Szenarien zur Klima- und Energiepolitik der EU

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Klima- und Energieszenarien geben Transformationspfade für verschiedenen Zieljahre vor
Quelle: Olivier Le Moal / Fotolia.com

Die Klima- und Energieszenarien der Europäischen Union (EU) sind Instrumente, um die Effektivität und Auswirkung von Klimaschutzmaßnahmen und Gesetzgebungen auf ihre Emissionsreduktionziele zu untersuchen. Szenarien können so mögliche Wege zur Transformation in der EU hin zu einem Treibhausgasneutralen Kontinent bis 2050 aufzeigen und helfen dies zu strukturieren.

Inhaltsverzeichnis

 

Was sind Szenarien und wozu werden sie verwendet?

Szenarien sind Instrumente um die Politik im Voraus darüber zu informieren, inwieweit Maßnahmen für Energie und ⁠Klimaschutz⁠ eine Auswirkung auf die Treibhausgasemissionen haben. Damit werden sowohl Defizite und Lücke in den bestehenden Politiken als auch Lösungen für das Aufholen und Schließen dieser sichtbar. Eine spezielle Form von Szenarien sind dabei „normative Szenarien“. Sie geben ein gewisses Ziel vor und bilden dann mögliche Zielerreichungspfade ab.

In der Klimaforschung werden mit Szenarien verschiedene Zukunftspfade dargestellt, um eine robuste wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungsprozesse zu ermöglichen.

 

Szenarien der Europäischen Union

In der EU werden Szenarien dafür verwendet, die gesamtsystematische Transformation von Europa voranzubringen und aus den nationalen Erkenntnissen der Mitgliedstaaten, auf Europa zu schlussfolgern. So können durch die Szenarien, Empfehlungen für die europäische Transformation erarbeitet werden.

Als aktuelle Entscheidungsgrundlage dient der EU das EU Reference Scenario 2020. Das Referenz ⁠Szenario⁠ bildet den Einfluss von makro-ökonomischen, Treibstoffpreis oder Technologie Trends und Politiken auf die Veränderungen des Europäischen Energiesystems, dem Transportsektor und die Treibhausgase in allen Mitgliedstaaten und der gesamten EU27 ab. Damit dient es den EU Gesetzgebern als Ausgangspunkt, um den Einfluss neuer Initiativen, vor dem Hintergrund der Energie und Klimaziele der EU für 2030 und 2050 zu analysieren und informierte Entscheidungen zu treffen.

Um den Einfluss von Maßnahmen des European Green Deal zu untersuchen und die Bandbreite möglicher Entwicklungen zu berücksichtigen, entwarf die EU beispielsweise drei Politikszenarien.

  • REG: basierend auf starker Einflussnahme von Politiken im Bereich der Energiewirtschaft und im Verkehr ohne einen ⁠CO2⁠ Preis im Transport und Gebäude Sektor zu unterstellen.
  • MIX: aus den kosteneffizienten Beiträgen der jeweiligen Sektoren ergeben sich die Treibhausgasminderungen. Dabei wird neben dem bestehendem Emissionshandel auch ein CO2 Preis im Transport und Gebäude Sektor sowie starken Politiken in diesen Sektoren unterstellt.
  • MIX-CP: repräsentiert ein Szenario, dass stark auf CO2 Preisen bestehender Politiken und Revisionen, sowie Instrumente, wie der EED und RED, basiert. Dabei werden nur begrenzt zusätzlichen Gesetzen im Transport und Gebäude Sektor unterstellt.

Ziel war es dabei der Kommission und dem Parlament bei der Entscheidung zu unterstützen, inwiefern die Einführung einer neuen oder zusätzlichen Emissionshandel Plattform (ETS) für den Transport und Gebäude Sektor neben dem bestehenden ETS für den Energiesektor zu einer Reduktion der Emissionen führen könnte. Ein weiteres ETS 2 für den Gebäude und Verkehrssektor soll in der EU nun 2027 eingeführt werden.

 

EU-Szenarien des UBA

Auch das Umweltbundesamt arbeitet mit Szenarien für Deutschland und Europa, beispielsweise um EU Gesetzgebungen zu bewerten, die Treibhausgasentwicklung zu projizieren und Zielpfadoptionen zu entwerfen.

In dem Projekt „GHG-neutral EU2050“ wurde in der Veröffentlichung „Low Carbon Europe“ verschiedene bestehende EU Szenarien auf unterschiedliche Fragestellungen bezüglich der Sektoren, Maßnahmen und Ziel Pfade untersucht und verglichen. Neben diesen allgemeinen Fragestellungen wurde zudem eine Dekompositionsanalyse durchgeführt, um die Haupttreiber für Emissionsveränderungen in den Szenarien zu identifizieren. Dabei wurde festgestellt, dass zu der Zeit ein Mangel an Szenarien mit einer vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 in der EU vorlag. Zudem war es bei einem Großteil der untersuchten Szenarien nicht sicher, ob die Temperatur Ziele des Übereinkommens von Paris eingehalten werden konnten.

Mit der Veröffentlichung des Abschlussbericht des Projekts „GHG-neutral EU2050“ wurde ein mit dem Übereinkommen von Paris konformer Ziel-Pfad für die EU gestaltet. Dieser Ziel-Pfad bzw. ⁠Szenario⁠ zeigt, wie die EU bis 2050 Treibhausgasneutralität, unter der Berücksichtigung weiterer Nachhaltigkeitskriterien, erfüllen kann. Es wird gezeigt, dass ein Treibhausgasneutrales Europa bis 2050 auch ohne unterirdische Speicherung von Kohlestoffdioxid und mit nur einem begrenzten Einsatz von Bioenergie erreichbar ist.

Die Szenarien Arbeit des UBA’s ermöglicht es auch, der EU, Empfehlungen für beispielsweise ambitioniertere Klimaziele zu stellen. So wurde im Rahmen des neu ausgehandelten EU Klimaschutzgesetzes im European Green Deal vom Umweltbundesamt ein ambitionierteres Emissionsreduktionsziel für 2030 vorgeschlagen. Dabei schlug das ⁠UBA⁠ der Kommission ein um 5% Punkte ambitionierteres Emissionsreduktionziel von -60% anstelle -55% in 2030 vor.

Derzeit läuft eine weitere vom UBA beauftragte EU-weite Studie. In dem Projekt “Pathways to an EU in 2050 with net-zero GHG-emissions” werden drei Szenarien erstellt, welche u.a. die Auswirkungen der energetischen Neuausrichtung der EU durch den Ukrainekrieg wiederspiegeln. Im ambitioniertesten der drei Szenarien wird das „GreenSupreme Szenario“ der RESCUE Studie für Deutschland, auf die gesamte EU angewendet. Dabei wird unter anderem ein großer Fokus auf Effizienz und ⁠Suffizienz⁠ gelegt. Im Vergleich zu einem Referenzszenario, dass die derzeit beschlossenen Politiken abbildet, wird so ein Spektrum zu möglichen Entwicklungen aufgezeigt. Die Ergebnisse werden Ende 2024 erwartet und bilden die Grundlage weiterer UBA-Empfehlungen für eine ambitionierte EU-⁠Klima⁠- und Energiepolitik.