Branchenabhängiger Energieverbrauch des verarbeitenden Gewerbes

Alle Wirtschaftsbereiche zusammen verbrauchen fast drei Viertel der in Deutschland benötigten Primärenergie. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes daran lag im Jahr 2015 bei 39 Prozent. Der gesamte Energiebedarf dieses Gewerbes blieb im Zeitraum von 1995 bis 2015 zwar in etwa konstant, der spezifische Energieverbrauch pro Tonne Stahl, Glas oder Chemikalien ging aber deutlich zurück.

Inhaltsverzeichnis

 

Der Energiebedarf Deutschlands

Der gesamte Primärenergiebedarf Deutschlands betrug im Jahr 2015 nach dem Inländerkonzept rund 13.707 Petajoule (PJ). Dabei wird der Verbrauch inländischer Wirtschaftseinheiten in der übrigen Welt in die Berechnung des Gesamtverbrauchs einbezogen, während der Verbrauch gebietsfremder Einheiten im Inland unberücksichtigt bleibt. Die privaten Haushalte in Deutschland verbrauchten rund 27 Prozent (%) der Primärenergie. Die Wirtschaft mit ihren vielen Produktionsbereichen benötigte die übrigen 73 %. Zu diesen Bereichen zählen das Herstellen von Waren, das Versorgen mit Energie und der Warentransport. All diese Produktionsbereiche verbrauchten im Jahr 2015 zusammen mehr als 10.063 PJ Primärenergie (siehe Abb. „Primärenergieverbrauch 2015 (Inländerkonzept)“).

Zur Begriffsklärung: Mit der Präposition „primär“ betonen Fachleute, dass der “Primär“-Energiebedarf sowohl den realen Energiebedarf bei Energieverbrauchern erfasst als auch die Energieverluste, die bei der Bereitstellung und beim Transport von Energie entstehen. Und diese Verluste sind hoch: Mehr als ein Drittel aller Primärenergie geht bei der Bereitstellung und beim Transport von Energie verloren (Statistisches Bundesamt 2006).

Das Kreisdiagramm zeigt die Anteile der Wirtschaftsbereiche am Primärenergieverbrauch Deutschlands. Das Herstellen von Waren, Energieversorgung und Warentransport benötigten im Jahr 2015 73 Prozent, während auf die privaten Haushalte 27 Prozent entfielen.
Primärenergieverbrauch 2015 (Inländerkonzept)
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Der Energiebedarf des verarbeitenden Gewerbes

Die Firmen, die Waren herstellen, werden als „verarbeitendes Gewerbe“ bezeichnet. Sie hatten von allen Produktionsbereichen im Jahr 2015 mit circa 3.920 Petajoule (PJ) den größten Primärenergiebedarf. Das ist ein Anteil von 39 Prozent (%) am Energieverbrauch aller Produktionsbereiche. Der nächstgrößte Energieverbraucher war die Energieversorgung mit 2.863 PJ (oder 28 % Anteil am Primärenergieverbrauch), gefolgt vom Verkehr mit 1.230 PJ (oder 12 % Anteil am Primärenergieverbrauch) (siehe Abb. „Anteil wirtschaftlicher Aktivitäten am Primärenergieverbrauch aller Produktionsbereiche 2015“).

Das verarbeitende Gewerbe brauchte im Jahr 2015 rund 3.920 Petajoule Primärenergie. Das waren 39 Prozent des Energieverbrauchs aller Produktionsbereiche. Die Energieversorgung folgte mit 28 Prozent des Energieverbrauchs aller Produktionsbereiche.
Anteil wirtschaftlicher Aktivitäten am Primärenergieverbrauch aller Produktionsbereiche 2015
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Primärenergienutzung des verarbeitenden Gewerbes

Die Primärenergienutzung innerhalb des verarbeitenden Gewerbes verteilt sich auf verschiedene Produktionssektoren (siehe Abb. „Anteile der Sektoren am Primärenergieverbrauch des verarbeitenden Gewerbes 2015“). Ein wichtiger Sektor ist dabei die Chemieindustrie. Sie benötigte im Jahr 2015 mit rund 1.393 Petajoule von allen Sektoren am meisten Primärenergie zur Herstellung ihrer Erzeugnisse. Das ist ein Anteil von 36 Prozent (%) am Energieverbrauch im verarbeitenden Gewerbe. Weitere wichtige Energienutzer sind die Metallindustrie mit einem Anteil von 17 % sowie die Hersteller von Kokerei- und Mineralölerzeugnissen mit 11 % am Energieverbrauch im verarbeitenden Gewerbe.

