Fragen und Antworten zur Wasserwiederverwendung

Die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser kann helfen, Wasserknappheit zu verringern. Aber wiederverwendetes Wasser kann Krankheitserreger und Schadstoffe enthalten. Fragen und Antworten zum Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission vom 28. Mai 2018.

Inhaltsverzeichnis

 

1. Was ist Wasserwiederverwendung?

Eigentlich verwenden wir Wasser kontinuierlich wieder. Schließlich ist alles Wasser Teil eines großen Wasserkreislaufs. Wenn also von Wasserwiederverwendung gesprochen wird, ist damit die vom Menschen bewusst gesteuerte Verwendung von Abwasser in kleineren Kreisläufen gemeint, um regionalen Knappheiten zu begegnen. Dies kann durch die in Deutschland bereits weithin gebräuchliche Kreislaufführung von Wasser bei industriellen Produktionsvorgängen geschehen, aber auch durch die Nutzung von aufbereitetem Abwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung.

Dafür wird das Wasser nach einer konventionellen Behandlung in der Kläranlage für den weiteren Verwendungszweck zusätzlich aufbereitet.

Der Verordnungsvorschlag der EU-Kommission, den wir hier adressieren, handelt nur von Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser.

 

2. Was schlägt die Europäische Kommission vor? Und warum?

Wasserknappheit wird sich voraussichtlich durch den Klimawandel in Intensität und Ausdehnung noch verstärken. Unter anderem deshalb möchte die Europäische Kommission Anforderungen an die Wasserwiederverwendung regeln, um Wasserknappheit zu verringern. Einige Mitgliedstaaten verwenden bereits aufbereitetes Abwasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung. Durch das relativ stabile Abwasseraufkommen im Jahresverlauf kann Abwasser eine zuverlässige Wasserressource für bestimmte Nutzungen darstellen.

Daher hat die Kommission am 28.5.2018 eine Verordnung über Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwendung vorgeschlagen, die einheitliche Mindestanforderungen an die Wasserqualität von aufbereitetem Abwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung definieren soll (COM(2018)337final ). Der Vorschlag soll die Nutzung von aufbereitetem Kommunalabwasser (entsprechend der europäischen Kommunalabwasserrichtlinie 91/271/EWG ) für die landwirtschaftliche Bewässerung regeln. Er enthält neben den Qualitätsanforderungen einen Risikomanagementansatz und Vorgaben, um die Datentransparenz für Wasserwiederverwendung zu verbessern.

Der Fokus auf die Landwirtschaft wird dadurch begründet, dass diese in einigen Mitgliedstaaten ein wesentlicher Wassernutzer mit hoher wirtschaftlicher Relevanz ist. Rund 75 % des europaweit landwirtschaftlich genutzten Wassers kommt in der mediterranen Region zum Einsatz. Einige dieser Mitgliedstaaten nutzen aufbereitetes Abwasser schon länger für Bewässerungszwecke. Nationale Regelungen gibt es z.B. in Griechenland, Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Zypern. Deren Anforderungen unterscheiden sich jedoch deutlich. Nach Einschätzung  der Europäischen Kommission beeinträchtigt dies die Wettbewerbsfähigkeit.

Bisher gibt es keine EU-weite Regelung für Bewässerungswasser. 2017 veröffentlichte die Kommission einen Leitfaden  zur Eindämmung mikrobiologischer Risiken durch gute Hygiene bei der Primärproduktion von frischem Obst und Gemüse in dem Empfehlungen zu einer Risikobewertung des Bewässerungswassers, mikrobiologischen Grenzwerten und Überwachungshäufigkeiten enthalten sind. 

Mit den vorgeschlagenen Mindestanforderungen möchte die Kommission die Regelungslücke füllen und sicherstellen, dass Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser den Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit gewährleistet.

