Branchenabhängiger Energieverbrauch des verarbeitenden Gewerbes

Alle Wirtschaftsbereiche zusammen verbrauchen fast drei Viertel der in Deutschland benötigten Primärenergie. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an Primärenergieverbrauch aller Produktionsbereiche lag 2018 bei rund 42 Prozent. Der Energiebedarf dieses Gewerbes blieb im Zeitraum 1995 bis 2018 etwa konstant, der spezifische Energieverbrauch pro Tonne Stahl, Glas oder Chemikalien ging aber zurück.

Inhaltsverzeichnis

 

Der Energiebedarf Deutschlands

Der gesamte Primärenergiebedarf Deutschlands betrug im Jahr 2018 nach dem Inländerkonzept rund 13.170 Petajoule (PJ). Dabei wird der Verbrauch inländischer Wirtschaftseinheiten in der übrigen Welt in die Berechnung des Gesamtverbrauchs einbezogen, während der Verbrauch gebietsfremder Einheiten im Inland unberücksichtigt bleibt. Die privaten Haushalte in Deutschland verbrauchten rund 29 % der Primärenergie. Die Wirtschaft mit ihren vielen Produktionsbereichen benötigte die übrigen 71 %. Zu diesen Bereichen zählen das Herstellen von Waren, das Versorgen mit Energie und der Warentransport. All diese Produktionsbereiche verbrauchten im Jahr 2018 zusammen mehr als 9.389 PJ Primärenergie (siehe Abb. „Primärenergieverbrauch 2018 (Inländerkonzept)“).

Zur Begriffsklärung: Mit der Präposition „primär“ betonen Fachleute, dass der “Primär“-Energiebedarf sowohl den realen Energiebedarf bei Energieverbrauchern erfasst als auch die Energieverluste, die bei der Bereitstellung und beim Transport von Energie entstehen. Und diese Verluste sind hoch: Mehr als ein Drittel aller Primärenergie geht bei der Bereitstellung und beim Transport von Energie verloren (Statistisches Bundesamt 2006).

Das Kreisdiagramm zeigt die Anteile der Wirtschaftsbereiche am Primärenergieverbrauch Deutschlands. Das Herstellen von Waren, Energieversorgung und Warentransport benötigten im Jahr 2018 71 Prozent, während auf die privaten Haushalte 29 Prozent entfielen.
Primärenergieverbrauch 2018 (Inländerkonzept)
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Der Energiebedarf des verarbeitenden Gewerbes

Die Firmen, die Waren herstellen, werden als „verarbeitendes Gewerbe“ bezeichnet. Sie hatten von allen Produktionsbereichen im Jahr 2018 mit circa 3.942 Petajoule (PJ) den größten Primärenergiebedarf. Das ist ein Anteil von knapp 42 % am Energieverbrauch aller Produktionsbereiche. Der nächstgrößte Energieverbraucher war die Energieversorgung mit 2.524 PJ (oder 27 % Anteil am ⁠Primärenergieverbrauch⁠), gefolgt vom Verkehr mit 1.258 PJ (oder 13 % Anteil am Primärenergieverbrauch) (siehe Abb. „Anteil wirtschaftlicher Aktivitäten am Primärenergieverbrauch aller Produktionsbereiche 2018“).

Diagramm: Das verarbeitende Gewerbe brauchte im Jahr 2018 rund 3.942 Petajoule Primärenergie. Das waren 42 Prozent des Energieverbrauchs aller Produktionsbereiche. Die Energieversorgung folgte mit 27 Prozent des Energieverbrauchs aller Produktionsbereiche.
Anteil wirtschaftlicher Aktivitäten am Primärenergieverbrauch aller Produktionsbereiche 2018
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Primärenergienutzung des verarbeitenden Gewerbes

Die Primärenergienutzung innerhalb des verarbeitenden Gewerbes verteilt sich auf verschiedene Produktionssektoren (siehe Abb. „Anteile der Sektoren am ⁠Primärenergieverbrauch⁠ des verarbeitenden Gewerbes 2018“). Ein wichtiger Sektor ist dabei die Chemieindustrie. Sie benötigte im Jahr 2018 mit rund 1.309 Petajoule von allen Sektoren am meisten Primärenergie zur Herstellung ihrer Erzeugnisse. Das ist ein Anteil von 33 % am Energieverbrauch im ⁠verarbeitenden Gewerbe⁠. Weitere wichtige Energienutzer sind die Metallindustrie mit einem Anteil von 18 % sowie die Hersteller von Kokerei- und Mineralölerzeugnissen mit 13 % am Energieverbrauch im verarbeitenden Gewerbe.

