Ist der Boden nicht durch eine geschlossene Vegetationsdecke – zum Beispiel auf Äckern – geschützt, können starke Winde Turbulenzen an der Erdoberfläche erzeugen, die die Bodenteilchen in Bewegung bringen und transportieren. Langfristige Folge ist der Verlust von Boden, einhergehend mit einer Verringerung der Bodenfruchtbarkeit und damit der Verringerung der Ertragsfähigkeit landwirtschaftlich genutzter Böden.
Bereits Windgeschwindigkeiten zwischen 6 bis 8 m pro Sekunde (mäßiger bis frischer Wind; gemessen in 10 Metern Höhe über Geländeoberfläche) gelten als auslösend für erosiven Bodenabtrag durch Wind (BMEL 2001). In Abhängigkeit von der Stärke des Windes und der Größe der Bodenpartikel erfolgt ihre Bewegung in Form von:
- Suspension (Schweben), das betrifft kleinere Partikel < 0,1 Millimeter,
- Saltation (Springen), das betrifft Partikel zwischen 0,1 und 0,5 Millimeter oder
- Reptation (Rollen/Kriechen) bei größeren Partikeln > 0,5 Millimeter.
Springende und rollende Bodenteilchen werden häufig über kurze Distanzen an Windhindernissen abgelagert. Die feinen, meist fruchtbarsten Bodenbestandteile (Schluff, Tonminerale, Humus und Pflanzennährstoffe), können dagegen durch Suspension über weite Entfernungen transportiert werden. Sie gehen damit von der Fläche verloren, während die gröberen und humusarmen Bodenpartikel verbleiben. Das führt zur Schädigung der Bodenstruktur und der Bodenfunktionen wie des Wasser- und Nährstoffspeichervermögens und mündet in eine Minderung der Bodenfruchtbarkeit einhergehend mit einem Verlust an Biodiversität.
Am Ort der Ablagerung des transportierten Materials können Schäden zum Beispiel durch Pflanzenüberdeckung und Blattschliff entstehen (siehe Abbildung). An den feinen Partikeln können verstärkt Nähr- und Schadstoffe haften, die in angrenzenden sensiblen Landökosystemen oder Gewässern zu Schadstoffanreicherungen oder Eutrophierung beitragen können (siehe zum Beispiel Critical Loads).
Winderosion kann im Akutfall aber auch unmittelbar für den Menschen gefährlich werden, zum Beispiel, wenn sich Staubwolken bilden, die zu massiven Sichtbehinderungen führen (Wurbs und Steininger 2017).