Der Europäische Emissionshandel

Der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) ist seit 2005 das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. Mit ihm sollen die Treibhausgas-Emissionen der teilnehmenden Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie reduziert werden. Seit 2012 nimmt der innereuropäische Luftverkehr teil. Neben Kohlendioxid sind seit 2013 auch Lachgas und perfluorierte Kohlenwasserstoffe einbezogen.

Inhaltsverzeichnis

 

Teilnehmer, Prinzip und Umsetzung des Europäischen Emissionshandels

Der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) wurde 2005 zur Umsetzung des internationalen Klimaschutzabkommens von Kyoto eingeführt und ist das zentrale europäische Klimaschutzinstrument. Neben den heute 28 EU-Mitgliedstaaten haben sich auch Norwegen, Island und Liechtenstein dem EU-Emissionshandel angeschlossen (EU 31). Im EU-ETS werden die Emissionen von europaweit rund 12.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie erfasst. Zusammen verursachen diese Anlagen rund 45 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Europa. Seit 2012 ist auch der innereuropäische Luftverkehr in den EU-ETS einbezogen.

Der EU-ETS funktioniert nach dem Prinzip des sogenannten „Cap & Trade“. Eine Obergrenze (Cap) legt fest, wie viele Treibhausgas-Emissionen von den emissionshandelspflichtigen Anlagen insgesamt ausgestoßen werden dürfen. Die Mitgliedstaaten geben eine entsprechende Menge an Emissionsberechtigungen an die Anlagen aus – teilweise kostenlos, teilweise über Versteigerungen (eine Berechtigung erlaubt den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid-Äquivalent – CO2-Äq). Die Emissionsberechtigungen können auf dem Markt frei gehandelt werden (Trade). Hierdurch bildet sich ein Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen. Dieser Preis setzt Anreize bei den beteiligten Unternehmen, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Infolge wenig ambitionierter Caps, krisenbedingter Produktions- und Emissionsrückgänge und der umfangreichen Nutzung von internationalen Projektgutschriften hat sich seit 2008 eine große Menge überschüssiger Emissionsberechtigungen im EU-ETS angesammelt. Diese Überschüsse haben wesentlich zu dem zwischen 2011 und 2017 beobachtbaren Preisverfall für Emissionsberechtigungen beigetragen. Seit Mitte 2017 sind die Preise wieder deutlich gestiegen.

Stahlwerk
Die DEHSt berichtet jährlich zu den Treibhausgasemissionen der stationären Anlagen und der Luftfahrt
Quelle: mitifoto / Fotolia.com
 

Vergleich von Emissionen und Emissionsobergrenzen (Cap) im EU-ETS

Für die aktuell laufende dritte Handelsperiode des EU-ETS (2013-2020) wurde eine europaweite Emissionsobergrenze (Cap) von insgesamt 15,6 Milliarden Emissionsberechtigungen festgelegt. Diese Berechtigungen werden auf die acht Jahre der Handelsperiode verteilt, allerdings nicht gleichmäßig. Vielmehr wird die Menge jedes Jahr um rund 38 Millionen Berechtigungen reduziert. Hierdurch ergibt sich ein sinkender Verlauf des Caps (siehe Abb. „Gesamt-Cap und Emissionen im Europäischen Emissionshandel“). In den ersten beiden Handelsperioden (2008-2012) hat jedes Land sein Cap selbst festgelegt. Das gesamteuropäische Cap ergab sich dann aus der Summe der nationalstaatlichen Emissionsobergrenzen. Zusätzlich zu den Emissionsberechtigungen können die Betreiber im EU-ETS auch in einem festgelegten Umfang internationale Gutschriften aus CDM- und JI-Projekten (CER/ERU) nutzen. Durch die internationalen Mechanismen wird die Emissionsobergrenze, das Cap, erhöht (siehe Abb. „Gesamt-Cap und Emissionen im Europäischen Emissionshandel“). Die Abbildung zeigt deutlich, dass mit Ausnahme des Jahres 2008 die Emissionen im EU-ETS bislang immer unterhalb des Caps lagen. Bereits im Jahr 2014 unterschritten die Emissionen im EU-ETS den Cap-Wert für das Jahr 2020. Damit haben sich das Cap und die Emissionen im EU-ETS strukturell auseinanderentwickelt. Durch das sog. Backloading (Zurückhalten von für die Versteigerung vorgesehenen Emissionsberechtigungen) in den Jahren 2014 bis 2016 und ab 2019 durch die sogenannte Marktstabilitätsreserve wird dieser Überschuss schrittweise abgebaut. Außerdem wird das Cap in der vierten Handelsperiode (2021-2030) schneller abgesenkt als in der laufenden dritten Handelsperiode. Die Abbildung eignet sich nicht für den direkten Vergleich der Emissionen zwischen der zweiten und der dritten Handelsperiode, da der Anwendungsbereich des EU-ETS 2013 ausgeweitet wurde. Seit 2013 müssen auch Anlagen zur Nichteisenmetallverarbeitung, zur Herstellung von Aluminium, Adipin- und Salpetersäure, Ammoniak und andere Anlagen der chemischen Industrie ihre Emissionen berichten und eine entsprechende Menge an Emissionsberechtigungen abgeben. Außerdem gilt seit der dritten Handelsperiode die Berichts- und Abgabepflicht sowohl für die perfluorierten Kohlenwasserstoff-Emissionen der Primäraluminiumherstellung als auch für die Distickstoffmonoxid-Emissionen der Adipin- und Salpetersäureherstellung. Bei Berücksichtigung der (geschätzten) Emissionen dieser Anlagen (sogenannte „scope-Korrektur“) würden die Emissionen zwischen 2012 und 2013 nicht steigen, sondern sinken. Die Abbildung „Minderungen im EU-ETS seit 2005“ bereinigt diesen Effekt unter Nutzung eines Schätzverfahrens der Europäischen Umweltagentur und zeigt den Emissionsverlauf auf Grundlage des vereinheitlichten Anwendungsbereichs.

