Besiedlung bereits in der Steinzeit
„Es sind heutzutage viele Menschen so von der Größe unserer Zeit erfüllt, dass sie meinen, die täglich von uns gemachten Fortschritte und Erfindungen stellten die begabte weiße Rasse hoch über alle anderen. Diesen vielen wäre es dienlich, sich einmal die Entwicklung des Eskimovolkes gründlich klarzumachen und sich die Geräte und Erfindungen anzusehen, die dieses Volk geschaffen hat, um sich in einer so kargen, feindlichen Natur seinen Lebensunterhalt zu erwerben.“
Fridtjof Nansen (1861 - 1930), norwegischer Polarforscher
Die arktischen Landmassen werden – im Gegensatz zur Antarktis – bereits seit Jahrtausenden von verschiedenen Naturvölkern dauerhaft bewohnt. In den sibirischen Regionen lässt sich die Besiedelungsgeschichte bis in die Steinzeit zurückverfolgen: Felsbilder von Mammuts in der Nähe der Laptew-See konnten auf die Zeit um 25.000 vor Chr. datiert werden. Vermutlich gab es während der letzten Eiszeit mehrere Wanderungswellen, in denen die Steinzeitvölker Sibiriens über die damals trocken liegende Beringstraße in den nordamerikanischen Teil der Arktis einwanderten und von dort aus auch schließlich den Norden Grönlands besiedelten. Diese Regionen waren während der Eiszeit zu trocken für großflächige Vereisungen und auch nach der Eiszeit herrschte in der Arktis ein relativ mildes Klima, das ausreichende Bedingungen für eine Besiedelung und Verbreitung bot.
Die bisher letzten bedeutenden Einwanderungswellen in der Arktis gingen ab dem 6. Jahrhundert nach Chr. hauptsächlich von Europa aus. Allen voran trugen die Wikinger Skandinaviens ab dem 9. Jahrhundert zur Besiedlung bei, indem sie Island und Grönland bevölkerten. Zu dieser Zeit war es aufgrund warmer Klimabedingungen sogar möglich, in Grönland Ackerbau zu betreiben.
Mit der Kleinen Eiszeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert wuchsen die Gletscher auf der Nordhalbkugel jedoch stark an und die Siedlungsfläche ging zurück. Erst die systematischen Entdeckungsfahrten ab dem 16. Jahrhundert brachten wieder fremde Menschen in die Arktis und weckten neue Begehrlichkeiten: die wirtschaftliche Nutzung der arktischen Meere – insbesondere durch Walfang – und Ausbeutung der Ressourcen durch Bergbauaktivitäten.