Der Verordnungsvorschlag unterscheidet die Bewässerung von Lebensmitteln für den Rohverzehr, verarbeitete (d.h. gekochte, industriell verarbeitete) Nahrungspflanzen, Futtermittel sowie Nicht-Lebensmittel (z.B. Energiepflanzen).

 

3. An wen richtet sich der Vorschlag der Kommission?

Der Vorschlag richtet sich vor allem an Mitgliedstaaten, in denen Wasserknappheit herrscht und soll dort die Wasserwiederverwendung für die landwirtschaftliche Bewässerung fördern. Er verweist auf die Mitteilung der europäischen Kommission zu Wasserknappheit und Dürre in der Europäischen Union  aus 2007, der zufolge Wasserspar- und -effizienzmaßnahmen zu priorisieren sind. Um die Folgen schwerer Dürreperioden zu bewältigen, können die Mitgliedstaaten zusätzliche Ansätze der Wasserversorgung in Betracht ziehen. Die landwirtschaftliche Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser kann dort, wo es relevant, sicher und kosteneffizient ist, eine Option darstellen.

Gleichzeitig möchte die Kommission durch ihren Vorschlag das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die mit aufbereitetem Abwasser bewässerten Produkte, wie Obst und Gemüse, stärken. Diese gelangen vielfach in anderen Mitgliedstaaten auf den Markt. Deshalb sollen zukünftig die relevanten Daten zu der Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser veröffentlicht werden.

Die Mitgliedstaaten sollen jedoch nicht zu einer Nutzung von aufbereitetem Abwasser oder einer entsprechenden Aufbereitung verpflichtet werden. Ebenso soll möglich sein, dass Mitgliedstaaten strengere nationale Anforderungen festlegen.

 

4. In welchem Zusammenhang steht der Vorschlag zu bestehenden EU-Regelungen?

Der Vorschlag soll die bestehende Gesetzgebung zum Umwelt- und Lebensmittelrecht ergänzen. Dies sind vor allem die Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG ), Grundwasser-Richtlinie (2006/118/EG  geändert durch 2014/80/EU), Kommunalabwasser-Richtlinie (91/271/EWG ) sowie die Nitrat-Richtlinie (91/676/EWG ). Im Lebensmittelbereich soll die vorgeschlagene Verordnung unter anderem auf die Verordnungen (EG) Nr. 178/2002  des Lebensmittelrechts, über Lebensmittelhygiene ((EG) Nr. 852/2004 ), mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel ((EG) Nr. 2073/2005 ) und die Verordnung über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln ((EG) Nr. 1881/2006 ) aufbauen.

 

5. Was sind Kernelemente des Vorschlags?

Der Vorschlag enthält
1) Mindestanforderungen an die Wasserqualität für aufbereitetes Abwasser und dessen Monitoring (Anhang 1). Die Anforderungen basieren auf einem technischem Bericht des JRC  (Joint Research Centre/ Gemeinsame Forschungsstelle der EU)  Die Wasserqualitäten werden nach Kategorien von Kulturpflanzen und Bewässerungsmethoden unterschieden (siehe Tabelle).

Des Weiteren enthält der Vorschlag Vorgaben für die Mindesthäufigkeit der Routineüberwachung. Bei Wasser der Güteklasse A soll zudem nachgewiesen werden, dass die Aufbereitungsanlage Bakterien, Viren und Protozoen effizient reduziert.

2) Kernelemente eines Risikomanagements (Anhang 2)

Der Betreiber der Wasseraufbereitungsanlage soll einen Risikomanagementplan erstellen. Durch die Risikobewertung sollen Gefährdungen identifiziert und Risikominderungsmaßnahmen oder zusätzliche Anforderungen abgeleitet werden. Der Vorschlag konkretisiert keine weiteren Verantwortlichen für das Risikomanagement. Es soll unter anderem folgende Elemente umfassen:

• Beschreibung des Wasserwiederwendungssystems,
• Identifizierung potenzieller Gefahren,
• Identifizierung der Umweltgegebenheiten, Bevölkerungsgruppen und Individuen, die dem Risiko ausgesetzt sind,
• Risikobewertung im Hinblick auf die Risiken für Umwelt, Mensch und Tier,
• Festlegung zusätzlicher Anforderungen,
• Identifizierung von Vorsorgemaßnahmen,
• Sicherstellung von Qualitätskontrollsystemen,
• Umweltüberwachungssysteme und Ermittlung negativer Auswirkungen,
• Sicherstellung eines Notfallmanagements.

