Eigenschaften
Die kiesigen Tieflandbäche befinden sich in den kiesigen und hügeligen Ablagerungen, die das Inlandeis der letzten Eiszeiten hinterlassen hat. Diese geologischen Ablagerungen sind in Norddeutschland als Grund- und Endmoränen oder in Schleswig-Holstein als Geest bekannt und prägen die Landschaft.
Im Verlauf des kieseigen Tieflandbaches wechseln sich regelmäßig flach überströmte Schnellen mit tieferen, ruhigeren Wasserabschnitten ab. Die natürliche Breite dieser Bäche liegt meist zwischen drei und fünf Metern, doch ihre Entwicklungsbreite – der Raum, den sie für ihre natürliche Dynamik benötigen – kann 20 bis 40 Meter betragen.
Der Bachgrund besteht überwiegend aus Kies und Steinen mit einem Durchmesser von zwei Millimetern bis sechs Zentimetern. Die Bäche sind eher flach und ihre Wassertiefe variiert nur geringfügig. Breiten- oder Tiefenerosion treten in unberührten Bachabschnitten kaum auf und das Querprofil dieser Bäche gleicht einer kastenförmigen Struktur.
Die Bachsohle solcher Tieflandbäche bietet, je nach Beschaffenheit des Sohlmaterials, unterschiedliche Lebensräume für eine vielfältige Fauna. Dazu gehören Köcherfliegen, Hakenkäfer, Strudelwürmer, Schnecken, Eintags- und Steinfliegen. Diese Organismen sind oft speziell an das grobe, kiesige Substrat der Bachsohle angepasst.
In den Bächen dieses Typs findet man auf Steinen das Fieberquellmoos und die Krusten-Rotalge, die besonders in Schleswig-Holstein weit verbreitet ist. Typischerweise wird dieser Bachtyp von Erlen-Eschen-Wäldern oder Eichen-Hainbuchen-Wäldern begleitet.
Größere Wasserpflanzen, wie das Wechselblütige Tausendblatt, verschiedene Hahnenfußgewächse oder Wasserstern-Arten treten nur vereinzelt auf; meist an lichteren Stellen im Bachbett, wo mehr Sonnenlicht auf das Gewässer trifft.
Die natürliche Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften unsere Gewässer, auch die der kiesigen Tieflandbäche, wurde durch die letzte Eiszeit und das Abschmelzen der vergletscherten Gebiete geprägt, typisch ist deshalb ein Vorkommen vieler kaltstenothermer Organismenarten, also von Arten die an einen niederen Temperaturbereich angepasst sind. Steigt zukünftig die Temperatur in unseren Bächen durch den Klimawandel, werden diese Arten durch wärmetolerierende und wärmeliebende Arten verdrängt. Auch das durch höhere Temperaturen im Sommer zu erwartende häufigere Austrocknen unserer Bäche bedroht viele Arten unserer Gewässer.