Flächenverbrauch für Rohstoffabbau

Der Abbau von Rohstoffen im Tagebau geht mit einer unwiderruflichen Zerstörung von Böden und Landschaften einher. Wasserhaushalt und Wasserqualität können dauerhaft beeinträchtigt werden. Durch den Abbau von Rohstoffen kamen 2015 pro Tag etwa 8 Hektar (ha) Fläche "unter den Bagger", davon 4,0 ha für Baumineralien, 2,1 ha für Braunkohle, 1,5 ha für Torf und 0,3 ha für Industriemineralien.

Inhaltsverzeichnis

 

Inländische Rohstoffentnahme

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland rund 769 Millionen Tonnen (Mio. t) abiotische Rohstoffe der Natur entnommen. Das sind fossile Energierohstoffe wie Kohle oder Erdöl, Baumineralien wie Sande, Kiese oder Steine sowie mineralische Industrierohstoffe wie Salze oder feuerfeste Tone. Statistiker und Statistikerinnen rechnen auch Torf zu den abiotischen Rohstoffen.

Braunkohletagebau mit Bagger und Förderbrücke und Gleisen
Braunkohle ist als abiotischer Rohstoff noch immer heiß begehrt
Quelle: Andreas F. / Fotolia.com
 

Abbau von abiotischen Rohstoffen im Tagebau

Nach Angaben der Bundesanstalt und Rohstoffe (BGR) wurden im Jahr 2015 insgesamt 726,5 Millionen Tonnen (Mio. t) abiotische Rohstoffe im Tagebau abgebaut. 520,5 Mio. t davon waren Baumineralien, 178,1 Mio. t waren Braunkohle, 23,7 Mio. t waren Industriemineralien und etwa 4,2 Mio. t waren Torf. Abweichend von diesen Angaben weist das Statistische Bundesamt für den Abbau von Torf jedoch nur eine Entnahme von etwa 3,0 Mio. t im Jahr 2015 aus.   

Unter den Baumineralien dominierten im Jahr 2015 Sand und Kies mit 239 Mio. t sowie gebrochene Natursteine mit 210 Mio. t, gefolgt von Kalkstein und Dolomit mit 49 Mio. t. Braunkohle wird überwiegend im Rheinland und der Lausitz abgebaut: links- und rechtsrheinisch wurden im Jahr 2015 95,2 Mio. t und in der Lausitz etwa 62,5 Mio. t Braunkohle abgebaut (siehe Abb. „Inländische Entnahme von Rohstoffen im Tagebau“).

In Deutschland sank die Entnahme von Rohstoffen im Tagebau zwischen 1994 und 2015 um 26 Prozent von 1.012 auf 727 Millionen Tonnen. Im Jahr 2015 wurden unter anderem 521 Millionen Tonnen Baumineralien und 178 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut.
Inländische Entnahme von Rohstoffen im Tagebau
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Kaum Änderungen beim Rohstoffabbau im Tagebau

Zwischen den Jahren 1994 und 2009 ging die Masse der im Tagebau entnommenen Rohstoffe um über ein Viertel oder 28,8 Prozent (%) zurück. Am deutlichsten war der Rückgang bei den mineralischen Baustoffen, deren Abbau in diesen 15 Jahren um 32,1 % abnahm. Das lag im Wesentlichen an der nachlassenden Bautätigkeit seit den 1990er Jahren. Im Gegensatz dazu verringerte sich die Menge der abgebauten Braunkohle in diesem Zeitraum nur um 18,0 % und die Menge der abgebauten Industriemineralien um 22,5 %. Seit 2009 verharrt der Abbau von Baumineralien mit kleinen Schwankungen allerdings auf nahezu gleichem Niveau. Der Abbau von Braunkohle nahm seither wieder um 5 % und der Abbau von Industriemineralien sogar um 16 % zu. Erstmalig erfasst wurden im Jahr 2015 der Abbau von Lehm und Ziegelton, Lavaschlacke, Feldspat und andere Sande.

