BAU-R-1: Erholungsflächen

Das Bild zeigt die Straße des 17. Juni in Berlin aus der Luftperspektive. Rechts und links der Straße sieht man das Blätterdach der Bäume des Großen Tiergartens. Am Bildhorizont ist die Silouhette der Stadt zu erkennen, unter anderem mit dem Reichsgebäude, Fernsehturm, Dom und Brandenburger Tor.zum Vergrößern anklicken
Übers Stadtgebiet verteilte, miteinander vernetzte Grünanlagen mit Bäumen sind für Städte elementar.
Quelle: © marcus_hofmann / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BAU-R-1: Erholungsflächen

Für die Lebensqualität der Bevölkerung von großen Städten und Metropolen ist es besonders wichtig, Flächen für den stadtklimatischen Ausgleich und zur Erholung in ausreichender Größe und Verteilung in der Stadt zu erhalten und neu zu schaffen. Die Versorgung mit Erholungsflächen blieb in Metropolen und Großstädten in den letzten Jahren unverändert, in den großen Mittelstädten stieg der Versorgungsgrad an.

Das Linien-Diagramm zeigt die Erholungs- und Friedhofsflächen in Quadratmeter je Einwohnerin und Einwohner differenziert für Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern (Metropole), mehr als 100.000  bis 500.000 Einwohnern (Großstadt) sowie mehr als 50.000 bis 100.000 Einwohnern (große Mittelstadt) für die Zeitreihe ab 1996 bis 2021.
BAU-R-1: Erholungsflächen

Das Linien-Diagramm zeigt die Erholungs- und Friedhofsflächen in Quadratmeter je Einwohnerin und Einwohner differenziert für Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern (Metropole), mehr als 100.000 bis 500.000 Einwohnern (Großstadt) sowie mehr als 50.000 bis 100.000 Einwohnern (große Mittelstadt). Die Zeitreihen zeigen den Zeitraum 1996 bis 2021. Es erfolgte keine Trendanalyse, die Reihen steigen aber an. Am stärksten steigen die Werte für die großen Mittelstädte, am geringsten für die Metropolen. Die Großstädte liegen dazwischen. Methodische Änderungen gab es 2011 (Zensus) und 2016 (Umstellung ALKIS in der Flächennutzungsstatistik).

Quelle: Länderinitiative Kernindikatoren (Indikator C4 - Erholungsflächen)
 

Städtisches Grün – Kühlung fürs Stadtklima

Thermische Belastungen können bei der Bevölkerung zu gesundheitlichen Problemen und in extremen Fällen auch zu einer erhöhten Sterblichkeit führen. Risikogruppen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder und isoliert lebende Personen. Aber auch andere Bevölkerungsgruppen können durch zukünftig häufigere Wärmebelastungen beeinträchtigt werden. Belastend sind insbesondere auch hohe nächtlichen Temperaturen, die eine erholsame Nachtruhe verhindern oder erschweren. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist außerdem, wenn Beschäftigte unter Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Belastungen des Herz-Kreislaufsystems leiden und weniger produktiv sind, wenn die Temperatur am Arbeitsplatz zu hoch ist.

Es wird erwartet, dass sich durch den ⁠Klimawandel⁠ stadtklimatische Effekte weiter verstärken und hitzebedingte Gesundheitsprobleme häufiger auftreten können. Um diesen möglichen Klimawandelfolgen entgegenzuwirken oder vorzubeugen, können Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten eine angepasste Gestaltung von Städten und Quartieren und deren quantitativ und qualitativ ausreichende Ausstattung mit „grünen“ und „blauen“ Infrastrukturen, also mit öffentlichen und privaten Grün- und Gewässerflächen. Überwiegend grüne, wenig versiegelte Flächen, etwa Erholungsflächen wie Sport- und Spielflächen, Grünanlagen und Campingplätze oder auch Friedhofsflächen, übernehmen wichtige Funktionen für das lokale Kleinklima – besonders dann, wenn sie einen zusammenhängenden Verbund bilden.

