Beim konventionellen Bergbau werden Rohstoffe aus der Erde entnommen. Ihre Menge kann je nach Bedarf, Fördertechnik und finanziellen Mitteln reguliert werden. Hingegen sind Gebäude, Infrastrukturen und langlebige Güter ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebensumfeldes und können nicht einfach abgerissen oder verschrottet werden, wenn der Bedarf an Sekundärrohstoffen steigt. Sie müssen entsprechend ihrer Beschaffenheit und in Abhängigkeit von ihrer Verweilzeit bewirtschaftet werden. Dabei lassen sich drei Kategorien anthropogener Lager unterscheiden.
Die meisten Güter des anthropogenen Lagers befinden sich in Verwendung, das heißt in genutzten Lagerstätten. Ein zugelassener PKW zählt genauso zu den genutzten Lagern wie ein bewohnbares Wohngebäude, Möbel, Elektrogroßgeräte oder ein Kraftwerk sofern für diese noch eine Nutzungsabsicht besteht.
Hiervon abzugrenzen sind ungenutzte anthropogene Lager. Darunter sind Güter zu fassen, für die keine Nutzungsabsicht mehr besteht, die aber auch noch nicht entsorgt oder verwertet wurden. Als Beispiele lassen sich hier stillgelegte Bahntrassen, Industriebrachen, Erdkabelleitungen und Kanäle, die nicht mehr an einem Netz angeschlossen sind, nennen. Depots an ausrangierten und defekten Elektrogeräten, die sich in Privathaushalten ansammeln lassen sich nur als Grenzfall darunter fassen, da hier eine theoretische Wiedernutzung denkbar ist.
Eine dritte Kategorie stellen anthropogene Ablagerungen dar. Hierunter fallen typischerweise alle obertägigen und untertägigen Deponieklassen, sowie Bergbau- und Hüttenhalden und sonstige Ablagerungen industrieller Abfälle.
Längst nicht alle anthropogenen Lagerstätten sind gleichermaßen erkundet. Einige Lagerstätten sind durch Statistiken oder Kataster eindeutig belegt, andere lassen sich nur durch Hochrechnungen ableiten oder lediglich vermuten. Aufgrund unterschiedlicher Beschaffenheiten sind zudem nicht alle gleichermaßen gut für eine Rückgewinnung von Materialien geeignet. Die Grenzen zwischen sekundärrohstofflichen Ressourcen und wirtschaftlich und technisch gewinnbaren Reserven an Sekundärrohstoffen sind nicht statisch und die tatsächlich nutzbare Sekundärrohstoffmenge nicht abschließend bestimmbar. Anthropogene Lagerstätten weisen in dieser Hinsicht eine Analogie zu natürlichen Rohstoffvorkommen auf. Die zurückgewinnbaren Mengen aus den verschiedenen anthropogenen Lagern sind insbesondere abhängig von den verfügbaren Recyclingtechniken und der Wirtschaftlichkeit eines hochwertigen Recyclings im Vergleich zur Gewinnung und Aufbereitung von Primärrohstoffen.