Die Energie wird Unternehmen dabei als elektrischer Strom, als Wärme (etwa als Dampf oder Thermoöl) sowie direkt in Form von Brennstoffen (wie Erdgas, Kohle oder Biomasse) zur Verfügung gestellt.

Das „Herstellen chemischer Erzeugnisse“ hatte im Jahr 2015 mit 36 Prozent den höchsten Anteil am Primärenergiebedarf aller Produktionssektoren. Ein weiterer wichtiger Energieverbraucher war die Metallindustrie mit 17 Prozent.
Anteile der Sektoren am Primärenergieverbrauch des verarbeitenden Gewerbes 2015
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Gleichbleibender Primärenergieverbrauch

Seit dem Jahr 1995 blieb der Primärenergieverbrauch in fast allen Produktionssektoren relativ konstant (siehe Abb. „Primärenergieverbrauch ausgewählter Sektoren des verarbeitenden Gewerbes“). Nur in den Jahren 2008 und 2009 (während der Finanz- und Wirtschaftskrise) gingen in einigen Branchen die Produktion und somit auch der Energiebedarf zurück. Im Jahr 2009 wurde sogar ein stromintensives Primäraluminiumwerk zeitweise komplett heruntergefahren. Durch die schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft hat der Primärenergieverbrauch mittlerweile aber wieder das Niveau der Vorkrisenjahre erreicht.

Obwohl der Energiebedarf in etwa gleich blieb, sank der spezifische Primärenergieverbrauch: Für die Herstellung von einer Tonne (t) Stahl, Glas oder Nichteisenmetallen (wie Aluminium und Kupfer) sowie von vielen Chemikalien benötigten die Unternehmen im Jahr 2015 deutlich weniger Energie als noch im Jahr 1995 (siehe Abb. „Spezifischer Primärenergieverbrauch (PEV) für die Stahl-, NE-Metall- und Glasherstellung“). Mit anderen Worten: Die Energieeffizienz der Herstellung von Stahl, Glas, Nichteisenmetallen und Chemikalien erhöhte sich.

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Gesunkene und gestiegene Primärenergieintensität

Die Primärenergieintensität einzelner Wirtschaftszweige entwickelte sich im Zeitraum 2000 bis 2015 unterschiedlich (siehe Abb. „Primärenergieintensität ausgewählter Sektoren des verarbeitenden Gewerbes“):

  • Die Primärenergieintensität der chemischen Industrie und der Gummi- und Kunststoffwarenindustrie sank um 21 beziehungsweise 27 Prozent (%).
  • Die Primärenergieintensität der Industrie, die Glas, Keramik, Steine und Erden verarbeitet, sank bis 2015 um 15 %; die der Nahrungs- und Futtermittelindustrie sank um etwa 21 %.

In den Jahren 2008 bis 2010 (also vor, während und kurz nach der Wirtschafts- und Finanzkrise) stieg die Primärenergieintensität fast aller Sektoren an. Eine wichtige Ursache hierfür war der mit der konjunkturellen Abschwächung im Jahr 2008 verbundene Einbruch der Produktionsleistung und der damit gesunkenen Bruttowertschöpfung. Da sich jedoch in vielen großtechnischen Prozessen der Energieverbrauch nicht gleichermaßen senken lässt, erhöhte sich in den Jahren 2008 und 2009 die Primärenergieintensität.

Die Primärenergieintensität der chemischen Industrie sank zwischen 2000 und 2015 um 21 Prozent. In der Glas, Keramik, Steine und Erden verarbeitenden Industrie stieg sie zunächst um 12 Prozent, sank jedoch bis 2015 wieder um 15 Prozent.
Primärenergieintensität ausgewählter Sektoren des verarbeitenden Gewerbes
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Begrenzte Aussagekraft der Primärenergieintensität

Schwankende Preise für Rohstoffe und Produkte sowie andere äußere Wirtschaftsfaktoren beeinflussen zwar die Bruttowertschöpfung, nicht aber die Energieeffizienz eines Prozesses. Die Primärenergieintensität eignet sich daher nur eingeschränkt, um die Entwicklung der Energieeffizienz in den jeweiligen Herstellungsprozessen zu beschreiben.