Die positive Wirkung von Grünflächen auf das Stadtklima sowie die Luftqualität und Lärmminderung wird durch die Größe, den Aufbau und die Zusammensetzung der vegetationsbestandenen Flächen bestimmt. Schon mit Gras bepflanzte Flächen lassen gegenüber der bebauten Umgebung günstige Veränderungen in ihrer Strahlungs- und Wärmebilanz erkennen, sofern sie gut mit Wasser versorgt sind. Sträucher und vitale, schattenspendende Bäume mit einer hohen Krone verstärken die positiven bioklimatischen Effekte und erhöhen den thermischen Komfort. Im Vergleich zur Umgebung stellen sich niedrigere Oberflächen- und Lufttemperaturen ein. Zudem zeichnen sich Grünflächen, insbesondere wenn sie mit Bäumen bestanden sind, durch eine höhere relative Luftfeuchtigkeit gegenüber versiegelten Flächen aus. Damit sie ihre Wirkung voll entfalten können, sind Pflanzen- und Baumbestände auf einen ausreichenden Wurzelraum und eine gute Wasserversorgung angewiesen.
In den betrachteten deutschen Städten mit einer Bevölkerungszahl von über 50.000 Personen steht der Bevölkerung in den kleineren Städten im Durchschnitt mehr, in den größeren Städten weniger öffentliche Erholungsfläche zur Verfügung. So ist aktuell die Ausstattung mit Erholungsflächen in den Metropolen, deren Bevölkerungszahl über 500.000 liegt, am geringsten. Die großen Mittelstädte mit einer Bevölkerungszahl zwischen 50.000 und 100.000 Personen sind mengenmäßig derzeit am besten mit Erholungsflächen versorgt.

Die zeitliche Entwicklung der Erholungsfläche je Einwohner ist allerdings schwierig zu interpretieren. Grund sind Änderungen in der Zuordnung und der Bewertung von Flächen, die im Zuge der im Jahr 2015 vollzogenen Einführung des Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystems (ALKIS) vorgenommen wurden. Hierdurch kam es in der Flächennutzungsstatistik zu Veränderungen, denen keine tatsächlichen Nutzungsänderungen zugrunde lagen. Insbesondere in den Jahren 2000 und 2008 gab es in einigen Bundesländern massive Umwidmungen, die die Datenreihe maßgeblich beeinflussen. Unabhängig davon zeigt die Datenreihe für die Jahre von 2011 bis 2015, dass der Versorgungsgrad mit Erholungsflächen in den Metropolen und den großen Mittelstädten rückläufig war. Seit 2016 blieb die Versorgung in Großstädten und Metropolen mit einer Bevölkerungszahl von über 100.000 Personen weitgehend unverändert, in den großen Mittelstädten verbesserte sich der Versorgungsgrad. Die Gründe für die Entwicklungen lassen sich auf Grundlage der Daten, die dem ⁠Indikator⁠ zugrunde liegen, nicht im Detail nachvollziehen.

Grundsätzlich können die Kommunen, denen eine besondere Verantwortung für das Siedlungsklima zukommt, die Entwicklung positiv beeinflussen, indem sie zum Beispiel bestehende grüne Flächen erhalten, miteinander vernetzen und zusätzlich neues Grün schaffen. Idealerweise sind die Grünflächen über Ventilationsbahnen an Kaltluftentstehungsgebiete wie Wiesen und Felder im ländlichen Umland angebunden. In den urbanen Gebieten werten die Kommunen damit zudem die ökologischen Funktionen der Siedlungsgebiete auf und steigern Lebens- und Wohnqualität. Eine besondere Herausforderung für Kommunen ist es bei dem aktuell herrschenden Siedlungsdruck, auch bei einer Innenverdichtung ausreichend große Grünflächen für Einwohner*innen zu erhalten. Gerade in Metropolen gilt es, diese Entwicklung genau zu beobachten und zu steuern, damit das Wachstum nicht zu Lasten des Stadtklimas und damit der Lebensqualität geht.

 

Schnittstellen

GE-I-1: Hitzebelastung

GE-I-3: Belastung mit Birkenpollen

BAU-I-1: Wärmebelastung in Städten

BAU-I-2 Sommerlicher Wärmeinseleffekt (Fallstudie)

IG-I-1: Hitzebedingte Minderung der Leistungsfähigkeit

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