Die Energie wird Unternehmen dabei als elektrischer Strom, als Wärme (etwa als Dampf oder Thermoöl) sowie direkt in Form von Brennstoffen (wie Erdgas, Kohle oder ⁠Biomasse⁠) zur Verfügung gestellt.

Diagramm: Das „Herstellen chemischer Erzeugnisse“ hatte im Jahr 2018 mit 33 Prozent den höchsten Anteil am Primärenergiebedarf aller Produktionssektoren. Ein weiterer wichtiger Energieverbraucher war die Metallindustrie mit 18 Prozent.
Anteile der Sektoren am Primärenergieverbrauch des verarbeitenden Gewerbes 2018
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Gleichbleibender Primärenergieverbrauch

Seit dem Jahr 1995 blieb der ⁠Primärenergieverbrauch⁠ in fast allen Produktionssektoren relativ konstant (siehe Abb. „Primärenergieverbrauch ausgewählter Sektoren des verarbeitenden Gewerbes“). Nur in den Jahren 2008 und 2009 (während der Finanz- und Wirtschaftskrise) gingen in einigen Branchen die Produktion und somit auch der Energiebedarf zurück. Im Jahr 2009 wurde sogar ein stromintensives Primäraluminiumwerk zeitweise komplett heruntergefahren. Durch die schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft hat der Primärenergieverbrauch anschließend aber wieder das Niveau der Vorkrisenjahre erreicht.

Obwohl der Energiebedarf in etwa gleich blieb, sank der spezifische Primärenergieverbrauch: Für die Herstellung von einer Tonne (t) Stahl, Glas oder Nichteisenmetallen (wie Aluminium und Kupfer) sowie von vielen Chemikalien benötigten die Unternehmen im Jahr 2018 deutlich weniger Energie als noch im Jahr 1995 (siehe Abb. „Spezifischer Primärenergieverbrauch (PEV) für die Stahl-, NE-Metall- und Glasherstellung“). Mit anderen Worten: Die Energieeffizienz der Herstellung von Stahl, Glas, Nichteisenmetallen und Chemikalien erhöhte sich im Vergleich zu 1995.

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Gesunkene und gestiegene Primärenergieintensität

Die Primärenergieintensität einzelner Wirtschaftszweige entwickelte sich im Zeitraum 2000 bis 2018 unterschiedlich (siehe Abb. „Primärenergieintensität ausgewählter Sektoren des verarbeitenden Gewerbes“):

  • Die Primärenergieintensität der chemischen Industrie und der Gummi- und Kunststoffwarenindustrie sank um 26 beziehungsweise 34 %.
  • Die Primärenergieintensität der Industrie, die Glas, Keramik, Steine und Erden verarbeitet, sank bis 2018 um 21 %; die der Nahrungs- und Futtermittelindustrie sank um etwa 19 %.

In den Jahren 2008 bis 2010 (also vor, während und kurz nach der Wirtschafts- und Finanzkrise) stieg die Primärenergieintensität fast aller Sektoren an. Eine wichtige Ursache hierfür war der mit der konjunkturellen Abschwächung im Jahr 2008 verbundene Einbruch der Produktionsleistung und der damit gesunkenen Bruttowertschöpfung. Da sich jedoch in vielen großtechnischen Prozessen der Energieverbrauch nicht gleichermaßen senken lässt, erhöhte sich in den Jahren 2008 und 2009 die Primärenergieintensität.

Diagramm: Die Primärenergieintensität der chemischen Industrie sank zwischen 2000 und 2018 um 26 Prozent. In der Glas, Keramik, Steine und Erden verarbeitenden Industrie stieg sie zunächst um 12 Prozent, sank jedoch bis 2018 wieder um 21 Prozent.
Primärenergieintensität ausgewählter Sektoren des verarbeitenden Gewerbes
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Begrenzte Aussagekraft der Primärenergieintensität

Schwankende Preise für Rohstoffe und Produkte sowie andere äußere Wirtschaftsfaktoren beeinflussen zwar die Bruttowertschöpfung, nicht aber die Energieeffizienz eines Prozesses. Die Primärenergieintensität eignet sich daher nur eingeschränkt, um die Entwicklung der Energieeffizienz in den jeweiligen Herstellungsprozessen zu beschreiben.