Wirtschaftszweige

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Probebohrungen nach fossilen Brennstoffen in der Arktis
Quelle: Andrey Mirzoyants / Fotolia

Wirtschaftliche Aktivitäten in der Arktis beschränken sich nicht allein auf die Förderung von Erdöl und Erdgas. Bedeutende Wirtschaftszweige wie Jagd, Fischerei, Rentierzucht und der Abbau von Bodenschätzen haben eine lange Tradition. Auch der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Der Klimawandel wird unter den ökonomischen Gesichtspunkten nicht nur negativ betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

 

Wirtschaftliche Entwicklung

Die erste nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung kam der Arktis als Walfanggebiet zu. Seit dem 17. Jahrhundert wurden Wale in arktischen Gewässern gefangen und noch heute ist es einigen wenigen indigenen Bevölkerungsgruppen erlaubt, zur Existenzsicherung Großwale in der Arktis zu töten und deren Fleisch zu verkaufen. Auch der Robbenfang spielte in der Arktis eine große Rolle. Auf dem Festland waren der Handel mit Pelzen und der Bergbau wichtige historische Wirtschaftszweige.

Heutzutage ist die Wirtschaft durch den Abbau mineralischer Bodenschätze und die Förderung fossiler Brennstoffe, die Fischereiindustrie, die Rentierzucht und den Tourismus geprägt. In den nördlichen Teilen Skandinaviens gibt es auch vermehrt Beschäftigungsmöglichkeiten im Dienstleistungssektor.

Hohe Preise für Güter, die aus dem Süden importiert werden müssen sowie teilweise hohe Arbeitslosigkeit tragen dazu bei, dass auch Subsistenzwirtschaft betrieben wird. Besonders die indigene Bevölkerung ist auch heute noch auf Jagd, Fischfang und Sammeltätigkeit angewiesen, wobei jedoch zusätzlich Anstellungen in den formellen Wirtschaftszweigen für den Unterhalt unerlässlich sind.

 

Rohstoffabbau

Die mineralischen Rohstoffe der Arktis werden bereits seit Jahrzehnten in industriellem Maßstab gefördert. Der international steigende Bedarf lenkt den Blick der Industrie und Politik verstärkt nach Norden, wo noch viele unerforschte Bereiche auf bisher unentdecktes Rohstoffpotenzial hoffen lassen. In der Arktis existieren tatsächlich reiche Lagerstätten an mineralischen Bodenschätzen – im Weltmaßstab gibt es bedeutende Rohstoffvorkommen insbesondere von Hochtechnologie- und Basismetallen sowie Industriemineralen (Seltene Erden, Edelmetalle wie Platin, Palladium und Gold, Eisenerze, Diamanten und Düngemittelrohstoffe).

Schweden und Finnland sind bedeutende Förderländer von Metallerzen in der EU. In Russland gibt es nördlich des Polarkreises etwa 20 Bergwerksbetriebe, wobei sich die größten Abbaugebiete auf der Kola-Halbinsel und in Sibirien befinden. Die Palette an Rohstoffvorkommen reicht von Eisen, Bunt- und Edelmetallen über seltene Erden und Diamanten bis zu Düngemittelrohstoffen. Die russische Firma Norilsk Nickel ist der weltgrößte Produzent von Platin und Nickel. Auch die nordamerikanische Arktis blickt auf eine lange Bergbautradition zurück. Besonders die Gewinnung von Gold, Blei und Zink spiegelt sich noch heute in Kanada mit einem Anteil von bis zu 33 Prozent im Bruttoinlandsprodukt (BIP) wider. Island ist wegen seiner geologischen Gegebenheiten arm an abbauwürdigen Rohstoffvorkommen. Grönland hingegen birgt ein erhebliches Rohstoffpotential: bedingt durch zu hohe Kosten und den enormen logistischen Aufwand erfolgt dort allerdings bisher nur sehr wenig aktiver Abbau. Darüber hinaus sind einige Lagerstätten radioaktiv belastet.

Die Erschließung eines großen Teils der Rohstoffquellen sowie die Ausbeutung der Gas- und Ölfelder in der Arktis ist derzeit wirtschaftlich noch unrentabel: große räumliche Distanzen, fehlende Infrastruktur, Wetterextreme, lange Phasen von extremer Kälte und Dunkelheit treiben die Kosten in die Höhe.