3) Regelungen zur Datenoffenlegung über Wasserwiederverwendung zur Steigerung der Transparenz

Die Mitgliedstaaten sollen im Internet unter anderem Informationen zu der Menge und Qualität des genutzten aufbereiteten Wassers, den gewährten Genehmigungen sowie zur Einhaltung der Anforderungen an die Wasserwiederverwendung veröffentlichen.

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6. Wer soll die Anforderungen umsetzen?

Die EU-Kommission sieht die Hauptverantwortung für die Einhaltung der Anforderungen bei dem Betreiber der Aufbereitungsanlage. Dieser soll die Wasserqualität sicherstellen, zusammen mit dem Nutzer und anderen relevanten Akteuren einen Risikomanagementplan erstellen und die Genehmigung für die Abgabe des aufbereiteten Abwassers bei der Behörde beantragen.

Die Aufbereitungsanlage kann entweder die Kläranlage sein oder eine zusätzliche Anlage, um die vorgeschriebene Wasserqualität zu erreichen.

Die Mitgliedstaaten müssen die zuständigen Behörden benennen. In Deutschland wäre das z.B. die Untere Wasserbehörde.

 

7. Warum hält die EU-Kommission eine EU-weit verbindliche Regelung für gerechtfertigt?

Die EU-Kommission hält eine europäische Verordnung für gerechtfertigt, da derzeit unterschiedliche Anforderungen in den Mitgliedstaaten die Wettbewerbsgleichheit einschränken und den Vertrieb von mit aufbereitetem Abwasser erzeugten Produkten behindern. Als Verordnung gilt die Regelung in allen Mitgliedstaaten direkt. Die Kommission argumentiert, dass dies vor allem für die Mitgliedstaaten von Vorteil sei, die Wasseraufbereitung nicht nutzen. Durch die direkte Anwendbarkeit erwartet die Kommission auch eine größere Wirkung in Bezug auf die Anwendung und die Entwicklung neuer Technologien, weitere Forschung und Innovation.

 

8. Was sind die Auswirkungen für die Mitgliedstaaten?

Mitgliedstaaten gewinnen zum einen mehr Klarheit bezüglich der EU-weiten Anforderungen für Wasserwiederverwendung – sowohl auf Anwender- als auch auf Verbraucherseite. Bestehende Gesetzgebungen zu Wasserwiederverwendungen sowie Genehmigungen für die Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser müssen angepasst werden. Länder, die Wasserwiederverwendung bisher nicht nutzen, aber zukünftig ein mögliches Potential für die Nutzung von aufbereitetem Abwasser sehen, müssen die Voraussetzung für die Umsetzung der Verordnung erst noch schaffen und die darin enthaltenen Anforderungen  für den nationalen Kontext konkretisieren. So sind z.B. die Genehmigungsprozesse (insbesondere Betreiberpflichten, Behördenzuständigkeiten, Details des Risikomanagements) national zu gestalten. Dies kann zu einem hohen gesetzgeberischen Aufwand führen.

 

9. Wie schätzt das Umweltbundesamt den Vorschlag ein?

Das Umweltbundesamt unterstützt EU-einheitliche Anforderungen für Wasserwiederverwendung. Positiv sehen wir, dass direkt Mitgliedstaaten mit Wasserknappheit adressiert werden und kein Staat verpflichtet wird, aufbereitetes Abwasser zu nutzen.

