der Befragten, Ökostrom zu beziehen. Im Jahr 2008 gaben dies nur drei Prozent der Befragten an.
  • Im Jahr 2016 gaben 44 % der Befragten an, beim Kauf von Haushaltsgeräten immer besonders energieeffiziente Geräte gewählt zu haben. Hinzu kommen weitere 27 %, die häufig zur energieeffizientesten Alternative griffen. Im Jahr 2014 waren es 47 %, die sich immer, sowie 25 %, die sich häufig beim Kauf von Haushaltsgeräten für energieeffiziente Geräte entschieden. Im Jahr 2012 lag der Anteil derjenigen, die beim Kauf auf energieeffiziente Geräte achten, bei 52 %.
  • Von denjenigen Befragten, die in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Flugreise unternommen haben, gaben neun Prozent an, Kompensationszahlungen geleistet zu haben, um ihre Kohlendioxid-Emissionen auszugleichen: sechs Prozent taten dies nach eigenen Angaben einmal, zwei Prozent zweimal und ein Prozent dreimal oder häufiger. 51 % derjenigen, die im letzten Jahr geflogen sind, konnten dazu allerdings keine Aussage machen. In 2014 antworteten acht Prozent der Befragten, mindestens einmal im letzten Jahr freiwillige Kompensationszahlungen bei Flugreisen gezahlt zu haben (siehe Abb. „Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich“).
39 Prozent (%) der Befragten gaben 2016 an, bereits Ökostrom bezogen zu haben. 71 % haben beim Kauf von Haushaltsgeräten immer oder häufig auf besonders effiziente Modelle geachtet. Neun Prozent haben Kompensationszahlungen bei Flugreisen geleistet.
Bereitschaft zu klimaschonendem Handeln im Zeitvergleich
Quelle: BMUB / Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Umwelt- und Klimaschutz werden von der Bevölkerung zunehmend als Erfolgsbedingung für andere Ziele gesehen. In Bezug auf soziale Ziele ist allerdings das Meinungsbild auch in 2016 weiterhin gemischt: 37 Prozent (%) der Befragten sahen Umwelt- und Klimaschutz als eine grundlegende Bedingung für mehr soziale Gerechtigkeit an. Dies stellt gegenüber 2014 einen leichten Zuwachs um zwei Prozentpunkte dar. Andererseits bedeutet dies auch, dass die Mehrheit beides weiterhin eher unvereinbar findet (siehe Abb. „Umwelt- und Klimaschutz als Priorität für politische Aufgaben im Zeitvergleich“).

Die wahrgenommen gesundheitlichen Belastungen durch Umweltbedingungen nach dem sozialen Status der Menschen ausgewertet zeigen: Bevölkerungsgruppen mit geringem Sozialstatus empfanden in deutlich höherem Maße gesundheitliche Belastungen durch Umweltbedingungen als Menschen mit höherem Sozialstatus (siehe Tab. „Wahrgenommene Gesundheitsbelastungen und sozialer Status“). Konsequenter Umweltschutz und die Verbesserung der Umweltqualität können also in diesem Kontext viel zu sozialer Gerechtigkeit beitragen.

Aber auch in anderen Bereichen einer nachhaltigen Entwicklung bestehen große Synergiepotenziale zwischen umweltbezogenen und sozialen Zielen. In der aktuellen Befragung brachten 84 % der Befragten eine nachhaltige Entwicklung mit mehr Gesundheit für die Menschen in Verbindung. 81 % erwarteten eine Zunahme von Lebensqualität und 76 % mehr Naturverbundenheit. Knapp 60 % meinten, dass eine nachhaltige Entwicklung zu mehr Gemeinschaft der Menschen untereinander führen kann und mehr Zeit für selbstbestimmte Lebensgestaltung zulässt. Zudem erwartete knapp die Hälfte der Befragten, dass eine nachhaltige Entwicklung die Chance beinhaltet, dass sich Lebensweisen stärker verbreiten, in denen eine Orientierung an materiellem Besitz weniger wichtig wird (siehe Abb. „Wie Nachhaltigkeit den Menschen nutzen kann“).

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Umweltbewusstsein und Umweltverhalten junger Menschen

Junge Menschen betrachten ökologische Fragen nicht losgelöst von sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhängen. Bei ihnen zeigt sich besonders stark, dass sie Umwelt- und Klimaschutz in den Kontext anderer politischer Herausforderungen und der Bewältigung von Zukunftsaufgaben insgesamt stellen. Das Umweltbewusstsein junger Leute zeichnet sich zudem sehr deutlich durch eine globale und langfristige Perspektive aus. Somit kann deren Umweltbewusstsein als „Nachhaltigkeitsbewusstsein“ bezeichnet werden.

Vor allem die globale Umweltqualität schätzen die Menschen in jungen Milieus (bis 29 Jahre) pessimistischer ein als die übrigen Milieus der Repräsentativerhebung (siehe Abb. „Beurteilung der Umweltqualität aus Sicht junger Menschen“). Zudem nennen sie deutlich häufiger Umwelt- und Klimaschutz als aktuelle wichtige Probleme als die restlichen Befragten (junge Milieus: 24 Prozent (%), Gesamtstichprobe: 21 %; siehe Abb. „Aktuell wichtigste Probleme aus Sicht junger Menschen“).

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