Der Abbau von Torf hielt im Gegensatz zu den anderen genannten Rostoffen bis 2014 fast unvermindert an. Für das  Jahr 2015 liegen bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Daten zum Torfabbau (Volumen, Abbaumächtigkeit, Dichte sowie Abbaufläche) vor, die jedoch erheblich von der bisherigen Zeitreihe abweichen (4.200 t). Das Statistische Bundesamt gibt die abgebaute Masse für das Jahr 2015 hingegen mit 2.967 t an, weshalb dieser Wert in der Abbildung "Inländische Entnahme von Rohstoffen im Tagebau" verwendet wird.

 

Flächenverbrauch durch Rohstoffabbau im Tagebau

Der Abbau von Rohstoffen im Tagebau ist mit einem unwiderruflichen Eingriff in Landschaften und Böden verbunden. Nach Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) war im Jahr 2015 eine Fläche von 2.914 Hektar (ha) oder 29,14 Quadratkilometer (km²) vom Tagebau betroffen. Allerdings ist diese Zahl wegen Inkonsistenzen bei der Erfassung des Torfabbaus möglicherweise überhöht. Realistischer ist eine Größenordnung von 2.750 ha oder 27,5 km². Das entspricht einem täglichen Flächenverbrauch von 7,5 ha (siehe Abb. „Flächenverbrauch durch inländische Entnahme von Rohstoffen im Tagebau“). Gegenüber dem Flächenverbrauch 2014 ist dies eine Zunahme um 0,4 Hektar pro Tag, welche jedoch fast vollständig auf den erstmalig erfassten Lehm- und Ziegelton (0,3 ha pro Tag) zurückzuführen ist.

Im Jahr 1994 war sogar eine Fläche von 3.406 ha (oder 34,06 km²) vom Tagebau betroffen. Der tägliche Flächenverbrauch – also das Ausmaß der täglichen Flächenbeeinträchtigung oder Bodenzerstörung – betrug noch rund 9,3 ha. Der Flächenverbrauch ging nach Angaben der BGR zwischen 1994 und 2015 um 14,4 % zurück. Entsprechend fiel der Rückgang des Flächenverbrauchs etwas niedriger aus als der Rückgang der im Tagebau geförderten Rohstoffe.

Vom täglichen Flächenverbrauch durch Tagebau entfielen im Jahr 2015 pro Tag rund 4,0 ha auf den Abbau von Baumineralien, 2,1 ha auf den Abbau von Braunkohle, 1,5 ha (nach der BGR, real 1,0 ha) auf den Abbau von Torf und unverändert 0,3 ha auf den Abbau von Industriemineralien.

Dabei hängt der Flächenverbrauch wesentlich davon ab, mit welcher Abbaumächtigkeit der jeweilige Rohstoff zur Verfügung steht. Sand- und Kiesschichten sind im Schnitt 15 Meter (m) mächtig. Natursteine werden aus 25 m dicken Schichten gebrochen. Die Mächtigkeit der Braunkohleflöze ist regional unterschiedlich. Im rheinischen Revier sind die Braunkohleflöze im Mittel 35 m dick, in Niedersachsen 20 m und in der Lausitz sowie im mitteldeutschen Revier lediglich 11 m. Torfschichten hingegen sind deutlich dünner: Ihre Mächtigkeit beträgt meist nur etwa 1,5 - 2 m.

Wird zusätzlich die Dichte des jeweiligen Rohstoffs berücksichtigt, lässt sich schnell errechnen, wie viel Oberfläche zerstört wird, um von einem Rohstoff eine Tonne abzubauen: Für Sand oder Kies liegt der entsprechende Wert bei 370 Quadratzentimetern (cm²), für Natursteine bei 154 cm², für rheinische Braunkohle bei 220 cm² und für mitteldeutsche Braunkohle bei 700 cm².

