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Energieverbrauch und Energieeffizienz in Deutschland in Zahlen

In der Abbildung ist ein Balkendiagramm dargestellt, welches den jährlichen Endenergieverbrauch zwischen 1990 und 2024 darstellt. Darüber hinaus sind Endenergieproduktivität und Bruttoinlandsprodukt darüber als Liniendiagramm abgebildet. Es ist ersichtlich, dass Endenergieproduktivität stetig steigt, ebenso das Bruttoinlandsprodukt, welches jedoch einen sichtbaren Rückgang seit 2022 aufzeigt.
Die Endenergieproduktivität in Deutschland steigt seit 1990 kontinuierlich.
Quelle: Umweltbundesamt

Den Energieverbrauch zu reduzieren, ist zentrale Säule der Energiewende und entscheidend für den Klimaschutz. Denn jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, verringert den Bedarf bei der Energiebereitstellung, sei es fossil oder erneuerbar. Das Umweltbundesamt zeigt die Entwicklung des Endenergieverbrauchs und der Energieeffizienz in Deutschland absolut und nach Sektoren seit 1990.

Inhaltsverzeichnis

Einsparung beim Energieverbrauch wesentlich für den Klimaschutz

Den Energieverbrauch, also den Verbrauch von Kraftstoffen, Wärme, Strom zu reduzieren, ist zentrale Säule der Energiewende und wesentliche Voraussetzung für einen effektiven ⁠Klimaschutz. Dies belegen zahlreiche Klimaschutzszenarien. Zum Energiesparen trägt einerseits bei, die gewünschte „Leistung“ mit weniger ⁠Endenergie⁠ zu erreichen („Effizienz“-Strategie). Andererseits gilt es auch zu hinterfragen, welcher scheinbare „Bedarf“ wirklich benötigt wird („Suffizienz“-Strategie). Das 2023 verabschiedete Energieeffizienzgesetz (EnEfG) verbessert den Rahmen für Effizienzsteigerungen und Energiesparen in Deutschland und legt erstmals verbindliche Energieeinsparziele gesetzlich fest. Der Handlungsbedarf zur Energieeinsparung ist groß: Der Endenergieverbrauch (EEV) in Deutschland sank zwar von 2021 bis 2024, doch im letzten Jahr wuchs die Lücke des EEV zu den gesetzlichen Zielen wieder. Die ausführlichen Diagramme „Energieverbrauch und Energieeffizienz in Deutschland“ und die nachfolgende Zusammenfassung stellen dar, wie sich Endenergieverbrauch, Endenergiemix und die Endenergieeffizienz für Deutschland sowohl insgesamt als auch differenziert nach einzelnen Sektoren oder Anwendungen bisher entwickelt haben.

Entwicklung von Endenergieverbrauch und Energieeffizienz bis 2024

Endenergieverbrauch sinkt 2024 minimal

Der Endenergieverbrauch in Deutschland sank von 1990 bis 2018 nur leicht, beziehungsweise stagnierte weitgehend. Erst 2019 ging der gesamte Endenergieverbrauch zurück, unter anderem in Folge der Corona-Pandemie sowie des Kriegs gegen die Ukraine („Energiekrise“) und der jeweils entsprechenden Maßnahmen. Die gesunkene Bruttowertschöpfung in der Industrie verstärkt diesen Rückgang spürbar. Dadurch liegt der Endenergieverbrauch im Jahr 2024 12,6 Prozent unter dem Niveau von 2008, befindet sich damit aber nicht auf Zielpfad gemäß EnEfG: § 4 Abs. 1 Nr. 1 EnEfG sieht bis 2030 eine Minderung auf 1.867 Terawattstunden vor. Nachdem der Endenergieverbrauch zwei Jahre in Folge deutlich zurückgegangen war, reduzierte er sich 2024 nur leicht um 0,3 Prozent. Der Verbrauch liegt damit 2024 gut neun Prozent über dem Zielpfad und damit höher als 2023 (7 Prozent). 

