Struktur der Flächennutzung

Mehr als die Hälfte der deutschen Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Dieser Anteil sinkt langsam, während der für Siedlungen und Verkehr stetig steigt. Ziel einer nachhaltigen Flächennutzung ist daher, den Flächenverbrauch durch Siedlungen und Verkehr zu senken und gleichzeitig vorhandene Siedlungs- und Verkehrsflächen optimal zu nutzen und ökologisch aufzuwerten.

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Flächennutzungen

Deutschland hatte im Jahr 2018 eine Fläche von 357.582 Quadratkilometern (km²) (siehe Abb. „Flächennutzung in Deutschland“). Zur Gesamtfläche zählen unter anderem landwirtschaftlich genutzte Flächen, Waldflächen, Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV-Flächen) und Gewässer wie Seen, Flüsse, Kanäle und nahe Küstengewässer.

Wie Deutschlands Fläche genutzt wird, steht in den Grundstückskatastern, wird aber auch zunehmend durch Luftbilder und Satellitendaten überprüft. Grundlage der Nutzungsdaten ab 2016 sind die Angaben des amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystems (ALKIS) der Länder:

  • 50,8 % der Gesamtfläche wurden landwirtschaftlich genutzt.
  • Wälder und Gehölze nahmen zusammen 30,9 % der Gesamtfläche ein, davon Wälder 29,8 %.
  • Die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV-Fläche) ist die drittgrößte Nutzungsart. Sie nahm Ende  13,9 % der Gesamtfläche in Anspruch. Zur SuV-Fläche zählen neben Flächen für Wohnen, öffentliche Zwecke oder Gewerbe auch Erholungsflächen, Friedhöfe und Verkehrsflächen.
  • Seen, Flüsse, Kanäle und nahe Küstengewässer nahmen 2,3 % der deutschen Fläche ein.
  • Die restliche Gesamtfläche (11.390 km²) sind „sonstige Flächen“. Dazu zählen „Abbauland“ wie Kies- oder Braunkohlengruben sowie „Unland“ wie Felsen, ehemaliges Militärgelände oder ehemalige Abraumhalden, und seit 2016 auch ungenutzte Vegetationsflächen wie Heideland, Moore, Sümpfe, Gehölze und Gewässerbegleitflächen.
Das Ringdiagramm zeigt, wie die deutsche Gesamtfläche 2018 genutzt wurde. 50,8 % der Fläche wurde landwirtschaftlich genutzt. Auf 29,8 % der Fläche steht Wald. Siedlungs- und Verkehrsflächen beanspruchten 13,9 % der Fläche.
Flächennutzung in Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche schrumpft

Von 2000 bis 2018 sank der Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche um 9.400 Quadratkilometer (km²) von 53,5 auf 50,8 % der Gesamtfläche. Seit dem Jahr 2016 werden 1.460 km² Heide und Moor nicht mehr bei den Landwirtschaftsflächen ausgewiesen, sondern bei „sonstigen Flächen“, sodass der reale Verlust an Landwirtschaftsfläche im o.g. Zeitraum 7.940 km² beträgt. Diese Abnahme erfolgte besonders im Umland städtischer Verdichtungsräume. Der wichtigste Grund dafür ist die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen um 5.880 km² im gleichen Zeitraum. Aber auch die Zunahme der Wälder und Gehölze erfolgt zum Teil zulasten landwirtschaftlicher Flächen. Weitere Landwirtschaftsfläche fällt dem Tagebau zum Opfer und kann Jahrzehnte später nur teilweise durch Rekultivierung zurückgewonnen werden.

Die meisten landwirtschaftlich genutzten Flächenanteile haben die nördlichen und östlichen Bundesländer; Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein mit einem Anteil von 68,7 % Landwirtschaftsfläche. Die geringsten Anteile haben Stadtstaaten wie Berlin mit 4,0 % landwirtschaftlich genutzter Fläche (siehe Abb. „Flächennutzung in den Bundesländern“).