Der tägliche Flächenverbrauch durch den Abbau von Rohstoffen sank zwischen 1994 und 2015 um 14,4 Prozent von 9,3 auf 8,0 Hektar. Im Jahr 2015 waren es 4,0 Hektar für Baumineralien, 2,1 Hektar für Braunkohle und 1,5 Hektar für Torf.
Flächenverbrauch durch inländische Entnahme von Rohstoffen im Tagebau
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Auswirkungen des Tagebaus auf die Umwelt

Der Tagebau ist mit gravierenden Folgen für die Umwelt verbunden. Der Abbau von Natursteinen an Berghängen beeinträchtigt dauerhaft die Vegetation. Der Abbau von Torf zerstört wertvolle Biotope und entwertet den Boden als Kohlenstoffsenke. Der Abbau von Braunkohle, Sand und Kies geht mit schwerwiegenden Eingriffen in das Bodengefüge und den Grundwasserhaushalt einher. Oft wird dabei auch Material unterhalb des Grundwasserspiegels entnommen, so dass neue Seen entstehen, aus denen im Sommer viel Wasser verdunstet. In all diesen Fällen wird das Landschaftsbild grundlegend verändert und die Bodenfläche geht für die Land- und Forstwirtschaft unwiederbringlich verloren.

Während ehemalige Kiesgruben als Badeseen durchaus Freizeitwert besitzen oder für den Naturschutz gestaltet werden können, ist dies bei Braunkohle-Restlöchern nicht ohne weiteres der Fall. Beim Abbau von Braunkohle muss meist zuerst das Deckgebirge aufgebrochen werden, unter dem die Kohle lagert. Dabei werden erhebliche Mengen an Material bewegt. Zwar wird der Abraum anschließend wieder dazu verwendet, um einen Teil des Restlochs zu verfüllen, allerdings lagert das Bruchmaterial dann in loser Schüttung, so dass das Bodengefüge dauerhaft verändert bleibt. Über Jahre und Jahrzehnte kann nicht ausgeschlossen werden, dass es im Untergrund zu Rutschungen oder Setzungen kommt. Das betrifft insbesondere auch die Ränder von Restlochseen.

Die aufgeschütteten Flächen lassen sich deshalb auch nur eingeschränkt als Baugrund nutzen. Wenn Menschen wegen Braunkohletagebau umgesiedelt werden, so ist eine spätere Rückkehr schon aus diesem Grund schwer möglich, zumal es 20 bis 30 Jahre dauern kann, bis die Fläche wieder hergestellt ist. Für Umsiedler werden deshalb in der Regel an anderer Stelle neue Siedlungen errichtet, wobei Freiräume häufig in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewidmet und weitere Flächen versiegelt werden.

Soll auf den aufgeschütteten Abbauflächen Landwirtschaft betrieben werden, müssen diese nach dem Aufbringen von Mutterboden erst einige Jahre mit Spezialmaschinen bewirtschaftet werden, um sie soweit zu verfestigen, dass sie konventionell bewirtschaftet werden können. Auch in diesem Fall wird die natürliche Bodenfruchtbarkeit nicht wieder vollständig hergestellt.

Hinzu kommt, dass die Oberfläche des im Tagebau frisch aufgebrochenen Deckgesteins nun auch mit Luft und Wasser in Berührung kommt. Die Mineralien an der Oberfläche reagieren mit Sauerstoff aus der Luft sowie mit Wasser und den darin gelösten Substanzen, wodurch sie teilweise in wasserlösliche Mineralien umgewandelt werden. Durch Regen oder Grundwasser können dann lösliche Stoffe ausgeschwemmt werden und ins Grundwasser oder in die Oberflächengewässer gelangen. Dies kann Gewässer versauern oder mit Eisen oder anderen Metallen belasten. Die Wasserqualität in der Abbauregion kann dadurch für lange Zeit stark beeinträchtigt werden. Auch die Nutzbarkeit der Restlochseen als Freizeitgelände und ihr Potenzial für den Natur- und Artenschutz kann durch eine mangelhafte Wasserqualität getrübt werden.