Umweltpsychologie

Mann liegt auf dem Rücken und schaut in seine Gedanken.zum Vergrößern anklicken
Viele Eindrücke aus der Umwelt strömen täglich auf uns ein, die wir verarbeiten müssen
Quelle: Fotolia

Die Umwelt wirkt auf uns und wir wirken auf unsere Umwelt. Dabei kann die Umwelt sowohl unsere Lebensqualität steigern als auch psychische Belastungen hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

 

Umweltpsychologie

Die Umweltpsychologie beschäftigt sich im weitesten Sinne mit der Wechselwirkung von Umweltfaktoren und der menschlichen Psyche. Umwelteinflüsse können sich auf das menschliche Verhalten und die psychische Gesundheit auswirken, andersherum können aber auch psychische Vorgänge das Verhalten der Menschen der Umwelt gegenüber beeinflussen und erklären.
Für den Umgang mit und die Bewertung von umweltrelevanten Themen spielen psychologische Mechanismen eine große Rolle. Im UBA ist die Umweltpsychologie in den Bereich „Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung“ eingebunden und befasst sich vorwiegend mit Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die psychische Gesundheit.

 

Was sind Umwelteinflüsse?

Viele Menschen verbinden den Begriff „Umwelt“ mit Natur. Der Aufenthalt in der Natur erzeugt bei den meisten Menschen positive Empfindungen und kann gesundheitsförderliche Effekte haben. Die Bewegung, die frische Luft und andere Sinneseindrücke als im täglichen Umfeld vieler Personen tragen dazu bei, dass wir uns in der Natur wohl fühlen. Die Nähe zu Grünflächen und Wasser wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. Der Begriff Umwelt umfasst jedoch nicht nur die positiven Einflüsse, die wir mit grünen Wiesen, Wäldern und plätschernden Bächen verbinden. Unter „Umwelt“ subsumieren sich jegliche Einflussgrößen, die auf uns Menschen einwirken. Dazu gehören beispielsweise auch das soziale Umfeld wie Freunde und Familie, die Wohnsituation, der Arbeitsplatz und die Dinge, die wir tagtäglich konsumieren.
 

 

Die Wechselwirkung zwischen Umwelt und Psyche am Beispiel „Klimawandel“

Ein relativ neuer und sehr aktueller Bereich im Themenfeld Umweltpsychologie ist der Klimawandel und seine Zusammenhänge mit der menschlichen Psyche. Hieran lässt sich die gegenseitige Wechselwirkung zwischen Psyche und Umwelt gut erkennen: Einerseits sind menschliche Verhaltensweisen eine Ursache für die Erderwärmung. Daher ist es wichtig zu verstehen, was den Menschen motiviert zu handeln. Andererseits können die Folgen des Klimawandels sich auf viele Bereiche unseres Lebens auswirken und einen direkten wie auch indirekten Effekt auf die Psyche haben. Je nach persönlicher Situation können wärmere Temperaturen in unseren Breiten zwar freudige Empfindungen auslösen, Extremwetterereignisse hingegen Ängste, depressive Symptome oder Posttraumatische Belastungsstörungen nach sich ziehen. Die Kenntnis über die Wirkungen des Klimawandels auf das psychische Erleben ist für die Anpassung deshalb von großer Bedeutung.

 

Wieso stellen manche Umweltfaktoren eine Gefahr für die psychische Gesundheit dar?

Manche Eindrücke, die auf uns einströmen, können eine Stressreaktion hervorrufen. Chronischer Stress kann eine Ursache für eine psychische Störung sein. Grund hierfür ist eine dauerhafte Überaktivierung des vegetativen Nervensystems und des hormonellen Systems, sodass es dem Körper nicht mehr gelingt, sich auf den „Normalzustand“ zu regulieren. In der Folge kann es zu einer Minderung des Wohlbefindens, Erschöpfung bis hin zu manifesten psychischen Störungen kommen. Ein Beispiel für einen Umweltstressor ist ein dauerhaft hoher Lärmpegel am Wohnort oder am Arbeitsplatz. Aufgrund der Reaktion des Organismus auf Lärm und des Belästigungsempfindens gilt chronischer Lärm als Risikofaktor – sowohl für bestimmte körperliche Erkrankungen, wie kardiovaskuläre Krankheiten, als auch für eine verminderte psychische Lebensqualität und psychische Störungen. Häufig ist der Mensch aber auch mit Umwelteinflüssen konfrontiert, die nicht so unmittelbar wahrgenommen werden wie Lärm, z.B. mit Feinstäuben, giftigen Chemikalien und hormonell wirksamen Substanzen, sog. endokrinen Disruptoren. Deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sind allerdings bisher noch wenig untersucht und stellen für die zukünftige Forschung noch eine Herausforderung dar.

 

Die Umweltpsychologie ist eng mit anderen Fachdisziplinen verbunden.

Die Umweltpsychologie ist ein stark interdisziplinär geprägtes Feld. Forschungsgebiete, die eine hohe Bedeutung für das Verständnis der Zusammenhänge von Umwelt und Psyche haben sind z.B. angrenzende Gebiete der Psychologie, wie Sozial- oder Verkehrspsychologie; Medizin, Psychosomatik und Psychoneuroimmunologie, oder auch Bereiche der Biologie, wie die Epigenetik.
Die Umwelt kann über eine Vielzahl von Wirkmechanismen positive und negative Effekte für die psychische Gesundheit haben. Die psychischen Folgen von Umwelteinflüssen wurden lange Zeit als nachrangig erachtet. Heutzutage weiß man jedoch, dass die physische und die psychische Gesundheit eng miteinander verwoben sind und erkennt die Bedeutsamkeit der Aufrechterhaltung und Förderung des psychischen Wohlbefindens.

Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 Umwelt  Umweltpsychologie  Psychologie