BAU-R-2: Gründächer in Großstädten

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme eines Wohngebiets mit Ein- und Mehrfamilienhäusern. Zwischen den Gebäuden gibt es Rasenflächen und Bäume. Die Dächer der Mehrfamilienhäuser sind begrünt.zum Vergrößern anklicken
Viele Kommunen fördern begrünte Dächer und Fassaden und damit die vielfältigen positiven Wirkungen.
Quelle: © Heiner / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

BAU-R-2: Gründächer in Großstädten

Vitale Dach- und Fassadenbegrünungen können viele positive Effekte haben – für das ⁠Klima⁠ im Stadtquartier und im Gebäude, den Regenrückhalt, die Luftqualität und die biologische Vielfalt – und damit lokale Klimawandelfolgen abschwächen. Darauf sind eng bebaute und stark versiegelte Großstädte besonders angewiesen. Sie können Gründächer gezielt fördern, um Klimawandelfolgen entgegenzuwirken.

Bei der Abbildung handelt es sich um eine zweiachsige Grafik. Als Säule wird für das jahr 2020 die Gründachfläche in 15 Großstädten mit einer Bevölkerung von mehr als 500.000 Menschen in Quadratmeter je Einwohner*in dargestellt. Zusätzlich ist der rozentuale Anteil der Gründachfläche an der untersuchten Gesamtdachfläche als Punkt angegeben. Die Gründachfläche betrug 2020 0,8 Quadratmeter je Einwohner*in sowie rund 10 Prozent der untersuchten Gesamtdachfläche.
BAU-R-2: Dachbegrünung von Bundesgebäuden

Bei der Abbildung handelt es sich um eine zweiachsige Grafik. Als Säule wird für das Jahr 2020 die Gründachfläche in 15 Großstädten mit einer Bevölkerung von mehr als 500.000 Menschen in Quadratmeter je Einwohner*in dargestellt. Zusätzlich ist der prozentuale Anteil der Gründachfläche an der untersuchten Gesamtdachfläche als Punkt angegeben. Die Gründachfläche betrug 2020 0,8 Quadratmeter je Einwohner*in sowie rund 10 Prozent der untersuchten Gesamtdachfläche.

Quelle: VAU Kiel / Brockmann Consult GmbH

Grüne Dächer in Großstädten – gut für Klimaanpassung und biologische Vielfalt

Grün in der Stadt ist nicht auf Parks und Grünanlagen, Straßenbegrünungen und private Gärten begrenzt. Auch Fassaden und Dächer von Gebäuden bieten viel Raum für Grün. Bei Fassaden reichen die Möglichkeiten von einer Begrünung mit Kletterpflanzen bis hin zu intensiv bepflanzten vertikalen Gärten. Dächer können je nach Gebäudestatik sehr unterschiedliche Vegetationsformen tragen – von einer sich weitgehend selbst erhaltenden extensiven Begrünung mit Moosen, Kräutern und Gräsern bis zu intensiven Pflanzungen mit Nutzpflanzen, Stauden und Gehölzen. Dächer und Fassaden mit einer vitalen Begrünung haben vielfältige Wirkungen, die für das einzelne Gebäude und die einzelne Liegenschaft die negativen Folgen des Klimawandels abmildern können. Im städtischen Raum können diese positiven Wirkungen zumindest teilweise auch auf das Umfeld der Gebäude ausstrahlen.