Die Regelungen des gegenwärtigen Vorschlags (Stand 28.05.2018) stellen nach unserer Auffassung die sichere Anwendung bei der Bewässerung allerdings nicht ausreichend sicher. Wir halten es deshalb für notwendig, die einheitlichen Mindestanforderungen zu ergänzen und die Zuständigkeiten sowie das Risikomanagement zu konkretisieren.

Empfehlungen zu den Mindestanforderungen hat das Umweltbundesamt schon 2017 in einem Positionspapier veröffentlicht. Diese hat die Kommission bereits teilweise aufgegriffen. 

Der Vorschlag der Kommission bildet die Verpflichtungen der Endnutzer nicht ab, sondern schreibt nur dem Betreiber Zuständigkeiten zu. Für ein umfassendes Risikomanagement muss aber auch die Verantwortung des Landwirts als Nutzer des aufbereiteten Abwassers benannt sein.

Potentiell im aufbereiteten Abwasser vorhandene Schadstoffe (z.B. Desinfektionsnebenprodukte, Mikroverunreinigungen, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)) sind bisher nicht Bestandteil der einheitlichen Mindestanforderungen. Die Überwachung und Entfernung von Krankheitserregern (Viren und Protozoen) ist in dem Vorschlag nicht ausreichend geregelt.

Der Vorschlag der Kommission sieht vor, dass auf Grundlage der Risikobewertung Anforderungen für relevante Stoffe abgeleitet werden. Damit wird der aktuelle Vorschlag dem Anspruch einer Verordnung nicht gerecht, da das Risikomanagement zusätzliche nationale Regelungen in den Mitgliedstaaten erfordert. Eine Konkretisierung der Risikobewertung und des Risikomanagements steht noch aus, darf aber nach unserer Auffassung bei einer Verabschiedung einer Verordnung nicht fehlen.

 

10. Was sind mögliche Auswirkungen für die Umwelt?

Der Vorschlag der Kommission zielt darauf ab, Wasserknappheit zu reduzieren. Die Nutzung von aufbereitetem Abwasser für die Bewässerung kann knappe Wasserressourcen schonen. So kann beispielsweise eine Übernutzung des Grundwassers vermieden werden.

Durch die Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser können aber auch - je nach Ausgangsqualität des Abwassers und Aufbereitungsverfahren - Schadstoffe in die Umwelt ausgebracht werden. Dazu gehören unter anderem Mikroverunreinigungen  (z.B. Arzneimittel-, Pestizid- und sonstige Chemikalienrückstände) oder Desinfektionsprodukte. Schwer abbaubare Stoffe können sich im Boden anreichern und in das Grundwasser gelangen. Die Mindestanforderungen umfassen diese Stoffe nicht. Der Vorschlag der Kommission sieht vor, dass der Betreiber bei einer Risikobewertung mögliche nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt erfasst und zusätzliche Anforderungen und Maßnahmen festlegt, um den Schutz der Umwelt sicherzustellen.

Somit sind mögliche Auswirkungen auf die Umwelt bei aktuellem Stand des Vorschlags davon abhängig, wie ambitioniert das Risikomanagement umgesetzt wird. Daher sollten besonders besorgniserregende Stoffe, wie z.B. per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen  (PFAS) in den einheitlichen Mindestanforderungen berücksichtigt werden.

Für den Schutz des Grundwassers ist wichtig, dass die bestehenden Vorgaben der EU-Grundwasserrichtlinie eingehalten werden. Für den Boden gibt es allerdings keine EU-Regelung, die Qualitätsanforderungen stellt.

