Trends der Lufttemperatur

Global setzt 2019 die Reihe der sehr warmen Jahre fort. Gemeinsam mit dem wärmsten Jahr 2016 sowie 2015, 2017 und 2018 traten die fünf wärmsten Jahre seit Beobachtungsbeginn 1880 in direkter Folge auf. Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 °C war 2019 in Deutschland das bisher zweitwärmste Jahr seit 1881. Die sechs wärmsten Jahre seit 1881 liegen alle im 21. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

 

Steigende Durchschnittstemperaturen weltweit

Obwohl es prinzipiell nicht möglich ist, anhand weniger Jahre Aussagen über den durch den Menschen verursachten Klimawandel abzuleiten, passt die Entwicklung der letzten Jahre sehr gut in das Bild eines langfristigen globalen Temperaturanstiegs.

2019 war weltweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Damit stellen die letzten 5 Jahre die 5 weltweit wärmsten Jahre dar (siehe Abb. „Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990“). Die Jahre 2016 und 2015 waren, neben dem Klimawandel, durch ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis geprägt, das hohe globale Temperaturen begünstigt. 2017, 2018 und 2019 waren die bisher wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen 1880, die nicht in einem El-Niño-Ereignis lagen. Dies ergaben Analysen mehrerer unabhängiger Datensätze.

Europa erlebte mit großem Abstand den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen, gefolgt von einem nahezu durchschnittlichen Juli und einem überdurchschnittlichen August. Die Durchschnittstemperatur im Sommer 2019 lag in Europa fast 1,1° C über dem vieljährigen Mittel für den Zeitraum 1981-2010 und war damit der viertwärmste Sommer seit mindestens 1979 (C3S). In vielen Teilen Europas ist der Sommer 2019 ausgesprochen warm und trocken ausgefallen. Sowohl Ende Juni wie auch Ende Juli gab in vielen Teilen Europas intensive Hitzewellen, bei den vielfach neue nationale Temperaturrekorde registriert wurden.

Ein Diagramm zeigt die Abweichung der weltweiten Lufttemperatur zwischen 1850 und 2019 vom Durchschnitt der globalen Lufttemperatur 1961 bis 1990, der Referenzperiode. 2019 war 0,74 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt der Referenzperiode.
Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990 (Referenzperiode)
Quelle: Met Office Hadley Centre Diagramm als PDF
 

2019 – bisher zweitwärmstes Jahr in Deutschland

Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 °C war das Jahr 2019 zusammen mit dem Jahr 2014 das bisher zweitwärmste in Deutschland beobachtete Jahr seit dem Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1881. Gegenüber der international gültigen Klimareferenzperiode 1961-1990 ergibt sich eine Abweichung von +2,0 K. In den Bundesländern Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wurde das bisher wärmste Jahr beobachtet. In Sachsen-Anhalt belegte das Jahr 2019 zusammen mit dem Jahr 2018 den ersten Platz. Die Monate Januar bis April wiesen eine positive Temperaturanomalie auf. Der Mai (-1,1 K) war kühler als im vieljährigen Mittel. In diesem Monat endete eine 13-Monate andauernde Periode zu warmer Monate. Der Juni 2019 stellte einen neuen Monatsrekord auf. Ab Juni waren dann wieder alle Monate überdurchschnittlich warm. Alle Jahreszeiten waren wärmer als normal (siehe Abb. „Jährliche mittlere Tagesmitteltemperatur in Deutschland“ und Tab „Lineare Trends der Lufttemperatur zwischen 1881 und 2019“).

<>
 

Heiße Tage in Deutschland

Schon in der letzten Aprildekade 2019 wurden die ersten Heißen Tage (Tage mit Temperaturen über 30°C) beobachtet, zum Teil wurden auch im September 2019 noch Heiße Tage registriert. Insgesamt wurden deutschlandweit 17 Heiße Tagen beobachtet. Nach den Jahren 2018, 2003 und 2015 war 2019 das Jahr mit den viertmeisten Heißen Tagen seit 1951.

Zwar schwanken die Jahreswerte dieses Indikators deutlich. Insgesamt ist der Trend seit Beginn der Aufzeichnungen aber deutlich steigend. Klimamodellierungen zeigen, dass zukünftig in Deutschland mit einer steigenden Anzahl heißer Tage im Sommer und länger anhaltenden Hitzeperioden zu rechnen ist.