In der Abbildung ist ein Balkendiagramm dargestellt, welches den jährlichen Endenergieverbrauch zwischen 2008 und 2024 sowie das absolute Endenergieverbrauchsziel für 2030 aus dem Energieeffizienzgesetz abbildet. Eine schwarze Linie von 2008 zum Effizienzziel zeigt die notwendigen Einsparungen an. Es ist ersichtlich, dass der Endenergieverbrauch zunächst stagnierte und seit 2019 leicht gemindert wurde. Die Einsparung 2024 waren aber zu gering und somit hat sich der Verbrauch von dem Zielpfad entfernt. Der Endenergieverbrauch ist 2021 bis 2024 gesunken.
Quelle: Umweltbundesamt

Energieeffizienz droht nach Steigerung zu stagnieren

Der im Vergleich zu 2019 deutlich gesunkene Endenergieverbrauch und das steigende Bruttoinlandsprodukt (BIP) führten dazu, dass die Energieproduktivität als ökonomisches Maß für die Energieeffizienz seit 2008 deutlich anstieg und zwar um 31,3 Prozent bis zum Jahr 2024. Jedoch führte der Rückgang des BIP innerhalb eines Jahres um 0,5 Prozent bei leicht sinkendem Energieverbrauch dazu, dass die Endenergieproduktivität 2024 um 0,2 Prozent zurückging. Dem bisherigen Energieeffizienz-Fortschritt droht damit die Stagnation..

Industrieverbrauch steigt 2024, Energieproduktivität sinkt

Der Endenergieverbrauch (EEV) der Industrie stagnierte nach der Finanzkrise 2009 bis 2018 auf relativ konstantem Niveau. Im Jahr 2024 reduzierte sich der EEV um rund 15,0 Prozent im Vergleich zu 2008. Gegenüber dem Vorjahr stieg der EEV um 0,3 Prozent. Den EEV der Industrie beeinflussen insbesondere strukturelle Effekte wie Produktion oder Konsum, Energieeffizienzmaßnahmen und Elektrifizierung von fossilen Prozessen, oder die Energiepreise. Die Bruttowertschöpfung des Industrie-Sektors stieg, abgesehen von Effekten der Wiedervereinigung nach 1990 und der „Finanzkrise“ 2009, kontinuierlich bis 2018 an. Seitdem verzeichnet die Industrie eine sinkende Bruttowertschöpfung. Der Verlust an Wertschöpfung war 2024 mit 4,0 Prozent besonders stark. Die Endenergieproduktivität wurde im Trend bis 2019 kontinuierlich gesteigert. Während der „Energiekrise“ wurden auch in den Jahren 2022 und 2023 deutliche Steigerungen der Energieproduktivität erzielt. 2024 reduzierte sich dagegen die Endenergieproduktivität des Sektors vor allem durch niedrigere Konjunkturdaten um 4,3 Prozent. 

Gewerbe, Handel, Dienstleistungen mindern Energieverbrauch stetig

Der Endenergieverbrauch des Sektors Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) geht seit 1990 kontinuierlich zurück. Gegenüber 2008 sank der Energieverbrauch im Jahr 2024 um 22,1 Prozent, gegenüber dem Vorjahr stieg er um 1,7 Prozent. Die Bruttowertschöpfung des GHD-Sektors nimmt seit 1991 kontinuierlich zu. Im Vergleich zum Industriesektor werden EEV und Bruttowertschöpfung des Sektors weniger stark von Kriseneffekten beeinträchtigt. Der konstant sinkende Endenergieverbrauch sowie die steigende Bruttowertschöpfung in den letzten Jahrzehnten führen zu einer langfristig zunehmenden Endenergieproduktivität. Dieser Trend wurde 2024 mit einem Rückgang der Energieproduktivität von 1,2 Prozent unterbrochen.

Verbrauch der Haushalte bis 2021 auf hohem Niveau

Der Endenergieverbrauch der Privathaushalte in Deutschland verharrte seit 1990 auf relativ konstantem Niveau. Erst seit 2022 sinkt der Endenergieverbrauch. Die Minderung im Jahr 2024 betrug 14,2 Prozent gegenüber 2008 und 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während der Corona-Pandemie ab 2020 stieg der EEV des Sektors leicht an (u.a. mehr Zeit im Haushalt sowie Homeoffice). Stärker wirkten sich allerdings Witterungseffekte und kalte Witterung aus, wie der Anstieg 2021 verdeutlicht. Im Jahr 2022 machten sich unter anderem die Bemühungen zum Energiesparen der privaten Haushalte als Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine und die drohende Gasmangellage, sowie hohe Energiepreise bemerkbar.

Energieverbrauch im Verkehr sinkt leicht

Der Endenergieverbrauch (EEV) im gesamten Verkehrssektor stieg zwischen 2000 und 2018 stetig an. Erst mit der Corona-Pandemie sank der EEV des Sektors im Jahr 2020 erstmals deutlich, unter anderem aufgrund der Maßnahmen zur Einschränkung der Mobilität sowie dem Aufkommen von Home-Office. Mittlerweile macht sich aber auch der Rückgang der industriellen Produktion und der dadurch zurückgegangene Güterverkehr beim EEV bemerkbar. Die Minderung betrug 2,8 Prozent im Vergleich zu 2008. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich der EEV um 1,8 Prozent.

