HBM4EU: Europäische Human Biomonitoring Initiative

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HBM4EU
Quelle: HBM4EU

Um die Datenlage zum Human-Biomonitoring in den Mitgliedstaaten der EU zu erfassen und die gesundheitlichen Folgen der Schadstoffbelastung besser zu verstehen fördert die EU-Kommission das Projekt „European Human Biomonitoring Initiative“ (HBM4EU) mit über 74 Millionen Euro im Rahmen des Förderprogramms „Horizon 2020“.

Inhaltsverzeichnis

 

Ziel des Projektes ist die Zusammenführung bereits vorhandener Daten und die Durchführung gemeinsamer Studien und die Faktengrundlage für die Umwelt- und Chemikalienpolitik der Union zu verbessern. Dadurch sollen unter anderem Wissenslücken adressiert und innovative Ansätze gefördert werden.

Die Leitung des Konsortiums mit 116 Partnern aus 30 Ländern hat das UBA übernommen. Im Konsortium kommt die europäische Human-Biomonitoring Expertise aus 25 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island, Israel, Nord Mazedonien und der Schweiz zusammen. HBM4EU legt den Fokus auf die Bildung eines gesamteuropäischen Netzwerks. Empirische Daten und Ergebnisse von Studien sollen in die europäische Umwelt- und Gesundheitspolitik einfließen und sie zielgerichtet verbessern. Langfristiges Ziel ist ein gemeinsames europäisches Programm zur Überwachung und wissenschaftlichen Bewertung der Exposition von Menschen in Europa gegenüber Chemikalien und den potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen und eine Verbesserung der entsprechenden rechtlichen Regelungen.

Die Europäische Human Biomonitoring Initiative (HBM4EU) soll Wissen generieren, um über das sichere Management von Chemikalien zu informieren, und so die menschliche Gesundheit in Europa schützen. Das Human-Biomonitoring wird eingesetzt, um die Exposition von Menschen gegenüber Chemikalien und die daraus resultierenden gesundheitlichen Auswirkungen zu verstehen. Außerdem wird mit den politischen Entscheidungsträgern kommuniziert, um sicherzustellen, dass unsere Ergebnisse bei der Konzeption neuer Chemikalienpolitiken und bei der Bewertung bereits bestehender Maßnahmen genutzt werden.

 

Die Rolle von Human-Biomonitoring bei der Bewertung und dem Management chemischer Risiken

Umweltchemikalien werden in einer breiten Palette von Produkten verwendet - einschließlich medizinischer und tierärztlicher Produkte, sowie in der Landwirtschaft und bei der Schädlingsbekämpfung – und bieten zahlreiche Vorteile für die Gesellschaft. Gleichzeitig haben gefährliche Umweltchemikalien Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt, verursachen Kosten für das Gesundheitssystem und führen zu einer verringerten Umweltqualität. Deshalb will die Europäische Union mit ihrem 7. Umweltaktionsprogramm bis zum Jahr 2020 den „Schutz der Unionsbürger vor umweltbedingten Belastungen, Gesundheitsrisiken und Risiken für die Lebensqualität“ erreichen sowie eine „Verbesserung der Wissens- und Faktengrundlage für die Umweltpolitik der Union“.

Auf europäischer Ebene fehlen harmonisierte Informationen über die Schadstoffbelastung von Bürgern durch Umweltchemikalien und deren Zusammenwirken mit anderen gleichzeitig auftretenden Umweltbelastungen sowie den Auswirkungen auf die Gesundheit. Dies erschwert eine zuverlässige Risikobewertung und -steuerung von Umweltchemikalien. Jeder von uns ist im Alltag einem komplexen Mix von Chemikalien ausgesetzt - durch Umwelteinflüsse, Produkte, Kosmetika, Lebensmittel, Trinkwasser und am Arbeitsplatz. Für viele Umweltchemikalien sind die gesundheitlichen Auswirkungen, die mit einer lebenslangen Exposition einhergehen, unbekannt. Zudem ist das Wissen über gesundheitliche Auswirkungen von Chemikalienmixturen begrenzt.
Das Human-Biomonitoring (HBM) ermöglicht es, zu messen, inwieweit die Bevölkerung Umweltchemikalien ausgesetzt bzw. durch sie belastet ist. Hierbei werden entweder die Substanzen selbst, ihre Metaboliten oder Marker für gesundheitlichen Auswirkungen in Körperflüssigkeiten oder Gewebe gemessen. Informationen über die menschliche Exposition können dann mit Daten über die Quellen der Umweltchemikalien und epidemiologischen Untersuchungen verknüpft werden.