Die Art der Flächennutzung beeinflusst die biologische Vielfalt und die Umweltbelastung. Viele Tier- und Pflanzenarten profitieren etwa von einer extensiven Bewirtschaftung von Äckern und Weiden. Intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen wiederum können die Natur belasten: Sie können Biotope stören, Gewässer im Überfluss mit Nährstoffen anreichern (eutrophieren) sowie Böden und Grundwasser weiteren Belastungen aussetzen. Auch der technische Wandel kann etwa durch große landwirtschaftliche Maschinen zu einer Ausräumung ökologisch wertvoller Landschaftsteile führen, da Knicks, Wälle oder Baumgruppen beseitigt, Gewässer begradigt, Böden verdichtet oder neue landwirtschaftliche Wegenetze angelegt werden.

Das Diagramm zeigt, wie in den 16 Bundesländern die Fläche genutzt wird. Die landwirtschaftliche Fläche dominiert etwa in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Viel Wald steht z.B. in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg.
Flächennutzung in den Bundesländern
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Zunahme der Waldfläche

Zwischen 2000 und 2018 nahm die als Waldfläche definierte Fläche um 1.231 Quadratkilometer (km²) zu. Gehölze werden allerdings seit 2016 nicht mehr unter Waldfläche erfasst, sondern unter den „sonstigen Flächen“ wie zum Beispiel ehemalige Übungsplätze oder ehemalige Bergbauflächen und Abraumhalden. Der Zuwachs von Wald und Gehölz betrug seit 2000 daher real 5.354 km². Auch der Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche stieg leicht an, und lag 2018 bei 29,8 % (30,9 % mit Gehölzen).

Überdurchschnittlich hohe Waldflächenanteile finden sich in siedlungsarmen, für eine intensivere Landwirtschaft weniger geeigneten Mittel- und Hochgebirgslagen, etwa dem Harz, dem Thüringer Wald, dem Sauerland, der Eifel, dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald und in den Alpen. In den Zentren großer Verdichtungsräume und in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten sind die Waldanteile dagegen geringer.

Wälder haben – ähnlich wie Gewässer, Moore und Heiden – einen besonderen ökologischen Stellenwert. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft, schützen Böden vor Erosion , helfen sauberes Grundwasser zu bilden und schützen das Klima , indem sie das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) aus der Luft binden. Sie dienen auch – abgesehen von einigen Naturschutzgebieten – den Erholungs- und Freizeitbedürfnissen der Bevölkerung.

 

Mehr Betriebs- und Wohngebäude, Straßen und Flugplätze

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) ist die am dynamischsten wachsende Nutzungsart in Deutschland. Sie wuchs von 2000 bis 2018 um 13,4 %, also um 5.880 Quadratkilometer. Der SuV-Anteil an der Gesamtfläche fällt regional unterschiedlich aus. In den Zentren der Verdichtungsräume erreicht ihr Anteil mehr als 50 %. Neben den Stadtstaaten weisen Nordrhein-Westfalen mit 23,0 % und das Saarland mit 21,4 % besonders hohe Siedlungsflächenanteile auf. 

Die zunehmende Flächennutzung für Gebäude und Verkehrswege hat viele negative Auswirkungen auf die Umwelt. Nennenswert ist der direkte Verlust der vorher meist landwirtschaftlich genutzten Böden. Hinzu kommt etwa der Material- und Energieaufwand für Bau und Erhalt neuer Gebäude, ein höherer Kraftstoffverbrauch mit einem höheren Ausstoß an Schadstoffen durch mehr Verkehr sowie mehr Lärm und die Zerschneidung und Verinselung der Lebensräume für die wildlebende Flora und Fauna .

 

Zunahme der Gewässerfläche

Der Anteil der Gewässer an der deutschen Gesamtfläche nahm vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2018 um 1,5 % zu, das waren 124 Quadratkilometer. Der Grund für den Zuwachs lag vor allem im Abbau von Rohstoffen wie Kies, Sand oder Braunkohle mit anschließender Flutung der Abbauflächen, in deren Folge neue Seen entstanden.