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Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen im EU-ETS

Im Jahr 2017 sind die Emissionen der ETS-Anlagen EU-weit (EU 31) nach Angaben der Europäischen Kommission um etwa 0,3 Prozent (%) gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,75 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2-Äq) gestiegen. Die Emissionen der rund 1.900 vom Emissionshandel erfassten deutschen Anlagen lagen 2017 mit 438 Millionen Tonnen CO2-Äq um rund 3,4 % unter dem Vorjahreswert und verzeichneten damit einen stärkeren relativen Emissionsrückgang als die Summe der europäischen Anlagen. Insgesamt sind die ETS-Emissionen in Deutschland seit Beginn des Emissionshandels 2005 deutlich weniger gesunken als im Gesamtsystem: Während die Emissionen in Deutschland zwischen 2005 und 2017 um rund 15 % sanken (siehe Abb. „Minderungen im EU-ETS seit 2005“), gingen die europäischen Emissionen im selben Zeitraum um rund 26 % zurück. Die Emissionsobergrenze für den EU-ETS im Jahr 2020 wurde bereits seit 2014 in allen Jahren eingehalten oder sogar unterschritten. Um die Emissionen der ersten (2005-2007), zweiten (2008-2012) und dritten Handelsperiode (2013-2020) vergleichbar zu machen, wurden die Ergebnisse eines Schätzverfahrens der Europäischen Umweltagentur zur Bereinigung der verschiedenen Anwendungsbereiche im EU-ETS genutzt (sogenannte „scope-Korrektur“). Die Abbildung „Minderungen im EU-ETS seit 2005“ zeigt die relative Emissionsentwicklung auf Basis des Anwendungsbereichs der laufenden dritten Handelsperiode.

Die ETS-Emissionen in Deutschland sind seit Beginn des Emissionshandels 2005 deutlich weniger gesunken (minus 15 Prozent) als im Gesamtsystem (minus 26 Prozent).
Minderungen im EU-ETS seit 2005
Quelle: Umweltbundesamt / Deutsche Emissionshandelsstelle Diagramm als PDF
 

Treibhausgas-Emissionen deutscher Energie- und Industrieanlagen im Jahr 2017

Im Jahr 2017 emittierten die 1.833 im EU-ETS erfassten deutschen Anlagen knapp 438 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (Mio. t CO2-Äq).

Das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) unterscheidet in Anhang 1 alle emissionshandelspflichtigen Anlagen in Deutschland nach so genannten Tätigkeiten. Die Abbildung „Verhältnis zwischen den Emissionshandels-Sektoren Energie und Industrie hinsichtlich der erfassten Anlagen und ihrer Emissionsmengen 2017“ zeigt das Verhältnis zwischen der Anlagengruppe der Tätigkeiten 2 bis 6 (Energiesektor) und der Tätigkeiten 1 und 7 bis 29 (Industriesektor).

Mit rund 312 Mio. t CO2-Äq stammen rund 70 % der Emissionen aus Energieanlagen, obwohl diese mit 942 Anlagen nur etwas mehr als die Hälfte des deutschen Anlagenbestandes ausmachen. Dabei werden rund 98 % der Emissionen aus Energieanlagen von Großfeuerungsanlagen, das heißt von Kraftwerken, Heizkraftwerken und Heizwerken mit einer Feuerungswärmeleistung von über 50 MW, verursacht.