 

Ziele des Gemeinsamen Europäischen Programms HBM4EU

Zu den wichtigsten Zielen gehören:

  • Harmonisierte Methoden auf EU-Ebene
  • Bereitstellen existierender nationaler Daten, Erheben neuer HBM-Daten
  • Verknüpfung dieser Daten mit Daten zur äußeren Exposition, Identifikation der Expositionspfade
  • Entwicklung neuer Methoden, auch für HBM am Arbeitsplatz
  • Kausalzusammenhänge zwischen Belastung und Gesundheit klären
  • Fragen der EU-Behörden beantworten und zur Verbesserung der Politikgestaltung / Risikobewertung von Chemikalien beitragen
  • Politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit Informationen über Gesundheitsrisiken durch Schadstoffbelastung zur Verfügung stellen
  • Aufbau und Verstetigung einer HBM-Infrastruktur in ganz Europa

Um diese Ziele zu erreichen, will das Konsortium Initiativen zum Human Biomonitoring in 30 Ländern harmonisieren - ausgehend von dem vorhandenen Fachwissen und durch den Aufbau neuer Kapazitäten. In jedem Land wurden bzw. werden sogenannte „National Hubs“ eingerichtet, die die Aktivitäten koordinieren, um letztlich eine robuste Human-Biomonitoring-Plattform auf europäischer Ebene zu schaffen.

Die Initiative trägt direkt zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens für alle Bürger bei, indem sie untersucht, wie die Exposition gegenüber Umweltchemikalien die Gesundheit von verschiedenen Gruppen beeinflusst – z. B. Kinder, Schwangere, Föten und Arbeitnehmer. Es wird ebenfalls untersucht, inwieweit Faktoren wie Verhalten, Lebensstil und sozioökonomischer Status die interne Exposition gegenüber Umweltchemikalien in der EU-Bevölkerung beeinflussen. Dieses Wissen wird direkt an die Politik weitergegeben, um durch entsprechende Maßnahmen die chemische Belastung zu verringern und die menschliche Gesundheit zu schützen.

HBM4EU wird fünf Jahre laufen - von 2017 bis 2021 - mit dem Ziel der Einführung eines nachhaltigen Programms. Das HBM4EU Konsortium hat im Rahmen der Erstellung des Arbeitsplans für das erste Jahr prioritäre Stoffgruppen identifiziert, die im Mittelpunkt der Aktivitäten 2017 stehen werden. Eine zweite Priorisierung von Stoffgruppen wurde 2018 durchgeführt - auch um dynamisch auf politische Bedürfnisse zu reagieren. Eine dritte Priorisierung wird 2020 erfolgen, wobei diese als Vorbereitung für die Folgeaktivitäten dienen wird.

Das erste Jahr der Projektlaufzeit war im Wesentlichen darauf ausgerichtet, bestehende HBM-Daten für die neun priorisierten Stoffgruppen zu sammeln und abzugleichen, geeignete Daten auf der „Information Platform for Chemical Monitoring“ (Informationsplattform zur Überwachung von Chemikalien - IPCheM) verfügbar zu machen und festzulegen, welche aktuellen politischen Fragestellungen mit den vorhandenen Daten beantwortet werden können. Auf diese Weise konnte beurteilt werden, inwieweit eine solide Datenbank mit vergleichbaren HBM-Daten aus der EU Antworten auf wichtige politische Fragen geben kann.

