Sonderbericht über Ozean und Kryosphäre

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Kryosphäre und Ozean verändern sich bei fortschreitendem Klimawandel stark und teils unumkehrbar.
Quelle: Susanne Kambor / www.instagram.com/susannekambor

Der IPCC-Sonderbericht über Ozean und Kryosphäre (SROCC, September 2019) fasst den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu beobachteten und erwarteten Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane (z. B. Erwärmung, Versauerung, Meeresspiegelanstieg) und die Kryosphäre (gefrorener Teil der Erde, z. B. polare Eisschilde, Meereis, Permafrost) sowie deren Folgen für Mensch und Umwelt zusammen.

Inhaltsverzeichnis

 

Warum wurde dieser Sonderbericht vom IPCC erstellt?

Die Weltmeere (Atlantik, Pazifik, der Indische Ozean und die Polarmeere) spielen im Klimasystem unseres Planeten eine zentrale Rolle, z. B. als Wärmespeicher oder als Medium des Energietransports, aber auch für den globalen Wasserkreislauf und die Speicherung von Kohlenstoff.
Auch die Kryosphäre hat im globalen Klimasystem wichtige Funktionen, z. B. als Barriere für den Energieaustausch oder als Strahlungsreflektor. Zudem sichern Gletscher bisher die Trinkwasserversorgung und die Ernährungssicherheit von weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen.
Doch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane und die Kryosphäre werden immer deutlicher sichtbar. Der Sonderbericht beschreibt die Auswirkungen der folgenden Prozesse näher:

  • Global und besonders in polaren Gebieten beschleunigen sich die Eisverluste von Gletschern und Eisschilden.
  • Die Arktis erwärmt sich doppelt so stark wie der globale Mittelwert. Dadurch schrumpft das Meereis sehr stark und die Permafrost-Böden tauen immer weiter auf, besonders großflächig in Sibirien.
  • Die Ozeane erwärmen sich und weisen Sauerstoffverlust und Versauerung auf.
  • Der globale Meeresspiegelanstieg beschleunigt sich und Extremereignisse, wie sehr starker Wellengang und marine Hitzewellen, nehmen zu.
 

Was vermittelt der Sonderbericht?

Die Veränderungen der Ozeane und der Kryosphäre beeinträchtigen die dort angesiedelten Ökosysteme, einschließlich die der Hochgebirgs- und Polarregionen. Die räumliche Verteilung, die Vielfalt und die Funktionen wichtiger Tier-, Pflanzen- und Landschaftsarten verändern sich. Bereits heute sind viele Lebensbereiche wie Wasserversorgung, Infrastruktur, Ernährungssicherheit und Gesundheit von diesen Veränderungen betroffen. Falls die globalen Treibhausgasemissionen nicht drastisch reduziert werden, werden sich die Ozeane und die Kryosphäre zunehmend und teils unumkehrbar verändern, mit weitreichenden Folgen für Natur und Mensch.

Der Bericht zeigt jedoch auch integrierte Handlungsoptionen für eine Anpassung an die Folgen des Klimawandels in den Ozeanen und der Kryosphäre auf. In einem weiteren Kapitel geht der Sonderbericht auf notwendige Weichenstellungen in der Regierungsführung (Governance) zur Umsetzung von Handlungsoptionen ein.

Der Sonderbericht ergänzt die im Vorläuferbericht über 1,5°C globale Erwärmung (SR1.5) erarbeiteten Analysen. 

 

Was sind die wichtigsten Botschaften des Berichtes?

Aus der Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) sind dies die folgenden Punkte:

