Über den genauen Studienverlauf konnten sich die Familien im Voraus informieren.
Auswahl der teilnehmenden Familien
Die für die Studie vorgesehenen Kinder von 6-11 Jahren (Geburtsjahrgänge 2000-2005) wurden aus einem Bezirk der Stadt Bochum und aus einem Ort des Hochsauerlandkreises nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Dazu wurden die Adressen von 6-11 jährigen Kindern aus den entsprechenden Einwohnermelderegistern mithilfe von Zufallszahlen ermittelt. Eine Teilnahme von anderen interessierten Familien war nicht möglich.
Die Familien der zufällig ausgewählten Kinder erhielten ausführliche Informationen über die Studie und wurden gebeten, an der Studie teilzunehmen. Da in Deutschland die konkrete Durchführung der Studie nicht vom Umweltbundesamt aus erfolgte, sondern durch die Universität Bochum (Abteilung für Hygiene, Sozial- und Umweltmedizin), lief der Kontakt über das Studienzentrum an der Uni Bochum.
Eine beiliegende Antwortkarte, mit der ein Interesse oder Desinteresse an der Studienteilnahme bekundet werden konnte, sollte von den Familien an das Studienzentrum zurückgeschickt werden.
An der Teilnahme Interessierte erhielten vom Studienzentrum einen Anruf, in dem geprüft wurde, ob Mutter und Kind die Bedingungen erfüllten, um in die Studie aufgenommen werden zu können. Abgefragt wurde:
- Alter von Mutter und Kind,
- Geschlecht des Kindes (um eine ungefähre Gleichverteilung zu erreichen),
- Zeitraum, seit wann Mutter und Kind in dieser Region leben,
- ob das Kind die meiste Zeit dort wohnt,
- ob Mutter oder Kind an bestimmten vom Arzt diagnostizierten Krankheiten leiden, die die Urinbildung beeinflussen könnten.
Wenn geklärt war, dass Mutter und Kind in die Studie aufgenommen werden konnten und sie das auch wollten, wurde ein Termin für einen Hausbesuch vereinbart, an dem das Interview durchgeführt wurde und die Proben (Haar und Urin von Mutter und Kind) genommen wurden.
Bevor Interview und Probenahme stattfinden konnten, mussten Mutter und Kind schriftlich ihr Einverständnis erklären. Dazu erhielten sie einen Vordruck, den die Mütter unterschrieben an das Studienzentrum zurückschickten.
Probenverwendung
Was passiert mit den abgegebenen Haar- und Urinproben?
Der Interviewer oder die Interviewerin nahm die gekühlten Urinproben entgegen. Im Studienzentrum wurden die Proben aufgeteilt, eingefroren und so zu den verschiedenen Laboren geschickt, in denen sie auf Cadmium, Cotinin, Creatinin und Phthalatmetabolite analysiert wurden. Nicht benötigte Urin-Restmengen werden für spätere Untersuchungen in der Umweltprobenbank des Umweltbundesamtes aufbewahrt.
Die Haarproben wurden in einem Papierumschlag an das Labor geschickt, das die Quecksilberanalyse durchführt. Nicht benötigte Haare werden in der Umweltprobenbank des Umweltbundesamtes bei Zimmertemperatur gelagert.
Jede Mutter erhielt – falls sie dieses wünschte – ihre Ergebnisse und die ihres Kindes zusammen mit entsprechenden Beurteilungen und Erklärungen zu den gefundenen Werten. Falls die gefundenen Werte auffällig hoch waren, wurde dieses mitgeteilt. Es wurden Empfehlungen zur Verringerung der Belastung gegeben, und ein Beratungsgespräch angeboten.
Die in den Proben aller Mütter und Kinder bestimmten Schadstoffgehalte wurden anonymisiert und anschließend statistisch ausgewertet. Sie dienen deutschen und europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu weiterem Erkenntnisgewinn in Bezug auf die Schadstoffbelastung von Müttern und Kindern (siehe auch Datenanalyse und Interpretation).
Nutzen
Jede teilnehmende Mutter erfuhr – sofern sie das wünschte – für sich persönlich und für ihr Kind, wie hoch die Schadstoffgehalte in den analysierten Proben waren. Außerdem erfuhr sie, ob die gemessenen Werte gesundheitsbezogene Vergleichswerte überschreiten und Maßnahmen zur Verringerung der Belastung empfohlen werden.
Dabei ist zu beachten, dass es sich bei Stoffen, die eine kurze Halbwertszeit im menschlichen Körper haben, nur um eine Momentaufnahme handelt und dass erhöhte Werte auch durch kurzzeitige vorübergehende Belastungen zustande gekommen sein können.
- Für Cadmium und das Phthalatstoffwechselprodukt DEHP gibt es Beurteilungswerte, die sogenannten HBM-Werte, anhand derer die gefundenen Werte in den analysierten Proben beurteilt werden können.
- Wird Cotinin im Urin gefunden, kann davon ausgegangen werden, dass Kontakt zu Tabakrauch (aktiv oder passiv) bestand.
- Creatinin ist kein Schadstoff, sondern wird nur als Bezugssubstanz mit gemessen; mit Hilfe dieses Messwertes ist eine Aussage über den Verdünnungsgrad des Urins möglich.
- Für die Beurteilung des Quecksilbergehaltes im Haar gibt es noch keinen einheitlichen Beurteilungswert, er wird international zurzeit neu diskutiert. Umso wichtiger ist das Sammeln von Belastungsdaten der Bevölkerung.
Durch die Teilnahme an DEMOCOPHES trägt jede Studienteilnehmerin und ihr Kind dazu bei, wichtige Informationen zur Belastung von deutschen Frauen und Kinder mit den untersuchten Chemikalien zu gewinnen. Außerdem können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Antworten des Fragebogens neue Erkenntnisse dazugewinnen, wie es zu den Belastungen mit den Chemikalien kommt, das heißt welche Verhaltensweisen und Umgebungsbedingungen zu welchen Belastungen beitragen.
Diese Daten sind hilfreich, um letztendlich Politikerinnen und Politikern Entscheidungshilfe in Bezug auf den Umgang, die Verwendung oder ein Verbot bestimmter Schadstoffe geben zu können.
Informationen zu den einzelnen innerhalb von DEMOCOPHES untersuchten Schadstoffen finden Sie in unserer Schadstoffinformation.
Eine animierte Erklärung zum Human-Biomonitoring finden Sie unter "Wissenschaftliche Animation zum Human-Biomonitoring der Kinderumwelt gemeinnützige GmbH".