Indem begrünte Dächer und Fassaden die Sonneneinstrahlung verringern und die Pflanzen über ihre Blätter Wasser verdunsten, kühlen sie das Gebäude und die Umgebungsluft ab145. An heißen Sommertagen oder in Hitzeperioden profitieren davon zum einen die Nutzer*innen der Gebäude. Zum anderen verringern Gebäudebegrünungen durch die Absorption der eingestrahlten Energie und die ⁠Verdunstung⁠ den städtischen Wärmeinseleffekt insbesondere in dicht bebauten und besiedelten Städten.146 Wichtig: Die Verdunstungswirkung und damit verbundene stadtklimatische Effekte können nur eintreten, wenn das Substrat der Dachbegrünungen Feuchtigkeit aufnehmen und halten kann. Dies ist insbesondere bei extensiven Begrünungen zu beachten, die in der Regel nicht gepflegt werden, in heißen Sommermonaten aber möglicherweise bewässert werden müssen. Um zusätzlich zum stadtklimatischen Effekt auch im direkten Umfeld auf Straßenniveau wirksam zu sein, ist eine Begrünung der Fassade notwendig. Ein weiterer positiver Effekt von Begrünungen ist deren lufthygienische Wirkung. Die Vegetationsoberfläche bremst den Luftstrom ab, sodass sich Feinstäube und Schadstoffe leichter absetzen können.147, 147

Gründächer helfen auch bei zu viel Niederschlag. In Abhängigkeit von ihrem Aufbau und ihrer technischen Ausstattung können Gründächer mitunter beträchtliche Mengen an Regenwasser speichern und später verdunsten, wenn die Niederschläge abgezogen sind. Mit Blick auf möglicherweise häufigere und intensivere Starkregenfälle bilden die Begrünungen einen Puffer, der das Regenwasser wie ein Schwamm aufnimmt und verzögert wieder in den Wasserkreislauf abgibt. Dadurch können Gründächer einen Beitrag leisten, die Entwässerungssysteme von Liegenschaften und von ganzen Stadtquartieren zu entlasten und Überstauungen sowie Schäden durch Überflutung zu reduzieren.

Außerdem tragen begrünte Dächer und Fassaden zum Schutz von Gebäude- und Bauteilen bei. Sie können beispielsweise die Schäden von ⁠Starkregen⁠ und Hagelschlag an Fassaden und Dächern verringern, und sie verlangsamen oder verhindern die Verwitterung von Dachabdichtungen. „Nebenbei“ sind Dach- und Fassadenbegrünungen auch Lebensraum für ⁠Flora⁠ und ⁠Fauna⁠: Sie bieten Vögeln, Wildbienen, Schmetterlingen und Laufkäfern ein Zuhause und erhöhen dadurch die biologische Vielfalt in der Stadt.

Für den ⁠Indikator⁠ wurde für 15 Großstädte mit einer Bevölkerungszahl über 500.000 eine Auswertung vorgenommen, die Satellitenbilder mit einer räumlichen Auflösung von 10 m mit Daten von 3D-Gebäudemodellen kombiniert. Dabei wurden, stark vereinfacht ausgedrückt, anhand der Satellitenbilder die Vegetationsflächen innerhalb der Großstädte ermittelt und mithilfe der Daten aus 3D-Gebäudemodellen auf Gebäude mit einem Flach- oder Pultdach zugeschnitten. Begrünte Tiefgaragen ließen sich mit den verwendeten Daten nicht berücksichtigen. Um Fehlinterpretation zu vermeiden, wurden aufgrund der räumlichen Auflösung der Satellitenbilder in der Auswertung nur Dächer mit einer Mindestgröße über 400 m² und einer Mindestbegrünung von 20 % berücksichtigt. Damit wurde beispielsweise vermieden, dass hohe Bäume, die über eine Flachdachfläche ragen, fälschlicherweise als Dachbegrünung eingestuft werden. Die Beschränkung auf Flach- und Pultdachflächen über 400 m² Fläche hat zur Folge, dass nur rund 60 % der Flach- und Pultdachfläche beziehungsweise nur rund 30 % der gesamten Dachfläche der 15 Großstädte untersucht werden konnten.

