Störfälle und sonstige meldepflichtige Betriebsstörungen

Unternehmen müssen seit 1991 Störfälle und sonstige meldepflichtige Betriebsstörungen bei den zuständigen Landesbehörden melden. Im Zeitraum 2000 bis 2017 wurden zwischen 11 und 31 Ereignisse pro Jahr gemeldet. Die häufigsten Ursachen 2016 waren Bedienfehler sowie System-, Management- und Auslegungsfehler. Die häufigsten Folgen waren Freisetzungen von gefährlichen Stoffen, gefolgt von Explosionen.

Inhaltsverzeichnis

 

Meldepflichtige Ereignisse in etwa 1 Prozent aller Betriebsbereiche

Im Jahr 2016 wurden der Zentralen Melde- und Auswertestelle für Störfälle (ZEMA) insgesamt 28 meldepflichtige Ereignisse in 3.583 Betriebsbereichen, die der Störfall-Verordnung unterliegen, gemeldet (Stand 30.06.2017) (siehe Abb. “Verteilung der Störfallereignisse 2016“). Davon waren 13 Störfälle und 15 sonstige meldepflichtige Ereignisse. Es wurden demnach aus etwa 1 Prozent (%) aller Betriebsbereiche derartige Ereignisse gemeldet.

Die vorläufige Anzahl der meldepflichtigen Ereignisse für das Jahr 2017 liegt bei 24 Ereignissen.

Meldepflichtige Ereignisse nach Branchen

13 dieser Ereignisse traten bei der Herstellung von Chemikalien und der Raffination von Erdöl auf, 5 bei der Lagerung und jeweils 3 in der Metallindustrie und im Bereich Wärmeerzeugung, Bergbau und Energie. 4 Ereignisse traten in verschiedenen anderen Branchen auf (siehe Abb. „Verteilung der Störfallereignisse 2016“).

Schadenshöhe der meldepflichtigen Ereignisse

Bei 19 dieser Ereignisse traten innerhalb der Betriebsbereiche Sachschäden von etwa 28,7 Millionen Euro (Mio. Euro) auf. Umweltschäden wurden bei 3 Ereignissen innerhalb und bei 1 Ereignis außerhalb der Betriebsbereiche angezeigt. Die Kosten für Reinigung der Böden, Absaugung von Wasserverunreinigungen, Entsorgung und Sanierung für diese Umweltschäden lagen bei mindestens 50 Tausend Euro. Bei den 28 Ereignissen gab es 3 Todesfälle. 51 Personen wurden bei den Ereignissen verletzt.

46 % der Störfälle traten 2016 in der chemischen Industrie und in der Erdölraffination auf. 18 % geschahen bei der Lagerung. Jeweils 11 % ereigneten sich in der Metallindustrie und Wärmeerzeugung. Rund 14 % traten in anderen Branchen auf.
Verteilung der Störfallereignisse 2016
Quelle: Umweltbundesamt/ZEMA Diagramm als PDF
 

Fehlerquelle Mensch

Im Jahr 2016 waren Fehler von Menschen die häufigste Ursache für Störfälle und sonstige meldepflichtige Ereignisse. Sie bedienten etwa Anlagen falsch oder handelten gegen Vorschriften und verantworteten so 7 der 28 Ereignisse. In 4 Fällen verursachten System-, Management- und Auslegungsfehler derartige Ereignisse. In 2 Fällen liegt noch keine abschließende Bewertung der Ereignisse vor (Stand Februar 2018).

 

Störfallrisiken in Betriebsbereichen

Das Risiko eines Störfalls besteht immer dann, wenn gefährliche Stoffe in größeren Mengen in einem Bereich, der einem Betreiber untersteht, vorliegen oder sich bei einer Betriebsstörung bilden können. Um dieses Risiko zu minimieren, erließ die Europäische Union (EU) im Jahr 1982 die Seveso-Richtlinie und überarbeitete sie seitdem mehrmals, zuletzt 2012 (Richtlinie 2012/18/EU). Der deutsche Gesetzgeber setzt diese Vorgaben der EU insbesondere mit der Störfall-Verordnung um. Um Anforderungen an die Minderung von derartigen Risiken besser fassen zu können, hat die EU den Begriff „Betriebsbereich“ eingeführt. Ein Betriebsbereich liegt dann vor, wenn in einem Bereich mit einer oder mehreren Anlagen, der einem Betreiber untersteht, mindestens vorgegebene Mengen an bestimmten gefährlichen Stoffen vorliegen oder bei einer Betriebsstörung entstehen können. Die jeweiligen Mindestmengen sind in der Störfall-Verordnung festgelegt.