 

11. Was sind mögliche Auswirkungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Bisher ist nicht transparent, welche der in der EU verkauften Lebensmittel mit aufbereitetem Abwasser bewässert wurden. Da dies in einigen Mitgliedstaaten gegenwärtig schon gängige Praxis ist, können sich diese Produkte schon heute auf den deutschen Laden- und Esstischen befinden. Im Vergleich zu den vorgeschlagenen Anforderungen haben einige Mitgliedstaaten gegenwärtig strengere, andere weniger strenge Anforderungen an die Wasserqualität und die Risikominderungsmaßnahmen. Voraussichtlich wird der Umfang der mit aufbereitetem Abwasser bewässerten Produkte EU-weit zunehmen. Es lässt sich jedoch nicht vorhersehen, ob und wie sich die Lebensmittelsicherheit durch die Verordnung verändern wird.

Die gesteigerten Anforderungen an die Transparenz sollen Verbraucherinnen und Verbraucher leichter Einblicke ermöglichen, in welchen Mitgliedstaaten und Regionen Lebensmittel mit aufbereitetem Abwasser erzeugt werden. 

 

12. Was empfiehlt das Umweltbundesamt?

In Ergänzung zu den bisher beschriebenen Anforderungen sollte die Kommission einheitliche Kriterien formulieren, anhand derer die Relevanz (Wasserknappheit) einer Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser und das Kosten-Nutzen-Verhältnis eingeschätzt werden können. Dabei sollten die potentiellen Risiken durch Wasserwiederverwendung bei der Abwägung berücksichtigt werden. 

Ebenso sollte deutlich werden, dass die schon bestehenden Anforderungen an die Abwasseraufbereitung (Kommunalabwasser-Richtlinie 91/271/EWG , in Deutschland: Abwasserverordnung)  im Falle einer weiteren Nutzung des aufbereiteten Abwassers nicht abgesenkt werden dürfen. Stattdessen bedarf es zusätzlicher Aufbereitungsprozesse, die Krankheitserreger sowie chemische Schadstoffe effektiv eliminieren.

Die Klassen A, B und C umfassen Lebensmittel für den menschlichen Konsum. Die Aufbereitungsleistung – vor allem die Reduktion der Viren und Protozoen - sollte vor Inbetriebnahme entsprechend validiert werden. Da in einer Vielzahl der Aufbereitungen eine Desinfektion eingesetzt wird, sollten Desinfektionsnebenprodukte durch entsprechende Parameter adressiert werden.

Es bedarf zudem einheitlicher Vorgaben, die sicherstellen, dass durch die Wasserwiederverwendung keine Beeinträchtigung der Trinkwassergewinnung zu besorgen ist und der Schutz von Anwohnern und Landwirten gewährleistet wird.

Im Rahmen des Risikomanagements sollten neben weiteren potentiellen Anforderungen an die Wasserqualität auch (fallspezifische) Maßnahmen durch den Endnutzer abgeleitet werden, die das Expositions- und Eintragsrisiko mindern. Die Umsetzung dieser Risikominimierungsmaßnahmen - und die Verantwortung des Endnutzers sollten ebenso wie die Wasserqualitätsanforderungen Bestandteil einer Genehmigung sein. 

Um mögliche mittel- bis langfristige Auswirkungen überwachen und nachverfolgen zu können, bedarf es einer Dokumentation der aufgebrachten Wassermengen, deren Qualität sowie der bewässerten Kulturpflanzen und deren Vertrieb.

 

13. Wie geht es mit dem Verordnungsvorschlag weiter?

Der Verordnungsvorschlag wird im Herbst 2018 im europäischen Rat und europäischen Parlament verhandelt. In Deutschland berät der Bundesrat nach der Sommerpause 2018 zu dem Verordnungsvorschlag. Von der österreichischen Ratspräsidentschaft wird es abhängen, mit welcher Dringlichkeit der Vorschlag im europäischen Rat weiter verhandelt wird.

Eine Konkretisierung des Risikomanagements (Anhang 2 der Verordnung) soll laut KOM eine Arbeitsgruppe aus Vertretern und Vertreterinnen verschiedener europäischer Mitgliedstaaten erarbeiten.

 

14. Hintergrundfragen

Welche Risiken bestehen bei der Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser?