10km
 

Frühling und Sommer signifikant wärmer

Der langfristige Temperaturanstieg im Frühling und im Sommer unterscheidet sich 2019 mit 1,6 °C bzw. 1,5 °C seit 1881 kaum vom Trend der Jahresmitteltemperaturen. Speziell die Jahre seit Ende der 1980er Jahre waren besonders warm. Die fünf bisher wärmsten Frühjahre finden sich mit den Jahren 2018, 2014, 2011, 2007 und 2000 im 21. Jahrhundert.

Der Sommer 2019 war nach dem Sommer 2003 und 2018 mit einer Durchschnittstemperatur von 19,2 °C der drittwärmste Sommer seit 1881. Schon im April wurden die ersten Sommertage (Tage mit Tmax >= 25°C) beobachtet. Auch der Oktober konnte mit Sommertagen aufwarten. Im Jahr 2019 wurde mit 52 Tagen die 3.-höchste Anzahl von Sommertagen beobachteten (2018: 74 Tage, 2003: 62 Tage). Sowohl in der letzten Juni- als auch in der letzten Julidekade wurden sehr hohe Temperaturen registriert, diese überstiegen oft die 30 °C-Marke. Außergewöhnlich war insbesondere das erstmalige Überschreiten der 40 °C-Schwelle an drei aufeinanderfolgenden Tagen (24.-26. Juli 2019) an zahlreichen Messstationen in westlichen Teilen Deutschlands und das Einstellen eines neuen deutschen Temperaturrekordes (42,6 °C am 25. Juli in Lingen) (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Frühling in Deutschland“ und Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Sommer in Deutschland“).

<>
 

Mildere Herbste und Winter

Alle drei Herbstmonate 2019 (September, Oktober und November) waren wärmer als die jeweiligen vieljährigen Mittelwerte. Das Gebietsmittel der Temperatur betrug 10,0 °C. Damit liegt die Abweichung zum internationalen klimatologischen Referenzzeitraums 1961-1990 bei 1,2 °C. Somit war der Herbst 2019 der zehntwärmste seit 1881 (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Herbst in Deutschland“).

Der Winter 2018/2019 war sehr mild. Jeder der drei Wintermonate war wärmer als die vieljährigen Monatsmittel. Während im Januar das Gebietsmittel der Lufttemperatur nur gering über den vieljährigen Mitteln lag, überschritten die Monatsmittel im Dezember 2018 und Februar 2019 jeweils deutlich die vieljährigen Mittelwerte. Der Winter 2018/2019 war mit einer positiven Abweichung von 3,9 °C vom vieljährigen Temperaturmittel der Wintermonate 1961-1990 der bisher zweitwärmste Winter seit 1881 (siehe Abb. „Mittlere Tagesmitteltemperatur im Winter in Deutschland“).

Wir danken dem Deutschen Wetterdienst für die Bereitstellung der Temperaturdaten und deren Interpretation.

<>
 

Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt

Die Jahre werden nicht nur wärmer, in der Folge verschiebt sich der jahreszeitliche Entwicklungsgang von Pflanzen und Tieren (Phänologie). So blühen beispielsweise Schneeglöckchen, die den Eintritt des Vorfrühlings anzeigen, und Apfelbäume, die den Vollfrühling anzeigen, früher (fast fünf Tage/Jahrzehnt). Waldbäume treiben in vielen Ländern Europas eher aus (ca. fünf Tage/Jahrzehnt). Dies belegt, dass sich durch ein verändertes Temperaturniveau die Eintrittszeit und die Dauer der einzelnen Jahreszeiten verändert hat.

Die Auswirkungen der Verschiebungen phänologischer Phasen auf die Bestände von Tieren und Pflanzen sind komplex und bisher erst in Ansätzen geklärt. So reagieren etwa bestimmte Vogelarten mit erhöhtem Bruterfolg infolge kürzerer Winter. Bei Pflanzenarten und ihren Bestäubern oder Fraßfeinden und in Räuber-Beute-Systemen kann sich die Veränderung in der zeitlichen Abstimmung hingegen negativ auf die Bestandsentwicklung von Arten auswirken.