Ende 2017 hatten wir in Deutschland 3.583 Betriebsbereiche. Geschieht in einem Betriebsbereich eine Betriebsstörung, die so gravierend ist, dass sie in der Störfall-Verordnung genannte Kriterien erfüllt, muss der jeweilige Betreiber des Betriebsbereichs diese der zuständigen Landesbehörde melden (meldepflichtige Ereignisse). Ist dabei eine bestimmte Menge einer gefährlichen Chemikalie beteiligt oder entsteht ein großer Schaden, sprechen Fachleute von einem Störfall. Ist der Schaden etwas geringer, die Betriebsstörung aber aus in der Störfall-Verordnung genannten Gründen dennoch bedeutsam, so sprechen sie von einem sonstigen meldepflichtigen Ereignis.

 

Geänderte Bezugsbasis für gemeldete Störfälle und sonstige Ereignisse

Im Zeitraum 2000 bis 2017 sank die Zahl der gemeldeten Ereignisse tendenziell etwas. Die meisten Ereignisse wurden im Jahr 2004 (31 Ereignisse) und die wenigsten im Jahr 2014 (11 Ereignisse) gemeldet (siehe Abb. „Nach der Störfall-Verordnung gemeldete Ereignisse“). Die jährliche Zahl derartiger Ereignisse lässt sich entlang der Zeitachse jedoch nicht direkt miteinander vergleichen, da der Gesetzgeber in den Jahren 2005 und 2017 die Störfall-Verordnung geändert hat, wodurch sich auch die Bezugsbasis veränderte (zum Beispiel nahm im Jahr 2005 durch Änderung der Störfall-Verordnung die Zahl der Betriebsbereiche ab). Ein Ereignis ist nämlich nur dann nach der Störfall-Verordnung meldepflichtig, wenn es in einem Betriebsbereich auftritt.

Unternehmen melden seit dem Jahr 2000 zwischen 11 und 31 meldepflichtige Ereignisse pro Jahr. Die auf die Anzahl der Betriebsbereiche normierte Anzahl der Ereignisse schwankt seit dem Jahr 2000 zwischen 5 und 13 Ereignissen pro 1.000 Betriebsbereiche.
Nach der Störfall-Verordnung gemeldete Ereignisse
Quelle: Umweltbundesamt/ZEMA Diagramm als PDF
 

Verhinderung von Störfällen und Minimierung ihrer Folgen

Die Störfall-Verordnung verpflichtet den Betreiber eines Betriebsbereichs dazu, Störfälle zu verhindern und zusätzliche Maßnahmen zu treffen, falls dennoch ein Störfall eintritt, damit weder Mensch noch Umwelt durch Brände, Explosionen oder Freisetzungen gefährlicher Stoffe ernsthaft gefährdet werden können.

Der Schaden, der bei einem Störfall entstehen kann, hängt wesentlich von den Mengen an vorhandenen oder den möglicherweise entstehenden Mengen gefährlicher Stoffe ab. Um Anwohner und die Umwelt bestmöglich zu schützen, werden Betriebsbereiche, in denen gefährliche Stoffe vorhanden sind, in zwei Kategorien eingeteilt: In „Betriebsbereiche der unteren Klasse“ und in „Betriebsbereiche der oberen Klasse“.

  • In „Betriebsbereichen der unteren Klasse“ sind bestimmte Mengen an gefährlichen Stoffen vorhanden. Die Betreiber müssen „grundlegende Pflichten zur Verhinderung und Begrenzung von Störfällen“ erfüllen. Dazu zählen ein Konzept, wie ein Betreiber Störfälle verhindert, und ein Konzept, wie er die Auswirkungen eines Störfalls durch technische oder organisatorische Maßnahmen begrenzt. Das kann das Einhausen von Anlagenteilen sein oder die Bereitstellung einer betrieblichen Feuerwehr und von Rettungsdiensten.
  • In „Betriebsbereichen der oberen Klasse“ sind größere Mengen an gefährlichen Stoffen vorhanden. Hier muss der Betreiber erhöhte Sicherheitsanforderungen erfüllen. Diese muss er in einem Sicherheitsbericht dokumentieren. Außerdem muss er einen Alarm- und Gefahrenabwehrplan erstellen. Im Sicherheitsbericht beschreibt er die Risiken eines Störfalls und welche Vorkehrungen er trifft, um diese Risiken zu senken. Im Alarm- und Gefahrenabwehrplan muss er festlegen, wer bei einem Störfall informiert wird und welche Maßnahmen er zu ergreifen hat.
 

Unternehmen sollen voneinander lernen

Seit 1991 müssen Unternehmen alle Störfälle melden. Seit 1993 gibt es dafür eine zentrale Anlaufstelle, die „Zentrale Melde- und Auswertestelle für Störfälle und Störungen in verfahrenstechnischen Anlagen“ (ZEMA). Die ZEMA gehört zum Umweltbundesamt. Neben der Erfassung und Auswertung von Ereignissen, ist es ein Ziel der ZEMA, verallgemeinerbare Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Standes der Sicherheitstechnik zu gewinnen.