Als Kommunalabwasser wird das Abwasser bezeichnet, das entsprechend der europäischen Kommunalabwasserrichtlinie 91/271/EWG  in kommunalen Kläranlagen behandelt wird. Dies umfasst Abwasser aus Haushalten, Regenwasser (bei Mischkanalisation) sowie Abwasser einiger ausgewählter Industriebranchen (siehe Anhang III von 91/271/EWG z.B. Herstellung von Obst- und Gemüseprodukten und Getränken).

Das kommunale Abwasser enthält Krankheitserreger sowie Nährstoffe, Metalle sowie chemische Schadstoffe. Werden diese nicht ausreichend aus dem Abwasser entfernt, ergeben sich Gefährdungen für die menschliche Gesundheit, Boden, Grundwasser, Pflanzen und Tiere.

Die heute in Deutschland übliche dreistufige Abwasserbehandlung ist für die Reduzierung von Nährstoffen optimiert worden, weshalb schwer abbaubare Schadstoffe (z. B. Schwermetalle, polyzyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und andere organische Mikroverunreinigungen) nicht vollständig eliminiert werden. Bakterien werden in konventionellen Kläranlagen um 2-3 Zehnerpotenzen reduziert. Da die Konzentrationen aber im ungereinigten Abwasser sehr hoch sind, sind im Kläranlagenablauf auch nach dreistufiger Abwasserbehandlung noch relevante Mengen an Bakterien enthalten.

Somit hängt das Risiko bei der Nutzung von aufbereitetem Abwasser zum einen deutlich von den eingesetzten Abwasseraufbereitungsverfahren ab. Zum anderen spielt die mögliche Exposition der Umwelt und Menschen eine Rolle – z-B. ist die Gefährdung für den Menschen bei rohverzehrten Lebensmitteln höher als bei gekochten oder verarbeiteten Produkten, die mögliche Verunreinigungen des Grundwassers hängt u.a. von Boden und Klima ab. Untersuchungen belegen, dass Wasserwiederverwendung Grundwasserverunreinigungen (z.B. mit Arzneimitteln) verursachen kann. Im Interesse des nachhaltigen Grundwasser- und Bodenschutzes muss Wasserwiederverwendung daher dem Vorsorgeprinzip Folge leisten.

Für weitere Ausführungen zu den möglichen Risiken durch Wasserwiederverwendung siehe auch UBA-Texte 34/2016.  

Wo wird schon heute aufbereitetes Abwasser für die Bewässerung genutzt?

Wasserwiederverwendung wird vor allem in semi-ariden und ariden Regionen genutzt.

Eines der führenden Länder ist Israel, wo schon seit den 1950er Jahren Abwasser für eine weitere Nutzung recycelt wird. Rund 75–80 Prozent des Abwassers wird dort aufbereitet und deckt über die Hälfte des landwirtschaftlichen Bedarfs. Auch in den USA, vor allem in Kalifornien, und Australien bestehen langjährige Erfahrungen im Bereich der Wasserwiederverwendung für die Bewässerung von Grünflächen und Landwirtschaft sowie der Grundwasseranreicherung. In Windhoek, Namibia, wird seit 1969 Abwasser für Trinkwasserzwecke aufbereitet.
Innerhalb der EU ist Spanien mit über 500 Millionen Kubikmetern pro Jahr das Land mit der größten Menge an aufbereitetem Abwasser, das einer weiteren Nutzung zugeführt wird (BIO 2015 ). Ebenso besteht diese Praxis in Portugal, Italien, Griechenland, Zypern und Frankreich – in unterschiedlichem Umfang und für verschiedene Anwendungsmöglichkeiten, die in nationalen Gesetzen beziehungsweise Normen geregelt sind. Darüber hinaus bestehen auch außerhalb der mediterranen Mitgliedstaaten Erfahrungen. Zum Beispiel werden in Torreele, Belgien, 2,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr aufwendig aufbereitetes Abwasser zur Grundwasseranreicherung für die indirekte Trinkwassergewinnung genutzt.

