Neue Konzepte für Bauproduktenormung

Das Prinzip „keine Daten, kein Markt" aus der Chemikalienpolitik lässt sich auch auf Bauprodukte übertragen. Wer Eigenforschung betreibt und das Freisetzungsverhalten seines Produkts kennt, spart künftig Prüfkosten. Mit den neuen Daten lassen sich die Umwelteigenschaften der Bauprodukte bereits bei der Herstellung optimieren. Dies bringt Vorteile für Mensch und Umwelt.

Nachweislich unbedenkliche Bauprodukte für Umwelt und Gesundheit

Das UBA setzt sich dafür ein, dass alle in Europa frei gehandelten Bauprodukte nachweislich unbedenklich sind. Dies ist notwendig, um die EG-Bauproduktenrichtlinie/EU-Bauproduktenverordnung im Sinne des Vorsorgeprinzips umzusetzen, das im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegt wurde. Welche und wie häufige Nachweise sind notwendig? Wann können Hersteller auf eine Routineprüfung der Emissionen und Schadstoffgehalte verzichten? Das Öko-Institut ist diesen Fragen in einer Studie im Auftrag des UBA nachgegangen. Die Studie fokussiert auf Putze und Mörtel für Innenräume und auf Produkte für den Straßenbau. Alle Bauprodukthersteller können von den Vorschlägen zur Reduzierung des Prüfaufwands profitieren.

Der Bericht „Unbedenkliche Bauprodukte für Umwelt und Gesundheit: Wie viel Prüfaufwand ist notwendig zur Umsetzung der EG-Bauproduktenrichtlinie?” unterstützt die Bemühungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Komitees für Normung (CEN) zur Reduzierung des Prüfaufwands. Alle Akteure des Bausektors möchten wiederholte Tests für Bauprodukte, deren Unbedenklichkeit für Umwelt und Gesundheit bereits nachgewiesen ist, vermeiden. Unbedenkliche Produkte mit einer gleichbleibenden Qualität sollten die CE-Kennzeichnung ohne laufende Prüfungen erhalten dürfen, empfiehlt der Bericht.

Die Europäische Kommission und das CEN sehen drei Nachweiskategorien für Bauprodukte vor:

  1. Produkte, die „ohne Prüfung“ (abgekürzt OP oder WT für "without testing") als brauchbar gelten;
  2. Produkte, die nach einer Erstprüfung „ohne weitere Prüfung“ (abgekürzt OWP oder WFT für "without further testing") als brauchbar anerkannt werden können und
  3. Produkte, für die „weitere Prüfung" (abgekürzt WP oder FT für "further testing") in der Produktnorm als Brauchbarkeitsnachweis verlangt wird.

Die Europäischen Bauproduktnormen haben bereits ähnliche Kategorien für den Feuerwiderstand eingeführt. Der Bericht des Öko-Instituts basiert auf die Annahme, dass der Status „OP” gewährt werden kann, wenn zufriedenstellende Kenntnisse über Umwelt- und Gesundheitseigenschaften bereits vorhanden sind. Für die OWP-Kategorie würden voraussichtlich einige Jahre Ergebnisse und Erfahrungen aus harmonisierten Europäischen Prüfungen vorausgesetzt. Die Europäische Kommission wird nach ersten Probeläufen voraussichtlich präzisieren, welche Nachweise jeweils für die Einstufung erforderlich sind. Mit der Beratung der ersten Probelaufdossiers haben die Kommissionsdienste aktuell ihre und die Sachverständigengruppe zu Gefahrstoffen im Bereich der Bauprodukte beauftragt.

Harmonisierte Europäische Normen sind leistungsbezogen. Dies lässt sich bei der Definition vieler Anforderungen wie mechanischer Festigkeit erreichen, ohne die Produkte in stofflicher Hinsicht genauer zu definieren. Das Emissionsverhalten hängt von der chemischen Zusammensetzung des Bauprodukts ab. Bei Produkten, die laufend auf ihr Emissionsverhalten – ihre umwelt- und gesundheitsbezogene Leistung – geprüft werden, ist eine stoffbezogene Produktdefinition nicht erforderlich. Für eine Einstufung als OP ist es hingegen notwendig, Produktgruppen so eindeutig zu definieren, dass alle auf dem Markt befindlichen Produktvarianten das Kriterium der Unbedenklichkeit erfüllen. Das ist bei manchen Produktgruppen unproblematisch, zum Beispiel bei Flachglas. Bei anderen Produktgruppen, gerade bei „Rezepturprodukten”, empfiehlt das Öko-Institut stoffbezogene Produktdefinitionen oder bestimmte deskriptive Merkmale in die Normen aufzunehmen, um eine Einstufung als „OP” zu erleichtern.

Produktnormen, die Anforderungen an Gesundheits- und Umweltschutz zu vage formulieren, können Verbesserungen der Produktqualität hemmen. Das OP/OWP-Konzept hat als Ziel, den Prüfaufwand verhältnismäßig zu gestalten. Das Konzept sichert gleiche Anforderungen für bewährte und neue Produkte. So schafft das Konzept Anreize für Innovationen sowohl für bewährte als auch für neue Produkte, so das Öko-Institut.