Wasserwiederverwendung

Wasserwiederverwendung in dem hier betrachteten Kontext beschreibt die Nutzung von behandeltem kommunalem Abwasser, das für eine weitere Verwendung aufbereitet wurde. Dies ist in vielen trockenen Ländern schon gängige Praxis, um dadurch die Nachfrage nach Frischwasserressourcen zu reduzieren und Wasserknappheit zu überwinden.

In dem 2012 veröffentlichten „Blueprint für den Schutz der europäischen Wasserressourcen“ identifiziert die Europäische Kommission Wasserwiederverwendung für Bewässerungs- und industrielle Zwecke auch als eine mögliche Maßnahme zur verbesserten Wasserversorgung in der EU. Konkrete Aktivitäten zur Förderung dieser Praxis sind in dem 2015 verabschiedeten europäischen Kreislaufwirtschaftspaket formuliert. Dazu gehören die Erarbeitung einer europäischen Leitlinie für die „Einbeziehung der Wiederverwendung von Wasser in die Wasserplanung und –bewirtschaftung“ (2016 veröffentlicht) sowie die Festlegung europäischer Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwendung für die landwirtschaftliche Bewässerung und Grundwasseranreicherung.

Deutschland ist grundsätzlich ein wasserreiches Land. Wir nutzen hierzulande nur 13,3 % des zur Verfügung stehenden Wasserdargebots von 188 Mrd. m³. Für die landwirtschaftliche Bewässerung wird in Deutschland davon nur ein sehr geringer Anteil von rund 1,5 % (0,3 Mrd. m³) der Gesamtwasserentnahmen genutzt. Aufgrund klimatischer Veränderungen kann sich der Bewässerungsbedarf regional allerdings erhöhen.

Vor diesem Hintergrund hat das Umweltbundesamt die Studie „Rahmenbedingungen für die umweltgerechte Nutzung von aufbereitetem Abwasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung“ erstellen lassen, die die Bedingungen für den Einsatz von behandeltem Abwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung in Deutschland untersucht. Deren Ergebnisse zeigen, dass in Deutschland auch in Anbetracht des Klimawandels kein flächendeckender Bedarf für zusätzliche Bewässerung besteht. Nur in wenigen Fällen würde die Zusatzbewässerung mit aufbereitetem Abwasser wirtschaftliche und ökologische Vorteile ergeben. Hingegen besteht ein Gefährdungspotenzial für die menschliche Gesundheit, die Böden und das Grundwasser. Beim gegenwärtigen Stand der Abwasserbehandlung können nicht alle Schadstoffe vollständig abgebaut werden. So verbleiben zum Beispiel Mikroverunreinigungen (wie zum Beispiel Arzneimittel) und Krankheitserreger im behandelten Abwasser.

Dies belegen auch Daten von den zwei Standorten, an denen in Deutschland behandeltes Wasser genutzt wird. In Braunschweig und Wolfsburg ist die Nutzung von behandeltem Abwasser historisch gewachsen, es findet keine zusätzliche Aufbereitung des behandelten Abwassers statt. In Folge der Abwasserverregnung wurden Rückstände von Arzneimitteln und Röntgenkontrastmitteln im Grundwasser nachgewiesen. Dies zeigt, dass für eine sichere Nutzung des behandelten Abwassers zusätzliche Aufbereitungsschritte nötig sind. Ebenso bedarf es eines umfassenden und systematischen Risikomanagements für den Einsatz von behandeltem Abwasser, um die Risiken entlang der Expositionspfade zu identifizieren und effiziente Minderungsmaßnahmen und Kontrollpunkte zu etablieren.
Wegen der potenziellen Umweltgefährdung sollten statt einer Nutzung von behandeltem Abwasser zunächst alle möglichen Wassereffizienzmaßnahmen realisiert werden. Die landwirtschaftliche Abwasserwiederverwendung stellt nur in Mangelsituationen eine Option dar. Wesentliche UBA -Empfehlungen in der Diskussion um eine europäische Regelung für die Verwendung von Abwasser in der Landwirtschaft und zur Grundwasseranreicherung sind:

- Wasserwiederverwendung sollte nur bei Bedarf (z.B. bei Wasserknappheit) praktiziert werden
- Es bedarf angemessener Qualitätsstandards, die die potenziellen Gesundheits- und Umweltrisiken (inkl. Bodenbelastungen) adäquat berücksichtigen,
- Mitgliedstaaten sollte die Möglichkeit bleiben, national strengere Anforderungen festzulegen
- bestehende EU-Richtlinien – vor allem das Verschlechterungsverbot für Grundwasser und Oberflächengewässer (Artikel 4 der Wasserrahmenrichtlinie ) sowie das Verbot einer direkten Einleitung von Schadstoffen (Artikel 11.3(j) der Wasserrahmenrichtlinie und Artikel 6 der Grundwasserrichtlinie) sind zwingend zu berücksichtigen

Am 28. Mai 2018 hat die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine Verordnung über Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwendung veröffentlicht. Darin stellt die Kommission einheitliche Mindestanforderungen an die Wasserqualität von aufbereitetem Abwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung, einen Risikomanagementansatz sowie Vorgaben für eine Verbesserung der Datentransparenz für Wasserwiederverwendung vor.
Die Mindestanforderungen basieren auf einem technischen Bericht der Europäischen Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC, Joint Research Centre).

Während der Erarbeitung des JRC-Berichts hatte UBA über die Mitarbeit in der europäischen Arbeitsgruppe zu Wasserwiederverwendung („Ad-hoc Task Group Water Reuse“) Möglichkeit zur Kommentierung. Darauf aufbauend haben wir im Juni 2017 unsere „Empfehlungen für die Entwicklung von EU-Mindestqualitätsanforderungen für Wasserwiederverwendung“ (mit Bezug auf den Entwurf 3.2 des JRC, Dezember 2016) veröffentlicht.
Der Entwurf des JRC-Berichts wurde auch von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und dem Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks SCHEER bewertet. 

Einige der Empfehlungen sehen wir in dem Verordnungsvorschlag umgesetzt. Nichtsdestotrotz besteht aus unserer Sicht die Notwendigkeit, die einheitlichen Mindestanforderungen zu ergänzen, die Zuständigkeiten und das Risikomanagement zu konkretisieren. Eine EU-weite Regelung für die  landwirtschaftliche Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser kann aus unserer Sicht einen Mehrwert entfalten, wenn sie durch anspruchsvolle emissionsseitige Anforderungen die schon bestehenden EU-Regelungen ergänzt und der Erreichung der dort festgelegten Ziele dient.

Weitere Informationen zum Verordnungsvorschlag und unserer Einschätzung finden Sie in den FAQs.

Neben der oben beschriebenen geplanten, direkten Wasserwiederverwendung kann es auch zu einer ungeplanten, indirekten Nutzung von abwasserbeeinflusstem Wasser kommen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Trinkwassergewinnung oder die Beregnung aus Oberflächenwässern erfolgt, die durch Kläranlageneinleitungen beeinträchtigt sind. Diese Gewässer können abwasserbürtige mikrobielle und chemische Schadstoffe enthalten. Mögliche Herausforderungen für die Trinkwassergewinnung durch Klarwasser in Flüssen wurden 2018 in einer vom UBA beauftragten Studie untersucht.

 

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 Wasserwiederverwendung  Landwirtschaftliche Bewässerung  abwasser