Chemischer Zustand des Grundwassers

Verunreinigungen des Grundwassers sind häufig Langzeitschäden, die zunächst nicht unmittelbar erkennbar sind. Eine Sanierung ist – wenn überhaupt – nur mit großem finanziellem und technischem Aufwand und über lange Zeiträume möglich. Deshalb ist ein vorsorgender, flächendeckender Grundwasserschutz von besonderer Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

 

Eine systematische, regelmäßige Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit ist ein wesentlicher Bestandteil des Grundwasserschutzes. Eine Reihe von Stoffen wird entsprechend ihres Gefährdungspotentials und ihrer Eintragswahrscheinlichkeit in unterschiedlichen Zeitabständen untersucht und ausgewertet. Der chemische Zustand wird an operativen Messstellen und Überblicksmessstellen ermittelt. Überblicksmessstellen wurden vorwiegend in unbelasteten Grundwasserkörpern (GWK) eingerichtet, wohingegen operative Messstellen in GWK errichtet wurden, die im schlechten Zustand sind. Die EG-Grundwasserrichtlinie (EU-RL 2006/118/EG), eine Tochterrichtlinie der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), legt Qualitätsanforderungen (sogenannte Qualitätsnormen und Schwellenwerte) für eine Reihe von Stoffen fest. Werden in einem GWK diese Werte eingehalten, ist der GWK in einem guten Zustand. Werden die Werte überschritten, sind Art und Ausmaß der Überschreitungen zu prüfen. Auf Grundlage dieser Prüfung ist gegebenenfalls eine Einstufung in den schlechten Zustand erforderlich und die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Maßnahmenprogramme durchzuführen, die geeignet sind, den guten Zustand wieder herzustellen, d.h. die Belastung so weit zu vermindern, dass die Qualitätsnormen bzw. Schwellenwerte wieder eingehalten werden. Maßstab für die Bewertung des chemischen Zustands des Grundwassers sind europaweit geltende Qualitätsnormen für Nitrat und Pestizide sowie Schwellenwerte für relevante Schadstoffe, die von den Mitgliedstaaten festgesetzt werden.

  • Nitrat – 50mg/l und
  • Pestizide (= Pflanzenschutzmittel (PSM) und Biozide) – [Einzelgrenzwert 0,1µg/l, Summengrenzwert 0,5µg/l].

Eine aktuelle Bewertung des chemischen Zustands des Grundwassers in Deutschland zeigt, dass 34,8% aller GWK in einem schlechten chemischen Zustand sind. Hauptursache sind diffuse Belastungen durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft.

27,1% der GWK überschreiten die Qualitätsnorm für Nitrat; 2,8% der GWK überschreiten die Qualitätsnorm für Pflanzenschutzmittel.

 

Chemischer Zustand der Grundwasserkörper in Deutschland
Chemischer Zustand der Grundwasserkörper in Deutschland
Quelle: BKG / LAWA / UBA chemischer_zustand_der_grundwasserkoerper.pdf
 

Nitrat im Grundwasser

Stickstoffverbindungen – in der Regel Nitrat – sind die häufigste Ursache für einen schlechten Zustand des Grundwassers in Deutschland und in den meisten Europäischen Ländern. Rund 64,5% aller Messstellen zeigen Nitratkonzentrationen zwischen 0 und 25 mg/l und sind damit nicht oder mäßig belastet. Bei 17,4% der Messstellen liegt die Nitratkonzentration zwischen 25 und 50 mg/l. Diese Messstellen sind deutlich bis stark durch Nitrat belastet. Die übrigen 18,1% der Messstellen sind so stark durch Nitrat belastet, dass das Grundwasser nicht ohne weiteres zur Trinkwassergewinnung genutzt werden kann, da der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l zum Teil erheblich überschritten wird. In der Gruppe der Messstellen, in deren Umfeld Wald dominiert, findet sich die geringste Belastung. Wird das Umfeld der Messstellen dominiert durch Grünlandnutzung (Wiesen und Weiden), so steigt die Zahl der hoch durch Nitrat belasteten Messstellen. Der Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft ist somit die Hauptursache für die Belastung des Grundwassers durch Nitrat. Zum Schutz des Grundwassers in Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung hat die EU im Jahr 1991 die Richtlinie 91/676/EG zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen (Nitrat-Richtlinie) erlassen. Die Nitrat-Richtlinie verlangt die Einhaltung der „guten fachlichen Praxis“ in der Landwirtschaft und die Durchführung weitergehender Reduktionsmaßnahmen im Rahmen von Aktionsprogrammen.

Es ist festzustellen, dass die Maßnahmen, die in den verschiedenen Aktionsprogrammen durchgeführt wurden in den Zeiträumen 2008–2011 bzw. 2012–2014 noch nicht zu einer signifikanten Verminderung der Nitratbelastung des Grundwasser geführt haben. Auswirkungen auf die Nitratkonzentrationen des Grundwassers können sich aber stark verzögern, weil die Fließzeit von der Bodenoberfläche durch die wasserungesättigten Deckschichten bis ins Grundwasser oft Jahre oder Jahrzehnte betragen kann. Der Vergleich der Zeiträume 2008–2011 und 2012–2014 zeigt allerdings auch, dass an 27,7% aller Messstellen des EU-Nitratmessnetzes leicht bzw. stark steigende Nitratkonzentrationen zu beobachten sind. Im gleichen Zeitraum wiesen 33,4% der Messstellen leicht bis stark fallende Nitratkonzentrationen auf. Dabei ist der Anteil der Messstellen mit stark steigenden bzw. stark fallenden Nitratkonzentrationen mit 15,9% bzw. 16,3% nahezu gleich.

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Pflanzenschutzmittel

In unregelmäßigen Abständen erarbeitet die Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt einen zusammenfassenden Bericht über die Belastung des Grundwassers mit Pflanzenschutzmitteln (PSM). 2015 ist der 4. LAWA-Pflanzenschutzmittel-Bericht erstellt worden. Der Bericht gibt einen Überblick über die Belastung des Grundwassers im Zeitraum von 1990 bis 2012. Über alle fünf Betrachtungszeiträume (1990–1995, 1996–2000, 2001–2005, 2006–2008 und 2009–2012) hat sich die Anzahl der Messstellen in Deutschland, an denen der Pflanzenschutzmittelgrenzwert von 0,1 µg/l überschritten wird, deutlich verringert. Es ist aber auch festzustellen, dass der Rückgang der Grundwasserbelastungen wesentlich auf abnehmende Fundzahlen von Atrazin, Desethylatrazin und einigen wenigen anderen Wirkstoffen und Metaboliten zurückzuführen ist, deren Anwendung bereits seit Jahren oder sogar Jahrzehnten verboten ist. Zwischen 2009 und 2012 überschritten immer noch 4,6% der 13.400 untersuchten Messstellen im oberflächennahen Grundwasser den Grenzwert von 0,1 µg/l.

Häufigkeitsverteilung der PSM-Befunde in oberflächlichennah verfilterten Messstellen im Grundwasser
Häufigkeitsverteilung der PSM-Befunde in oberflächlichennah verfilterten Messstellen im Grundwasser
Quelle: UBA / LAWA psm-befunde.pdf
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 Grundwasser