Die bekanntesten Umweltmanagementsysteme sind die ISO 14001 und die Europäische Umweltmanagement-Verordnung EMAS. Beide Systeme sind weit verbreitet. Im Jahr 2023 bestanden laut einer freiwilligen Umfrage der ISO in Deutschland 9.073 aktive Zertifizierungen nach der ISO 14001. Etwa 1.122 Organisationen mit 4533 Standorten nehmen an EMAS teil.(s. Daten zur Umwelt: Umwelt- und Energiemanagementsysteme).
In einem Umweltmanagementsystem gemäß ISO 14001 legt eine Organisation die Zuständigkeiten und Abläufe des betrieblichen Umweltschutzes fest. Dazu gehören Regelungen zu Planung, Ausführung und Kontrolle ebenso wie die Festlegung von Verantwortlichkeiten und Verhaltens- und Verfahrensweisen. Die Organisation vereinbart Ziele und trifft die entsprechenden Maßnahmen. Im Rahmen sogenannter interner Audits überprüft sie selbst, ob diese Vorgaben eingehalten werden. Ein Umweltmanagementsystem gemäß ISO 14001 soll einerseits den individuellen Erfordernissen des Unternehmens oder der Behörde gerecht werden und die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung sicherstellen, anderseits soll es die Möglichkeit eröffnen, diese Leistungen durch unabhängige, betriebsfremde Prüfer und Prüferinnen („Zertifizierer") bescheinigen zu lassen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite „ISO 14001 - Umweltmanagementsystemnorm“.
EMAS ist die englische Kurzbezeichnung für die Verordnung der Europäischen Union für das „Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung“. Die teilnehmenden Organisationen erfüllen die Anforderungen der ISO 14001 und gehen darüber hinaus, indem sie zum Beispiel wesentliche Kernindikatoren des betrieblichen Umweltschutzes erfassen, jährlich eine Umwelterklärung veröffentlichen und ihr Managementsystem von einer zugelassenen Umweltgutachterin bzw. Umweltgutachter validieren lassen. Durch die Veröffentlichung der Umwelterklärung und die Erfassung aller EMAS-Organisationen in einem öffentlichen Register schafft EMAS deutlich mehr Transparenz. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite „EMAS: Umweltmanagement-Gütesiegel der Europäischen Union“.
Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Managementsystemen
Die ersten standardisierten (genormten) Ansätze für Managementsysteme wurden in den 1970er-Jahren aus dem Qualitätsmanagement entwickelt. In den 1980er-Jahren wurden dann die ersten internationalen Normen für das Qualitätsmanagement – die Normenserie ISO 9000 ff. – durch die internationale Normungsorganisation ISO, veröffentlicht. Die Norm ISO 9001 steht für ein Qualitätsmanagementsystem. Die ISO 14001 konzentriert sich vor allem auf den Auf- und Ausbau eines funktionierenden Umweltmanagementsystems innerhalb einer Organisation.
Die ISO-Normen für Managementsysteme sind nicht isoliert zu betrachten: Alle ISO-Managementsystemnormen, darunter die Umweltmanagementnorm ISO 14001, die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001, die Energiemanagementnorm ISO 50001 und auch der Managementsystem-Norm für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ISO 450001 folgen einer einheitlichen Struktur (sog. "Harmonised Structure"), was deren gemeinsame Anwendung erleichtert. In der EMAS-Verordnung sind die wesentlichen Anforderungen der ISO 14001 integriert. EMAS-Anwender erfüllen daher auch die Maßgaben dieser Norm. Da zudem die Energienutzung ein wichtiger Umweltaspekt von EMAS ist, braucht es nur wenige Anpassungen, um auch die Anforderungen der ISO 50001 zu erfüllen.
Sonstige Umweltmanagementansätze
Neben den umfassenden Umweltmanagementsystemen EMAS und ISO 14001 gibt es zahlreiche spezialisierte Umweltmanagementansätze zur Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Diese zielen auf einzelne Branchen (z.B. „Ecocamping" für Fremdenverkehrseinrichtungen, „Grüner Gockel" für Kirchengemeinden) oder auf bestimmte Wirtschaftszweige ab, wie beim Handwerk der „Qualitätsverbund umweltbewusster Handwerksbetriebe“. Oder sie zeigen den teilnehmenden Unternehmen anhand von Kooperationsprojekten zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft (Ökoprofit-Modell), wie sie umweltrelevante Betriebskosten (z.B. in den Bereichen Wasser, Energie, Abfall) senken und somit zur Schonung der natürlichen Ressourcen beitragen können. Die meisten dieser Umweltmanagementansätze verleihen kein überregional anerkanntes Zertifikat. Sie sind weniger auf ein kontinuierliches Management des betrieblichen Umweltschutzes ausgerichtet. Vielmehr stehen oft einzelne oder mehrere, zeitlich begrenzte Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltleistung im Vordergrund. Meist fehlt die vollständige interne Auditierung. Die Ansätze sind dennoch geeignet, den Umweltschutz einer Organisation voranzubringen. Sie können außerdem eine gute Wahl gerade für kleine und nur regional tätige Unternehmen sein, einen Einstieg in ein Umweltmanagementsystem wie EMAS zu finden.