Stromverbrauch steigt 2024 wieder

Der absolute Stromverbrauch hat sich im Vergleich zu 1990 kaum verändert. Jedoch hat sich das BIP in dieser Zeit um über 50 Prozent erhöht. Dadurch stieg die Stromproduktivität der Gesamtwirtschaft um 53,1 Prozent. Im Zeitraum von 2020 bis 2023 erhöhte sich die Stromproduktivität besonders deutlich, da die Nachfrage nach Elektrizität in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit hohen Energiepreisen zurückging und das BIP moderat anstieg. 2024 stieg der Stromverbrauch erstmals wieder um 1,8 Prozent an – trotz einer reduzierten wirtschaftlichen Entwicklung. Dadurch fiel die Stromproduktivität um 2,3 Prozent gegenüber 2023.

Verbrauch wäre ohne gesteigerte Stromproduktivität ein Drittel höher, Erneuerbaren-Anteil deutlich niedriger

Die Vorteile der Energieeffizienz werden oft unterschätzt. Ohne Stromproduktivitäts-Steigerungen wäre der Stromverbrauch im Jahr 2024 gegenüber 2008 um ein Drittel höher, und der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch läge bei nur 41,2 Prozent anstatt bei real 54,1 Prozent (vgl. Abbildung). Energieeffizienz ist eine tragende Säule der Energiewende, die den Verbrauch reduziert und damit den Weg für erneuerbare Energien ebnet. Dies sollte auf allen Ebenen und bei allen Akteuren Priorität haben.

Im Diagramm sind 3 Linien. Die unterste grüne Linie für den Anteil an erneuerbarem Strom steigt stetig an. Die mittlere Linie des Stromverbrauchs verläuft leicht abfallend. Der Anteil an Strom aus fossiler Energie sinkt somit. Die oberste ansteigende Linie ist der hypothetische Stromverbrauch, hätte Deutschland die Energieeffizienz seit 2008 nicht gesteigert. Es wird sichtbar, dass ohne gesteigerte Energieeffizienz der Anteil des erneuerbaren Stroms bei rund 39 % liegen würde anstatt bei aktuell rund 53 %. Der Stromverbrauch ist seit 2008 gesunken und der Anteil an erneuerbarem Strom gestiegen.
Quelle: Umweltbundesamt

Energieverbrauch macht nur noch in der Langfristperspektive Fortschritte. Deutliche Anstrengungen und Maßnahmen für Zielerreichung notwendig

Nachdem der Energieverbrauch in den beiden vorangegangen Jahren deutlich zurückgegangen war, sank er 2024 nur minimal.  Mittlerweile sind die „Sondereffekte“ durch die Corona-Pandemie immer weniger bemerkbar. Auch die Lieferketten von fossilen Primärenergieträgern funktionieren wieder und führen zu Mehrverbräuchen, nachdem diese im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine teilweise unterbrochen wurden und hohe Energiepreise zur Folge hatten. Die Politik hatte in beiden Krisen (Corona-Pandemie, „Energiekrise“) mit neuen Politikinstrumenten und Maßnahmen reagiert. Diese haben einerseits zu verhaltensbedingten Energieeinsparungen in allen Sektoren geführt, und andererseits die Steigerung der Energieeffizienz und die zukunftsfähige Transformation von Haushalten, öffentlicher Hand und Unternehmen vorangetrieben. Ohne die Energiespar- und Energieeffizienz-Maßnahmen der Bevölkerung und Unternehmen wären die „Energiekrisen“-Winter nicht so glimpflich verlaufen, hätten deutlich mehr klimaschädliche Energieträger wie Öl oder Kohle verbrannt werden müssen, und wäre die Abhängigkeit von Energieimporten stärker. Allerdings scheinen die Maßnahmen und Instrumente ähnlich wie die „Sondereffekte“ an Wirkung zu verlieren und müssten entgegen der aktuellen Diskussion, auch im Sinne von Planungssicherheit, gestärkt werden.

2024 haben sich die Energiepreise für Industrie weiter „normalisiert“ d.h. an Lenkungswirkung verloren. Dadurch stieg der Verbrauch in diesem Sektor leicht an. Der fossile Endenergieverbrauch und der Gesamtverbrauch der privaten Haushalte sinken dagegen weiter: Energieeffizienz und Energiesparen entfalten weiterhin eine Wirkung.

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