Bedeutung des Grundwassers
Grundwasser ist nicht nur als Ressource für die Trinkwassergewinnung wichtig, sondern auch für die Industrie, zum Beispiel als Prozesswasser und Rohstoff für die Nahrungsmittelproduktion. Es speist wichtige Ökosysteme wie z.B. Feuchtgebiete und den Wald und wird zur landwirtschaftlichen Bewässerung genutzt. Grundwasser wird zunehmend auch als Wirtschaftsgut betrachtet, weil es weltweit der meistgenutzte Rohstoff ist. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Erzvorkommen ist Grundwasser eine Ressource, die sich in vielen Fällen wieder erneuert.
Wasserkreislauf
Auf und unter der Erdoberfläche befindet sich das Wasser in einem ständigen Kreislauf zwischen den Meeren, der Atmosphäre und den Kontinenten. Ein großer Teil des Niederschlags, der in Deutschland auf die Erdoberfläche trifft, verdunstet direkt wieder ohne in ein Oberflächengewässer oder ins Grundwasser zu gelangen. Das übrige Niederschlagswasser – in Deutschland rund 300 mm pro Quadratmeter – fließt besonders bei starkem Regen in Flüssen und Bächen oberirdisch ab. Das feuchte Klima Deutschlands führt in der Regel zu einer Grundwasserneubildung in den Wintermonaten und eher zu einer Abnahme in den Sommermonaten, in denen die Verdunstungsrate höher ist. In der kühlen Jahreszeit versickert ein erheblicher Teil im Boden, fließt unter der Oberfläche weiter und wird zu Grundwasser.
Das Grundwasser füllt die Poren und Risse in Sanden, Kiesen und anderen Gesteinen, ähnlich wie Wasser einen Schwamm ausfüllt. Es bewegt sich langsam, in der Regel mit einer Geschwindigkeit von wenigen Zentimetern pro Tag und verbleibt zum Teil Jahrhunderte und länger in einem Grundwasserleiter. Nicht oder allenfalls eingeschränkt nehmen die tiefen Grundwasserspeicher der Erde am Wasserkreislauf teil. Sie sind überwiegend in den letzten tausend bis zehntausend Jahren entstanden und stellen große unterirdische Süßwasserreserven dar. Zunehmend werden diese fossilen Grundwasserlagerstätten in den wasserarmen Regionen der Welt zur Nutzung herangezogen. Dauerhaft nutzbar ist jedoch nur der Teil des Grundwassers, der am Wasserkreislauf teilnimmt. In größeren Tiefen ist das Grundwasser oft stark salzhaltig und wird als Sole bezeichnet, der Salzgehalt kann bis zu 10-mal höher (> 300g/l) als in Meerwasser sein.
Klimawandel
Langanhaltende Trockenheit mit fehlenden Niederschlägen, reduzierter Sickerwasserrate und Grundwasserneubildung führt zu einem Absinken der Grundwasseroberfläche. So sind zum Beispiel 2018 und 2019 aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in einigen Regionen Deutschlands die Grundwasserstände in den oberflächennahen Grundwasserleitern deutlich gefallen. Es herrscht zwar kein Mangel an Trinkwasser und es gibt bisher keine flächendeckenden negativen Auswirkungen auf die Wasserversorgung aus Grundwasserressourcen. Allerdings kam z.B. im Sommer 2018 in den besonders betroffenen Regionen die Eigenversorgung mit Trinkwasser teilweise zum Erliegen, weil Hausbrunnen trockenfielen.
Trinkwasser
Grundwasser wird in vielen Teilen der Erde direkt als Trinkwasser verwendet. In Deutschland werden rund 70 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Auf seinem Weg zu unserem Zapfhahn schützen unterschiedliche Barrieren das Trinkwasser in Deutschland vor Verunreinigungen. Vielfach sorgen bereits die Schutzvorschriften in den ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebieten (erste Barriere) dafür, dass kaum Schadstoffe oder Krankheitserreger in das Wasser gelangen. Sofern erforderlich, wirkt die Aufbereitung des Rohwassers im Wasserwerk als zweite Barriere. Die Pflege des Leitungsnetzes durch die Wasserversorger und die fachgerechte Ausführung des häuslichen Verteilsystems stellen weitere Barrieren dar. Dieses Prinzip der vielen Hürden gegen Verschmutzung nennt man das „Multibarrierenprinzip“.
Grundwasserabhängige Ökosysteme
Grundwasser ist nicht nur eine wertvolle Wasserressource für die menschliche Nutzung, sondern steht auch in vielfältiger Weise im Austausch mit Oberflächengewässern, terrestrischen und aquatischen Ökosystemen. Grundwasserabhängige Landökosysteme beschreiben die Lebensräume (Biotope), die im Kontakt mit dem Grundwasser stehen und deren Lebensgemeinschaften, insbesondere die Pflanzen, auf eine ausreichende Menge an Grundwasser angewiesen sind. In Trockenperioden mit steigenden Temperaturen, erhöhter Verdunstung und verlängerten Vegetationsphasen sind deshalb niedrige Grundwasserstände nicht nur problematisch für die Wasserentnahme zur Trinkwassergewinnung, sondern auch für flachwurzelnde Bäume und grundwasserabhängige Biotope. Des Weiteren werden Flüsse und Seen in unseren Breiten durch Grundwasser gespeist. Bei sinkenden Grundwasserständen verringert sich der unterirdische Abfluss in die Oberflächengewässer, bis hin zu einer Umkehrung der Fließrichtung.