Trends der Lufttemperatur

Global setzt 2018 die Reihe der sehr warmen Jahre fort. Gemeinsam mit dem wärmsten Jahr 2016 sowie 2015 und 2017 traten die vier wärmsten Jahre seit Beobachtungsbeginn 1880 in direkter Folge auf. Mit einer Mitteltemperatur von 10,5 °C war 2018 in Deutschland das bisher wärmste Jahr seit 1881. Damit finden sich 13 der 20 wärmsten Jahre Deutschlands im 21. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

 

Steigende Durchschnittstemperaturen weltweit

Obwohl es prinzipiell nicht möglich ist, anhand weniger Jahre Aussagen über den durch den Menschen verursachten Klimawandel abzuleiten, passt die Entwicklung der letzten Jahre sehr gut in das Bild eines langfristigen globalen Temperaturanstiegs.

Nach den Rekordjahren 2015, 2016 und 2017 erreichte die globale Temperatur im Jahr 2018 wieder einen sehr hohen Wert (siehe Abb. „Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990“). Die Jahre 2016 und 2015 waren, neben dem Klimawandel, durch ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis geprägt, das hohe globale Temperaturen begünstigt. 2017 und 2018 waren die bisher wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen 1880, die nicht in einem El-Niño-Ereignis lagen. Dies ergaben Analysen mehrerer unabhängiger Datensätze.

Auch in vielen Teilen Europas ist der Sommer 2018 ausgesprochen warm und trocken ausgefallen. Besonders hohe Abweichungen von den vieljährigen Mittelwerten 1961-1990 mit über +4 °C gab es in Südschweden. In Skandinavien war vor allem der Juli sehr warm, sogar am Polarkreis wurden bis über 30 °C gemessen. Im Vergleich zu früheren Sommern belegte der Sommer 2018 in den nördlicheren Ländern zumindest an einigen Stationen einen Spitzenplatz. In Frankreich belegte der diesjährige Sommer wie in Deutschland nach 2003 den 2. Platz, die Schweiz registrierte den bisher drittwärmsten Sommer, Österreich den viertwärmsten. Weitgehend normal oder sogar etwas kühler war der Sommer dagegen in Teilen von Spanien und Portugal sowie über der südlichen Balkanhalbinsel.

An dem warmen Sommer waren mehrere längere Hitzewellen in verschiedenen Teilen Europas beteiligt, gerade auch in nördlichen Gebieten, neben Deutschland so in Polen, Skandinavien, Nordwestrussland und im Baltikum. Örtlich traten Hitzewellen aber auch im Mittelmeerraum, am Schwarzen Meer und mit etwas kürzerer Dauer auch in Westeuropa auf.

Nach Auswertungen des Copernicus Climate Change Service (C3S) war der Temperaturmittelwert April bis August 2018 in Europa der bisher höchste seit 1979.

Ein Diagramm zeigt die Abweichung der weltweiten Lufttemperatur zwischen 1850 und 2018 vom Durchschnitt der globalen Lufttemperatur 1961 bis 1990, der Referenzperiode. 2018 war 0,6 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt der Referenzperiode.
Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990 (Referenzperiode)
Quelle: Met Office Hadley Centre Diagramm als PDF
 

2018 – bisher wärmstes Jahr in Deutschland

Mit einer Mitteltemperatur von 10,5 °C war das Jahr 2018 das bisher wärmste in Deutschland beobachtete Jahr seit dem Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1881. Gerade einmal 4 Jahre liegt der letzte Temperaturrekord aus dem Jahr 2014 zurück. Damals wurde zum ersten Mal eine deutschlandweite Gebietsmitteltemperatur im zweistelligen Bereich beobachtet. Das Jahr 2018 erreichte eine noch höhere Temperatur. Im Vergleich zum vieljährigen Bezugszeitraum 1961-1990 ergibt sich eine positive Abweichung von +2,3 °C. Trotz der sehr kühlen Monate Februar (-2,3 °C) und März (-1,1 °C) waren die Temperaturen in den restlichen Monaten so hoch, dass dieser neue Rekord aufgestellt wurde. Für sechs Monate wurde sogar eine Abweichung von über +3 Kelvin zum vieljährigen Mittelwert beobachtet. Die Monate April und Mai waren die bisher wärmsten beobachteten Monate der jeweiligen Zeitreihe. In den Monaten September, Oktober und November wurden Anomalien von 1 bis 2 °C registriert. (siehe Abb. „Jährliche mittlere Tagesmitteltemperatur in Deutschland“).

Dieser Trend lässt sich auch für die einzelnen Jahreszeiten nachweisen, für Frühling und Sommer stärker, für den Winter schwächer und nicht statistisch signifikant (siehe Tab. „Lineare Trends der Lufttemperatur“). Das hat Auswirkungen auf die Natur. Die Klimaveränderung ist in Deutschland inzwischen so deutlich, dass erste Auswirkungen auf die Pflanzenwelt zu erkennen sind.