Um bestehende Risiken für Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier zu verhindern, bestehen internationale (z.B. WHO 2006 ; ISO 16075 ) und nationale Regelwerke (z.B. US EPA 2012; NHMRC 2006). Innerhalb der EU haben bisher die oben genannten sechs Mitgliedstaaten Regelungen für die Wasserwiederverwendung erlassen.

Welche Relevanz hat Wasserwiederverwendung in Deutschland?

In Deutschland werden weniger als 1,5 Prozent des gesamt entnommenen Wassers für die landwirtschaftliche Bewässerung eingesetzt (2013). Eine Analyse des gegenwärtigen und zukünftigen Bewässerungsbedarfs kommt zu dem Ergebnis, dass kein flächendeckender Bedarf für die Nutzung von behandeltem Abwasser besteht (UBA-Texte 34/2016).

An zwei Standorten in Deutschland wird aufbereitetes Kommunalabwasser genutzt. In Wolfsburg und Braunschweig ist diese Praxis historisch gewachsen. Heute werden in Braunschweig zwei Drittel des im Klärwerk Steinhof aufbereiteten Abwassers, circa 15 Millionen Kubikmeter pro Jahr, auf landwirtschaftlichen Flächen verregnet (Abwasserverband Braunschweig ). In Wolfsburg wird behandeltes nährstoffreiches Abwasser im Sommer für die Bewässerung und im Winter nährstoffarmes Wasser zur Grundwasseranreicherung genutzt (Wolfsburger Entwässerungsbetriebe ). An beiden Standorten ist der Anbau von Obst- und Gemüse zum Rohverzehr untersagt. Im Gegensatz zu dem Vorschlag der Kommission finden in Braunschweig und Wolfsburg keine Desinfektion und Filtration bei der Wasseraufbereitung statt.
Im Grundwasser unter den bewässerten Flächen fand der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Rückstände von Arzneimittelrückständen bzw. Röntgenkontrastmitteln.

Was ist über die Qualität von Bewässerungswasser in der EU bekannt?

Die Qualität des Bewässerungswassers in der EU unterscheidet sich entsprechend der Wasserquellen und der vorherrschenden Belastungen. Es gibt EU-weit keine Regelung für Bewässerungswasser und keine Aufzeichnung der eingesetzten Wasserqualitäten.

Wird Wasser aus Oberflächengewässern für die Bewässerung entnommen, spielt die Beeinflussung durch Einleitungen aus Kläranlagen eine wesentliche Rolle.
Entsprechend der Abwasseranteile und der Kläranlagentechnik können Flüsse und Kanäle durch Krankheitserreger und Schadstoffe beeinträchtigt sein. 
Laut einer Untersuchung der TU München (2017) weisen europäische Flüsse, die 10 % aufbereitetes Abwasser aus Kläranlagen mit einer 2. Reinigungsstufe (Einhaltung der EU Kommunalabwasser-Richtlinie 91/271/EWG) enthalten, hohe Konzentrationen von Krankheitserregern auf, die die Grenzwerte des oben genannten EU-Leitfadens deutlich überschreiten. Auch die Anforderungen des Kommissions-Vorschlags für eine Verordnung zu Wasserwiederverwendung für die Klassen A und B wären damit nicht eingehalten.
Dies zeigt, dass auch für Bewässerung aus “konventionellen” Quellen eine weitergehende Aufbereitung und ein Risikomanagement nötig sind.
In Deutschland bestehen (rechtlich nicht verpflichtende) DIN-Normen für Toleranzbereiche ver-schiedener Metalle und Halbmetalle für Bewässerungswasser (DIN 19684-10) und Anforderungen für hygienische Belange von Bewässerungswasser (DIN 19650). Letztere unterscheidet Eignungsklassen entsprechend der vorgesehenen Anwendung.

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