 

Erste Priorisierung und ausgewählte Stoffgruppen

Bei der Entwicklung von Prioritäten für den ersten Arbeitsplan für das Jahr 2017, hat das Konsortium eine Liste von Stoffgruppen erarbeitet. Dabei wurden sowohl der nationale als auch der EU-spezifische politische Bedarf an Kenntnissen über die chemische Exposition und die gesundheitlichen Folgen berücksichtigt. In einem ersten Schritt wurden Stoffe, für die Wissen zur Unterstützung von aktuellen EU-Politiksetzungsmaßnahmen benötigt wird, durch einen engen Dialog mit einem EU-Politikausschuss ermittelt. Die Inputs der nationalen Ebene wurden durch einen Lenkungsausschuss eingebracht, der sich aus nationalen Vertretern zusammensetzte.

Das Set von Kriterien umfasst  unter anderem die Fragen, ob ein Stoff für die menschliche Gesundheit von Belang ist, ob es einen Nachweis der Exposition auf Menschen und/oder Umwelt auf EU-Ebene gibt und ob es offene politische Fragen gibt. Auch die finanzielle und technische Durchführbarkeit der Stoffüberwachung war ein Kriterium.

Diese erste Prioritätensetzung führte zu neun Gruppierungen von Stoffen, die 2017 und 2018 im Fokus der Aktivitäten stehen werden.

Die erste Liste der priorisierten Stoffgruppen umfasst:

  • Phthalate und Hexamoll® DINCH,
  • Bisphenole,
  • per- und polyfluorierte Verbindungen,
  • Flammschutzmittel,
  • Cadmium und Chrom,
  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK),
  • Gruppe der Aniline,
  • chemische Mixturen und
  • neue/unbekannte Stoffe

Aufbauend auf den Erfahrungen der ersten Priorisierungs-Runde und der Aufbaus eines transparenten Verfahrens zur  Prioritätensetzung haben die HBM4EU Partner ihre Priorisierungsstrategie weiter entwickelt. Das HBM4EU Governing Board, in dem hochrangige Repräsentantinnen und Repräsentant en aller teilnehmenden Länder vertreten sind, hat dieses Verfahren bestätigt. Die zweite Liste der in HBM4EU priorisierten Stoffgruppen wurde auf einem gemeinsamen Meeting des HBM4EU Management Boards und des EU-Politikausschusses im März 2018 abgestimmt und ebenfalls vom Governing Board bestätigt.

Die zweite Liste der prioritären Stoffgruppen umfasst:

  • Arsen
  • Acrylamid
  • Aprotische Lösungsmittel
  • Diisocyanate
  • Blei & Bleiverbindungen
  • Quecksilber & organische Quecksilberverbindungen
  • Mykotoxine
  • Pestizide, einschließlich Pyrethroid
  • UV Filter – Benzophenon

Während der fünfjährigen Laufzeit des Projekts wird noch eine weitere Abstimmung zu prioritären Stoffgruppen durchgeführt werden. Die in der dritten Runde priorisierten Stoffgruppen werden jedoch nicht mehr untersucht werden, sondern dienen vielmehr zur Vorbereitung der Folge-Aktivitäten. Das Konsortium baut auch hier auf den Erfahrungen der bisher erfolgten Prioritätensetzungen auf, mit einem verfeinerten Ansatz, der die Transparenz weiter erhöhen und die Zugänglichkeit für Stakeholder ermöglichen soll.

 

Schlussfolgerungen des Europäischen Rates zu Chemikalien vom 26. Juni 2019

In seinen Schlussfolgerungen würdigt der Europäische Rat HBM4EU an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und europäischer Chemikalienpolitik. Er ermutigt zu einem gleichartigen Forschungsprogramm zur Umweltüberwachung und zur Verbesserung von Austausch und Nutzung lokal, regional, national und EU-weit erhobener Überwachungsdaten - sowohl zwischen Ländern als auch zwischen einzelnen Politikbereichen (z.B. Wasser, Chemikalien, Luftqualität, Biomonitoring, Gesundheit usw.) und einschlägigen Einrichtungen. Der Rat wünscht, dass die betreffenden Tätigkeiten im Rahmen des neuen Programms "Horizont Europa" fortgeführt werden können. Insbesondere sollen die Mitgliedstaaten und die Kommission die Entwicklung einer angemessenen Infrastruktur anregen, die ermöglichen soll, dass Daten auffindbar, zugänglich, interoperabel und verwendbar sind.

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