Die 891 deutschen Industrieanlagen verursachten mit rund 126 Mio. t CO2-Äq rund 30 % der Emissionen. Die Eisen- und Stahlindustrie hat mit etwa 30 %, das sind etwa 38 Mio. t Kohlendioxid, den größten Anteil an den Industrieemissionen, gefolgt von der mineralverarbeitenden Industrie (29 %) und den Raffinerien (20 %). Die Emissionen der deutschen Industrieanlagen waren zwischen 2013 und 2016 nahezu konstant und sind im Jahr 2017 erstmals wieder gestiegen. Der Rückgang der deutschen ETS-Emissionen seit 2013 ist damit ausschließlich auf den Emissionsrückgang der Energieanlagen zurückzuführen.

In der Tabelle „Emissionen der Anlagen in Deutschland nach Branchen“ sind die handelspflichtigen Kohlendioxid-Emissionen der Jahre 2013 bis 2017 sowie der Jahresdurchschnitt der zweiten Handelsperiode 2008 bis 2012 für die Sektoren Energie und Industrie sowie für die einzelnen Industriebranchen angegeben. Für die ausgewiesenen Emissionen im Zeitraum 2008 bis 2016 wird durchgehend der Anlagenbestand des Jahres 2017 zugrunde gelegt, das heißt stillgelegte Anlagen werden nicht berücksichtigt. Von der Erweiterung des Anwendungsbereichs des Emissionshandels sind bis auf die Papier- und Zellstoffindustrie sowie die Raffinerien sämtliche Industriebranchen voll oder teilweise betroffen. Dies ist beim Vergleich der Emissionen aus der zweiten und dritten Handelsperiode zu beachten (siehe zum Beispiel Nichteisenmetallindustrie und Chemische Industrie).

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Luftverkehr im Emissionshandel

Seit Anfang 2012 ist auch der Luftverkehr in den Europäischen Emissionshandel einbezogen. Berücksichtigt sind grundsätzlich alle Flüge, die innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) starten oder landen („Full scope“). Bereits seit Anfang 2010 werden die Emissionen des Luftverkehrs überwacht und müssen berichtet werden. Für die Jahre 2012 bis 2016 wurde die Berichts- und Abgabepflicht allerdings eingeschränkt, um damit die Bemühungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), ein globales marktbasiertes Klimaschutzinstrument (GMBM) für den internationalen Luftverkehr zu verabschieden, zu unterstützen. In diesem Zeitraum waren daher nur noch sogenannte inner-EWR-Flüge, das heißt Flüge, die auf dem Hoheitsgebiet des EWR starten und landen, berichts- und abgabepflichtig („reduced scope“).

Nach der Verabschiedung der GMBM (mit der Bezeichnung CORSIA – Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) durch die ICAO Anfang Oktober 2016, wurde im Dezember 2017 die Fortführung des reduced scope im EU-ETS bis 2023 beschlossen. Die Abbildung „Luftverkehr (von Deutschland verwaltete Luftfahrzeugbetreiber), Entwicklungen der emissionshandelspflichtigen Emissionen 2010 bis 2016“ zeigt die Emissionen der von Deutschland verwalteten Luftfahrzeugbetreiber zwischen 2010 und 2016. Die Emissionsentwicklung spiegelt deutlich die Veränderungen des Anwendungsbereichs wider. In den Jahren 2010 und 2011 lagen die Emissionen noch bei gut 52 Mio. t CO2-Äq. Mit dem reduced scope sanken die erfassten Emissionen 2013 auf ein Niveau von etwa 9 Mio. t CO2-Äq, stiegen aber zwischen 2013 und 2016 um insgesamt acht Prozent. Der Rückgang von 2016 auf 2017 um zwei Prozent ist auf die Insolvenz von Air Berlin zurückzuführen. Für das Berichtsjahr 2012 ist zu beachten, dass die Luftfahrzeugbetreiber frei wählen konnten, ob sie nach full oder reduced scope berichten („stop-the-clock“). Aufgrund dieses Sondereffekts lagen die Emissionen 2012 zwischen den beiden Niveaus.

Die Emissionen der von Deutschland verwalteten Luftfahrzeugbetreiber sanken zwischen 2010 und 2017 von 52 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalenten. auf rund 9 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalenten. Im Jahr 2012 wurde ein Sondereffekt wirksam.
Luftverkehr (von Deutschland verwaltete Luftfahrzeugbetreiber), Entwicklung ...
Quelle: Umweltbundesamt / Deutsche Emissionshandelsstelle Diagramm als PDF