Im Bereich der Förderung fossiler Energieträger ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Alle Arktisanrainer verfügen über Gas- und Ölfelder und beuten diese bereits nach ihren Möglichkeiten aus oder verfolgen deren Exploration. Schätzungen zufolge liegen in der Arktis ca. 16 Prozent der weltweiten Erdöl- und etwa 30 Prozent der weltweiten Erdgasreserven. Deren tatsächliche Förderbarkeit ist zwar unsicher, jedoch machen der Rückgang des Meereises durch den Klimawandel und die fortschreitende Entwicklung effizienter Technologien den Abbau zunehmend attraktiver. Die Ausbeutung der Gas- und Ölfelder ist jedoch ebenso wie der Bergbau mit zahlreichen Schwierigkeiten behaftet: Auch hier mangelt es an Infrastruktur, fortschrittlichen Technologien und milden Wetterbedingungen. Darüber hinaus birgt der Abbau auch enorme Risiken für die arktische Umwelt – in den Polargebieten ist die Beseitigung von Ölverunreinigungen im Meer kompliziert und langwierig. Nichtsdestotrotz sind Bergbau und die Förderung von fossilen Energieträgern wichtige Wirtschaftszweige, in denen zahlreiche Menschen beschäftigt werden.

 

Fischerei

Derzeit findet der Fischfang hauptsächlich in den arktischen Regionen statt, die zu den Küstengebieten oder den ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Anrainerstaaten gehören. In der hohen Arktis existiert – hauptsächlich wegen der nahezu ganzjährigen Eisbedeckung des Arktischen Ozeans – keine bedeutsame kommerzielle Fischerei. Ein Großteil der Fänge stammt aus den nordöstlichen Atlantikgebieten. Wichtige Fischgründe sind die Barentssee, das Europäische Nordmeer sowie die Gebiete um Grönland und Island. Dort gelten einige Fanggebiete bereits als überfischt. Bedingt durch den Klimawandel entstehen aufgrund des Rückgangs des Meereises neue Fischgründe im Arktischen Ozean und einige Fischarten können sich weiter nach Norden ausbreiten. Auch die Fischereiindustrie birgt Risiken für die Umwelt: Neben der Meeres- und Luftverschmutzung durch den Schiffsbetrieb der Fangflotten sind Überfischung und die Zerstörung von Habitaten ernst zu nehmende Probleme. Auch die illegale Fischerei trägt zur Überfischung bei, was Auswirkungen auf die gesamte Biodiversität der Arktis hat.

 

Landwirtschaft

Ackerbau und Tierhaltung sind aufgrund der ungünstigen klimatischen Bedingungen in der Arktis nur sehr begrenzt möglich. Skandinavien profitiert bis in hohe nördliche Breiten vom Golfstrom, der die landwirtschaftliche Nutzung begünstigt. Die Haltung und Zucht von Rentieren und teilweise von Milchkühen ist im Norden Skandinaviens und Russlands verbreitet, was vor allem der Versorgung der lokalen Bevölkerung dient.

 

Tourismus

Innerhalb der letzten 20 Jahre hat der Tourismus in der Arktis stark zugenommen. Mehr als fünf Millionen Menschen –  also mehr als die gesamte heimische Bevölkerung der Arktis – reisen jährlich in den hohen Norden, um die wilde Natur, die reiche Tierwelt – allen voran den Eisbären in seinem einzigen Verbreitungsgebiet –, das scheinbar unendliche Eis, die Kultur der Ureinwohner und die Polarlichter zu erleben. Darüber hinaus generiert die verbreitete Angst vor dem Abschmelzen der arktischen Eiswelt verstärkt den Wunsch, diese Regionen zu bereisen.

Die Kreuzfahrtbranche ist der bedeutendste Sektor. Daneben existiert eine Vielzahl an unterschiedlichen Tourismusformen wie Sport-, Bildungs-, Event- oder Ökotourismus. Auch für Jagd- und Fischereitourismus gibt es eine Nische. Hier eröffnen sich ebenso mit dem Rückgang des Meereises für die Wirtschaft neue Chancen, insbesondere können Kreuzfahrtschiffe auf neuen Routen weiter und länger in die Arktis vordringen. Ansässige Tourismusunternehmen sind teilweise sehr um einen nachhaltigen und ökologisch verträglichen Tourismus bemüht, an dem auch die indigenen Bevölkerungsgruppen partizipieren und profitieren können. Dennoch steigt mit der Zunahme des Tourismus auch die Gefahr von Unfällen, Ölverschmutzungen, der Schädigung der Umwelt durch die vermehrte Einleitung von Abwasser und das Einbringen von Abfällen sowie der Luftverschmutzung durch den erhöhten Treibstoffverbrauch.

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