Von der untersuchten Dachfläche in den 15 Großstädten mit einer Bevölkerungszahl größer 500.000 wurden im Mittel rund 10 % als begrünt eingestuft (entsprechend einer Fläche von rund 0,8 m² je Einwohner*in). Die Spanne reicht dabei von rund 5 % bis 19 % (entsprechend einer Fläche von 0,3 bis 1,3 m² je Einwohner*in). Unabhängig von den datentechnischen Beschränkungen zeigt der dargestellte Ausgangsbestand für das Jahr 2020, dass in den Städten bislang nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Flach- und Pultdachfläche begrünt ist.

Um den Flächenanteil von Dachbegrünungen zu erhöhen, bezuschussen viele Großstädte die Begrünung von Dächern und auch Fassaden direkt oder indirekt, zum Beispiel über verringerte Abwassergebühren für die Eigentümer*innen von Gebäuden mit Dachbegrünung. Außerdem treffen viele Städte in ihren Bebauungsplänen Festlegungen zur Gebäudebegrünung. Auf diese Weise versuchen sie, auf eine sukzessive Ausdehnung der begrünten Dachfläche hinzuwirken, um das Potenzial von begrünten Dachflächen mit ihren vielfältigen positiven Wirkungen für die Stadt zu erschließen – auch für die Klimaanpassung.

Neben einzelnen Kommunen fördern auch Bund und Länder die Begrünung von Gebäuden. Von Bundesseite ermöglichen beispielsweise die Programme der Städtebauförderung eine Bezuschussung von Dach- und Fassadenbegrünungen, ebenso das Programm zur Förderung von „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ oder die „Bundesförderung für effiziente Gebäude“. Der Bund selbst hat es sich für Immobilien in seinem eigenen Verantwortungsbereich zum Ziel gesetzt, in geeigneten Fällen zukünftig die Möglichkeiten für Bauwerksbegrünungen verstärkt auszuloten und zu nutzen. In seiner Rolle als Bauherr und Eigentümer nimmt er dabei auch eine wichtige Vorbildfunktion wahr.148

 

145 - Sieker H., Steyer R., Büter B., Leßmann D., Tils R. von, Becker C., Hübner S. 2019: Untersuchung der Potentiale für die Nutzung von Regenwasser zur Verdunstungskühlung in Städten. Umweltbundesamt (Hg.). Texte, 111/2019, Desdsau-Roßlau, 112 S. https:/www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-09-16_texte_111-2019_verdunstungskuehlung.pdf.

146 - Mann G., Fischer B., Fischer S., Gohlke R., Mollenhauer F., Wolff F., Köhler M., Pfoser N. 2022: Förderrichtlinie Dach- und Fassadenbegrünung – ⁠Machbarkeitsstudie⁠. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung am Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen (Hg.). 105 S. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/weitere/gruen-in-der-stadt/machbarkeitsstudie-gebaeudegruen/endbericht.pdf.

147 - BBSR (Hg.) 2015: Überflutungs- und Hitzevorsorge durch die Stadtentwicklung – Strategien und Maßnahmen zum Regenwassermanagement gegen urbane Sturzfluten und überhitzte Städte. Ergebnisbericht der fallstudiengestützten Expertise „Klimaanpassungsstrategien zur Überflutungsvorsorge verschiedener Siedlungstypen als kommunale Gemeinschaftsaufgabe“. Bonn: 37, 43. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2015/UeberflutungHitzeVorsorge.html.
147 - Tröltzsch J., Görlach B., Lückge H., Peter M., Sartorius C. 2012: Kosten und Nutzen von Anpassungsmaßnahmen an den ⁠Klimawandel⁠ – Analyse von 28 Anpassungsmaßnahmen in Deutschland. Climate Change 10/2012, Dessau-Roßlau, 221 S. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/kosten-nutzen-von-anpassungsmassnahmen-an-den.

148 - ⁠BMUB⁠ – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Hg.) 2017: Weißbuch Stadtgrün – Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft. Berlin: 42ff. https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/Webs/BMWSB/DE/publikationen/wohnen/weissbuch-stadtgruen.html.

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