Es gibt verschiedene Ansätze um von der derzeitigen Einzelstoffbewertung hin zu einer besseren Berücksichtigung von beabsichtigten und unbeabsichtigten Mischungen zu kommen. Diese hat das UBA in mehreren Forschungsvorhaben untersucht.
Ein erster Schritt zu einer verbesserten Bewertung von Chemikalien ist die Berücksichtigung der Freisetzung einer einzelnen Chemikalie aus mehreren Verwendungen über den gesamten Lebenszyklus, die sogenannte aggregierte Exposition. Hierzu gibt es Vorschläge aus einem UBA-Forschungsvorhaben zur Bestimmung der aggregierten Gesamtkonzentration eines Stoffes in der Umwelt (Groß et al. 2011).
Die Zusammensetzung von beabsichtigten Gemischen ist dem Anwender zwar theoretisch bekannt. In der Praxis werden Informationen über die Zusammensetzung und die Eigenschaften der Chemikalien jedoch häufig nicht entlang der kompletten Lieferkette und an alle Akteure weitergegeben. Auch Daten zur Freisetzung der Chemikalien sind nur sehr selten transparent verfügbar. Um die Kommunikation von Daten für beabsichtigte Gemische entlang der Lieferkette zu verbessern, haben die Industrieverbände VCI und CEFIC die sogenannte LCID (Lead Substance Identification) -Methode sowie SUMI (Safe Use of Mixtures Information) vorgeschlagen (CEFIC 2016). Das Umweltbundesamt sieht hierzu Verbesserungsmöglichkeiten für eine Bewertung von Mischungen (Reihlen et al. 2012, Galert & Hassold 2021).
Die Möglichkeiten um unbeabsichtigte Mischungen zu adressieren wurden in einem, vom UBA initiierten, Forschungsprojekt untersucht (Bunke et al. 2014). Spezifische Bewertungen mit Hilfe bestehender Konzepte sind theoretisch für bekannte und definierbare Mischungen mit hinreichenden Daten möglich. Das umfasst die Vorhersage der Mischungstoxizität oder eine Risikocharakterisierung über Summation der einzelnen Risikoquotienten. Die hauptsächlichen Herausforderungen sind die Verfügbarkeit und Kommunikation der Daten zu Effekten, Exposition und Zusammensetzung von komplexen Mischungen. Darüber hinaus variieren die Verantwortlichkeiten, Aufgaben und die Informationslage der unterschiedlichen Akteure (siehe Abbildung 2). Dies erschwert die Bewertung von Chemikalien-Mischungen durch den Registranten oder Anwender.
Letztendlich müssten alle in der Umwelt zusammen vorkommen Stoffe bei der Umweltbewertung Berücksichtigung finden und neben REACH Chemikalien auch Hintergrundbelastungen von Pflanzenschutzmitteln, Arzneimitteln oder Bioziden berücksichtigt werden.