  • Weitreichende und sich beschleunigende klimabedingte Veränderungen der Ozeane und der Kryosphäre sind bereits zu beobachten. Diese Veränderungen werden sich beschleunigen und teilweise unumkehrbar sein, falls die globalen Treibhausgasemissionen nicht drastisch reduziert werden.
  • Terrestrische und marine Ökosysteme verändern sich bereits tiefgreifend aufgrund des Klimawandels. Die Artenverteilung und Zusammensetzung terrestrischer und mariner Ökosysteme werden sich deutlich verschieben und verändern. Es besteht das Risiko eines großflächigen Aussterbens von Pflanzen- und Tierarten.
  • Zunehmende Umweltrisiken und eine vielfältige Abnahme von Ökosystemdienstleistungen stellen die Menschheit vor existenzielle Herausforderungen. So wird beispielsweise die Wasserversorgung durch fehlende Gletscherabflüsse und Schneeschmelze erheblich unsicherer, wie Projektionen für die Hochgebirge Zentralasiens (z. B. Himalaya) zeigen. Aber auch die Nahrungsversorgung aus dem Meer wird sich lokal stark verändern, z.B. aufgrund der oben genannten Verschiebungen in der Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten.
  • Der globale Meeresspiegel wird bis weit über das 21. Jahrhundert hinaus steigen und bisher nur hundertjährig auftretende Hochwasser-Extrema zu jährlichen Ereignissen werden lassen.
  • Durch den steigenden Meeresspiegel wird die Bevölkerung tief liegender Insel- und Küstenregionen auch bei starken Klimaschutzanstrengungen noch vor dem Ende des 21. Jahrhunderts an teils irreversible Anpassungsgrenzen stoßen. Dies betrifft bereits heute pazifische Inselstaaten, Staaten wie Bangladesch und künftig auch industrialisierte Küstenregionen wie die Ostküste der USA. 
  • Umfassende Schutzmaßnahmen für Ozeane und Kryosphäre müssen, auch vorsorglich, eingeleitet werden, um gefährdete Ökosysteme und Lebensräume zu erhalten und deren Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu verbessern. Schutzzonen und weitere Minderungsmaßnahmen für anthropogene Belastungen sind zu prüfen.
  • Eine globale, nachhaltige Entwicklung ist nur bei sofortiger, drastischer und anhaltender Umsetzung von hochambitionierten Klimaschutzmaßnahmen möglich. 
 

Welche Bedeutung hat der Sonderbericht für die internationale, europäische und deutsche Klimapolitik?

Die Botschaften dieses Sonderberichtes sollen dazu beitragen, die aktuellen Ziele und Maßnahmen des Klimaschutzes, die langfristigen Klimastrategien sowie die Anpassungsmaßnahmen der Staaten den neuesten Erkenntnissen entsprechend anzupassen.

Der Sonderbericht liefert wichtige Erkenntnisse zur Bestimmung der derzeitigen und zukünftigen CO2-Senken der Ozeane. Ebenso werden Entwicklung und Folgen der Erwärmung, des ozeanischen Sauerstoffdefizits sowie der Versauerung der Ozeane beschrieben. Auch die zukünftigen Beeinträchtigungen des Fischfangs sind für viele Staaten ein wichtiger Grund für wirksamen Klimaschutz.  

Der Bericht ergänzt die im SR1.5 aufgezeigten Handlungsoptionen. Mit der Bezugnahme auf lokal umsetzbare, integrierte Maßnahmen knüpft der SROCC direkt an die Botschaften des Globalen Berichts zum Zustand der biologischen Vielfalt des Weltbiodiversitätsrates (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services; IPBES) vom Mai 2019 an.

Quelle: Umweltbundesamt

UBA-Webinar für Politikberatende: Sonderbericht des Weltklimarats zu Ozean und Kryosphäre

Videoaufzeichnung des Webinars vom 25.10.2019

Informationsangebot des Umweltbundesamtes zum Sonderbericht

Das Umweltbundesamt stellt wichtige Botschaften des Berichtes im klima- und umweltpolitischen Kontext dar und macht diese für die Politikgestaltung und Information der Öffentlichkeit verfügbar:

Politikberatung

  • UBA-Webinar für die Politikberatung

    Das Umweltbundesamt stellte ausgewählte Botschaften des SROCC im klima- und umweltpolitischen Kontext in einem deutschsprachigen Webinar „Politikrelevante Erkenntnisse aus dem IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima“ vor. Dieses Webinar richtete sich an Expertinnen und Experten mit spezifischem Vorwissen, die in der Information und Beratung von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern der deutschen und internationalen Klima- und Umweltpolitik tätig sind.

  • Überblicksinformation: Inhalt des Webinars für die nationale Politikberatung

    Die Präsentation zum deutschsprachigen Webinar für Politikberatende „Politikrelevante Erkenntnisse des IPCC-Sonderberichts über den Ozean und die Kryosphäre (SROCC)“ vom 25. Oktober 2019 zeigt die für diese Zielgruppe vom UBA ausgewählten und präsentierten Informationen aus dem SROCC. Sie enthält Hinweise des UBA zu den Implikationen der wissenschaftlichen Botschaften des IPCC für die deutsche und internationale Umwelt- und Klimapolitik und die Anpassung an den Klimawandel.

    Präsentation UBA-Webinar Politikberatung zum SROCC vom 25.10.2019

  • Detailinformationen

    Das Webinar für Politikberatende kann hier in voller Länge angesehen werden.

    Mitschnitt des Webinars anschauen (youtube-Video)