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Heiße Tage in Deutschland

Der Sommer 2018 war nach dem Sommer 2003 mit einer Durchschnittstemperatur von 19,3 °C der zweitwärmste Sommer seit 1881. Schon in der letzten Aprildekade wurden die ersten Heißen Tage (Tage mit Temperaturen über 30°C) beobachtet, zum Teil wurden auch im September 2018 noch Heiße Tage registriert. Im Zeitraum Ende Juli bis Mitte August wurden sehr hohe Temperaturen registriert, diese überstiegen oft die 30 °C-Marke. 2018 wurden im bundesweiten Mittel 20 Heiße Tage beobachtet, im sogenannten ‚Jahrhundertsommer‘ 2003 waren es 19 Tage.

Zwar schwanken die Jahreswerte dieses Indikators deutlich. Insgesamt ist der Trend seit Beginn der Aufzeichnungen aber deutlich steigend. Klimamodellierungen zeigen, dass zukünftig in Deutschland mit einer steigenden Anzahl heißer Tage im Sommer und länger anhaltenden Hitzeperioden zu rechnen ist.

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Frühling und Sommer signifikant wärmer

Der langfristige Temperaturanstieg im Frühling und im Sommer unterscheidet sich mit 1,6 °C bzw. 1,4 °C seit 1881 kaum vom Trend der Jahresmitteltemperaturen. Speziell die Jahre seit Ende der 1980er Jahre waren besonders warm. Die fünf bisher wärmsten Frühjahre finden sich mit den Jahren 2018, 2014, 2011, 2007 und 2000 im 21. Jahrhundert. Der Sommer 2018 war mit einer Abweichung um +3,0 °C gegenüber dem vieljährigen Mittel 1961-1990 der zweitwärmste Sommer seit 1881 (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Frühling in Deutschland“ und Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Sommer in Deutschland“).

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Mildere Herbste und Winter

Alle drei Herbstmonate (September, Oktober und November) waren wärmer als die jeweiligen vieljährigen Mittelwerte. Das Gebietsmittel der Temperatur betrug 10,3 °C. Damit liegt die Abweichung zum internationalen klimatologischen Referenzzeitraums 1961-1990 bei 1,5 °C. Somit war der Herbst 2018 der viertwärmste seit 1881 (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Herbst in Deutschland“).

Der Winter 2017/2018 war leicht zu mild. Lediglich der Februar 2018 war kälter als die vieljährigen Mittelwerte. Nur in Nordrhein-Westfalen lagen die Abweichungen unter 1 °C. An einigen Bergstationen in den Mittelgebirgen und im Alpenraum wurde das vieljährige Mittel teils geringfügig unterschritten.

Im Winter findet sich mit 1,6 °C ein etwas höherer Trend . Die Zeitreihe ist durch eine Häufung besonders kalter Winter und das Fehlen sehr milder Winter in der Mitte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet. Die Jahre seit dem Ende der 1980er Jahre waren allerdings auch zu dieser Jahreszeit zumeist sehr mild. Sieben davon (in absteigender Reihenfolge 2006/2007, 2015/2016, 1989/1990, 1988/1989, 2007/2008, 1997/1998, 1994/1995, 1987/1988) gehören zu den zehn wärmsten Wintern der letzten 132 Jahre (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Winter in Deutschland“).

Wir danken dem Deutschen Wetterdienst für die Bereitstellung der Temperaturdaten und deren Interpretation.

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Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt

Die Jahre werden nicht nur wärmer, in der Folge verschiebt sich der jahreszeitliche Entwicklungsgang von Pflanzen und Tieren (Phänologie). So blühen beispielsweise Schneeglöckchen, die den Eintritt des Vorfrühlings anzeigen, und Apfelbäume, die den Vollfrühling anzeigen, früher (fast fünf Tage/Jahrzehnt). Waldbäume treiben in vielen Ländern Europas eher aus (ca. fünf Tage/Jahrzehnt). Dies belegt, dass sich durch ein verändertes Temperaturniveau die Eintrittszeit und die Dauer der einzelnen Jahreszeiten verändert hat.

Die Auswirkungen der Verschiebungen phänologischer Phasen auf die Bestände von Tieren und Pflanzen sind komplex und bisher erst in Ansätzen geklärt. So reagieren etwa bestimmte Vogelarten mit erhöhtem Bruterfolg infolge kürzerer Winter. Bei Pflanzenarten und ihren Bestäubern oder Fraßfeinden und in Räuber-Beute-Systemen kann sich die Veränderung in der zeitlichen Abstimmung hingegen negativ auf die Bestandsentwicklung von Arten auswirken.